Im letzten Jahr, ich erinnere mich noch genau, fragte das Buchfresserchen nach idealer Strandlektüre. Diese Woche stellt es die Frage konkreter und möchte wissen, was wir an Büchern mit in den Urlaub nehmen würden, so wir in den Urlaub führen.

Ich habe meinen Urlaub in diesem Jahr in den Bergen verbracht, also genau genommen im Stuttgarter Talkessel. Es ließe sich darüber streiten, ob das Urlaub sei. Ich habe jedenfalls keine Bücher von Luis Trenker oder Ludwig Ganghofer im Gepäck gehabt, sondern habe brav Niklas Luhmann – Soziale Systeme gelesen. Damit bin ich auch fast durch und bin mir ziemlich sicher, dass ich höchstens zwei Seiten daraus verstanden habe. Wenn überhaupt. Aber das ist ein Problem, das mich mit Luhmann schon immer geplagt hat.

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Wenn ich heute tatsächlich in Urlaub fahren sollte, würde ich mich wahrscheinlich mit verschiedenen Büchern eindecken, die auf meinem SuB herumliegen. Und weil ich gern eine Mischung dabei habe, wären es folgende vier Bücher:

  • Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie
  • Friedrich Nietzsche: Werke Band IV (Jenseits von Gut und Böse, Ecce Homo, …)
  • Félix J. Palma: Die Landkarte des Chaos
  • Kim Stanley Robinson: Grüner Mars

Arthur Schnitzler würde die Kategorie „Klassiker“ abdecken. Einer meiner liebsten Klassiker, weil er nicht nur einen angenehmen Schreibstil hat, sondern auch ein großartiger Beobachter seiner Zeit war. Er beschreibt die Dekadenz des spät-kaiserlichen Wiens und seiner Gesellschaft, zeigt die Verstrickungen der Figuren in alte Moral-Codizes auf und wie sie an der neuen Gesellschaft unbarmherzig zu Grunde gehen. Bislang kenne ich von Schnitzler allerdings nur die kurzen Erzählungen, dies soll sich mit seinem Roman ändern.

Friedrich Nietzsche und ich haben eine schwierige Beziehung. Im Unterschied zu Luhmann verstehe ich meistens schon, was Nietzsche mir sagen will, sein Pathos und „mystisches Geschwurbel“ gehen mir nur häufig auf den Zeiger. Andererseits ist Nietzsche ein Denker, der radikal mit der Tradition der akademischen Philosophie bricht, bloß Klassiker neu auszulegen. Er versucht, eine neue Form der Philosophie zu finden. Und gerade weil ich selten einer Meinung mit ihm bin, macht es die Lektüre zu einer Herausforderung an meine Sicht der Welt.Er deckt die Kategorie „Philosophie“ ab.

Félix J. Palma und der abschließende Band der Viktorianischen Trilogie gehören zur Kategorie „Aktuelle Literatur“. Die ersten beiden Bände habe ich mit Wonne verschlungen. Und ich möchte nun endlich wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Kim Stanley Robinson hat mit der Mars-Trilogie ein für die Science Fiction sehr bedeutendes Werk verfasst, das bei Heyne mittlerweile neu aufgelegt wurde. Durch den ersten Band „Roter Mars“ habe ich mich hindurchgewühlt (Besprechung folgt) und war begeistert. Ich lese viel Science Fiction, in letzter Zeit vor allen Dingen aus den 60er und 70er Jahren. Robinson ist da ein guter Ausgleich, weil er ein mustergültiger Vertreter der Hard SF ist, ohne allzu sehr mit technischen Details zu langweilen. Ihn interessiert die Menschheit unter den Bedingungen einer neuen, fremdartigen Umwelt. Wenn man so will, ist Robinsons Roman ein Versuch, sich Nietzsches Übermenschen, frei von allen irdischen Zwängen, und dennoch als Teil einer ebenso neuartigen Über-Gesellschaft vorzustellen.

Damit schließt sich der Kreis. Eigentlich brauche ich gar nicht in Urlaub zu fahren, ich habe ja vier Bücher zu lesen.

Wie sieht es mit euch aus? Gibt es noch Urlaubspläne und eine Lektüreliste? Oder wart ihr schon weg und habt Lese-Erfahrungen mitgebracht?

 

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40 Kommentare zu „Urlaubslektüre (Montagsfrage)

  1. Schwere Kost würdest du mitnehmen, auf den ersten Blick gar nicht geeignet für den Urlaub, weil es zu sehr ablenkt, finde ich.

    Ich würde was leichteres mitnehmen.
    Z.B. „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes und „Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“ von Matt Haig und „Die Erfindung des Lebens“ von Hans-Josef Ortheil.

