Und mal wieder eine Serienstaffelbesprechung. Es wird wieder politisch. Es wird skandinavisch. Es ist wieder Zeit für die Invasion der Borger, nachdem die Besprechung von Staffel 1 eine gefühlte Ewigkeit zurückliegt.

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Birgittes zweites Amtsjahr ist nicht besser als ihr erstes: Ihre Koalitionspartner machen ihr schwerer zu schaffen als je zuvor, ihr Vertrauter Bent ist gesundheitlich angeschlagen und ihr Privatleben droht endgültig vor die Hunde zu gehen.

Auch den Nebenfiguren ergeht es nicht besser: Katrine macht sich Gedanken über ihre Zukunft, Kasper um seine Vergangenheit, Michael und seine Zeitung schlagen massiv über die Stränge und am Ende? Alles gut oder alles schlecht?

 

Die kleine Birgitte möchte aus dem Hort abgeholt werden

Ich hadere ein wenig mit der Figur der Premierministerin, Birgitte Nyborg. Manchmal bin ich geneigt, Michael Laugesen recht zu geben. Wie ist diese Frau in ihre Machtposition geraten? Egal ob politisch oder privat, sie ist ständig überfordert. Sie wirft ein wenig Dreck nach einem ihrer Minister, weil sie will, dass er im Team spielt. Die Konsequenzen schätzt sie völlig falsch ein. In ihrem Privatleben sieht es nicht besser aus: Sie wirkt entscheidungsschwach und ihr am häufigsten bemühtes Argument ist: Ich will das nicht.

Zu mehr ist sie kaum in der Lage. Sie möchte, dass ihre Regierung sich als Team begreift, beharrt aber zugleich darauf, dass sie bestimmt, wie das Team funktioniert. Auch wenn sie es nicht sagt: Birgitte Nyborg wünscht sich kein Team, sondern einen Trupp von Ja-Sagern, die alle ihre Ideen abnickt. Denn sie hat die Vision auf ihrer Seite, das politische Machtspiel, das Kämpfen für ihre Überzeugungen liegt ihr nicht. So ist es kein Wunder, dass sie von den Entwicklungen, sowohl privat als auch politisch, immer wie überfahren wirkt.

In dieser Staffel zieht sie die Reißleine, ihr bleibt auch nichts anderes übrig. Mit der Idee, sich im Amt beurlauben zu lassen, hatten die Serienmacher eine großartige und innovative Idee, das hätte man sogar noch ausführlicher behandeln können, denn das Thema böte ein weitaus höheres Konfliktpotential. Insgesamt bleiben die Serienmacher ihrer Linie aber treu: In Birgitte spielen sie immer wieder das private gegen das Politische aus. Und auch wenn sie versuchen, Birgitte sympathisch zu zeichnen, so wirkt ihr Idealismus immer verzweifelt und an manchen Stellen wie ein Deckmäntelchen. Vielleicht begreift sie langsam, dass Werte nicht ausreichen, um politische Ideen durchzusetzen.

 

Katrine und Kasper

Katrine ist wahrscheinlich die sympathischste Figur der Serie. Sie beginnt, sich Gedanken um die Zukunft zu machen, kein Wunder, wenn man noch jung und schon erfolgreich ist, sich Gedanken darüber machen muss, wie es weitergehen soll. In der zweiten Staffel wird deutlich, dass sie Kasper sehr ähnelt. Zunächst macht sie einen Entwicklungsschritt und öffnet sich für die Möglichkeiten des Meinungsmachens, beharrt andererseits darauf, dass man einen Standpunkt und Werte benötigt. Deshalb lehnt sie auch ein überraschendes Jobangebot ab.

Bei Kasper verhält es sich ja eigentlich umgekehrt. In der ersten Staffel ist er der Undurchschaubare und Unnahbare. Auch in der zweiten Staffel fragt man sich zunächst, ob er überhaupt Überzeugungen hat oder ob es ihm nur ums Spiel geht. Allerdings wird es nicht weiter thematisiert, bis Kasper nicht nur die übrigen Figuren überrascht sondern auch die Zuschauer. Er hat tatsächlich Überzeugungen, für die er kämpft. Und er hat eine Geschichte. Und mit einer einzigen Szene gelingt es den Machern von Borgen, aus diesem unverständlichen Charakter einen armen Tropf zu machen, der plötzlich reizvoll wird. Auch wenn Kasper am Ende wieder zu alter Form zurückfindet und sich dem Tagesgeschäft widmet, am Ende ist er tatsächlich menschlicher und (leider?) sympathisch.

Das einzige, was ich nicht verstehe, ist Kaspers Funktion als Frauenheld. Liegt es an der Unnahbarkeit, hinter der sich ein Geheimnis, eine Verletzung verbirgt? Spüren die Frauen das und wollen den armen Kasper bemuttern? Oder liegt es doch nur an seinem Bart? Wer weiß, aber vielleicht muss ich mir in der dritten Staffel diese Fragen nicht mehr stellen.

 

Und die Moral von der Geschicht

Die echten Idealisten bleiben bei Borgen auf der Strecke. So funktioniert eine Serie über Politik in der heutigen Zeit nunmal. Politik ist die Kunst des Möglichen und der Realismus verlangt es, dass am Ende nicht die Utopie siegt. Das mag man traurig finden, aber das ist nicht schlimm. Borgen lebt nicht von seinen Inhalten, weder Politik noch Macht selbst sind die zentralen Inhalte der Serie. In Borgen geht es auch nicht darum, was Politik und Macht mit dem einzelnen Menschen anstellen, sondern wie es sich auf Beziehungen auswirkt. Da wartet die zweite Staffel Borgen mit einigen Überraschungen auf und macht Lust auf die (vorerst?) finale dritte Staffel.

Einen letzten Pluspunkt gibt es, ohne spoilern zu wollen, für die Inszenierung des Themas „psychische Krankheit“, das in dieser Staffel ebenfalls zentral wird und – wie ich finde – sehr gut umgesetzt wird.

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Ein Kommentar zu „Besprechung: Borgen (Staffel 2)

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