Wenn ich mich an amerikanische Backrezepte heranwage, runzele ich oftmals die Stirn über die Ideen, die manche Menschen so aushecken. Von Zucchini in Kuchen musste man mich überzeugen, bei Mayonnaise im Kuchen bleibe ich skeptisch – obwohl Mayonnaise auch nur Eigelb mit viel Fett ist. Und obwohl ich skeptisch bin, werde ich häufig überzeugt. So wie zuletzt für den Abschied von meinen Kolleg*innen, als ich die Bohnen aus den Ohren genommen und in den Kuchen gesteckt habe. Und für die lieben Kolleg*innen, die hier reinschauen: Das ist das versprochene Kuchenrezept, mit dem ich mich aus Windeck verabschiede und gleich den Transporter Richtung Stuttgart besteigen werde.

Weiße Bohnen sind ja ein tolles Lebensmittel, weil sie sättigend sind, eiweißreich daherkommen und sich als Salat hervorragend in die Hauptrolle spielen. Sie verdrängen gerne den eigentlichen Star des Tages, den Sonntagsbraten. Salzkartoffeln, Bohnensalat und Bratensauce sorgen dafür, dass ich glücklich bin. Die Fleischscheibe kann mir da gestohlen bleiben.

Doch Bohnen sind für mich eine herzhafte Zutat. Und noch dazu eine, die man mir Vorsicht genießen sollte. Genau genommen nur dann, wenn man am nächsten Tag das Haus nicht verlassen muss. Ihr wisst ja, wie das mit jedem Böhnchen ist. Bei solchen Problemen weiß ich nun Abhilfe zu schaffen, denn Bohnen eignen sich hervorragend zum Einsatz im Rührteig. Und sie ersetzen einem dabei die fünf bis sechs Pfund Butter, die man für einen herrlich saftigen Rührteig einsetzen muss. Wenn euch das bis hierher noch nicht überzeugt hat: Es ist total simpel. Ihr benötigt für eine Kastenform:

  • 80g gehackte, geröstete Haselnusskerne
  • 250g weiße Bohnen (aus der Dose)
  • 100g Buttermilch
  • 3 Eier
  • 100g Zucker
  • 150g Weizenmehl
  • 2 gestr. TL Backpulver
  • 1 Msp. gemahlenen Zimt
  • Abgeriebene Schale von einer halben Zitrone
  • 350g Sauerkirschen

Zunächst sei bemerkt, dass ihr euch nicht durch die Mengen irritieren lassen solltet. Ich habe den Teig mit höherer Zutatenanzahl gebacken, weil ich für die Familienbande auch Kuchen haben wollte.

Ihr beginnt mit den Haselnüssen, die ihr anrösten und hacken sollt. Es sei denn, ihr macht es so wie ich. Ich habe meine Haselnüsse gehackt und geröstet im Supermarkt meines Vertrauens gekauft, weil ich mir beim Nüssehacken immer nur schwere Verletzungen zuziehe. Sobald ihr das erledigt habt, gießt ihr die Bohnen ab und püriert sie mit der Buttermilch zusammen fein.

Es folgen rührende Momente. Ihr schlagt die Eier auf. Dafür könnt ihr ruhig 1 bis zwei Minuten einrechnen. Eine weitere Minute braucht ihr dafür, um den Zucker in die Eiermasse einrieseln zu lassen. Und dann will die ganze Masse zwei weitere Minuten kräftig aufgeschlagen werden. Und nebenbei kann der Ofen auch schon einmal auf 180° Ober-/Unterhitze vorheizen.

In der Zwischenzeit (gelobet sei die Küchenmaschine) könnt ihr die Kirschen in ein Sieb gießen und abtropfen lassen (denn 350g entspricht ziemlich genau dem Abtropfgewicht eines Kirschglases). Außerdem könnt ihr Mehl, Backpulver, Zitronenschalenabrieb, Zimt und die gehackten Haselnüsse in einer Schüssel vermischen.

In einem nächsten Schritt rührt ihr die pürierten Bohnen unter die Zucker-Ei-Masse und lasst dann die Mehl-Nuss-Mischung folgen. Die muss nur kurz und auf niedriger Stufe untergerührt werden, wenn man es nicht gleich mit dem Kochlöffel und per Hand erledigt.

Dies geschafft, gebt ihr etwa die Hälfte des Teigs in eure bereits gefettete Kastenform (am besten mit Backpapier ausgelegt, der Teig bleibt gern trotz Fettung im Kasten kleben). Darauf verteilt ihr die erste Hälfte der Kirschen. Dann kommt der restliche Teig hinzu, auf dem die übrigen Kirschen verteilt werden. Ab mit dem Kuchen in den Ofen (180° Ober-/Unterhitze, vorgeheizt. Ich erwähnte es oben) und 50 Minuten backen lassen.

Nach dem Backen muss der Kuchen ein paar Minuten in der Form auskühlen, dann kann man ihn idealerweise lösen. Das geübte Auge sieht bei meinem Exemplar wahrscheinlich sofort: Da ist ein Stück herausgebrochen, das ich notdürftig wieder angedrückt habe. Aber der Kuchen verklebt zum Glück noch, wenn er abkühlt. Heraus kommt jedenfalls ein erstaunlich saftiger, leckerer Kuchen, der überhaupt nicht nach Bohnen schmeckt.

Wer mag, kann ihn noch mit einem Nuss-Puderzuckerguss garnieren, auch das Überziehen mit Schokolade bietet sich an.

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39 Kommentare zu „Bohnenkuchen

      1. Wir haben uns fast wieder versöhnt. Und werden morgen statt heikler Dinge wie Kuchen beziehungsfestigendes (weil gelingsicheres) zubereiten: gefüllte Paprika. Dann ist bestimmt wieder alles gut. Aber ich muss zugeben, dass ich schon mal über Scheidung nachgedacht habe.

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      1. ICh glaube, die Bohnen machen das ganze nochmal extra saftig.
        Und sie liefern uns wertvolle Eiweiss, ist ja auch nicht verkehrt.
        So wird aus dem Kuchen eine komplette Mahlzeit, was ebenfalls nicht zu verachten ist 🙂

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  1. Tolle Idee, toll auch für Nichthausfrauen präsentiert und regt mich an, es doch auch einmal wieder mit dem Backen zu probieren. Wenn´s dazu noch gesund ist, kann man das fertige Produkt dann mit gutem Gewissen anbieten und verzehren! Werde ich an meinem nächste Spiele-Nachmittag mit vier Frauen, die alle einer anderen Ernährungsphilosophie folgen, ausprobieren!

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  2. Nie im Leben hätte ich das Rezept probiert. Bohnen gehören in den Salat und nicht in den Kuchen. Nie würde ich…..obwohl….eigentlich klingt das gar nicht mal schlecht. Die Bohne an sich schmeckt ja recht neutral. Ok….das klingt abgefahren genial. Danke fürs Horizonterweitern – ich teste es.

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    1. Es schmeckt erstaunlicherweise aber auch gut. Freut mich übrigens, wieder von dir zu lesen. Ich hatte gesehen, dass du mir schon den ein oder anderen Like geschenkt hast, aber gerade hatte ich endlich wieder ein wenig Muße und konnte sehen, dass du auch wieder aktiv bloggst. Super, dass es dir offenbar wieder besser geht. Und den neuen Blog verfolge ich jetzt auch. 🙂

      Gefällt 1 Person

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