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    1. Ich lese sowas gern im Urlaub, weil ich dann die Ruhe habe, mich einen ganzen Abend zu konzentrieren. Außerdem habe ich den ganzen Tag Action im Urlaub, da ist die Kontemplation der Texte ein schöner Ausgleich für meinen rastlosen Geist. 🙂
      Aber Jojo Moyes soll auch gute Urlaubslektüre sein.

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  2. Du hast es ja selber schon auf den Punkt gebracht. Deine Auswahl läuft eher darauf hinaus: Ein gut sortierter SuB (bzw. eine gut gemixte Auswahl daraus) als perfekte Alternative zur Urlaubsreise. 🙂
    Schade finde ich eigentlich nur, dass da nicht irgend ein dunkles Zeilenendegeheimnis gelüftet wird. Beispielsweise: Zeilenende liest im Urlaub Arztromane. 😉
    Für mich ist Urlaub bis auf weiteres gestrichen. Aber ich kenne das Phänomen Urlaub schon aus eigener Erfahrung. Und da habe ich anfänglich den Fehler gemacht, viel zu viele Bücher mitzuschleppen. Später habe ich jeweils nur noch ein einziges Buch mitgenommen (Wegzehrung) und mich jeweils vor Ort mit zusätzlichem Futter eingedeckt [das dann allerdings meist ungelesen mit nach Hause gekommen und (als willkommene Ergänzung) in den SuB gewandert ist].

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    1. „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ist ein toller Arztroman. 😉
      Solche Bücher (leichte Muse) lese ich tendentiell eher, wenn ich Viel Stress habe. Dann muss man seinen Kopf nicht auch noch mit Schnitzler belasten. Wobei ich finde, dass der schon eines meiner dunkleren Geheimnisse ist. 😅

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  3. Urlaub? Was ist das? XD
    Ich hab einen recht großen SuB, da könnte ich fast blind reingreifen und fände was Lesenswertes. Vielleicht pack ich diesmal endlich die englischen Artustexte an? Hoffnung stirbt zuletzt. ^^

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            1. Ah … Ich vergesse manchmal, dass ihr mir nicht alle eifrig bei Twitter folgt. (Böser Fehler übrigens 😉 ) Ja. Ich habe was. Recht zentral in Stuttgart Ost, bezahlbar, nette Gesellschaft. Und überraschend fix. 🙂

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              1. Ts, du wieder. XD
                Ich nutze Twitter selbst nicht, und der einzige, dessen Tweets ich regelmäßig lese, ist Patrick Rothfuss. 😉

                Ach, das freut mich für dich! 🙂
                Dann wünsch ich schon mal einen erfolgreichen Umzug und bin gespannt darauf, wann wir unser erstes Treffen haben werden. 😀

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    1. Gell? Ich lese die anspruchsvollen Schwarten tendentiell lieber im Urlaub. Dann hat man den Kopf auch frei und kann sich ein paar Stunden am Stück konzentrieren. Die leichte Kost geht in der Bahn besser. Aber ich kann auch verstehen, dass jemand sich im Urlaub nicht künstlich strapazieren will. 🙂

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      1. Das ist natürlich ein Argument! Allerdings liefe diese Art Leseurlaub dann zu Hause ab. Unterwegs kriege ich ja schon die plätschernde Unterhaltungslektüre nicht gebacken. Selbst auf den vier Buchstaben sitzend, knippse ich lieber wild in der Gegend rum … Die Nase ins Buch stecken, ist da kontraproduktiv … ;o)

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    1. Es gibt nette Bücher auf der Spiegel-Bestsellerliste? Da muss ich mal gucken.

      Okay, Juli Zeh, Benedict Wells und John Irving dürften aus der Top 20 mit. Aber bei allen 3 warte ich aufs TB. Die will ich nämlich tatsächlich lesen. 😉 Und „Die Macht der Geograpbie“ von der SB-Liste würde ich auch mitnehmen. 😄

      So, habe ich wieder was für meinen snobistischen Ruf getan? 😊
      Wobei ich finde, dass zumindest Palma schnulzig ist. 😉

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      1. Ein Grund, warum ich nur seichte TB mitnehme ist auch, dass sie im Urlaub am Strand oder sonstwo doch etwas leiden. Sonnencreme, Wasserflecken, Sand, Luftfeuchtigkeit… Da tut’s mir um die Bücher weniger leid, wenn ich nicht allzu viele Gedanken im Vorfeld damit zugebracht habe, was ich genau lesen möchte. Meistens, ist mir gerade eingefallen, kommt meine Urlaubslektüre nämlich direkt aus dem Flughafen- oder Bahnhofsladen. Außer letztes Mal, da habe ich wirklich zielgerichtet eingekauft und war absolut nicht enttäuscht. Lilly Lindner, hatte ich schon mal gesagt. Ob das was für dich ist, kann ich mir nicht vorstellen, aber vielleicht für eine Bahnfahrt 🙂

