Disney stellt alles auf den Kopf, sogar meine gewohnte Filmrezeption. Normalerweise feiere ich Disney-Filme nämlich. Nicht nur, weil sie gut gemacht sind und spannende Geschichten erzählen, sondern weil ich ihre Botschaften mag. Das stellt Disney mit „Alles steht Kopf“ gründlich auf den Kopf.

Inhalt lt. amazon.de

Im Hauptquartier, dem Kontrollzentrum im Kopf der elfjährigen Riley, leisten fünf Emotionen Schwerstarbeit: Angeführt von der optimistischen FREUDE, die Riley immer nur glücklich sehen möchte, sorgt sich ANGST ständig um Rileys Sicherheit, während WUT auf der Suche nach Gerechtigkeit bisweilen die Hutschnur platzt. Und die aufmerksame EKEL schützt den Teenager davor, sich zu vergiften – körperlich oder mental. Nur die unglückliche KUMMER weiß nicht so Recht, was ihre Aufgabe ist – nun ja, die anderen offensichtlich aber auch nicht. Als Rileys Familie eines Tages vom Land in eine fremde große Stadt zieht, sind die Emotionen gefragt, Riley durch die bislang schwerste Zeit ihres Lebens zu helfen. Aber als FREUDE und KUMMER durch ein Missgeschick tief im Gedächtnis des Mädchens verschwinden, liegt es an den anderen drei Emotionen, das Chaos in den Griff zu bekommen. Dummerweise haben FREUDE und KUMMER versehentlich wichtige Kernerinnerungen von Riley mitgenommen und müssen diese nun unbedingt ins Hauptquartier zurückbringen, wenn sie nicht für immer verloren gehen sollen. Es beginnt eine aufregende Reise durch ihnen unbekannte Hirnregionen wie das Langzeitgedächtnis, das Fantasieland, das Abstrakte Denken und die Traum Produktion, die von den beiden Emotionen alles abverlangt – auch, über den eigenen Gefühlsrand hinauszuwachsen…

allesstehtkopf
Quelle

 

Auf den ersten Blick alles gut?

Disney-Filme sind toll. Cap und Capper ist eine wunderschöne Erzählung über Freundschaft, wo Hass sein sollte, Aristocats nivelliert Standes- und Klassengrenzen, mit Merida und Maleficent hat Disney attraktive weibliche Helden im Angebot, die sich Klischee wie Anti-Klischee erfolgreich verweigern. Alles ist natürlich süß und gezuckert, man kann mangelnden Realismus oder die Betonung von Gefühlen zu Kritikpunkten machen, aber insgesamt ist das Konzept stimmig.

Auch „Alles steht Kopf“ verzichtet auf Realismus, betont Gefühle und hat eine schöne zentrale Pointe: „Man darf auch einmal traurig sein“ bzw. „Alle Gefühle haben ihre Berechtigung und müssen zusammenarbeiten.“ Das Problem entsteht, dass die problematischen Implikationen der Disney-Filme mit dieser Geschichte hier selbst zum Thema werden. Zu Beginn eine Sprachregelung: Wann immer ich über Gefühle spreche, meine ich Emotionen – und umgekehrt.

 

Probleme I: Gefühlsübersetzung

Der Film beginnt damit, dass Freude herumnervt. Freude ist ein ziemlich egoistisches Miststück. Ein Mensch, der so von Freude beherrscht wird, ist im besten Fall ein sehr glücklicher und begeisterungsfähiger Mensch, im schlechteren Fall ein ausgemachter Hedonist, der sich nur für die Stimulation seines Lust-Zentrums interessiert. Die übrigen Emotionen sind völlig von ihr abhängig, sie übernehmen nur im Ausnahmefall die Kontrolle. Und als Freude dann verschwindet, sind Angst, Wut und Ekel ziemlich überfordert damit, ihren Menschen zu steuern. Ihr Job ist es schließlich „Riley glücklich zu machen“, so der Tenor des Films.

