Wer seine Arbeit liebt, der liebt alles an ihr. Ich bin vielleicht kein Bibliotheks- und Museumsmensch mehr, aber meine Liebe zu langen Regalreihen, in denen fein säuberlich das Wissen der Menschheit in Form von Büchern und anderen Artefakten aufgereiht ist, will nicht weichen. Vielmehr verbindet es sich mit der neuen Arbeitsstelle, denn auch dort gibt es ein Archiv. Und ich war drin.

Das Archiv ist ein ganz wunderbarer Ort mit allem, was zur Vergangenheit meines Arbeitgebers gehört. Konkret: Haufenweise Bücher, haufenweise Spiele, haufenweise Experimentierkästen. Ich fühlte kindliche Begeisterung in mir aufwallen, als ich diese Pracht erblickte und wenn ich ganz ehrlich bin: Fast wäre ich von diesem Trip nicht mehr zurückgekehrt. Ich hätte mich im Archiv einschließen lassen können, um nie wieder ans Tageslicht zurückzukehren.

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Nicht einmal, um alles zu lesen oder auszuprobieren, einfach nur um zu schauen und die alten Schätze anzufassen. Die traurige Wahrheit ist aber auch: In Archiven leide ich spätestens nach zwei Stunden unter penetrantem Husten, dann muss ich an die frische Luft. Aber in diesen zwei Stunden habe ich alles um mich herum vergessen, da gab es nur die Archivalien, die Archivarin und mich. Nicht einmal euch so wirklich. Ich war so mit Staunen beschäftigt, was es alles gibt auf der Erde, dass ich gar nicht so richtig in die Social-Media-Welt herauspusten konnte, was gerade abgeht. Oder Photos für später schießen.

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Das ist ein grundsätzliches Problem, vor dem ich mich derzeit sehe. Auf Instagram ist bei mir nicht viel los, auf Twitter sieht es auch nicht sehr viel besser aus und in meiner Bloghalde liegen vor allem noch Besprechungen und Rezepte herum. Es wird beständig weniger, was ich an Material zum Nachschießen habe. Und die Produktion läuft schleppend. Auch wenn ich mich am Wochenende hinsetze und ein paar Artikel produziere. Selbst dort zehre ich meistens von meinem Zettelkasten, in dem alte Ideen für Blogartikel abgelegt sind. Das Leben ist auch vier Wochen später noch so überwältigend, obwohl in einigermaßen feste Routinen geklopft, dass ich fürs Innehalten und Dokumentieren meist gar keine Zeit habe. Vielleicht finde ich auch deshalb Archive so spannend, weil sie zwar nicht alles dokumentieren, aber zumindest eine stringente Dokumentation bieten.

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Dennoch, die letzten beiden Bilder machen es deutlich, ich konnte es euch nicht vorenthalten, was ich für Schätze entdeckt habe. Bestimmungsbücher für Tiere, Pflanzen und Pilze (Pilze sind weder Tiere noch Pflanzen, liebe Freund*innen!) kennt ja jeder von uns, aber Papier- und Chemiebestimmungsfasern fand ich zu kurios, um sie nicht doch für euch festzuhalten. Ich habe auch hineingeschaut und war verblüfft, mit welcher Akkuratesse diese Sammlungen zusammengestellt waren, obwohl es, seien wir mal ehrlich, doch eher Orchideenthemen sind. Nicht, dass auf den Mustern von „Welches Papier ist das?“ Orchideen gedruckt wären, dafür gibt es Orchideenbestimmungsbücher, aber ihr wisst, was ich meine. Hoffe ich.

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Allein schon die Vielfalt ließ mich einigermaßen sprachlos zurück, denn vieles, was dort unten vorhanden war, kannte ich nicht nur, ich konnte mir nicht einmal vorstellen, dass so etwas gemacht wurde … Und doch, gerade das begeistert mich. Kein Thema ist zu absurd, klein, abseitig oder sonst irgendwas, dass man es nicht aufarbeiten, systematisieren und darstellen könnte. Ich habe da eine gewisse Verwandtschaft gespürt, denn das Abseitge, Absurde, Kleine, Kuriose ist auch das, was mir die Themen für meine Blogbeiträge liefert. Denn mal ehrlich: Wer von euch würde sich etwas über Platons Staat durchlesen, wenn ich mich nicht mit Seamus darüber streiten würde? Und ich habe immer die stille Hoffnung, dass mit so etwas ein Gedanke eingepflanzt wird. Oder ihr euch unterhalten fühlt.

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Doch jenseits dieser Gedanken gab es natürlich auch etwas, das mich in diesem Archiv völlig von den Socken gehauen hat. Etwas, von dem ich wusste, dass es existiert, das ich aber nur von Bildern her kannte. Ich stand bestimmt 5 Minuten vor dieser Schachtel und konnte es gar nicht fassen. Ich traute mich zuerst gar nicht, sie zu öffnen … Aber dann hatte ich tatsächlich die 3D-Version der Siedler von Catan vor mir. Und sie ist kein Vergleich zu den Bildern, sie ist einfach wunderschön. Wenn ich also jemals spurlos verschwinden sollte und das Archiv NICHT ausgeraubt wurde … Dann hocke ich einfach hinter irgendeinem Regal und spiele mit einem alten Elektronikbaukasten.

