Ich war seit Urzeiten endlich noch einmal im Kino. Es ist wohl konsequent, dass mein letzter Film nach Star Wars Episode VII (gelungenes Remake von Episode IV, kein eigenständiger Film), Star Trek Beyond ist. Ich versuche in diesem Bericht so wenig wie möglich zu spoilern, deshalb ist das auch keine klassische Besprechung. Ich mache mir aber so meine Gedanken darüber, warum ich die Abrams-Star-Trek-Filme nicht mochte. Und ob das auch auf den Neuesten zutrifft.

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Star Trek Beyond besticht von Anfang an durch eine gefällige Optik. Im Unterschied zu „Into Darkness“ wird es wieder bunter. Man sieht nicht nur Farben, man sieht auch zahllose Aliens. Die Föderation wird als gelungene Multikulti-Gesellschaft dargestellt. So weit, so versöhnlich war ich. Doch dann begannen die Figuren zu leben.

Star Trek hat ein fundamentales Problem: Es erzählt die Geschichte von Kirk, Spock und McCoy in einer anderen Zeitlinie. Dennoch sind es Kirk, Spock und McCoy. Es beginnt damit, dass die drei Darsteller ihren Vorgängern nur entfernt ähnlich sehen, es endet damit, dass insbesondere Kirk, Spock und McCoy gewachsene Charaktere sind. Die Chemie zwischen diesen Figuren konnte sich über drei Jahre Serie und sechs Kinofilme hinweg entwickeln.

Als Fan schaue ich von diesem Ende auf die Neuen. Und da merke ich zumindest, dass es holpert. Das Drehbuch sieht die besondere Chemie zwischen den Charakteren vor, aber den Darstellern merkt man es an, dass sie immer noch damit beschäftigt sind, in ihre Rollen hineinzuwachsen. Und darunter leidet auch die Dynamik in der Interaktion. Die Sequenzen, in denen das glorreiche Trio als Terzett oder als Duett zu sehen ist, wirken hölzern und ungeschickt. Um diesen Kritikpunkt zu entschärfen: Das hat mich in Star Trek und in Star Trek: Into Darkness bereits tierisch genervt und ist zu einem großen Teil daran schuld, dass ich leugne, mehr als zehn Star Trek Filme gesehen zu haben (und auch den 10. hätte ich gern vergessen). Aber es wird besser. Man merkt im Film, wie die Darsteller zu ihren Rollen finden, wie sie lernen, miteinander zu agieren und wie sie die besondere Beziehung mit eigenem Leben füllen. Insbesondere Spock und McCoy gefallen mir gut zusammen.

Aber weiter mit den Missfallensbekundungen. Da sieht man eine Raumstation, die ein Habitat im Weltall ist. Absolut nicht Star Trek, vor allem rein technologisch nicht in den 2270ern. Das Weltall zu den Zeiten von Kirk war noch Wilder Westen und kein Hochglanz. Da bricht der Film aus purer Anbiederung an moderne Sehgewohnheiten bewusst mit der Kontinuität, um spektakuläre Bilder zu zeigen. Was aber wirklich skandalös ist: Die Station verfügt offenbar über Raumjäger. Und die gab es in Star Trek nicht. Aus gutem Grund. Die Föderation ist keine militärische Organisation. Kein Militär, keine Jäger. Nein. Auch nicht, wenn es logisch klingt oder cool aussieht. Nein. Andererseits … In einer Szene steckt Scotty tatsächlich Kabel zusammen. Das ist sogar für Star Trek dann doch zu old school. Keine Jäger. Nein.

 

Mit den Schurken ist man vier Serien und 10 Filme lang ohne Jäger zurecht gekommen (Enterprise zählt nicht, weil Prä-Sternenflotte), da haben die Schiffe gereicht. Und auch in diesem Fall hätte es wohl gereicht. Nicht nur, dass da offenbar alte Make-up-Vorlagen von Jem’Hadar und Hirogen munter durcheinander gewirbelt wurden, der Schurke haust natürlich in einer dunklen, primitiven Behausung und der Ober-Schurke ist ober-albern. Der arme Kerl ist bestimmt als Kind in einen Kessel mit Klischee-Trank gefallen.

Das würde erklären, warum der Oberschurke keine Motivation erkennen lässt für das, was er tut. Also zumindest die meiste Zeit des Films nicht. Dem Drehbuchautoren ist das offenbar auf der vorletzten Seite eingefallen und hat ihm noch schnell eine nicht sehr überzeugende Motivation mitgegeben. So nebenbei. Zufallsfund, den eines der Crewmitglieder macht. Was der Film offen lässt ist, wieso der Oberschurke so oberschurkisch ist und neben der Föderation auch noch alle anderen tyrannisiert und wo der überhaupt seine Ressourcen her bezieht. In seiner primitiven Höhle gibt es ja noch nicht einmal ne anständige Beleuchtung. Echt mal. Und dann Raumschiffe?