Damit haben wir schon zwei Probleme. Das erste Problem ist die Vorstellung, dass diese Basis-Emotionen den Anspruch erheben, universell gültig zu sein. Das scheitert schon an der Übersetzung. „Joy“ heißt in der deutschen Synchronisation Freude, hätte aber mit „Begeisterung“ den besseren Namen bekommen, „Kummer“ ist nicht wirklich Kummer sondern „Traurigkeit“, „Anger“ ist auch nicht wirklich Wut (dafür ist er viel zu harmlos und leicht zu kontrollieren) sondern „Ärger“, etc. Der Film scheitert schon daran, die anglo-amerikanisch geprägte Sicht auf Gefühle adäquat ins Deutsche zu übertragen.

 

Probleme II: Gefühlshedonismus und Utilitarismus

Aufgabe der Gefühle sei es, Riley glücklich zu machen, ist das zweite Problem des Films. Freude verschwindet (mitsamt Kummer) und Riley kommt in eine Trotzphase. Am Ende des Films ist Freude natürlich wieder da und scheinbar ist die Botschaft des Films, dass alle Gefühle zusammenarbeiten müssen. Andererseits haben sich am Ende des Films alle Gefühle lieb – unter der Führung von Freude. Wo liegt nun das Problem?

Der Film suggeriert, dass Gefühle der grundlegende Antrieb für unser Handeln sind. Alles was wir tun, ist nicht nur von Gefühlen begleitet und durch Gefühle gefärbt, sondern die Gefühle sind es, die uns zu Handlungen motivieren. Und gut für uns sind solche Gefühle, in denen Freude den Ton angibt. Das gilt nicht nur für Riley, in einer Szene macht der Film auch deutlich, dass dies gleichermaßen für Erwachsene gilt.

Der Film erhebt damit eine hedonistische Norm zum Ideal und rechtfertigt utilitaristisches Handeln. Wir handeln dem Film nach gut, wenn Freude uns antreibt und wir ein Maximum an freudigen Erinnerungen machen. Wir sollen uns ein Wellness-Gedächtnis aufbauen. Auch wenn der Film sagt, es ist okay, mal traurig zu sein: Das ist nur okay, weil es wieder zu Freude führt.

 

Probleme III: Was fehlt

Riley hat glücklicherweise die Freundschafts- und Familieninsel, sie hat also gelernt, dass Sozialität freudige Dinge sind. Aber wenn Riley diese Erfahrung nicht gemacht hätte, wäre sie ein ziemlich egoistisches Gör geworden. Und die Aufforderung, hedonistisch zu sein, schmuggelt der Film auf subtile Art und Weise ein: Nur Freude ist eine positive Emotion, die anderen vier nehmen wir negativ war. Ich vermisse Loyalität, Neugierde und Liebe … Und noch jemanden. Den Wichtigsten von allen.

Der Film propagiert, dass wir nicht nur aus dem Bauch heraus handeln, sondern dass es auch gut ist, dass wir es tun. Gefühle sind nicht nur in Ordnung, sie bestimmen auch unser Leben. Mein innerer Immanuel Kant lag bei dieser Erkenntnis weinend am Boden. Er hatte sich schon zu Beginn des Films darüber beklagt, dass Achtung in dem Film nicht auftaucht und er war regelrecht schockiert darüber, dass die Vernunft eine kleine Abstraktionskiste und eine Eisenbahn sein soll. Er hatte gehofft, dass sich am Ende des Films eine Tür öffnet und eine neue Instanz den Kopf, die Kommandozentrale betritt, die die Gefühle kontrolliert.

Ein Mensch, der sich nur von seinen Gefühlen leiten lässt, hat sich nicht im Griff. Das bezweifelt auch der Film nicht, auch wenn er es gelungen verdeckt, weil Freude eine positiv besetzte Figur ist. Machen wir ein kleines Gedankenexperiment: Wenn in der Kommandozentrale Wut das Sagen hätte, wäre der Mensch ein Choleriker, bei Kummer wäre er ein Depressiver, bei Angst ein Paranoiker und bei Ekel ein … Mir fällt kein Begriff ein, wir würden den Menschen dennoch als problematisch wahrnehmen.

