Ich bin nicht wirklich oft abends oder bei Nacht mit dem Fotoapparat unterwegs. Das ist zuweilen schade, aber die Lust, fotografieren zu gehen, überkommt mich meistens nachmittags. Und wenn ich dann doch ein paar Dämmerungsbilder schieße, dann eher, weil ich so lange unterwegs war.

An der Ausrüstung liegt es nicht. Ich habe nicht nur ein Stativ, ich bekomme je nach Ruhe der Hand durchaus scharfe Bilder mit einer Belichtungszeit von 1/10 bis 1/8 Sekunde hin, gelobet sei die Shake Reduction im Body meiner schnuckeligen K-50. Und wenn es nur noch um die Lichter geht, fällt es ohnehin nicht so auf, wenn ein wenig gewackelt wurde. Oder zumindest manchmal nicht.

Mit dem großen Volksfest um die Ecke konnte ich natürlich nicht anders, als dennoch eine kleine Fototour im Dunklen zu unternehmen. Das Stativ ließ ich daheim, ich ging davon aus, dass das Gedränge zu groß wäre. Das war ein Irrtum. Andererseits habe ich es auch nicht gebraucht, deshalb begleitet mich nun in die gruseligen Abgründe der Volksfestlichter.

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Okay, das war nur für die Stimmung. Da, wo der Scheinwerfer sitzt, ist das Bild auch sehr ausgefressen. Mit der Belichtungsautomatik bin ich nicht immer so ganz glücklich, weil ich nicht so ganz verstehe, wie sie zu ihren Ergebnissen kommt, selbst wenn ich eine Spotmessung mache. Wahrscheinlich verabschiede ich mich irgendwann komplett in den manuellen Modus. Ich gebe nämlich gern zu, mich meistens je nach Anlass der Zeit- oder Blendenautomatik zu bedienen.

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Ich habe dabei eigentlich gar keinen Grund, mich über meine Kamera zu beschweren, denn häufig kommen Bilder dabei heraus, die dank kluger Einstellung keine weiteren Bearbeitungen bedürfen. Dieses hier habe ich einen Ticken nachgedunkelt, aber als ich es auf dem kleinen Display hatte, wusste ich schon, dass es genau so ist, wie ich haben wollte.

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Ich mag Volksfeste genau aus diesen Gründen sehr gern: Es ist laut, es ist bunt, es ist zugleich hell und dunkel, es riecht hervorragend und es gibt leckere Sachen. Ich habe zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Langos gegessen. Und ich wusste wieder, warum: Das Zeug ist so kalorienreich, dass es verboten gehört. Was mich nicht daran gehindert hat, eine kleine Tüte frisch gebrannte Nüsse zu kaufen und sie auch noch zu verspeisen.

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Dass ich so viel Spaß an den Wasen hatte, lag natürlich auch an der Vielzahl der Fotomotive. Was mich doch ein wenig erstaunt hat. Nicht nur, dass ich nicht so viele Erfahrungen mit Available Light Photography oder Lichtmalerei habe, es ist eigentlich auch nicht unbedingt das Thema, das mich interessiert. Wer einen Blick auf meinen Flickr-Account wirft, könnte eher den Verdacht haben, dass ich gern Landschaften mag und hin und wieder ein wenig Perspektivspielerei betreibe. Was nicht ganz falsch ist und mein Weihnachtsgeld wird wahlweise zu einem Fisheye oder UWW werden. Mit derzeit starker Neigung zum Fisheye. Dennoch, gerade diese beiden Motive haben mich begeistert, weil ich die Optik mag, die an TRON erinnert.

Und wer bis hierher durchgehalten hat, der soll belohnt werden. Denn die Bilder sind aus einem weiteren Grund eher untypisch für mich: Farben spielen bei mir nur selten eine Rolle. Ich fotografiere nicht mit der konkreten Absicht, meine Motive schwarz-weiß wiederzugeben, aber ich stelle mal häufiger, mal weniger häufig fest, dass sie ohne Farben besser wirken. Manchmal hingegen klappt es bewusst.

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Auch Dämmerungsbilder und Nachtaufnahmen funktionieren also in Schwarz-Weiß. Worüber ich sehr glücklich bin, denn das unterste Bild ist mein liebstes aus der Wasen-Serie. Ich sah das Motiv, hoffte, dass es sich nicht verändert, habe gar nicht groß über die Einstellungen nachdenken können und gehofft. Denn auch das war mir klar: In Farbe wollte ich es nicht. Umso glücklicher bin ich, dass es was geworden ist. Vielleicht kein spektakuläres Bild, aber das Motiv hat mich aus verschiedenen Gründen berührt. Da war ich ganz nah dran an dem, was ich mit der Kamera am liebsten mache … Auch wenn ein Mensch den Mittelpunkt des Bildes bildet, zumindest so, wie ich es sehe.

