In Stuttgart spukt es. Und das nicht zu knapp. Und damit meine ich zur Abwechslung mal nicht Herrn Moritz. Der ist vielleicht ein Quälgeist, aber doch von dieser Welt. Nunja. Er ist ein schwarzer Kater. Vielleicht liege ich nicht ganz richtig. Aber das hier ist kein Beitrag mit Cat Content, keine Sorge.

Ich neige zum Sträßchengehen. Ich beginne irgendwo und laufe irgendwo hin. Ich weiß oft nicht, wo ich hinkomme und was mir auf dem Weg begegnen wird. So auch vor einigen Tagen, als ich „meinen“ Stadtbezirk genauer erkunden wollte. Dabei weiß ich noch nicht einmal so genau, zu welchem Stadtteil im Bezirk Ost ich offiziell gehöre. Dennoch, ich hatte Lust, ein wenig zu spazieren. Aus Bequemlichkeit fuhr ich mit der U-Bahn zum Bergfriedhof und wanderte los, die Ostend-Straße entlang, die Gablenberger Hauptstraße entlang. Ganz versonnen blickte ich auf Geschäfte und Dinge, fotografierte hier und da etwas, das mir auffiel, doch dann plötzlich durchfuhr mich ein kalter Schauer.

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Was erblickten meine müden Augen dort? Ich zögerte. Näherte mich vorsichtig, die Kamera im Anschlag. Wenn ich schon keine Waffe hatte, wollte ich die Bedrohung wenigstens auf den Sensor bannen. Wenn meine Leiche je gefunden würde, dann könnte man die Täter überführen.

Schritt für Schritt kam ich näher an die vier unförmigen Gestalten heran, die im Wind träge flatterten und aus nichts als einer grauen Hülle bestanden. Grau … Ich musste ein Lachen unterdrücken. Das waren Gespenster, keine Frage! Sehr lethargische Gespenster, denn sie blieben an Ort und Stelle schweben. Und sehr unreinliche Gespenster, denn ein Grauschleier hatte sie befallen. Das, liebe Gespenster*innen kommt davon, wenn man das billige Waschpulver nimmt und nicht das gute Ariel.

Die Gespenster verloren ihren Schrecken. Ich traute mich nun, wenn auch weiterhin Schritt für Schritt, an den vier Gespenstern vorbei. Nur eines verwirrt mich. Beim dritten Gespenst meine ich einen Reifen gesehen zu haben. Ich bin ja sonst ein Freund der Technisierung, aber brauchen wir wirklich Gespenster auf Rädern? Ich kann den Wunsch nach Ausgabenoptimierung verstehen, aber wenn sich Spukschlösser zukünftig nur noch stundenweise Gespenster leisten, finde ich das ein Armutszeugnis. Und wo sollen die ganzen arbeitslosen Gespenster dann auch hin? Die können doch nicht den ganzen Tag am Straßenrand stehen und ihre Gruseldienste den vorbeifahrenden Autofahrern anbieten. War ich am Ende auf dem Geisterstrich gelandet?

So weitergrübelnd sah ich zu, dass ich weg von diesem gruseligen Ort kam. Irgendwann erreichte ich mir wieder vertrautes Terrain, die Haltestelle Payerstraße. Ich überlegte kurz, ob ich nun bergab gehen sollte und entschied mich, dass ich noch eine Station weit nach oben steigen könnte, zur Geroksruhe. Denn die kannte ich auch noch nicht. Der Name klang aber verlockend. Wo der Gehrock ruht, da lässt man sich gern nieder. Das klingt kuschelig.

Ich fand alsbald heraus, dass es sich dabei um eine Aussichtsplattform handelte und einen Zugang in den Wald. Der Wald war düster. Ich spürte erneut Beklemmungen. Es war doch noch gar nicht Halloween und ich fühlte mich dennoch von höheren Mächten verfolgt. Ich zögerte, doch dann fasste ich Mut und betrat den Wald. Wer in Mittelhessen gelebt hatte, dessen Wälder die Gegrüder Brimm zu Märchen wie Dornwittchen, Rotröschen und Schneekäppchen inspiriert hatten, diese Wälder durchstreift war und auch im heimatlichen Bergischen bislang nicht von den Wildschweinen gefressen wurde, der konnte es doch sicherlich mit so einem schwäbischen Stadtwäldchen aufnehmen! Dennoch … Nur zur Vorsicht … Nahm ich die Kamera wieder in Anschlag.

Keine Sekunde zu früh. Ich hörte ein Geräusch, drehte mich rasch zur Seite, von der das Geräusch kam, drückte den Auslöser und … Ich will mich nicht rühmen, aber seit heute bin ich ein großer Dämonentöter. Ich stürzte mich auf die Höllengestalt, rang sie nieder und rammte sie so lange in den Boden, bis sie wieder dahin zurückfuhr, wo sie herkam.

Das ist natürlich gelogen. Ich quiekte wie ein Schwein, nahm die Beine in die Hand und hätte Usain Bolt vor Neid erblassen lassen, wenn er in meiner Nähe gewesen wäre, so schnell war ich in der nächsten U-Bahn Richtung Innenstadt.

Was natürlich auch gelogen ist. Dennoch gibt es Dämonen im Stuttgarter Osten. Die Wahrheit liegt irgendwo dort draußen und ich habe ein Beweisbild.

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26 Kommentare zu „Gespenster und Dämonen

  1. Solche Gespenster gibt es auch mit Cat Content. Ich hatte früher so ein Gepenst in rot-blau, und Nachbars Kater hat es sich gerne dort gemütlich gemacht. Was nach einem Umzug hin zu anderen Nachbarn und anderem Nachbarskater zu gewissen Problemen führte, derer nur mit einer umfangreichen Tiefenreinigung beizukommen war. Ariel sei Dank und die Farben blieben auch erhalten.

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      1. Hab ich bislang noch keinen „getroffen“, aber wir ziehen bald in ein Gebäude, wo es einen geben soll. Nachdem ich von einer Dame mit zerschmetternden Beinen gelesen habe, nehme ich doch lieber die Treppe… Oo

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  2. Das Beweisbild zeigt, wie mir scheint, einen jener berühmt-berüchtigten Plätze auf denen ein uralter Fluch liegt. Da würde ich doch sehr empfehlen, die nächsten 13 Jahre nur noch mit geweihtem Wasser zu kochen. Sicherheitshalber. 😉

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  3. Huch, spooky! Und ich lese so etwas vor dem Schlafengehen! Oh weh! Das wird wieder eine schlaflose Nacht und diesmal sind nicht die Kinder schuld, sondern die Ausgänge eines Philosophen mit seiner Kamera … und mein selbstverschuldeter Mangel, mich meines Mutes zu bedienen. Da! Endlich! Die Aufklärung: Es sind nur Gespenster und Dämonen! Ich fürchtete schon, Motorräder und Brunnen würden sich ohne Leitung eines anderen in Stuttgart aus ihrer Unmündigkeit befreien! Oder hab ich da doch etwas falsch verstanden? Sapere aude, Mama! schallt es aus dem Dunkel, aber es ist halt schon spät
    🙂

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