Der Film empfiehlt ein gesundes Zusammenspiel der Emotionen. Das gelingt ihm, weil die Gefühle sich in einem gewissen Rahmen rational verhalten, weil wir einen Menschen, der von Freude beherrscht wird, als glücklichen Menschen präsentiert bekommen und nicht als einen vergnügungssüchtigen.

Gefühle sind aber nicht rational. Die Ratio kann im Einklang mit unseren Gefühlen stehen, sie kann aber auch den Gefühlen entgegengesetzt sein. Und Vernunft ist auch nicht ein gelungenes Gleichgewicht der Gefühle, sondern hat eine eigene Qualität, denn es gilt auch: Es gibt Vernunft ohne Gefühle, wie es Gefühle ohne Vernunft gibt. Reine Vernunftmenschen sind gefühlskalte, berechnende Menschen. Obwohl ich fast vermute, dass auch bei ihnen im Kopf Freude das Kommando hat und sich eines Egoismus-Programms bedient.

 

Fazit

Der Film schlägt sich sehr eindeutig auf die Seite der Gefühle und empfiehlt uns, durchs Leben zu rennen und auf die Stimme zu hören, sie war schließlich immer da. Der Film behauptet, dass es unmöglich ist, unsere Gefühle zu kontrollieren. Mehr noch, er leugnet auch die Möglichkeit, unsere Gefühle zu reflektieren, denn in den Momenten, wo dies geschieht, geschieht es auf der Gefühlsebene. Da wird der Film problematisch, weil er das gesamte menschliche Leben auf emotionale Befindlichkeiten reduziert.

Der Film ist natürlich nett anzuschauen. Er ist sogar ganz niedlich und an mancher Stelle berührend. Er unterscheidet sich von anderen Disney-Filmen, die auf Gefühle setzen, aber dadurch, dass er explizit ein gewisses Verständnis von Gefühlen propagiert. Und er kann sich nicht damit herausreden, dass es nur im Kinderkopf so zugeht. Wir blicken auch in Erwachsenenköpfe. Da sieht es ähnlich deprimierend aus.

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27 Kommentare zu „Alles steht Kopf

  1. Der Film funktioniert für Dich nicht, weil er einer anderen Philosophie entspricht, als Du sie vertrittst. Das ist nur natürlich.
    Für mich hatte er die Botschaft, dass die Gefühle im Einklang, d.h. im Gleichgewicht (ich sag mal Taoistisch) funktionieren müssen. Diese Botschaft würde ich sogar unterschreiben und sie ist übrigens die gleiche Philosophie, die auch Alan A. Mine seinem Sohn näherbringen wollte, als er „Puh der Bär“ schrieb.
    Auch die Narnia Bücher haben eine klare religiöse Prägung (wir denken nur an den Wandschrank, der uns die Geschichte Jesus näher bringen will – oder sogar E.T. der das ebenfalls macht – d.h. ein göttliches Wesen opfert sich für unsere Sünden und erlebt eine Auferstehung).
    Die meisten Kinder Bücher sind von solchen Philosophien durchdrungen.
    Der Geschmack ist da natürlich ausschlaggebend. „Der goldene Kompass“ will Kindern übrigens den Athrismus näher bringen. Auch krass… 😉

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    1. Klar. Das ist einschränkend wichtig. Deshalb bin ich froh, dass deiner der erste Kommentar ist. Das Problem hier ist, dass der Film selbst ja direkt ein umstrittenes(!) Thema angeht und es nicht „nur“ als Geschichte benutzt. (Wobei ich finde, dass Pu die Freundschaft zum Thema hat).
      Ich sehe meinen Beitrag auch eher als Angebot, die Botschaft differenziert zu sehen. Und zu zeigen, dass so ein harmloser Kinderfilm eben auch mehr sein kann. Und obwohl er doof ist: Sehenswert ist er ja bei aller Ideologiekritik trotzdem.

