Die singende Lehrerin hat mich aufgefordert, eine Geschichte zu schreiben. Drei Worte, kein großes Nachdenken, einfach loslegen. Sie hat diese Idee von Isabelle Dupuis übernommen. Die Geschichte der singenden Lehrerin reicht die Nominierung an mich weiter, mit den drei Worten „Raumschiff“, „Mütze“ und „Klingone“. Was daraus wurde, lest ihr nun.

„Klingonen,“ murmelte er und schob sich die Mütze tiefer ins Gesicht. Woher dieser Gedanke wohl kam? Seine Blicke wanderten unruhig umher. Hier saß er, in einer U-Bahn voller Menschen. Ziemlich voll. Zu voll. Aber er hatte einen Sitzplatz, immerhin. Die Menschen: Verschlafene Gestalten, Bekannte im angeregten Gespräch, Smombies mit Stöpseln in den Ohren. Er fragte sich, wer von denen gerade am weitesten weg war.

Die meisten Menschen würden sagen, es sind die Smombies. Er war sich da nicht so sicher. Die Smombies sahen nämlich genau so aus wie die vereinzelten Menschen, die sich hinter Zeitungen versteckten oder in Bücher starrten. Die vollführten auch regelmäßig Wischbewegungen, hatten aber vergessen, ihre Geräte lautlos zu stellen. Die Smombies wischten lautlos. Manche von ihnen bewegten ihre Lippen, ebenfalls lautlos gestellt.

Die verschlafenen Gestalten blickten ebenso wie die Smombies. Nur dass ihr Blick auf nichts fokussiert war. Sie blickten nicht einmal zum Fenster hinaus. Gut, in einer U-Bahn brachte es nicht viel, aus dem Fenster zu blicken, dachte er, während er sich am Kopf kratzte, um anschließend die Mütze mühselig wieder gerade zu rücken.

„Überhaupt, was ist das für ein Ausweis von Leben, wenn man aus dem Fenster starrt?“, murmelte er seinem Spiegelbild zu, als er durch das Fenster in die vorbeirasende Dunkelheit blickte. „Und vorbeirasende Dunkelheit ist auch mal eine ganz blödsinnige Formulierung.“

Die Bahn hielt. Sein Sitznachbar rückte von ihm ab. Kein Klingone. Die Smombies und Verschlafenen stiegen aus. Das schnatternde Bekanntenpaar am anderen Ende des Wagens erörterte gerade den Krankenstand in der Familie. Mühsam zu überhören bis … „Wir haben unsere Station verpasst!“

Damit war für ihn geklärt, wer hier eigentlich am weitesten weg war. Blieb die Sache mit den Klingonen. Gut, es roch in dieser U-Bahn in etwas so, wie er sich das bei einem klingonischen Raumschiff vorstellte. Er trug mit leichter Moschusnote womöglich selbst dazu bei. Dennoch … Klingonen … Klingonen …

Eine leise Stimme flüsterte in seinem Kopf. Er runzelte die Stirn und blickte sich um. Sichergehen, dass die Stimme nicht doch von außen kam. Nein. Sie war in seinem Kopf. „Blöder Beginn,“ sagte die Stimme. „Blöde Story.“ Und schließlich: „Blöder Protagonist.“

„Raumschiffe,“ murmelte sie und schob sich die Mütze tiefer ins Gesicht. Woher dieser Gedanke wohl kam? Ihre Blicke wanderten unruhig umher. Hier saß sie, in einer U-Bahn voller Menschen. Ziemlich voll. Zu voll. Aber sie hatte einen Sitzplatz, immerhin. Die Menschen: Verschlafene Gestalten, Bekannte im angeregten Gespräch, Smombies mit Stöpseln in den Ohren. Sie fragte sich, wer von denen gerade am weitesten weg war.

Sie spürte eine Präsenz. Irgendwie vertraut, aber doch unbekannt. Sie blickte sich um, ob sie einen Bekannten erblickte. Nein, sie kannte hier niemanden. Merkwürdig. Niemand zu sehen. Das Gefühl verklang.

Eine leise Stimme flüsterte in ihrem Kopf. Sie runzelte die Stirn und blickte sich um. Sichergehen, dass die Stimme nicht doch von außen kam. Nein. Sie war in ihrem Kopf. „Blöder Beginn,“ sagte die Stimme. „Blöde Story.“ Und schließlich: „Blöde Protagonistin.“

Eine verlorene Mütze lag in einer überfüllten U-Bahn. Ihr Besitzer war ganz weit weg. In Gedanken bei Klingonen und Raumschiffen gewesen. Hatte gar nicht gemerkt, dass sie herabgefallen war, als er sich am Kopf gekratzt hatte. Wer mit den Gedanken durchs Weltall reist, hat für irdische Dinge keinen Sinn.

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Raumschifflandungen gibt es in Stuttgart allerdings häufiger, als man denkt.

Nun möchte ich es weitergeben, weil ich das sehr lustig fand. Mit folgenden drei Worten soll ganz spontan ein Stück Literatur entstehen. Form, Stil, Inhalt, alles ist euch frei gestellt.

  1. Häkeldecke
  2. Zigarettenschachtel
  3. Sousaphon

Viel Spaß damit, trienchen2607, Ms Phye und Tante Tex. So ihr mögt. Und wer sonst noch mag: Bitte gern. 🙂

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21 Kommentare zu „Weit weg [Eine Geschichte]

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