Genug gemeckert. Wofür der Film in den Medien ja beachtet wurde ist, dass einer der Charaktere plötzlich und ganz nebenbei als Homo geoutet wurde. Ich hatte mein Regenbogenfähnchen deshalb daheim gelassen, weil ich vorab wusste, dass es beiläufig geschieht und es nicht dramatisch endet. Dabei hätte ich SO GERN gesehen, wie Kirk versucht, bei Chekov zu landen und dann abblitzt. Tja. Aber gut. Ist okay. Einer der Charaktere ist also schwul.

Ich weiß, dass das Fehlen homosexueller Charaktere (ein bisexueller oder omnisexueller oder was-weiß-ich-sexueller wäre mir ja fast noch lieber) unter Star Trek Fans als großes Manko betrachtet wird. Ich bin auch der Meinung, dass eine bunte Gesellschaft wie die Föderation nicht nur aus heterosexual white men und dem jeweiligen Quotenschwarzen und den Quotenfrauen bestehen sollte. Dennoch ist die Föderation nicht nur zuweilen ein Homo Sapiens Club, sondern nach wie vor sehr weiß, sehr männlich und sehr heterosexuell, zumindest was die Screentime angeht. Ich kann auch verstehen, dass es eine der Hauptfiguren sein sollte.

Eine Alternative wäre es gewesen, eine unbeleckte Nebenfigur zu „drehen“ und zugleich zur Hauptfigur zu machen. Mr. Leslie oder Mr. Kyle vielleicht. Aber das hat man in den beiden Filmen vorher versäumt. Die Charaktere hätte man dann nämlich von Anfang an aufbauen können. Sie hätten außerdem Leben in die Bude gebracht, weil die Charaktere das Beziehungsgeflecht der Figuren zueinander neu definiert hätte. Das oben angesprochene Problem, dass die Darsteller alle sehr aufgeladene Rollen haben, wäre gemildert worden. Und weil die vorgeschlagenen Charaktere nicht ganz neu sind (Stichwort Jar-Jar-Binks-Effekt), wären sie am Ende nicht als die Quotenschwuppe ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Aber so war eine Hauptfigur natürlich am „einfachsten“. Ich für meinen Teil hätte mir gewünscht, sie hätten sich das aber für die neue Serie aufgehoben.

 

Bei all dem Genöle besticht Star Trek Beyond dennoch mit einigen positiven Dingen. Es sind manche Kleinigkeiten, wie der Translator, der überzeugender ist als die dürftigen Nicht-Erklärungen, die das Franchise bislang auf die Funktionsweise von Kommunikation zwischen unterschiedlichen Spezies gegeben hat oder die Reminiszenzen (die grüne Hand und das Bild der alten Crew vor allen Dingen).

Es sind aber auch Dinge, die Spaß machen, wo der Film tatsächlich einmal mit dem Genre spielt (okay, die Idee dürfte bei Guardians of the Galaxy abgeguckt sein, aber in Star Trek, der heiligen Kuh der Science Fiction ist es so fremd, dass es großartig ist) und tatsächlich die Szenen grandios zu „Sabotage“ von den Beastie Boys synchronisiert. Star Trek ist eine Marke und da hängt es oft an den Kleinigkeiten, ob man sich willkommen fühlt. Stellt euch einen IKEA ohne Duftkerzen vor … Da würdet ihr auch nicht einkaufen wollen.

Lobenswert an dem Film ist aber vor allen Dingen, dass es ihm im Unterschied zum originalen Star Trek (also dem Star Trek Star Trek mit Kirk und co.) gelingt, die Supporting Characters zu stärken. Ab TNG war es klar, dass jedes Mitglied der Führungscrew eine Rolle spielt (außer vielleicht Deanna Troi, die spielt zwei Rollen *hust*), Star Trek hingegen war die Kirk-Spock-McCoy-Show. Daneben hatte Scotty noch ein wenig Profil, die übrigen Figuren blieben blass. Statisten mit Sprechrollen, wenn man böswillig sein will. Im neuen Star Trek ist das anders. Hier bekommen auch diese Figuren Dynamik und Persönlichkeit. Das entlastet nicht nur die glorreichen Drei, deren Schauspieler ja immer noch auf der Suche nach der Beziehung sind, die im Drehbuch verankert ist, das lässt mir auch das Herz aufgehen. Umso trauriger ist es, dass Chekov (ausgerechnet der einzige Charakter, der mir in der Space-Kids-Filmreihe ans Herz gewachsen ist) nun wohl nie wieder auftauchen wird, wenn man sich nicht doch entschließt, den Schauspieler auszutauschen (Hat Walter Koenig eigentlich momentan Drehverpflichtungen? 😉 ) Dennoch, es war schön zu hören, dass alle Cast-Member ihren Teil zum „To boldly go“ am Ende des Films beitragen durften.

