Der Beitragstitel beinhaltet weder einen Rechtschreibfehler noch dokumentiert er meine Umstellung auf die Rechtschreibung vor der großen Reform, die unser aller Leben tiefgreifend verändert hat. Heute ist nicht Freitag, also kann es gar nicht um Schicht-Torten gehen. Es geht um Schicht-Orte.

Der Begriff bedarf weiterer Differenzierung. Gemeint ist nicht der Schacht, in dem manchmal Schicht ist. Und gemeint ist auch nicht das Seniorenzentrum, auch wenn dort ebenfalls im Schichtbetrieb gearbeitet wird. Es geht um das seltsame Phänomen, bei dem es um die Schichtung an einem Ort geht.

Schichtende Orte kennen wir alle. Es sind Orte voller Geschichte. Weil dort Dinge geschichtet werden. Historische Schlachtfelder sind solche Orte. Da wird erst Blut auf die Erde geschichtet und anschließend Erde auf die Leichen und zu guter Letzt widerlicher Pathos auf die armen Schweine, denen man einen Heldentod unterstellt, damit man es noch einmal versuchen kann, Verdun einzunehmen.

Es gibt natürlich nicht nur Schichten voller Bitterkeit. Stellt euch vor, wir würden alles bewahren wollen, was Menschen einmal errichtet haben. Man stelle sich einmal vor, Vetera wäre nicht zerstört und mit Erde beschichtet worden – zahllose Archäolog*innen wären heute arbeitslos und müssten staatliche Transferleistungen beziehen. Oder sie wären gar nicht Archäologen geworden, weil die Griechen Troja damals nicht zerstört und Heinrich Schliemann nichts zu suchen gegeben hätten. Statt brillanter Archäolog*innen wären sie Gärtner*innen geworden, um etwas umgraben zu können. Aber so viele Gärtner*innen könnten wir gar nicht gebrauchen. Vor lauter erhaltenswerter Bausubstanz hätten wir keinen Platz für Grünanlagen. Es bliebe ihnen nur, ihre Verzweiflung zu kanalisieren und für Nachrichtendienste in unserer Privatkorrespondenz nach schmutzigen Details zu schnüffeln.

Andererseits kann man es mit der Schichtung übertreiben. Das gilt nicht nur für McDonald’s Giga Big Mac, sondern auch für Mutter Zeilenende.

Ich berichtete davon, das die hochwohlgeborene Wilhelmine von und zu Zeilenende derzeit ein Problem mit ihrer Blase hat und es dementsprechend vorzieht, kurze Wege zu gehen. Das Problem ist, dass der Lieblingsplatz der hochwohlgeborenen Wilhelmine von und zu Zeilenende nicht der Keller ist, wo die Katzenklos stehen. Zugegeben, manchmal hält sie ihr Nickerchen auch gern in einem Korb voll Wäsche, die der Reinigung harrt. Das liegt allerdings einzig und allein daran, dass die Katze offenbar an Anosmie leidet und nicht weiß, WO sie da genau liegt.

katze_billy

Viel lieber hält sie ihr Nickerchen im Erdgeschoss, gut behütet auf einem der Stühle im Esszimmer, in einem der Sessel vor dem Kamin oder auch im Wohnzimmersessel. Bei Katzen wie bei Menschen gilt: Der Familienvorstand nimmt im Sessel Platz.

Doch was nun tun, wenn man eben noch selig schlummerte und im nächsten Moment, noch völlig verschlafen, ein dringendes und drängendes Bedürfnis hat? In diesem Zustand ist es natürlich unmöglich, noch eine Treppe zu steigen und das Personal weigert sich, ein Katzenklo prominent zu platzieren, sagen wir auf dem Couchtisch. Es ist nun allerdings auch keine Lösung, auf den Boden zu pinkeln. Das ist unästhetisch. Der Sessel verbietet sich ebenfalls, denn dort will man schließlich gleich den majestätischen Schlaf fortsetzen.

Der Bedürfnisort sollte, so viel Anspruch muss sein, weitere Bedingungen erfüllen. Man sollte das Geschäft irgendwie bedecken können. Denn Katzen sind nicht bloß reinliche Tiere, sie haben ebenso viel Freude am Schichten wie Menschen. Da bietet sich das Sofa an. Denn: Wer bei zahllosen Katzen wohnt und freie Logis gegen Putzdienst erhält, muss sich der Katzenhaarproblematik stellen. Decken auf der Couch schützen dieselbe nicht allein vor (streng genommen legitimen) Krallenattacken auf den Bezug, sie lassen sich auch ausschütteln und die (natürlich ausgesprochen dekorativen) Katzenhaare beseitigen. Und man kann darauf urinieren, die Decke anschließend umschlagen und sich wieder in den Sessel legen und so tun, als habe man mit dem gelben Fleck auf der Couch Ü-BER-HAUPT nichts zu tun. Großes Pfotenehrenwort.

Wie begegnet man diesem katzigen Verhalten nun? Man könnte die Katze unter Beobachtung halten. Das funktioniert allerdings nur tagsüber, nachts muss auch Mensch schlafen. Um nicht jeden Morgen aufs Neue die Decken zu waschen, könnte man sie natürlich abdecken. Diesen Gedankengang hatte auch Mutter Zeilenende und erwarb Folie, wie man sie zur Abdeckung von Böden und Möbelstücken beim Innenanstrich zu verlegen pflegt. Flugs wurde die Folie des Abends über dem Sofa ausgebreitet.