Wie alle meine Bilder gibt es noch mehr von den Wasen hier zu sehen. Und vielleicht noch einen zweiten Beitrag über den Festumzug, wenn die Bilder brauchbar sind.

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57 Kommentare zu „Wasen bei Nacht

    1. Mit der Technik muss man sich auch nicht wirklich auseinander setzen. Das ist mehr was für die Menschen, die sich damit beschäftigen. Letztlich geht es ja um die Bilder, nicht um die Technik. 🙂 Mit der Raupe meinst du das dritte Bild, gell?

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    1. Wie beim Schreiben bin ich beim Knipsen Autodidakt. Ich habe angefangen mich für Fotografie zu interessieren, da hatte ich noch eine Kompaktkamera. Mit der war ich rasch unzufrieden, als ich beschloss, eigene Bildideen umzusetzen und nicht mehr bloß Schnappschüsse zu machen. Ich wollte dann herausfinden, ob das ein reines Problem meinerseits sei oder ein technisches und habe mich dann eingelesen. Gründlich eingelesen, bis ich wusste, was ich für eine Kamera will. Und von Zeit zu Zeit schaue ich bis heute in ein Fotomagazin oder ein Buch rein, um mein Wissen aufzufrischen. Wenn ich etwas theoretisch verstehe, hilft mir das meistens, es praktisch umzusetzen. 🙂

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      1. Wow, Respekt. Die technische Komponente ist nicht zu unterschätzen beim Fotografieren, glaube ich. Einstellung und Blende und Licht und Winkel und so. Puh. Nur aus Büchern könnte ich mir das nicht beibringen. Ich müsste wohl mindestens einen Kurs machen. Oder fünf. 😉 Aber cool, dass das bei dir so gut klappt damit, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Dein Bilder sind wirklich schön.

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    1. Vielen Dank und willkommen im Club. 🙂 Wenn man mich bitten würde, das beste Bild vorzuzeigen, das ich jemals gemacht habe, würde ich meine Sammlung als Erstes nach Schwarz-Weiß-Bildern filtern. Aber Kirmes … Kirmes ist für mich noch einmal was anderes und besonderes.

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    1. Danke sehr. Sagen wir es so: Ich mache auch viel Schund. Aber manchmal hat man einfach Glück, so wie ich an dem Abend.
      Das schwarz-weiß-Riesenrad oder das Orangene? Auch wenn man das nicht gut erkennt, da sind zwei Riesenradbilder im Beitrag. 😉

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      1. Natürlich ist auch viel Schund dabei. Das macht es heutzutage ja so einfach. Wenn du 100 Bilder schießt und eines davon taugt etwas, dann ist das ganz egal. Man kann nach Lust und Laune drauf los knipsen und probieren und üben und besser werden. Mit der analogen Spiegelreflexkamera war das spannender und teurer auch.

        Ich meinte das schwarz-weiß-Riesenrad. Das gefällt mir sehr. Da lenken keine Farben von den Konturen ab. 🙂

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        1. Die Hemmschwelle ist geringer,ja. Ich denke, das ist einer der Gründe, warum ich zu fotografieren begonnen habe. Aber mittlerweile habe ich auch den Anspruch, weniger Ausschuss zu produzieren.

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  1. Da habe ich doch gerade eben erst dein Fototalent entdeckt, welches ich so bei den Essensbildern nicht vermutet hätte, mea culpa 😉 Die Perspektiven sind dir gut gelungen und das ohne Wackler. Entweder eine gute Kamera, die leichte Handbewegungen abfängt oder ein sehr ruhiges Händchen – Glückwunsch 🙂

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    1. Japp … Integriertes Shake Reduction System in der Kamera. War ein Grund, mir das Modell zu kaufen. Wobei es auch der Nacht geschuldet ist und einem recht empfindlichen Sensor in der Kamera (der mich tagsüber schon einmal in die Verzweiflung treibt). Das macht einiges möglich.
      Was die Essensbilder angeht, ist das aber tatsächlich eine bewusste Entscheidung von mir. Die sollen so mies aussehen. Was u. a. daran liegt, dass ich nicht so auf Anrichterei stehe. *g*

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  2. Sehr schöne Impressionen – danke dafür 🙂

    Das mit der fahrenden Raupe (?) ist mein Favourite, weil es das laute, schrille von Jahrmärkten widerspiegelt…und darüber hinaus noch, durch die Formen und Farben, an einen orientalischen Basar erinnert….

