Es ist der Zeilenende, das ist der erste Hint.*

Er hat einen Nachtisch wohl im Magen

Hat also keinen Grund zu klagen.

*Das ist sprachliches Crossover-Reimen. 😉

Ich habe einen gewissen Ruf als Bildungsbürger weg und verabscheue Goethe. Meine Bildungsbürgerlichkeit dokumentiere ich durch die Kenntnis der Ballade, meine Abscheu durch eine zugegebenermaßen dilettantische Persiflage derselben. Aber es passt. Es geht heute nämlich um Nachtisch und um Dilettanten. Also euch.

Also euch, sofern ihr in der Küche mit Müh und Not den Kühlschrank erreicht und dann feststellt, dass den TK-Pizza-Reste darin Beine gewachsen sind. Euer Leiden hat ein Ende, denn auch wenn ihr nichts könnt, es gibt ein Dessert, das jeder von euch kann. Und für das man euch loben wird, weil es lecker ist.

Ich persönlich bin der Meinung, das beste Dessert ist Kuchen. Ich bin aber auch der Meinung, dass Kaiserschmarrn, Marillenknödel, Mousse au Chocolat, Flammeri, Grießbrei und Konsorten allesamt formidable Hauptspeisen sind, die nach einem Dessert verlangen, mindestens einem Fruchtjoghurt, besser noch einem Stück Kuchen. Gern ofenwarm.

Ich persönlich bin der Meinung, Streusel sind ein ideales Lebensmittel. Streusel sind, wenn man seine Gedanken ein wenig verbiegt, Bruchstücke eines Mürbteigbodens. Jeder Streusel ist weniger als die Hälfte des Bodens. Und was weniger als die Hälfte ist, wird abgerundet. Auf Null in dem Fall. Streusel zählen also nicht in der Kalorienbilanz und sie sind lecker. Nicht erst nach dem Backen, sondern schon während der Zubereitung. Man muss ja probieren.

Weil ich einen Beitrag zur gesunden Ernährung leisten möchte, enthält unser Dessert auch Obst. Vitamine sind gut, sie werten den kalorienneutralen Nachtisch also noch auf. Und das heutige Rezept erlaubt den Einsatz aller möglichen Obstsorten – notfalls auch aus dem Tiefkühler. Wir machen Crumble.

Der Crumble ist, so erkläre ich es Mutter Zeilenende („Was machen wir zum Nachtisch?“ „Crumble!“ „Hä?“ „Crumble!“ „Krambl? Ich kenne nur Krapfen!“) immer, ein Streuselkuchen für Faule, weil er komplett auf einen Boden verzichtet. Und ein Streuselkuchen mit höherem Mehlanteil, weil Butter nur in Deutschland gute Butter heißt, in England hingegen das Mehl gutes Mehl. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Die Sache mit dem höheren Mehlanteil stimmt, aber bei der anderen Geschichte habe ich meine Zweifel. Das ist aber egal, es ist eine gute Geschichte und deshalb erzähle ich sie.

Crumble ist also toll, weil er so einfach ist. Und weil man ihn beliebig variieren kann. Es müssen nicht Äpfel sein, ich habe ihn auch schon mit Birnen und Nüssen, Rhabarber und Erdbeeren, Sauerkirschen und Bananen, Aprikosen, Beerenmischungen kurz: Allem, was so in der Obstabteilung kreucht und fleucht, zubereitet.

Für eine Festivität mit vielen Gästen und eine entsprechend große Auflaufform benötigt ihr (Grundrezept):

  • 10 Äpfel
  • Zitronensaft
  • Vanillezucker
  • 350g Mehl
  • 175g Butter
  • 175g Zucker

Über den Zuckeranteil lässt sich streiten. Wie über die Anteile insgesamt. Ich beginne immer mit dem Verhältnis 2:1:1 und taste mich dann an die optimale Konsistenz heran. Oder ich variiere es, wie in diesem Fall. Ich habe nämlich variiert: Kennt ihr diese Karamellkekse von Lotus, die man in Cafés manchmal zum Heißgetränk serviert bekommt? Die gibt es auch in Brotaufstrichform. Ich habe meinem Crumble-Teig 100g von der Creme zugefügt und dafür den Zuckeranteil um 75g reduziert. Die Streusel haben dadurch eine herrliche Karamell-Note bekommen.