Am nächsten Morgen wird der Erfolg der Aktion sichtbar: Bewaffnet mit saugfähigem Papier auf Rolle, das auch bei menschlicher Geschäfterledigung gute Dienste leistet, sowie einem feuchten Lappen, mehreren Litern Desinfektionsspray, Räucherstäbchen gegen böse Geister und allerlei weiterem esoterischen Schnickschnack lässt sich die Folie problemlos reinigen. Und wäre bereit für den Einsatz am nächsten Abend.

Doch Mutter Zeilenende ist sichtlich verärgert. Nun pinkelt die „blöde Katze“ (empörter Blick aus dem Sessel) auf die Folie. Genauere Gründe gibt sie nicht preis, wieso es so dramatisch sei, dass die Katze sich des Nachts auf das Sofa begibt. Eine Folie liegt doch darauf, um eine Verschmutzung der Decken zu verhindern, die die Verschmutzung des Sofas verhindern sollen. Sie schreit Zeter und Mordio. Sie weiß nicht einmal den Vorschlag des Zeilenendes zu schätzen. Sie fragte die hochwohlgeborene Wilhelmine von und zu Zeilenende nämlich pikiert, ob sie eine weitere Folie ausbreiten solle.

Zeilenende sah das pragmatischer und schlug vor: Wenn Mutter Zeilenende verhindern wolle, dass die Folie des Nachts als Katzentoilette verwendet würde, müsse sie diese einfach mit alten Zeitungen bedecken … Eine Schutzschicht, um die Schutzschicht der Schutzschicht zu bedecken, war doch nur folgerichtig, um die Aufregung von Mutter Zeilenende zu dämpfen, nicht wahr?

Unverständlicherweise wurde daraufhin nicht nur die hochwohlgeborene Wilhelmine von und zu Zeilenende aus dem Wohnzimmer vertrieben, sondern auch das Zeilenende unter Androhung eines Stuhles vor der Tür des Raumes verbannt … Warum auch immer.

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Status Quo mit Katze … Die Ritter Sport habe ich kurz danach aufgegessen.
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19 Kommentare zu „Schichtorte

  1. heieiei, und noch ein Katzenklo irgendwo in der Nähe (Flur) aufstehen, geht nicht. Ich stelle mir ein sehr durchdringend riechendes Wohnzimmer vor und bin froh, dass unser Hund etepetete ist und auf gar keinen Fall im Umkreis von 10m um unser Haus ihr Geschäft verrichten kann. Was manchmal auch nervig ist, weil das Geschäft nur auf vom Mondschein im richtigen Winkel beschienenen Grashalmen, die eine gewisse Länge (sonst piekst es) nicht überschritten haben, verrichtet werden kann. Nervt insbesondere dann, wenn man es eilig hat und ganz genau weiß, dass der Hund muss, der Hund aber panisch umher rennt und die perfekte Stelle sucht… Stundenlang…

    Gefällt 2 Personen

    1. Möchte Mutter Zeilenende nicht. Wir haben ja noch zwei Katzen. Und meistens geht Billy in den Keller. Es ist schon lustig, sie ist nämlich eigentlich die reinlichste Katze und beim Katzenklo pingelig, geht auch raus, aber da nur ins Beet, wo sie richtig scharren kann.
      Wenn man mit ihr Gassi gehen müsste,

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  2. Sofa mit Aromaöl einottern, welches die Menschen mögen, Katzen aber nicht!? Wobei vermutlich die „defekte“ Blase schwer zu händeln ist….in dem Fall würde ich glaub, falls Fernhaltemethoden nicht funktionieren, doch auf ein Katzenklo in der unmittelbaren Nähe setzen….

    Gefällt 2 Personen

  3. Ich würde mal einen Testlauf machen mit einem gemütlich hergerichteten Plätzchen für die Nacht im Bad z.B. Das dürfte doch kein Problem sein, dort auch ein Katzenklo aufzustellen. Wenn man die Dame von und zu tagsüber unter Beobachtung halten kann, könnte das doch eine vernünftige Alternative sein.

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    1. Sie hat ein Körbchen bei den Katzenklos, daran kann es also eigentlich gar nicht liegen. Da liegt sie tagsüber gern drin. Das ist ja das Bizarre.
      Wir erwägen derzeit eine nächtliche Schließung des Wohnzimmers. Ein Testlauf hat aber ergeben, dass sie eine bevorzugte Ecke in der Küche hat. Und das Problem ist auch, dass da noch die beiden anderen Faulpelze sind, die dann die Klos im Keller ignorieren.

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  4. Puuh, ja, das ist dann schon eine kleine Herausforderung, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Wie lebt denn Mutter Zeilenende mit der Schichtortenlösung? Oder wenn der junge Herr Zeilenende einfach pauschal zum Saubermann für Katzendinge ernannt wird? 😉

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  5. Ui! Katzen und Katzenklos! Davon kann der bemitleidenswerte Bodenleger, der den Parkettboden in meiner alten Wohnung abschleifen musste, auch ein Trauerlied singen. Kater sind da olifaktorisch ja nochmal eine Klasse für sich, wenn sie keines der 5 Kisterl (also eine Fläche von geschätzt einem Hektar) nicht treffen konnten …
    Katzen schaffen es ja auch ganz gut, alle Schichten zu untergraben, wenn sie sie nicht von oben muerbe machen können. Die perfekte (Nerven)Kriegsführung!

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    1. Bring die allergnädigste Dame bloß nicht auf dumme Gedanken! ^^
      Olfaktorisch ist es aber tatsächlich ein Problem. Wir haben so typische „Ihr blöden Menschen“ Stellen. Im Keller auf dem Beton und in der Küche auf dem PVC … Ich fürchte, wenn die Damen mal nicht mehr sind, ist ein neuer Bodenbelag fällig.

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