    Ebenso Storytelling Photo ist das letzte, ja…und ich würde es direkt neben meinem ersten Favourite platzieren….allerdings mit ein wenig Abzug weil es auf den ersten Blick in der Tat unspektakulär wirkt…..und auch auf den zweiten Blick ist die Person nicht unbedingt gleich im Fokus….

    Ich habe nur halb so viel Ahnung wie Du von Belichtungszeiten etc. und finde jedes Deiner Fotos sehr professionell! Für die Person auf dem letzten Foto würde ich persönlich ein wenig mit Vignettierung oder Fokus spielen….

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    1. Du meinst das Dritte, gell? Das ist ein Karrussell, heißt glaube ich sogar „Fliegender Teppich“, bin ich gefahren und macht ordentlich Laune. *g*
      Was das letzte Bild angeht: Wenn ich es hätte arrangieren können, wäre ich auch auf die Knie gesunken, um es zu fotografieren und der Lichtverlauf im Vordergrund bis zu dem Menschen hätte noch etwas größer sein können. Andererseits gefällt mir das Bild eigentlich, weil der Mensch tatsächlich erst beim dritten oder vierten Hingucken so richtig zum Tragen kommt. Er verschmilzt mit den Schatten aber gleichzeitig hebt er sich davon ab. Nicht so wie die Menschen, die sonst so durch die Dunkelheit huschen (auf dem Bild drüber sind ja einige zu sehen, die sind nicht halb so präsent). Von daher: Japp, der Mensch steht nicht im Mittelpunkt des Bildes – aber für mich ist er das.

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      1. Es kann ja auch etwas im Mittelpunkt / Fokus sein was nicht sofort er-sichtlich ist…auf jeden Fall ein gelungenes Bild 🙂 ist der Mensch ein Angestellter des Karrussells?

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  3. Sehr schöne Bilder! Ich beneide dich um die ruhige Hand, die wurde mir leider so gar nicht beschert. Ich habe aus deinen Gründen für die Nicht-Mitnahme des Stativs überhaupt darauf verzichtet, meine Kamera mit auf die Wiesn zu nehmen. Jetzt bereue ich es ein bisschen, weil dieses Jahr extremst wenig los war. Allerdings schleppe ich so viel Zeug mit mir rum, dass die mich mit meiner Tasche eh nicht durch gelassen hätten 🙂

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    1. Das Zauberwort heißt Shake Reduction System (in Kombination mit manchmal überempfindlichem Sensor) *gg* Klappt aber auch nicht immer. Mehr als 1/10 traue ich mich bei Tag nicht. Und Langzeitbelichtungen ohne sind ja eh illusorisch. Aber das ist das Schöne an unserem Volksfest: Ich durfte mit allem drauf, was ich wollte, trotz Taschenkontrolle. Wir sind eben gelassen. ^^

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    1. Danke danke. Zu viel der Ehre. Zum neuen Theme sage ich morgen vllt. auch mal was, mir war jedenfalls mal wieder nach Veränderung. Und loszuziehen und solche Sachen zu fotografieren kann ich nur wärmstens empfehlen. Man bekommt noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Dinge, wenn Lichter das einzig Reale in der Welt werden. Da ist Fotografie ganz nah an der Magie dran. 🙂

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  4. Ich mag zwar keine Volksfeste, lediglich Weihnachtsmärkte finde ich besuchenswert, aber die Bilder sind total gelungen. Sehr professionell. LG Ela☕

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    1. Danke schön. Auf die Weihnachtsmärkte freue ich mich auch schon. Letztes Jahr habe ich da einiges schönes in Bonn und Köln knipsen können, in München hatte ich leider die Kamera nicht dabei. Aber hier in Stuttgart soll er auch sehr schön sein.

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  5. Ich bin ja der Meinung, dass zur Kirmes u.ä. ganz einfach Farbe gehört, aber Deine beiden S/W-Fotos haben mich durchaus davon überzeugt, dass auch da SW einiges hermachen kann. Aber auch insgesamt finde ich Deine Sichtweise hier überzeugend gut. Ich habe übrigens ein neues kleines Spielzeug für meine Kamera – ein Lensbaby 🙂

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    1. Eigentlich gehört Farbe dazu, ja. Aber gerade dann ist es reizvoll, auch einmal darauf zu verzichten. Ganz bewusst. Die Bilder, die ich am Sonntag gemacht habe, werden dafür wohl vor Farbe sprühen.
      Und eine Lensbaby … Krasse Sache. Das liebe ich an meiner 50mm Festbrennweite, dass ich mit f/1.4 schon krass wenig Schärfentiefe habe und setze es viel und häufig ein. Mhm … Nein, erst den UWW-Bereich abdecken. 🙂

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