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      1. Das wollte ich ja auch sagen: viele Kinderfilme haben eine religiöse oder philosophische Prägung.
        Aktiv ist Puh geschrieben worden, um den Taoismus an das Kind zu geben. Die Charaktere haben alle einen Charakter nach einem bestimmten Gefühl.
        Narnia und Der Herr der Ringe hatten die gleiche Intention. Die beiden Autoren waren Freunde und hatten vereinbart, Geschichten zu schreiben, die ihre religiösen Überzeugungen vermitteln. Tolkien war übrigens nich begeistert von den Narnia Geschichten…
        Es sollte immer klar sein, dass Autoren auch ihre Meinung in ihre Bücher packen. Das mache ich ja auch in meinen… 😉

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  2. Die meisten Filme oder Serien über die du schreibst habe ich nicht gesehen. Umso schöner nun etwas zu lesen, das von einem Film handelt den ich gesehen habe. Mit den Töchtern meines Freundes morgens um halb sieben (das erklärt warum ich ihn gesehen habe….leider ging der Plan, dass ich dabei weiter schlafen kann, nicht auf). Ich fand ihn nett. Und für einen Film der vordergründig unterhält auch tiefgründig genug. Wobei uns „Freude“ allen dreien auf die Nerven ging – Begeisterung ist tatsächlich ein viel besserer Name.

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    1. Die Tiefgründigkeit ist in der Tat eine Stärke. Und es beruhigt mich immens, dass noch mehr Leute Freude nervig finden. 🙂
      Mit „nett“ kann ich als Urteil sogar ganz gut leben, mann muss mit der Botschaft eines Filmes ja nicht einverstanden sein, um ihn dennoch mit … Freude … zu schauen. 😄

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    1. Ah … Klar. Der Film dient auch der Unterhaltung. Aber: Unterhaltung ist auch eine Waffe, die gezielt eingesetzt werden kann, um Ideen zu verbreiten. Oder subversiv zu unterlaufen. Gerade Keimzeit dürften da auch ein Lied von singen können. 😉

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  3. Hm. Also ich hab den Text gelesen und finde es spannend, welche Gedanken du dir darum machst. Dennoch, so leid es mir tut, kann ich nur seufzen und denken: „Man kanns auch übertreiben.“ Ja, so muss ich das sagen 😀 Deine Kritik ist mit Sicherheit angebracht aber ich glaub, dass weder ein Macher des Films noch ein Zuschauer der Zielgruppe (kinder!) diese Gedanken hatte. Dort kommt die Botschaft: „Traurigkeit ist okay.“ an und das finde ich gut.
    Dass Freude erstrebenswert ist, finde ich auch nicht falsch. Also ich bin lieber glücklich als wütend 😉 Im Film (einem Kinderanimationsfilm!) geht es schließlich um Gefühle und nicht um das Thema „Wie setzt sich wissenschaftlich-philosophisch korrekt menychliches Handeln zusammen“.

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    1. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber weil der Film bei der Wahl geeigneter „Basis-Emotionen“ die typischen getroffen hat, denke ich schon, dass sie sich wissenschaftlichen Beistand geholt haben. Ganz intuitiv bin ich nämlich nicht der Ansicht, dass „Disgust“ eine Emotion ist. Ich halte das mehr für eine körperliche Reaktion. Aber darüber ließe sich, wie so vieles, trefflich streiten.
      Aber selbst wenn der Großteil der Entscheidungen unbewusst getroffen wurde, fügen sie sich zu einem durchaus plausiblen Bild von Gefühlen. Das ist eine Leistung. Aber nur weil die Zielgruppe Kinder sind, heißt das nicht, dass man alles machen darf. Kulturpessimismus ein: Da wird eine Horde emotionsgesteuerter Hedonisten herangezogen, weil der Film ihnen das als gut präsentiert. Und Kinder sind sooo leicht verführbar.
      Okay, genug über mich selbst lustig gemacht.
      Ich gifte auch Frau Meyer für ihr hausbackenes Liebesverständnis in Twilight an. Filme, Bücher, etc. sind nie nur Unterhaltung. In den meisten Fällen sind die normativen Implikationen (das ist ja der Punkt: Der Film sagt, „du sollst so sein“, nicht „du bist so“) harmlos.
      Der Film hier ist auch weitestgehend harmlos. Aber ich halte es für wichtig, über diese Dinge zumindest mal nachzudenken. Dazu lädt der Film ja ein, es geht nicht nur um Gefühle (so wie es in Twilight um Liebe geht und es auf der Meta-Ebene schwierig wird), sondern der Film ist schon die Meta-Ebene, die er dann radikal zusammenkürzt.

