Der Deutsche und das Gemüse ist eine Kulturgeschichte, die wahrscheinlich sehr interessant zu erzählen wäre. Ich werde das tun, sobald ich weiß, wer „der Deutsche“ ist. So lange beschränke ich mich auf einige anekdotenhafte Beobachtungen.

Der Deutsche und sein Essen ist wahrlich keine Liebesgeschichte. Während man in grauer Vorzeit in Deutschland wahrscheinlich noch Mammuts gejagt hat (das gab es dann an Weihnachten mit Rotkohl und Knödeln, ihr erinnert euch), stand man vor einem Problem, als es ausstarb. Wahrscheinlich hat man probehalber Schwiegermütter gejagt, diese erwiesen sich aber als zu listenreich. Daher der tiefsitzende Hass männlicher Männer (Typus: behaarte Brust, langer Speer, eingeschränktes Vokabular) gegen Schwiegermütter.

Kurz vorm Aussterben gelang die Gewöhnung an den Verzehr von diversen Getreidebreien, ein gastrokulturelles Stadium, das auch andere Kulturen vorweisen können und im Falle der englischen Esskultur bis heute nicht überwunden werden konnte. Der Deutsche wehrt sich nicht gegen Innovationen, aber er ist stur. Die Kartoffel, des Deutschen liebstes Gemüse direkt nach dem panierten Schweineschnitzel, wurde von ihm anfangs auch mit Ablehnung bedacht.

Jenseits der Kartoffel beschränkt sich der Gemüsehaushalt des Deutschen auf gelegentliche zärtliche Experimente mit Zucchini, aber deftig sollten sie schon sein, so wie seine Bohnen im Speckmantel und natürlich sein Sauerkraut. Eine vollwertige Mahlzeit besteht aber schon dann, wenn besagtes panierte Schweineschnitzel und Kartoffeln, gern frisch vom Schwimmunterricht in der Fritteuse, auf seinem Teller landen.

Notfalls akzeptiert der Deutsche statt des Gemüses einen kleinen Salat. Allerdings hat er eine gewisse Pfiffigkeit entwickelt, sich das welke Gemüse schmackhaft zu machen. Wenn ihm die Ernährungsexperten zu Gemüse rieten, wieso nicht Salat? Und wenn Salat legitim sei, warum nicht einen wohlschmeckenden Salat? Und wenn man sich schon das Besondere und exotische gönnt, kann man auch richtig dick auftragen.

Ihr ahnt es bereits, so wurde der Nudelsalat erfunden. Des Deutschen liebster Salat. Und bevor sich jemand die Augen reibt: Schnitzel mit Pommes und Kartoffelsalat würde die Kartoffeln doppeln. Und Doppelung ist nur erlaubt, wenn das Gericht „Doppel“ im Namen trägt … Also wie im Fall des Doppel Whopper. Deshalb ist der Nudelsalat der Salat der Wahl, wenn es um Schnitzel mit Pommes und Salat geht.

Das Zeilenende schaudert es bei solchen Gedanken und auch wenn es gezwungen ist, Nudelsalat zu machen, dann wenigstens einen ohne Mayonnaise. Und einem, der wenigstens gesund aussieht. Dafür braucht es

  • 150g Farfalle
  • 250g Spinatblätter
  • 300g Zucchini
  • 1 Bund Basilikum
  • 1 Knoblauchzehe
  • 100ml Gemüsebrühe
  • 3 EL Zitronensaft
  • ggf. Knoblauchöl oder neutrales Öl
  • Pfeffer, Salz
  • frisch gehobelten Parmesan

Kocht die Nudeln in Salzwasser bissfest, gießt sie in ein Sieb ab und lasst sie abkühlen. In der Zwischenzeit könnt ihr die Zucchini hobeln und den Spinat von den harten Stielen befreien und waschen. Oder ihr lasst ihn auftauen, weil ich natürlich keinen frischen Spinat bekommen habe. Und weil das Auftauen sehr unspannend aussieht, habe ich davon auch kein Bild gemacht. Ich habe überlegt, ob ich ein Video dabei drehen soll und dazu beruhigende Dinge sage. Dann hätte ich Durchbruch mit dem ersten ASMR-Video feiern können, das statt als Einschlafhilfe als LSD-Ersatz wirkt, so tiefenentspannt wie ich bin.

Vom Basilikum zupft ihr die Blätter ab, die Knoblauchzehe hackt ihr klein und befördert beides mit Brühe, Zitronensaft, Salz und Pfeffer in einen Mixer. Dreht ein wenig durch (die Vinaigrette, nicht selbst) und wenn euch das Resultat zu flüssig ist, mixt alles noch einmal mit ein wenig Öl auf. Ein dreifaches Hoch auf mein Knoblauchöl: Hoch, Hoch, Hoch!

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Nudeln mit Zucchini, Spinat, gehobeltem Parmesan und der Vinaigrette vermischen und in einer großen Salatschüssel anrichten, damit die Illusion auf dem Buffet perfekt ist und die Leute glauben, dies sei in der Tat ein Salat und keine Sättigungsbeilage.