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42 Kommentare zu „Archiv

  1. Fantastischer Ort! Diese alten Kartons & Typographien! Und die Themen! Ich bin da innerlich ganz bei Ihnen. Na, vielleicht zwei Gänge weiter hinter, bei den Chemiebaukästen & Astronomiebüchern.

    (Erinnere mich noch gut, wie ich als Kind/Jugendlicher zum ersten Mal den (alten) Kosmos-Laden in Stuttgart betrat.)

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    1. Auch den neuen finde ich persönlich ja großartig, bin aber natürlich befangen. 🙂 Die Aufmachung der Bücher ist aber ebenfalls spannend, vor allem wenn man sie durch durch die Zeitläufte verfolgt. Ich glaube, ich muss wieder in den Keller. ☺

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  2. Ich kann Deine Begeisterung vollkommen nachvollziehen! Ich habe vor einigen Jahren mal ein Praktikum im Staatsarchiv gemacht und auch nach zwei Tagen schon den Wunsch geäußert, doch bitte dort eingeschlossen zu werden – bei Gewährleistung der entsprechenden Grundversorgung natürlich. Pizzabringdienst und so. 😉

    Und wenn die Verarbeitung aller bisherigen Eindrücke zu Lasten neuer Blogbeiträge geht, dann ist das eben so, und völlig in Ordnung. Man muss halt Prioritäten setzen!

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  3. Ich habs ja schon mal an anderer Stelle erwähnt, ich liebe Bücher und damit verbunden auch Bücherregale. Unser Arbeitszimmer ist voll damit, Regale vom Boden bis zur Decke. Im Haus verteilt ausgewählte Exemplare in den Wohnbereichen. Herrlich. Ich teile also deine Begeisterung. LG Ela☕

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  4. Deine Liebe zum Archiv finde ich völlig nachvollziehbar. Dass du dort verloren gehen könntest? – Das glaube ich sofort. Jedenfalls wissen wir dann, wo wir nachsehen müssen, wenn es hier still wird.

    Ein Bestimmungsbuch für Chemiefasern? Wo? Will ich haben?

    Aber werter Herr Zeilenende, Orchideenthema klingt jetzt schon etwas herablassend.

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      1. Ohoho, gerade noch einmal elegant herausgewunden, Herr Zeilenende. 😉

        Meinereine sieht bei dem Begriff eher eine überspannte, Tee trinkende und weltfremde Randgruppe vor ihrem inneren Auge. Es kann aber auch sein, dass ich zuviel „Grasgeflüster“ gesehen habe und deshalb etwas empfindlich reagiere. Mit Orchideen habe ich es gemeinhin nicht so sehr, wir mögen uns nicht. Ich kümmere mich zu wenig und sie vergelten es mir mit beleidigtem Grün ohne jegliche Blüte.

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  5. Ja, geht mir auch immer so. Da sind einige verwandte Geister hier versammelt, wenn ich die Kommentare so anschaue. Allerdings tauche ich tatsächlich gerne wieder von dort auf und unterhalte mich mit Menschen darüber. (Vielleicht ist der Lehrberuf tatsächlich das richtige für mich? 😉 )

    Was den ‚Leerlauf‘ angeht: Ich habe sicherlich ganz andere Maßstäbe, aber ich finde du produzierst ordentlich. Die letzten Tage kam ich mit Lesen gar nicht nach, wobei ich generell zu nichts außer der Arbeit kam, davon also mal ab.

    Kleine Anmerkungen:
    „Allein schon die Vielfalt ließ mich einigermaßen sprachlos zurück, denn vieles, was dort unten vorhanden war, kannte ich nicht nur, ich konnte mir nicht einmal vorstellen, dass so etwas gemacht wurde …“ Da fehlt ein ’nicht‘ – ich habe zweimal gestockt, bis mir die logische Lehrstelle auffiel (ist noch früh ^.^).
    Und ich lese Platons Politeia auch so ganz ohne gezwungen oder extra angeschubst zu werden 😀

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      1. Bei Cassirer wird alles zum Produkt 😉 Somit kann ich jetzt zustimmen, ohne die genaue Stelle zu kennen. Wir Symbolschaffenden in der symbolischen Welt unserer eigenen Symbolhaftigkeit. Oder so. Befreit von unserem mythischen Urzustand … (muss den Herren dringend nochmal lesen :p )

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      2. Ugh, da schaut mir zuviel Abgrund zurück. Ich brauche mein geistiges und emotionales Licht noch und ich habe schon Freud angerissen die letzten Wochen 😀 Der nächste auf meiner Liste ist Gehlen. Und was auch immer mich in der Zwölf nach den Ferien erwartet ^.^

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