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      1. Richtig, nur weil die Zielgruppe Kinder sind, darf man nicht alles machen. Stimme ich total zu. Allerdings ist es ja auch nicht so, dass ein Kind nur diesen einen Film schaut, aufsaugt und verinnerlicht und sein ganzes Leben danach ausrichtet 😉 Im Idealfall sollten da Erwachsene sein, mit denen das Kind über den Film sprechen kann. Aber, und das ist jetzt einfach mal meine naive Ansicht, selbst wenn dem nicht so ist oder wenn der Erwachsene vielleicht nicht „kompetent“ genug ist, um den Film so zu reflektieren, wird dieser Film Kinder nicht zu vergnügunssüchtigen Hedonisten machen.

        Wie gesagt: ich finde es total spannend, welche Gedanken du dir zu dem Film machst. Hat sicher auch seine Berechtigung. Ich finde es dennoch too much für einen Disneyfilm. Man sollte dem Zuschauer schon zutrauen, selbst weiterzudenken und ich denke, auch Kinder können ab einem gewissen Alter genug differenzieren. Und ich für meinen Teil hätte es eher beängstigend oder verstörend gefunden, wenn am Ende des Films ein Männchen namens „Vernunft“ in die Zentrale marschiert und wie ein Oberfeldwebel alle unter seine Fittiche stellt – das hätte doch den Eindruck vermittelt, dass Gefühle unzulässig sind. Vielleicht hängt das aber auch davon ab, was für eine Persönlichkeit man hat – ich bin sehr, sehr emotional und tatsächlich treffe ich auch viele Entscheidungen so. Das ist nicht immer gut, weiß ich auch, aber bis jetzt kann ich mich nicht beschweren 😉

        Aber wenn wir schon diskutieren, dann auch darüber, wie die Emtionen dargestellt sind: Warum ist die beliebte Freude das hübsche, schlanke Mädchen im Kleid? Warum ist die unerwünschte Kummer das dicke Mädchen mit Brille und Rollkragenpulli? Warum ist Ärger männlich und Ekel weiblich? Warum ist Angst der schlaksige Nerd mit Pullunder? DAS finde ich viel problematischer, aber ich denke das hängt auch damit zusammen, mit welchen Themen man sich so beschäftigt. Ich bin mit Philosophie zwar in Berührung gekommen (Leistungs LK im Abi), habe da aber nicht dein fundiertes Wissen und denke dann beim Gucken des Films über ganz andere Dinge nach. Deswegen hoffe ich, dass mein erster Kommentar nicht falsch rüber kam, war vielleicht etwas schroff, ich wollte dich nicht angreifen 🙂

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      2. Ha! Hab ich dich. 🙂 Nein, keine Sorge. Ich weiß auch, dass mein Beitrag provokant ist, bis in den Tonfall hinein. Man soll sich dran reiben können. Das habe ich bewusst gemacht. Also immer kräftig widersprechen.
        Ja, in der Tat. So eine Ratio wie die von dir geschilderte hätte ich in Bausch und Bogen verurteilt (hoffe ich), denn natürlich braucht es auch zwischen Gefühl und Verstand einen Ausgleich. Das weiß selbst ich Verstandesmensch (und Gefühlsausbruch kann ich auch).
        Aber die Geschlechterverteilung finde ich auch spannend, wo du es sagst. Du führst mir netterweise meine eigene Brille vor (obwohl ich sonst große Stücke auf meine Genderkompetenz halte). An der Stelle reproduziert der Film klassisches Rollenverhalten (und ich glaube, die Freude in jedem Kopf im Film ist ein Mädchen). Es wäre naheliegender, dass die Gefühle im Kopf … kein Geschlecht wäre wohl kompliziert, aber alle das gleiche Geschlecht wäre naheliegend. So reproduziert der Film, das Ärger so etwas typisch männliches ist, während die ausgelassene Freude eher Frauen zusteht. Da ist es das gleiche:
        Klar, ein Film allein sorgt nicht dafür, dass sich Stereotype bilden, aber sie reproduzieren vorhandene Stereotype. Und dadurch werden sie stark.
        Als Ärger das Kommando übernimmt, wird der Vater autoritär, das Mädchen wird … zickig? Es geht zumindest in die Richtung. Ganz schön heteronormativ, gell?
        Das ist eine wunderbare Ergänzung. Man muss sich ja keinen Illusionen hingeben: Perfekte Filme sind selten.

