Arrow hat mich angefixt: Für die ersten drei Staffeln habe ich insgesamt drei Wochen gebraucht. Ich denke, mehr muss ich nicht sagen. Das Schöne ist: Ich kann mehr dazu sagen.

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Inhalt

Keine Inhaltsangabe von amazon.de, weil die harte Spoiler zur zweiten Staffel bietet. In Kürze: Ollie wird ein düsterer Held, es gibt viel Pfeil und Bogen, zu viele Geheimnisse und die ein oder andere Droge.

 

Felicity und ihre Freunde

Der wichtigste Grund, die dritte Staffel Arrow zu sehen, ist nicht der Held. Es ist sein Team. Denn Ollies Freunde erkennen in der dritten Staffel, dass sie sich an seinem „Projekt“ nicht nur beteiligen, um ihn zu unterstützen, sondern dass dieses ganze Heldending zu einem Teil ihres Lebens geworden ist und sie es aus eigener Überzeugung tun. Für Ollie bedeutet das eine ganz besondere heldische Existenzkrise: Er ist nicht mehr der einzige Held. Er ist zwar das Aushängeschild des Projekts, aber seine Mitarbeiter sind Teil des Heldentums. Für Ollie ist das ein Problem. Er glaubt nämlich, dass er alle Probleme lösen würden, er ist ein klassischer „Ich-Mensch“ und pflegt eine interessante Art von Egoismus, die in dieser Konstellation für zahlreiche Konflikte sorgt und die Geschichte spannend hält.

Für seine Freunde bedeutet diese Spannung die Gelegenheit, sich zu emanzipieren. Insbesondere an Felicity ist dies spannend, die Ollie am nächsten steht und ihn am weitesten wegstößt, vom Heldentum aber nicht lassen kann und sich deshalb einen neuen Helden sucht. Wieder zurückkehrt. Während Ollie und auch die meisten anderen Mitglieder des Teams Arrow lieber etwas tun als erst einmal nachzudenken, übernimmt Felicity das Nachdenken für sie alle. Was den anderen an Skepsis fehlt, bringt sie im Übermaß mit ein. Die hohe Kunst ist es, solch eine Figur nicht moralinsauer nervig oder unsicher sentimental werden zu lassen. Genau das gelingt in Arrow. Felicity ist manchmal ein wenig moralinsauer und ein wenig nervig und ein wenig unsicher und ein wenig sentimental und kann sich auch zwischen zwei nackten Oberkörpern nur schwer entscheiden, aber sie ist zugleich klug, sie ist ein kleines Mädchen (eine göttliche Szene, als sie ein Kleid geschenkt bekommt) und Felicity hat Humor (nicht nur, weil sie tatsächlich „Frack“ sagt). In den letzten beiden Staffeln habe ich mich darüber mokiert, dass man Ollies Oberkörper viel zu häufig unmotiviert entblößt. In der dritten Staffel ist Felicity mein Sprachrohr und nimmt Ollies Neigung, mit nacktem Oberkörper herumzuturnen, aufs Korn. Außerdem ist sie es, die den Tag rettet. Sie ist die wahre Heldin.

 

Vertigo

Arrow überrascht an vielen Stellen. In der zweiten Staffel deutete sich an, dass es für eine Superhelden-Serie sehr viele Mystery-Elemente einsetzt. Und auch in der dritten Staffel spielen diese die Hauptrolle. Dazu im nächsten Abschnitt mehr. Denn es gibt einen erwähnenswerten Nebendarsteller: Vertigo.

Jeder Superheld hat seine Plage, die ihn immer wieder heimsucht. Genau genommen mehrere Plagen, die ihn regelmäßig belästigen. Die größte Plage, mit der Arrow sich herumquälen muss, ist aber kein Superschurke, es ist Vertigo.

Das finde ich insofern erstaunlich, weil das Verbrechen, der große Gegner eines jeden Helden, eben nicht mit einem irren Super-Schurken gleichgesetzt wird und damit zu einer anormalen Abweichung erklärt wird, das man einfach beseitigen kann. Vertigo hat sich von seinen Erfindern emanzipiert und zeigt die soziale und strukturelle Dimension des Verbrechens auf. Wenn Vertigo auftaucht, kann man zwar den Produzenten einbuchten, aber das Problem verschwindet nicht. Vertigo als Möglichkeit, der Schlechtigkeit der Welt zu entkommen, bleibt attraktiv. Und das macht es für Menschen verlockend, Vertigo herzustellen und zu verkaufen, um reich zu werden oder um Macht zu bekommen. Der Superschurke als Metapher auf das Verbrechen erlaubt die Illusion, das Verbrechen einfach bekämpfen zu können. Das regelmäßige Wiederauftauchen von Vertigo hingegen zeigt, dass es nicht so einfach ist. Und die spannende Pointe ist die: Der Held kann die Stadt nicht beschützen, ihm sind Grenzen gesetzt. Er kann die Vertigo-Produzenten der Polizei übergeben, aber die eigentlichen Probleme, die zur neuerlichen Verbreitung von Vertigo führen, kann er nicht bekämpfen.

