Anderwelt oder Anderswelt meinen in der keltischen Mythologie die Wohnorte mystischer Wesen. Blogger*innen sind mystische Wesen, deren Wohnort jenseits der gewöhnlichen Welt sind, nämlich im Netz. Ich finde diese Analogie schön. Und das Fugen-S in Anderswelt hässlich. Deshalb sammeln sich in der Anderwelt Blogbeiträge, die mir im vergangenen Monat besonders aufgefallen sind.

Anderwelt

Im Oktober gab es wie immer eine ganze Menge an Beiträgen, die nachdenklich stimmen sollten. Nachdem die letzten beiden Monate jeweils eigene Schwerpunkte hatten, gleicht es sich in diesem Monat aus. Dafür nimmt die Kultur in diesem Monat einen wichtigen eigenen Schwerpunkt ein.

  • Die Stadtbibliothek Salzgitter informiert uns über ein Projekt zur Förderung kultureller Teilhabe von jungen Erwachsenen, das ich mir auch für Deutschland wünschen würde.
  • Wolfgang Schnier nimmt sich der leidigen Frage an, welche Bücher zu einem Lesekanon gehören sollten und plädiert für die Möglichkeit, eine Erfahrung zu machen, als Kriterium. Denn: Bücher können mehr als „nur“ zu unterhalten.
  • Beim Geekgeflüster bekommen Young Adult Dystopien ihr Fett weg. Dafür gefeiert, einen neuen Typus starker Frauenfiguren populär zu machen konstatiert sie, dass auch die Figuren in diesem Genre ihren alten Klischees verhaftet bleiben und aus ihrer Rolle als Jungfrau in Nöten und strahlender Ritter nicht entkommen.
  • Die Nerd-Gedanken kreisen um entblößte Geschlechtsteile in der Südsee und sind ein wenig enttäuscht ob der Inszenierung, die selbst für Trash-TV mies ist.
  • Bei Phanwelten wird die Theorie vertreten, dass es keine Filme gibt, die in unserer Realität spielen. Jeder Film eröffnet eine eigene Realität. Film ist damit Film, selbst wenn Biopic darauf stehen sollte.

Wenn man einmal mit den Reflexionen anfängt, kann man so manche Erkenntnis gewinnen. Das kann sich auf das ganze Leben auswirken, sie kann eine Veränderung bewusst machen, sie kann ein Plädoyer für wichtige, aber unbeachtete Themen werden.

  • Bei Neues vom Schreibtisch ist ja viel los gewesen. Mit ihrem Abschied vom alten Job erlebte sie plötzlich, wie sie sich veränderte. Sie wurde „fröhlicher, selbstsicherer, selbstbewusster, gleichzeitig entspannter und offener“. Und macht wieder Pläne. Ein Plädoyer für Mut bei den eigenen Entscheidungen.
  • Mein Name sei Mama entdeckt die Macht kindlicher Phantasien und dass diese manchmal auch dem unerschrockensten Erwachsenen den Schlaf rauben kann. Wir sind eben nur halb so mutig, wie wir uns einreden, wenn wir mit archetypischen Ängsten konfrontiert werden.
  • Und dann ist da noch diese neue archetypische Angst des Medienzeitalters, die selbstbewusste Menschen dennoch zu panischen Kaninchen macht. Von der Angst, eine Mail könnte nicht zugestellt werden, berichtet der Schreibplanet.
  • Aber es gibt nicht nur neue Ängste, euch neue Freundschaften sind möglich. Und auf Nerd-Gedanken findet sich aus traurigem Anlass eine Geschichte, wie „Unbekannte“ dennoch zu Freunden werden können. Eine Erinnerung daran, dass das Netz ein sozialer Ort ist.
  • Roe Rainrunner steht verschämt vor dem Regal und hat gar keine Zeit für Reflexion. Löst aber womöglich einen bei einer Verkäuferin aus. Und hat gelernt: In grün verpackt sieht er aus wie eine Gurke … Na gut, ein Cornichon.

Wenn man sich die Gesellschaft oder die persönlichen Erfahrungen mit der Gesellschaft vorknöpft, hätte man im vergangenen Monat depressiv werden können. Es ist schon so weit gekommen, dass an Selbstverständlichkeiten erinnert werden muss.

  • Die Lila Kolumne listet ein paar ganz furchtbare Fails von Arbeitgeberseite in Vorstellungsgesprächen auf und erklärt damit unausgesprochen, wieso unbefristete Stellen so begehrt sind: Damit man sich DAS sparen kann.
  • Vera Bunse ist empört darüber, dass ein Eigenheim als Luxus gilt und die soziale und emotionale Dimension des eigenen Hauses für Gerichte offenbar keine Rolle spielt.
  • Die Einwürfe blicken auf den Versuch, die Frage nach Forschung mit Demenzkranken als Probanden gesetzlich zu regeln. Auch wenn es nicht darum geht, dies pauschal zu erlauben, gibt es so einige ethische Probleme zu berücksichtigen.
  • Nicole Inez erklärt noch einmal sehr deutlich, wie man Ironie, zumal im Internet, voll richtig und ganz korrekt verwendet. 😉

Wem das alles bislang zu trostlos war – nun, es ist Herbst. Aber vielleicht erheitert euch ja, was Blogger zum Thema Bloggen fabrizieren:

  • Die Lila Kolumne denkt über Blogs als kommerzielle Magazine nach. Ist es eine Möglichkeit für Blogger*innen, die Welt zu bereichern oder droht uns am Ende nur eine Flut mieser Qualität?
  • Vro jongliert nicht nur, sie fotografiert auch und gibt Auskunft über ihr Leben. Damit hält sie „7 Fragen, 7 Bilderam Leben … Und gibt die Fragen gern weiter.
  • Wem die schönen Bilder noch nicht versöhnlich genug als Abschluss waren, für den bietet sich die aktuelle Blogparade der Singenden Lehrerin an: Sie bittet darum, fiese oder nervige Charaktere zu töten.

Habt ihr die Artikel gelesen? Wie fandet ihr sie?

Welche Blogbeiträge habt ihr in letzter Zeit so gelesen, die euch inspiriert oder eine Erkenntnis gebracht haben?

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6 Kommentare zu „Anderwelt: Oktober 2016

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