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  4. Wir haben ja auf Instagram lang und breit diskutiert. Mich hat Freude zwischendurch auch gehörig genervt aber nach wie vor bin ich der Meinung, dass es ja auch erst mal um Kinder geht, die so völlig emotional differenziert auch noch nicht durchs Leben gehen. Und einem Kind, das auf der Schwelle zur Pubertät steht, mitzuteilen, dass es auch in Ordnung ist, frustriert, deprimiert oder sonstwie schlecht gelaunt zu sein, finde ich eine gute Absicht des Filmes.

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    1. Amen. Du weißt doch, dass ich gern provoziere. Dennoch stört mich die Botschaft des Films: Meine Standardstimmung ist „pissed of“, deshalb schreibe ich solche Artikel. Und ich finde, die Welt könnte ein wenig mehr Unzufriedenheit für alle vertragen, zumindest in Gefühlsdingen. Andererseits kann es Kindern in der Pubertät auch nicht schaden, ihnen zu sagen, dass es mehr gibt als Gefühle. 😉 (das ist ja das, was mich am meisten stört, dass der Film alles auf Befindlichkeiten reduziert).

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      1. Standardmäßig „pissed of“ zu sein klingt für mich nach unzufrieden und zumindest einem Zustand, dem ich mich nicht allzulang hingeben möchte. Ich bin wohl ein Opfer der Spaßgesellschaft 😉 Nee, Scherz beiseite. Der Vorgabe, immer glücklich und nach Rosen duftend und Regenpogenpupsend durch die Gegend zu laufen, folge ich auch nicht. Wäre auf Dauer zu anstrengend und dazu stell leider das Leben zu viel Dickmaulrüssler an die Rosenbüsche. Aber ich sehe es pragmatisch: wenn ich ständig wütend über etwas bin, ist das auch anstrengend und außerdem gibt das blöde Falten. Im Gegensatz zu Lachfältchen. Die finde ich hübsch.

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      2. Ich ziehe aus Unzufriedenheit sehr viel Kraft, weil ich dann etwas habe, woran ich arbeiten kann. Ich bin optimistisch pissed, wenn man so will.
        Was Falten angeht: Hör mir bloß auf. Ich habe da auf der Stirn, wo meine Denkerfalte ist, Anzeichen für Dauerhaftigkeit entdeckt …. 😢

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    2. Genau meine Gedanken 🙂

      Ich fand den Film gelungen; jegliche Emotion ist in der Überdosis nervig, weswegen ich mich mit der Begeisterung auch gut anfreunden konnte, trotz ihrer Überpräsenz.

      Warum er mich nicht ganz so genervt hat wie dich:

      1. Pubertät. Ich erwarte auf dieser Schwelle noch kein ausgeprägt rationales Verhalten und der Film soll Kinder ansprechen. Ich sage nicht, dass Kinder nicht rational sein könnten, aber beherrscht werden sie nun mal von Emotionen. Habe zwei Studienobjekte hier, die das bisher deutlich bestätigen ^.^

      2. Charakterzüge. Ich hatte beim Schauen aus der Dominanz der Freude rausgelesen, dass sie Rileys prägender Charakterzug ist und diese Emotion deswegen so stark repräsentiert wird. Sie ist ein begeisterungsfähiges Mädchen. Wäre sie überpenibel und phobisch, hätte vielleicht Ekel den Vorsitzt.