 

Irre und Geheimnisse 

Die dritte Staffel wird dahingehend unrealistisch – für eine Superhelden-Mystery-Serie – dass es entschieden zu viele Irre mit Pfeil und Bogen in Starling City gibt, auch wenn sie coole Catchphrases vorweisen können („I’m Cupid, stupid!“). Ja, klar, wenn die League of Assassins zum tragenden Teil der Geschichte werden soll, muss es Irre mit Pfeil und Bogen geben und dennoch wird das Thema überstrapaziert. Vor Allem verliert der Grüne Pfeil damit sein Alleinstellungsmerkmal.

Nichtsdestotrotz trägt die Irrisierung von Starling City zu einer massiven Verdüsterung des Tons von Arrow bei. Das gilt nicht nur optisch durch zahlreiche Kämpfe, fleckernde Feuer und unwirtliche, exotische Orte. Sei es Laurel, die in einer massiven Sinnkrise steckt und im Laufe der Staffel zu einer Irren wird oder seien es die anderen Sinnkrisen und Zweifel, die sich im Laufe der Staffel breit machen. Wieder überrascht Arrow mit einer für Superheldenserien überraschenden Pointen: Erzählt besser die Wahrheit. Wenn die maßgeblichen einzelnen Akteure auf Seiten der Guten nicht ständig Geheimnisse voreinander haben würden, um die jeweils anderen vermeintlich zu schonen, wäre die ganze Story der dritten Staffel obsolet. Vom Vertigo abgesehen.

Das ist deshalb so überraschend, weil Superheldenserien eigentlich genau von den Geheimnissen leben, das fängt bei der Geheimhaltung der Identität vor möglichst allen Unbeteiligten und auch vielen Beteiligten an. Und es ist für Arrow gleich doppelt überraschend, denn eigentlich ist Ollie ja ein sehr offener Mensch, was das Teilen seines Doppellebens angeht. Gefühlt weiß halb Starling City, dass er der Vigilante ist. Und auch seine Gefolgsleute, die von ihm manchmal mehr Offenheit fordern, sind alles andere als vorbildlich. Sie alle haben ihre Geheimnisse, die sie nur widerwillig preisgeben, wenn sie keine andere Wahl haben.

 

Heldenakademie

Wenn es einen Grund gibt, über die dritte Staffel von Arrow zu nörgeln, ist es die Oliver Queen Heldenakademie. Wir haben in den vergangenen zwei Staffeln drei kostümierte Gestalten an seine Seite bekommen, die mehr oder weniger regelmäßig auftauchen. In der dritten Staffel schlüpfen drei weitere Figuren in den Superhelden-Habit. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich gucke Justice League und nicht Arrow.

Die Einführung eines gewissen Helden-Personals, um bei Bedarf nicht neue Figuren einführen zu müssen, ist ja keine schlechte Sache. Wenn die Figuren in der Serie eine gemeinsame Geschichte bekommen, erklärt es sich einfacher, warum eine Figur dem Grünen Pfeil zur Hilfe kommt. Das Problem daran ist, dass die Lage unübersichtlich wird, je mehr Figuren eingeführt werden. Und es lässt sich irgendwann zurecht die Frage stellen, warum Ollie jetzt ein Problem allein löst, obwohl er dabei ganz gut die Hilfe eines seiner Bundesgenossen gebrauchen könnte. Die Vielzahl an Helden verwässert die storyimmanente Logik.

 

Fazit: Düsternis macht sich breit

Mir gefällt der zunehmend düstere Ton von Arrow, weil die Serie zwar Mystery-Elemente en masse aufnimmt, alles in Allem aber eine Superheldenserie bleibt. Ollie gewinnt in der dritten Staffel noch einmal gehörig an Profil hinzu: Nachdem er in der zweiten Staffel seine positive Heldenqualitäten entdeckt hat, begegnet er in der dritten Staffel den zahllosen Abgründen, die das Heldendasein so mit sich bringen können. Das ist klug und clever gemacht: Ein Held zu sein ist kein Zuckerschlecken.

Sieht man von dem Superheldenoverkill einmal ab, glänzt Arrow auch mit interessanten Figurenkonstellationen und einer sozialen Dynamik, die den Zuschauer immer wieder aufs Neue überrascht und – positiv – überwältigt. Das macht die dritte Staffel klasse, aber auch nur bedingt bingewatching-geeignet.

 

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5 Kommentare zu „Besprechung: Arrow Staffel 3

  1. Also bitte, Agents of SHIELD ist alles andere, als klassich gestrickt (na gut – jede gute Story ist ja irgendwie auch „klassisch“ gestrickt.). Gerade das perfekte Zeitgefüge, die Abfolge der Ereignisse, die elegant in das Marvel-Cinema-Universum eingefügt sind und somit zu einem noch tieferen Verständnis aller Verknüpfungen und Ereignisse der Filme (Avengers, Thor, Cap.America, Gardians of the Galaxy, Ant Man) und einigen Marvel-Serien führen. Der eigentliche Fall von SHIELD und wie schmerzhaft die Unterwanderung SHIELDs durch Hydra wirklich ist, wird ja hautnah an einem gewaltigen NICHT VORHERSEHBAREN Plotwist „rübergebracht“. Wenn ein liebgewonnener „Held“ plötzlich der Bösewicht ist (und so wirklich, wirklich böse) – das tut richtig weh. Diesen Helden dann loszulassen und als Übeltäter zu akzeptieren, hat mich fast eine weitere ganze Staffel gekostet. Einfach großartig erzählt. Aber dafür muss man natürlich mehr , als nur eine Staffel sehen. 😉

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