Epilog oder: Die Montagsfrage wandert aus aktuellem Anlass in dieser Woche auf den Mittwoch.

Letzte Woche am Frühstückstisch. Ich habe vorsorglich alle Rotkehlchen im Garten vom Katzen-Einsatz-Kommando evakuieren lassen.

„Wo fahrt ihr denn dieses Jahr in Urlaub hin?“

„Regensburg.“

„Wann?“

„Nächste Woche.“

Es gibt schlimmere Urlaubsorte, möchte man meinen. Nur wer noch jung und viril ist, wird seine Freude an einem und die notwendige Ausdauer für einen Aufenthalt in Fickmühlen oder Eichelhardt haben. Ab einem gewissen Alter ist Petting oder Busenhausen die bessere Wahl. Lieblos als Wahl des Pärchenurlaubsortes hingegen zeugt davon, dass der nächste Urlaub besser getrennt verbracht werden sollte, vielleicht in Puffthal.

Für die Freunde kulinarischen Reisens hat sich Essen ja schon vor Jahren als festes Ziel etabliert, während Wassersuppe und Linsengericht den Geschmack der breiten Mehrheit bislang nicht getroffen haben. Dabei ließe sich zumindest der Aufenthalt in Linsengericht mit anschließender Erholung in Bad Windsheim verbinden.

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Für Kulinariker bislang ein Geheimtipp, aber auch nicht zu verachten: Esslingen.

Gerade ältere Menschen könnte es zu schaffen machen, wenn sie ihren Urlaub ausgerechnet in Todesfelde, Leichendorf oder Grabau verbringen möchten. Aber auch bei der Ankündigung, in Himmelsthür weilen zu wollen, würde ich skeptisch reagieren.

Nun ist es nicht so, dass Mutter Zeilenende und Herr Zeilenende Sr. Gefahr liefen, unversehens für weiteren Familiennachwuchs zu sorgen. Wie jeder Nachkomme stelle ich mir meine Eltern gern als asexuelle Wesen vor, weil die Alternative ebenso erschreckend wie ekelig ist und ich vor allen Dingen kein Interesse an weiteren Geschwistern habe. Im Gegenteil bin ich immer noch deprimiert, weil ich Bruderherz und Nesthäkchen nicht bei ebay versteigern darf. Kulinarisch sind sie bodenständig, Linsengericht wäre also durchaus eine Möglichkeit für sie und noch ist es zu früh, akutes Unwohlsein bei Urlaub an morbiden Orten zu verspüren. Außerdem sind die Beiden hart im Nehmen. Schon Mitte der 90er haben sie an der mecklenburgischen Ostseeküste gecampt. Vergleiche mit dem Slumtourismus in Brasilien verbietet mir in diesem Fall nur mein Anstand.

Regensburg allerdings halte ich für eine schlechte Wahl. Beim letzten Urlaub in Süddeutschland mit der ganzen Familie, hat es gefühlte zwei Wochen durchgeregnet und wir haben Bekanntschaft mit „Die Siedler von Catan“ geschlossen, während wir im Wohnwagen saßen, alle Fugen abgedichtet und von der Hoffnung zehrend, dass unser Wohnwagen schwimmen würde. Seit diesem denkwürdigen Urlaub gilt die Regel: Urlaub in Süddeutschland nur noch im Breisgau, da ist das Wetter gut. Es wundert euch bestimmt nicht, wenn ich euch erzähle, dass sie tatsächlich einmal im Breisgau geurlaubt haben. Es regnete beinahe die ganze Woche, die sie dort verbracht hatten.

Mutter Zeilenende insbesondere weiß Regen im Urlaub nicht zu schätzen, dann man bekommt einen Wohnwagen nicht trocken, für den Weg zur Toilette benötigt man Regenschirf und Gummistiefel, man kann nicht gedankenverloren durch die Gegend spazieren ohne nass zu werden und überhaupt ist man die meiste Zeit in das Plastikgehäuse des Wohnwagens oder das Blechgehäuse des Zugfahrzeugs eingesperrt. Mutter Zeilenende könnte natürlich ein Buch lesen, allerdings funktioniert das nicht, wenn der Ehegatte – ebenfalls eingesperrt – in den Kleinkindmodus schaltet und durchgehend beschäftigt werden möchte.

Regensburg also. Mutig. Hoffentlich gilt der alte Spruch in diesem Fall nicht. Ich für meinen Teil genieße die himmlische Ruhe im Haus. Jetzt beginnt sie für mich: Die schönste Zeit des Jahres.

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27 Kommentare zu „Die schönste Zeit des Jahres (II)

  1. Juhu! Blödsinn 🙂 Ich hatte auf „Lederhose“ gewartet. Das Schild begegnet mir immer, wenn wir auf der A9 gen Norden fahren und ich wundere mich immer, weil es, soweit ich mich erinnere, nicht in Bayern liegt.
    Wohnmobilurlaub finde ich übrigens auch ganz grässlich, obwohl ich noch nie an einem teilgenommen habe. Aber alleine die Vorstellung, die ganze Zeit in einer Blechbüchse verbringen zu müssen, regt mich auf. Dann lieber ein schönes Hotel, in dem man, bei Regen, zumindest noch die Bar aufsuchen kann 😀 Mit Buch und/oder Laptop.
    Jetzt bist du allerdings alleiniges Personal der Katzen, oder? Schaffst du das denn? Die wurden ja an anderer Stelle schon als sehr zeitaufwändig beschrieben 🙂 Genieß den Urlaub!