Zugegeben, man kann den Salat auch so in einer Schüssel drapieren, dass er wie angerichtet aussieht und nicht wie hingerichtet, aber was im Backen nicht meine Stärke ist, ist es im Kochen noch weniger. Die Hauptsache ist, dass es schmeckt. Und dass ich des Deutschen Liebe zum Salat ausgenutzt habe, um ihm Spinat und Knoblauch unterzujubeln.

29 Kommentare zu „Des Deutschen liebster Salat

  1. Hat sich bei mir auch noch nicht vorgestellt DER Deutsche…..hm….aber mal davon abgesehen das ich keinen rohen Spinat mag – auch nicht seit dem grünen Smoothie Hype – sieht der Salat fein aus 🙂

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    1. Der TK-Spinat ist, soweit ich weiß, nicht einmal roh. Ansonsten: mit etwas Extra-Knoblauch angedünstet, hebt das den Spinat noch einmal in die Höhe und würde dennoch passen. DER Deutsche ist übrigens eine Gemeinschaftsproduktion gewisser Elemente des Zeilenendeschen Haushalts. Du willst gar nicht, dass DER sich bei dir vorstellt. 😉

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  2. Da fehlt mir ein bisschen was Nichtgrünes. Kirschtomaten? Ich habe leider festgestellt, dass Nudelsalat ohne weißen Patsch in Form von Mayo meistens nicht so gut ankommt (meiner geht mit Champignons, Paprika, Kirschtomaten und glatter Petersilie).

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    1. Bei mir käme der vorzüglich an. Ich bin grundsätzlich kein großer Fan von Nudelsalat, noch schlimmer ist er mit dem Mayo-Patsch. Mayo gehört nur auf warme Kartoffeln und sonst nirgendwo hin. Was geht, ist Joghurt (da habe ich irgendwo auch ein formidables Rezept, das ich mal vorstellen müsste).
      Bei mir würdest du also, wenn es keinen schwäbischen Kartoffelsalat gibt, einen dankbaren Abnehmer finden. Was das Rote angeht … Da ich ja nach Schwaben gehe, empfehle ich zum Grün eher schwarz. Oliven oder so. 😉

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      1. Oliven ist auf jeden Fall kreativer als Kirschtomaten. Ich bin allerdings gerade in einer Oliven-bitte-grün-Phase, deswegen wäre ich da nicht von selbst drauf gekommen. Hm, warme Kartoffeln mit Mayo *brr*, meine fränkischen Gene sehen das anders. In Ausnahmefällen geht Schmand. Mayo mag ich eigentlich nur mit Pommes oder als Aioli mit Weißbrot. Aioli aber dann bitte selbstgemacht und da ist meine Erfolgsquote … , ähm, lassen wir das lieber. Ich habe da schon interessanten Matsch produziert.

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  3. Ich mag Nudeln an sich sehr, aber als Salat so gar nicht. Probiert habe ich bereits allerlei Varianten, aber überzeugt hat mich bisher keine. Das geht jetzt nicht gegen Deine Kochkünste, sondern nur gegen das, was man der armen Nudel, die sich eigentlich als Auflauf z.B. oder von Bolognese bedeckt viel wohler fühlt, mit einer Rolle im Salat so zumutet. Ich lasse mich nicht mehr dazu zwingen, Nudelsalat zu machen. Darüber bin ich nach einigen Fehlversuchen hinaus.

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    1. Kalte Nudeln sind auch reichlich geschmacksfad, da mache man sich nichts vor. Man muss da schon seeeehr mutig mit den Gewürzen sein, damit es deftig wird. Und selbst dann ist die Nudel undankbar. Aber der Deutsche wünschte sich Nudelsalat. Ein paar gute kenne ich, deshalb traue ich mich manchmal, was auszuprobieren. (Ich esse ja eh kaum Nudeln, also bin ich da raus.)

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  4. Oh ja. Ich erinnere mich ganz genau. Julemammut war ja auch im Norden DAS Weihnachtsessen. Nach dem Verschwinden der Mammuts hat man sich einige Jahrzehntausende lang verwundert die Augen gerieben und ist schließlich – zumindest in den Küstenregionen – auf Walfang umgestiegen.
    Deinen Nudelsalat würde ich mir auch gefallen lassen. Im Sommer durchaus als Hauptmahlzeit – vielleicht mit Tomaten und Peperoni aufgepeppt. 🙂 Und zum Nachtisch ein Zitronensorbet mit Basilikum…

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    1. Oh, Peperoni wäre in der Tat eine wunderbare Alternative, die auch was für Tanja im Norden wäre, die ja gern was Rotes im Salat hätte. Woher diese Rot-Grün-Obsession kommt, verstehe ich zwar nicht … *gg* Gibt es schon Pläne, ob man nach Ausrottung der Wale in Zukunft Melonen jagt?

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  5. Schon mal Nudelsalat mit Pesto, Rucola, Cherrytomaten und Schafskäse probiert?
    Nudelsalat mit Spinat ist aber auch keine schlechte Idee….vielleicht noch ein wenig Räucherlachs dazu?

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