Fazit

Star Trek Beyond ist geiles Popcorn-Kino, keine Frage. Und wesentlich amüsanter als die beiden Filme davor. Ganz ohne den Trek-Aspekt. Aber es ist geiles Popcorn-Kino mit dünner Story und absolut dämlichen Schurken. Und nicht genug Explosionen (glücklicherweise, für einen Star Trek Film ist mir fast schon zu viel explodiert), um das zu kaschieren. Dennoch hatte ich hier und da das Gefühl, dass es klappen könnte. Der Film ist nicht trekkig, aber er hat gezeigt, dass diese Crew trekkig werden kann. Überraschenderweise akzeptiere ich vor allen Dingen mittlerweile Karl Urban als McCoy, obwohl es Lieblings-Charaktere ja oft am schwierigsten haben. Wenn ihm das gelungen ist, bestehen für Zachary Quinto und Chris Pine noch Hoffnung. Aber ja: Da, wo der Film nachdenklich wird oder lustig oder charmant, da spürt das kleine Trekkie-Herz in mir, dass Hollywood mich doch liebt und nicht nur das Geld für meine Kinokarte haben will.

 

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21 Kommentare zu „Zeilenende der Trekkie (2): Star Trek Beyond

  1. Danke für die schöne, ausgewogene Rezi. Bei aller Begeisterung für die alte Crew nostalgisierst Du nicht, sondern zeigst fundiert und eloquent auf deren Schwächen (etwa die schwache Charakterisierung der Nebenfiguren). Gefällt mir wirklich (wie eigentlich immer) sehr gut. Was den Reboot angeht: Ich finde es eigentlich ganz wunderbar, dass mein altes „Raumschiff Enterprise“ immer mal wieder den neuen Generationen nahegebracht wird. Ich muss dabei die neuen Schauspieler nicht gut finden, aber Rodberrys Geist bleibt so länger erhalten. Und das gefällt mir 🙂

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    1. Gnar. Mit Roddenberry hätte es weder Jäger noch so viel Bumms gegeben wie bei Abrams. 😅
      Sagen wir es so: Der moralische Zeigefinger, der eminent wichtig für Star Trek ist, wird gern auf dem Altar des Aussehens geopfert. Gegen Beyond hatte selbst „Am Rande des Universums“ noch eine gute Story und vor allen Dingen eine Vision. Ich habe meine Zweifel, ob da eine neue Generation Trekkies herangezogen wird … Oder nicht einfach nur Nostalgie gepflegt wird. Ich bin aus Verzweiflung optimistisch. 😊

      Gefällt 2 Personen

  2. Hey, das ist ja doch positiver, als ich befürchtet hatte! 😉 Freue mich wirklich, dass dir ein paar Dinge sogar gefallen haben, wie z. B. die „Sabotage“-Sequenz (die fand ich ja sooooooooooo großartig!), ja, selbst Karl Urban als Bones! 🙂 Du hast natürlich Recht, dass die Raumstation für die Zeit der Original Series viel zu bombastisch ist. Das war mir in dem Wow-Moment aber sowas von schnuppe… 😉 Aber das mit den Jägern… warum nicht, schließlich ist das ja eine alternative Timeline – wegen dieses Kniffs verzeihe ich da vieles. Dass der Oberschurke mal wieder keine ordentliche Backstory samt Motivation bekommen hat, hat mich auch enttäuscht, insbesondere weil Idris Elba dadurch echt TOTAL verschenkt war.

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    1. Ich war offenbar nicht ganz bei Sinnen, als ich diese Besprechung getippt habe. *gg* Und ich verzeihe ja wegen der Timeline vieles (die sehen anders aus, die Nebenfiguren haben Charakter, Spock liebt Uhura, Kirks Shirts reißen nicht mehr so dramatisch wie … später/früher/scheißzeitlinienzeug …), ABER … NEIN! Gewisse Dinge gehen einfach nicht, wenn Star Trek dran steht. Und Jäger sind für mich ein besonders rotes Tuch. Wenn Star Trek draufsteht sollten nicht nur Uniformen drin sein, gewisse Dinge (Jäger!) gehen da nicht. Punkt. Das ist in etwa so wie Raumschiffe mit Warp 10 fliegen zu lassen, ein Sakrileg. Darauf steht Tod durch Anschauen von „Plan 9 from Outer Space“ in Endlosschleife. *gg*
      Und ja: Statt Idris Elba hätten sie da auch einen Sack Kartoffeln als Schurke engagieren können. Keine Story, dank Makeup keine Mimik … Okay, war leicht verdientes Geld für ihn. *gg*

      Gefällt 1 Person

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