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    1. Amen. Ich habe ja nicht viel Anspruch an den Urlaub, aber was ich haben will ist
      1) ein Bett mit richtiger Federung und Matratze (und nicht das Polstergedöns)
      2) ein eigenes Bad (oder die Möglichkeit, ein Badezimmer trockenen Fußes zu erreichen)
      3) Frühstücksbuffet
      Also im Prinzip mindestens den Komfort von daheim + Frühstücksbuffet. Sonst muss ich echt nicht wegfahren. ^^

      Meine beiden Brüder sind noch daheim und die Damen sind ja mittlerweile alt und zu 2/3 fett. Die machen also Arbeit, es teilt sich aber auf drei Personen auf. Und Mi/Do bin ich eh nicht zu Hause. Da können sich die beiden Nachgeborenen allein kümmern. *gg*

      Das eigentlich Schlimme ist: Ich bin jetzt der Bügeleisen-Beauftragte. Und Bügeln gehört zu den wenigen Aufgaben, die ich nicht mag.

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      1. Als Kurzreiseziel finde ich Hessen durchaus brauchbar. Ich mag Taunus und Rheingau gern und auch die Rhön ist nett. Meine eigene geographische Historie ist mit sechs teils mehrfach bewohnten Bundesländern kompliziert. Aber auch als Wohnort schneidet Hessen nicht schlecht ab. Derzeit bin ich zugezogene Teilzeithessin und zugezogene Teilzeitnordrheinwestfälin. Urlaub in NRW? Da kann ich zu Hessen nur zuraten.

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  2. Würde der Name halten, was er verspricht, wäre Regensburg definitiv mein Traumziel für die Sommermonate (April – Oktober). 🙂
    Eher einen Bogen würde ich allerdings um Haßloch machen. Das wäre ja vielleicht eher so der Ort für einen letzten gemeinsamen Urlaub im Angesicht einer unheilbar kriselnden Beziehung. 😉
    [Aber genau so wie nicht jeder Urlaub hält, was der Hochglanzprospekt verspricht, sind unvorteilhaft benannte Orte ja oft weit weniger schlimm, als ihr Name anzudrohen scheint.]

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    1. Und wenn es mit Regensburg nix wird, könnte ich dir immer noch Finsterwalde anbieten. Soll auch seine Qualitäten haben. Aber zumindest Eichelhardt lohnt den Urlaub nicht. Eine Straße, 20 Häuser, eine Bankfiliale oder so. Ich kenne den Ort auch nur vom Durchrasen. *g*

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  3. Da schuftet man den lieben langen Tag, damit es die Kinderlein gut haben, und dann jubilieren die, wenn die Eltern endlich einmal nicht zu Hause fuer Anstand und Ordnung sorgen und nennt es gar noch rotzfrech die schönste Zeit im Jahr?! Eltern-sein ist wirklich ein unfairer Job 😉
    Golfen in Tuttendoerfl ist uebrigens in Niederoesterreich beliebt. Also falls deine Eltern ihr Handicap verbessern wollen … Ein Wienbesuch wäre da auch geografisch gleich naheliegend, wenn man alle Ober/Unter/Hinterstinkenbrunns umfährt 🙂

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    1. Ach, du missverstehst das. Ich freue mich für meine Eltern, dass sie endlich im Urlaub sind und sich von ihren garstigen Gören erholen können. 😀 Deshalb glaube ich auch nicht, dass sie sich fürs Golfen erwärmen können, sie sind ja ohne ihre drei Handicaps in Urlaub gefahren. 😉

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  4. Solltest Du Dich nach Ruhe sehnen, kann ich Dir einen Kurzurlaub in Äußere Einöde sehr ans Herz legen, allerdings nicht auf dem Weg durch Hühnergeschrei. Kein Urlaubsziel für Vegetarier ist angeblich die Gegend um Fleischessen, aber falls Du zufällig interessierter Geodät bist, gibt es den Geburtsort des Vermessungswesen zwischen Groß-Klein und Klein-Klein. 😉

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    1. _Äußere_ _Ein_öde finde ich schon semantisch sehr spannend. Ich sehe, „dämliche Ortsnamen“ sind internationaler, als ich dachte. Dabei hatte ich mir das notorische „Fucking“ schon gespart. Danke für die Ergänzungen. 🙂

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  5. Wissen Deine Eltern, wie viele Gedanken Du Dir um ihren Urlaub gemacht hast? 😛
    Ansonsten solltest Du vielleicht mal über einen allgemeinen Ratgeber nachdenken – so in der Richtung „Urlaub für Fortgeschritten – wie ich meinem Partner mit dem Urlaubsort indirekt die Meinung sage“… 😀

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