Die Zubereitung ist denkbar einfach: Mehl, Butter und Zucker in eine Schüssel werfen, verkneten und verkrümeln, bis … ja, bis es sehr krümelig in der Schüssel ist. Ich habe es tendentiell gern feinkrümelig beim Crumble. Dann schält ihr die Äpfel, schneidet sie in kleine Stücke und gebt sie in eine Auflaufform. Anschließend mit etwas Zitronensaft sprenkeln und mit Vanillezucker berieseln. Die Streusel sind süß genug, 2-3TL reichen bei der Menge Äpfel.

Anschließend kommen die Streusel auf die Äpfel. Die sollten gut bedeckt sein, die Streuselschicht darf ruhig dick sein. Notfalls noch Streusel nachmachen, so wie ich es machen musste. Gebacken wird das Ganze im vorgeheizten Backofen bei 180° Ober-/Unterhitze für etwa 30 Minuten. Gegessen wird es noch warm, gern mit einer Kugel Vanille-Eis. Das ideale Dessert nach einer großen Portion Pfannkuchen mit Pflaumenmus-Füllung. 😉

Und ich hätte euch gern auch eine angerichtete Portion präsentiert. Aber ihr kennt das: Auf Festivitäten muss man seine Portion vom leckeren Zeug schnell essen, bevor es euch jemand vom Teller klaut, weil auf dem Buffet nichts mehr davon übrig ist.

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23 Kommentare zu „Wer krümelt so spät durch Nacht und Wind?

    1. Da wird das Marinsche ganz innovativ. Auch deshalb liebe ich Crumbles ja so sehr. Du kannst jeden Unfug drunter verstecken, du kannst auch in die Streusel alles mögliche machen. Du kannst sogar herzhafte Varianten machen: Zucker durch Käse ersetzen und unten drunter Gemüse verstecken. 🙂

      Gefällt 2 Personen

    1. Ja, das ist echt dekadent. Sind tatsächlich wohl diese zerbröselten Kekse und dann Milchpulver und Fett oder so … Übelst leckeres Zeug und du hast in einer Sorte sogar noch kleine Stückchen drin. *sabber*
      Sachertorte in der Tube … Ich denke darüber nach, wie man das umsetzen kann. ^^

      Gefällt 1 Person

      1. Solches Kekskrümelzeug kann echt lecker sein. Zur Weihnachtszeit (also bald) gibt’s auch diese Schokolade mit Spekulatius-Krümeln. 🙂
        Auf eine Tuben-Sachertorte wäre ich wirklich gespannt. In den nordischen Ländern gibt’s ja schon fast alles in Tuben: Käse, Fisch… Aber die Sachertorte ist mir so noch nie begegnet.

        Gefällt 1 Person

  1. Also Herr Bildungsbürger! Wenn du schon – aus mir völlig unerfindlichen Gründen – eine Abneigung gegen Goethes emotional hochbeladene Balladen hegst, dann solltest du doch eigentlich Zuneigung zur emotional recht unbeladenen Mathematik haben. Deine Methode Kalorien zu zählen finde ich – gelinde gesagt – einzigartig und genial! Dann kann man auch ein Stückchen Schokolade/einen Löffel was-auch-immer-Hauptsache-mit-Nougat auf Null abrunden, und ebenso das/den nächste/n – da schmeckt das Ganze als unendliche Summe seiner Teile noch viel besser 🙂
    Streusel sind natürlich auch eine leckere Sache!

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    1. Ich sehe, meine Adeptin der Kalorienmagie, du hast das Prinzip verstanden. Deshalb esse ich Schokoladentafeln immer nur riegelweise. Und löffel meinen Schoko-Aufstrich fleißig aus. Ich freue mich immer, wenn ich den Kalorientierchen ein Schnippchen schlagen kann. 😉

      Gefällt 1 Person

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