Trophäensammlung

Es besteht eine große Tradition, erfolgreich erlegte Beutetiere nicht nur ihres Fleisches und Felles zu berauben, sondern ihnen auch den Kopf abzuschneiden, ihn zu präparieren und diesen an die Wand zu hängen.

Diesem Brauch kann man ablehnend gegenüber stehen, weil das Tier degradiert wird. Oder man kann ihn gut finden, weil der Mensch damit seine Überlebensfähigkeit dokumentiert. Es ließen sich noch weitere Punkte finden, die das Für und Wider des Trophäensammelns an Kaminzimmerwänden näher ausleuchten. Ich für meinen Teil bin allein schon deshalb gegen Trophäen an der Wand, weil dort dann kein Platz mehr für Bücherregale ist.

Ich muss dennoch gestehen, dass ich Jäger für ihre Virilität bewundere. Jagen macht, machen wir es kurz, sexy. Das liegt nicht allein daran, dass ich Wildfleisch durchaus zu schätzen bleibt, sondern auch an der ganzen unheimlich männlichen Sache, bei der Männer (es gibt Jägerinnen, aber die Größenordnung bewegt sich nicht im statistisch signifikanten Bereich) in großen Gruppen und albernen Kostümen gemeinsam aufmarschieren, etwas miteinander unternehmen, Musik machen und sich abends betrinken und feiern. Jagen ist wie Christopher Street Day, nur im Wald. Und auch auf dem CSD geht es manchmal nur darum, Frischfleisch aufzustöbern und es in die eigene Höhle zu schleppen.

Deutlich attraktiver wird die Jagd darüber hinaus, wenn an deren Ende keine Hirschgeweihe an die Wand kommen. Dass sie Platz für Bücherregale wegnehmen, erwähnte ich ja bereits. Sie sind außerdem nicht stabil genug, um an ihnen anständig Klamotten aufzuhängen. Außerdem brennt im Kaminzimmer ein Feuer und dort raucht man seine Pfeife oder Zigarre nach der erfolgreichen Jagd. Die gehört zum Whiskey eben dazu. Man möchte also nicht seine sämtlichen Klamotten an die Geweih-Enden im Kaminzimmer hängen. Und farblich ist so eine Trophäe schließlich auch langweilig.

Um dennoch keine Jäger abzuschrecken, hätte ich einen Vorschlag für die Dekoration des gemeinsamen Kaminzimmers, die sowohl platzsparend als auch farblich ansprechend ist. Und dennoch erlaubt es, eine Trophäensammlung im Kaminzimmer zu präsentieren. Liebe Jäger, wie wäre es damit?

20160612_142805.jpg

Advertisements

25 Kommentare zu „Trophäensammlung

  1. Wie sähe es wohl aus in Kaminzimmern, und dergleichen, wenn jeder Fleischesser seine Trophäen aufhängen würde….also….wenn man mal davon ausginge das jeder für sein eigenes Fleisch auf dem Teller sein eigenes Tier erlegen müsse….und wer würde koordinieren das die einzelnen Trophäen schön ordentlich herumgereicht würden….quasi ein halbes Jahr bei Person A….ein halbes Jahr bei Person B…usw. ….also…als logische Schlussfolgerung darauf das der Mensch ja heutzutage immer nur Teilstücke will….

    „… Jagen ist wie Christopher Street Day, nur im Wald….“ ichlachmichwech :-))))))))))))

    Gefällt 1 Person

    1. Ich bin ja eh Anhänger des „Esst mehr Innereien“-Club. Von daher brauche ich eher eine große Kühltruhe. Spart man sich die Logistik. Aber: Man kann aus den Knochen ja auch Gummibärchen machen und aus dem Horn Leim … okay. Ich höre auf. Ich krieg am Ende keine Trophäe.

      Gefällt 2 Personen

      1. Ja….so wie die Aborigines, wenn die durch’s Outback pilgern….da wird alles verwertet von dem was sie erlegen….bis hin zu Medizin….und die verlassen den Platz ganz aufgeräumt 🙂

        Gefällt 1 Person

  2. Regale sind eindeutig besser als tote Köpfe an den Wänden. So manch böse Zunge könnte aber behaupten, dass viele Bücher auch eine Art Trophäensammlung sein könnten. So mancher Mann versuchte schon mich mit seiner Büchersammlung – Briefmarken scheinen wohl mittlerweile out zu sein – zu beeindrucken. Ist immer schiefgegangen, denn ich lese sehr viel und war schnell in der Lage den Angeber zu entlarven. Einer hatte sogar mal diverse Buchrückenattrappen von Jung und Nietzsche und Co aufgestellt. Das war peinlich….nicht für mich. 😉

    Gefällt mir

      1. präkoitales Regalgucken…*lach tot*. Aber da ist schon irgendwie was dran, ich schau mir gerne an, was man(n) so liest. Denn das ist mir wichtig. Ich habe ja jetzt rausgefunden, dass ich sapiosexuell bin. Und da führen Bücherrückenattrappen nicht in mein Herz und schon gar nicht in mein Bett.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s