In der Auslosung zum Buch-Date habe ich alienaid zugesprochen bekommen. Sofort begannen meine Rädchen im Kopf zu rattern. Ich musste den ein oder anderen Ausflug in die Vergangenheit machen – und ich bedaure es ein wenig, gerade nur ungelesene Bücher um mich herum zu haben. Das machte die Sache nicht einfacher. Aber ich denke, ich habe etwas gefunden.

Buchdate

Alienaid gab ein wenig über ihre Lesegewohnheiten preis: Ich erfuhr davon, dass im Hause alienaid zuletzt Marcel Proust und Noam Chomsky gelesen wurden. Literatur mit Anspruch also. Zu den Lieblings-Genres „magischer Realismus“ hatte ich sofort ein wenig was auf dem Zettel. Und als ich dann las „John Irving“ als ehemaliger Lieblingsautor, hatte ich einen ersten Autoren auf dem Zettel, den ich empfehlen wollte.

Mit dem ersten Autoren und dem „magischen Realismus“ führte mich der Pfad zu einem zweiten Autoren und einem kürzeren Text. Ich stellte fest, dass ich nun schon zwei deutschsprachige Autoren benennen würde. Ich zuckte mit den Schultern und schaute nach, was ich noch so in den Kammern meiner alten Literaturbesprechungen so finden konnte. Und siehe da, zufälligerweise ein dritter deutschsprachiger Autor. Und weil ich Österreich immer mal wieder einen mitgebe, versuche ich es heute zu rehabilitieren, mit gleich zwei Autoren. Der dritte Autor ist kein Österreicher, weil ich nicht drei Österreicher nennen wollte, deshalb ist Alfred Kubin wieder verschwunden. Ich entschied mich für einen Schweizer … Ist immerhin fast Österreicher. 😉

 

Fangen wir mit dem Schweizer an: Rolf Lapperts fünfter Roman war sein erster großer Erfolg. Vor diesem Roman veröffentlichte er lange Zeit keine Bücher – ob er das Schreiben lassen wollte? Er schrieb in der Zeit Drehbücher.

Seine Rückkehr auf die literarische Bühne war aber erfolgreich. „Nach Hause schwimmen“ landete auf der Short List für den Deutschen Buchpreis, musste sich aber Uwe Tellkamps „Der Turm“ beugen. Rolf Lapperts größter Verdienst ist allerdings, dass er mir Zugang zu John Irving erlaubte. Ich stieß auf diesen Roman durch eine Besprechung im Feuilleton der ZEIT. Ich bestellte das Buch. Ich las es in zwei Tagen. Ich bestellte mir meinen ersten John Irving („Bis ich dich finde“) und blieb darauf hängen. Die Geschichte von Wilbur, dessen Kindheit einer Odyssee durch die Welt und zu sich selbst gleicht, ist berührend und abgedreht zugleich. Und zumindest dieser Roman hilft mit Sicherheit auch dann weiter, wenn man John Irvings letzte Romane nicht mehr so gut findet.

 

Gehen wir nach Österreich. Wenn ich an „magischen Realismus“ denke, fällt mir zuerst Thomas Glavinic ein, auch wenn ich fast befürchte, er hat etwas dagegen, dort einsortiert zu werden. Ich las mein erstes Buch von Glavinic auf Empfehlung einer Freundin, die Germanistik studierte und den Autor in einem Seminar zur Gegenwartsliteratur entdeckt hatte. Wir waren beide sofort begeistert. „Das Leben der Wünsche“ ist zwar nicht der erste Band mit der Figur „Jonas“, dennoch lassen sie sich auch außer der Schreibreihenfolge lesen. Dieser Roman sollte es werden, weil ich mich dann selbst zitieren kann:

Das ist die Stärke dieses Romans. Man kann ihn als Gruselgeschichte lesen, als Liebesgeschichte, als psychologischen Versuch, als Beitrag zur Moralphilosophie, als Selbsterkundung, als Frage nach dem Verhältnis von Realität und Vorstellung oder radikaler als die Frage danach, ob es sowas wie Realität gibt. Es ist eine Geschichte über die Vereinzelung des modernen Subjekts, das selbst durch die Liebe nicht vollständig gerettet werden kann, wie das romantisierend gelegentlich geschieht. „Das Leben der Wünsche“ lässt (auch wenn das Ende ein wenig dick aufgetragen ist) den Leser mit Fragezeichen zurück, verwirrt, beklommen, vielleicht sogar ein wenig ängstlich. Ansprechend auf emotionaler wie auf intellektueller Ebene: Besseres kann einem Roman nicht passieren.

 

Der dritte Roman vom zweiten Österreicher ist gar kein Roman sondern eine Novelle. Arthur Schnitzler gehört zu meinen liebsten und meistgelesenen Autoren. Ich vermute, bei einer Rangliste „meistgelesen“ erscheint er knapp hinter John Irving auf Platz 2. Bei Irving habe ich aber bis auf den aktuellen Roman „Straße der Wunder“ alle Veröffentlichungen gelesen, die im deutschsprachigen Raum erhältlich sind. Aber hier soll es ja nicht um Irving gehen.

Arthur Schnitzler, Autor der Wiener Moderne und damit maßgeblicher Protagonist einer kulturell unheimlich wichtigen Epoche (Klimt, Schiele, Friedell, Roth, Musil, Bruckner, Mahler, Schönberg, Mach, Wittgenstein, Schlick, Schumpeter, Freud, Gödel, um mal ein paar Namen zu nennen). Schnitzler war sicher eine der einflussreichsten Figuren der Wiener Moderne. Und wer seine Bücher liest, der spürt den Zeitgeist: Das Gefühl, dass alles Gewohnte den Bach runtergeht, wie sich alte Denkmuster und Traditionen auflösen, wie die Menschen versuchen, die Moderne zu begreifen. Bei Schnitzler werden die Mächte des Unbewussten greifbar und sorgen für ein unwirkliches Gefühl. Ein magisches Gefühl.

Das sind meine Empfehlungen für das Buch-Date. Nun, alienaid, mit welchem Buch möchtest du dich treffen? Oder kennst du schon alle Bücher, sodass ich meine Reserveliste bemühen muss?

 

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8 Kommentare zu „Welches Buch darf es sein? [Buch-Date]

  1. Tolle Buchempfehlungen, liebes Zeilenende, vielen Dank! Mich würden alle drei Bücher interessieren, aber nach einer kurzen Konsultutation erster Rezensionen — ich kenne nämlich bisher keinen der Buchvorschläge — ist es Nummer zwei, Glavinic, geworden. Nummer eins, „Nach Hause schwimmen“, spricht mich auch sehr an und so war die Entscheidung letztlich eine pragmatische: Weil ich nicht sicher bin, wieviel Lesezeit ich im September erübrigen kann, habe ich mich für das kürzere der beiden Bücher entschieden 🙂 Sicher ist aber, dass die beiden anderen auch auf meine Wunschliste wandern!

    Ich freue mich auf’s Lesen 🙂

    Gefällt 2 Personen

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