      3. Message. Die stimmt nach den vorangestellten Annahmen insoweit, dass Riley ihr altes Wesen wiederfindet, aber eine neue Ebene an Emotionen dazu gewinnt. Und da ich von einem Kinderfilm jetzt auch nicht grundlegende, umfassende Theoriegebilde erwarte, wo man Gegenpositionen ausgewogen mit dazwischen streut, war ich mit der Werk insgesamt zufrieden 🙂

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      1. Dem kann ich mit Einschränkungen zustimmen. Mir stellen sich ja vor allem die Nackenhaare auf, weil der Film (er zeigt ja die Erwachsenenköpfe) suggeriert, dass da nur Gefühle sind. Und das finde ich arg verkürzt.
        Den zweiten Punkt finde ich spannend. Der Film suggeriert nämlich, dass Freude die Oberaufsicht führen sollte ( die Erwachsenen haben Freude auch in der Mitte ). Vielleicht ist sie als Figur einfach auch zu überladen. Sie ist ja auch Neugier und Hilfsbereitschaft, … Okay, das ist was, das gegen die Idee von Basisinformationen spricht.
        Abachließend: Ja, der Film funktioniert. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Was ich schade finde. Denn viele Disney-Filme funktionieren auf mehr Ebenen. Wahrscheinlich bin ich einfach enttäuscht. 🙂

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      2. Kann gut sein.

        Ich kenne ehrlich keinen Disney Film, der nicht in irgendeine Klischee-Falle mit entsprechenden Konsequenzen tappt. Bei mir sind die Adressaten und die Disney-Philosophie (wenn man das so nennen mag) immer gleich auch präsent. Ich erwarte also nix Rundes.

        Grundlegend kann ich dir aber zustimmen, dass die Sichtweise sehr einseitig emotional ist. Was aber irgendwie auch sehr historisch-philosophisch ist in gewisser Hinsicht. Kaum eine Theorie würdigt die Alternativen in einem eben solchen Maße, wie sie versucht diese zu falsifizieren und sich davon abzuheben. Warum sollte es ausgerechnet beim einem schon alleine vom Konzept her simplifizierenden Kinderfilm also anders sein 😉

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      3. Irgendwelche gibt es immer. Und auch wenn Disney das Reich des Bösen ist: Merida fand ich spitze. 😉 Aber das nur am Rande.
        Ich müsste mich allerdings auch arg anstrengen, eine Theorie zu suchen, die Ratio und Gefühle in Einklang zu bringen versucht. Das Problem ist aber wahrscheinlich: Die extremen Positionen sind meist die, die im Gedächtnis bleiben.

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      4. Dafür braucht man sie. Mein herangehen auch für Schüler: Grobes Muster und die Extrempunkte verstehen, dann in die Tiefe und ins Detail gehen. Hilft wesentlich mehr als sich erst komplett nur in eines einzuarbeiten.

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  5. Jetzt muss ich mir den Film wirklich endlich ansehen. Ich hatte bisher nur positive, seeehr positive Kritik gehört und gelesen, und dann kommt das Zeilenende und philosophiert über Hedonisten, Utilitarismus und schlechte deutsche Übersetzungen, tz, tz. Warum schaust du ihn denn auf deutsch und nicht OV, wenn ich fragen darf, oder stellst du diese Betrachtungen bezüglich deutscher Begriffe nur für die Rezension hier an?
    Ratio als Zug, vielleicht als abgefahrener Zug? Da bin ich wirklich gespannt 🙂 Wo ich doch ein Vernunftmensch bin, außer ich ärgere mich gerade unheimlich oder bin sehr traurig oder sehr gut aufgelegt oder von anderen Gefühlen geleitet 😉

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    1. Was die Übersetzung angeht: Ich brauch es als Argument: Die meisten Gefühle sind meiner Ansicht nach , wenn nicht völlig, so doch zum Großteil eine Sache kultureller Prägung. Von daher benutze ich die Übersetzungsproblematik als Argument gegen die implizite Behauptung des Films, es gäbe universelle Basis-Emotionen … Und zwar die drei gezeigten. Bei allen ist die Übersetzung nicht eindeutig. 😉
      Aber auch sonst: Filme gucke ich mir häufig in der Synchronisation an. Serien eher in OV. Ich brauch immer ein wenig, um mich einzuhören. Das ist bei Filmen blöd.
      Und: Wir sind alle Vernunftmenschen, die dummen Leute vergessen das nur ständig. 😅

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