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        1. Wenn Ich wieder nächtens in D weile? 🙂 Ich bin ja kein Strandmensch. Ich mache wenn Urlaub, dann Städtereise. Da passiert den Büchern nicht viel. Aber das ist ein durchaus nachvollziehbares Argument.
          Was Bahnhofsbuchhandlungen angeht … Ich empfehle da die Comic-Ecke. 🙂

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  4. OMG. Schwere Kost. Du hast eindeutig keine Kinder, die dir dauernd mit Mama, Mama! dazwischenfunken (Bzw. mit Papa, Papa!). Oder? Derlei nicht vorhersehbare Unterbrechungen verleiden einem das Lesevergnügen sehr.

    Ich nehme in den Urlaub nur noch alibihalber ein Buch mit. Zuletzt war es das Lavendelzimmer von Nina George. Das habe ich überraschenderweise sogar ausgelesen. Und irgendein Mindless-Knitting-Project. Doch das wird eher nicht so das deinige sein. 😉

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    1. Ich habe (noch 1,5 Wochen) Eltern und Brüder, die mir mit „Kannst du mal …?“ oder lautem „Toooor!“ Den Lesefluss unterbrechen. Aber ja: Das kann ich nur aus der privilegierten Stellung als Nachkommenloser so machen.
      Aber stricken müsste ich auch mal wieder. Seit Dezember ruhen die Nadwln, dabei brauche ich eine neue Mütze.

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      1. „Toooor!“ unterbricht mich nie. Ich wage zu behaupten, dass ich die Fußballinteressierteste in meiner Familie bin (Man stelle sich vor: DAS bei drei Männern). Wobei mich Fußball ja eigentlich selber kaum kümmert.

        Interessant, was dein Artikel über mehr oder minder simple Urlaubslektüre in mir auslöst. Weil ich mich frage, was ich eigentlich lese. Warum ich lese? Warum ich nicht lese? Wie schaut es mit meiner Allgemeinbildung aus? Und mit der Bildung im Speziellen? Will ich mehr wissen? Sollte ich mehr wissen? Viel Wissen macht Kopfweh! Von was will ich mehr wissen? Kant, Nietzsche, Schnitzler sind tot, was kümmern mich alte Männer? Karl Fischer ist auch tot – und er verfolgt mich trotzdem dauernd. 😉

        Was schreibst du für Sachen, liebes Zeilenende. Da finden meine Zeilen nie ein Ende!

        Nachdenklich amüsierte Grüße!

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        1. Ich habe diese Wirkung auf Frauen … 😅
          Ich finde es legitim, zur Entspannung und Unterhaltung zu lesen. Lesen kann bilden, keine Frage. Und man sollte diese Möglichkeit manchmal nutzen. Aber es wäre ungehörig, über Dora Heldt die Nase zu rümpfen, wenn man sie mit einem anderen Anspruch liest außer: Ich möchte ein wenig lachen und mich in eine andere Realität flüchten.
          Was tote Menschen angeht: Die sind in der Überzahl. Also lesen. Man muss den Feind kennen, wenn es zur Invasion der Untoten kommt. 🙂

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      1. Au ja 🙂
        Ich möchte abwechselnd das weiße Kaninchen und die Grinsekatze sein. Ich glaube, das kommt mir am nächsten 😉

        Mal ganz ehrlich: Mit Fulltime-Job und Haushalt ist lesen tatsächlich weit her. Und im Urlaub bin ich eher auf „Alles erledigen, was man sonst nie schafft“-World-Tournee. Lesen steht bei mir irgendwo auf einer „Wenn ich in Rente bin / im Lotto gewonnen habe“-Liste.
        Früher war das übrigens ganz anders. Früher… als ich noch nicht erwachsen war 😦

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    1. Verfahr dich ohne Navi, dann hast du es auch spannend! ;o)
      J A O zubt* bei mir mit welchem Titel doch gleich?
      *Zimmer ungelesener Bücher – ihr wisst schon, den Ort wo man die Lies mich!-Schreihälse unterbringt, bis man im Lotto gewonnen oder in Rente gegangen ist – Schmunzler gen roerainrunner, ich weiß genau, was du meinst! :o)

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      1. Noch spannender ist es, sich mit Navi zu verfahren, weil man dann auch noch darüber grübeln kann, wie das nur passieren konnte.
        Zu den Skandinavier-Krimis konnte ich allerdings nie eine Beziehung aufbauen. Egal ob Mankell, die Millennium-Trilogie oder JAO … Spricht mich schon von den Klappentexten her nicht an. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass das genau das richtige Programm für faule Tage am Pool ist. 🙂

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