Die heutige Frage hat mir nicht nur – wie üblich – das Buch-Fresserchen eingebrockt, sondern zusätzlich Linda von dufttrunken. Sie hat sich eine genre-spezifische Frage ausgedacht, denn es geht darum, ob wir miträtseln, wenn es einen Kriminalfall zu lösen gilt. Zumindest scheint die Frage genre-spezifisch zu sein.

Andererseits gilt sie auch für manch andere Geschichte, denn ein Geheimnis, das der Lüftung harrt, ist oft eine gute Story. Und meistens ist es nicht damit getan, im Buch die Fenster aufzureißen, damit frische Luft hineinkommt. Ebenso wenig hilfreich ist es, den Charakter mit dem grünsten Daumen zu identifizieren, weil der Täter ja nicht immer ein Ork sein kann. Oder ein Goblin. Oder ein Marsmensch.

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Es wäre vielleicht mal einen Versuch wert, einen Roman zu schreiben, in dem der Mörder ein Goblin-Gärtner vom Mars wäre, einfach um zu sehen, ob der Charakter die Geschichte trägt. Wahrscheinlich bräuchte es einen Story-Twist, damit die Geschichte spannend bleibt. Damit meine ich aber nicht die Variante: „Der geheimnisvolle fremde Unterstützer des Ermittlungsteams stellt sich am Ende als Drahtzieher des Ganzen heraus, weil er zugleich Oberhaupt einer geheimnisvollen uralten Sekte ist, die irgendein mystisches Geheimnis hütet.“ Vulgo: Die Dan-Brown-Methode.

Grundsätzlich mag ich Thriller lieber, die auf solche durchschaubaren Spielchen verzichten und die sich der Jagd auf den Täter widmen, also auf ein klares Freund-Feind-Schema setzen. Ausnahme bilden Detektivgeschichten, die sich ganz auf die Ermittlung des Falls konzentrieren. Beides vermischt ist mir meistens zu überladen. Denn ich bin zumindest in diesem Genre einerseits ein Genuss-Leser und will nicht zu viel knobeln, andererseits will ich nicht auf der fünfzigsten Seite schon wissen, worauf die Geschichte auf der vorletzten Seite hinausläuft. Das gilt mittlerweile für Dan Brown. Nachdem ich Illuminati gelesen und für großartig befunden hatte, las ich auch die übrigen Romane und war wenig überrascht von den Wendungen der Geschichte, hatte sie im Gegenteil sogar vorhergesehen.

Ich knobele also nicht aktiv mit und werde nicht zum Teil des Ermittlerteams, aber ich verfolge die Geschichte. Ich möchte gern unterhalten und überrascht werden, ich strenge mich deshalb nicht übermäßig an, um mir die Überraschung am Ende vermiesen zu lassen. Wie blöd ist das denn, wenn man tatsächlich nach Seite 50 Bescheid weiß und erst auf Seite 798 erleichtert aufseufzen kann: „Siehste, hab ich mir doch gesagt.“ Und wenn es mir doch einmal passiert, bin ich sogar manchmal ein wenig verärgert über den*die Autor*in.

Wie ist es mit euch? Lasst ihr euch auch lieber berieseln oder zieht ihr bei Kriminallektüre eure Deerstalker-Mütze auf, gebt euch dem Kokainkonsum hin und knobelt von Anfang an mit?

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11 Kommentare zu „Wer ist der Gärtner? (Montagsfrage)

  1. Grundsätzlich sind mir diese Genre-Spezialisten ohnehin suspekt, die in karnickelhafter Massenproduktion das ewiggleiche Strickmuster mit einigen leicht durchschaubaren Variationen anwenden. Da hilft es auch wenig, wenn die Autoren Pseudospannung aufbauen, indem sie mit furchtbar dramatischen und brandgefährlichen Ereignissen am laufenden Band aufwarten. Tote im Dutzend – nur der Held der Geschichte kommt, o Wunder über Wunder, immer heil davon. Und am Ende wird, sicher wie das Amen in der Kirche, der Schweinehund überführt und die heile Welt ist wieder hergestellt.
    Dennoch. Hin und wieder mag ich ganz gerne Kriminalromane. Aber eigentlich nur, wenn sie psychologisch raffiniert gemacht sind, und/oder wenn sie den Blick auf ein bestimmtes gesellschaftliches Milieu lenken. Also wenn man beispielsweise im Verlauf der Geschichte den Täter so weit kennen und verstehen lernt, dass man sich wünscht, er würde nicht überführt werden. Oder wenn es eben um Bereiche geht wie Drogen, Menschenhandel, usw. Wenn also gezeigt wird, wie unheil die Welt bleibt, selbst wenn ein einzelner Fall aufgeklärt wurde.

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      1. Das Erkenntnisinteresse ist, finde ich, immer ein guter Grund. Man KANN ja durchaus Realitätsnähe mit einer spannenden Geschichte verbinden. Das dies nicht immer geschieht, ist eine andere Sache. [Da würde die Aussage von Karl Valentin mal wieder passen: Wenn man es kann, ist es keine Kunst, und wenn man es nicht kann, ist es erst recht keine.]

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  2. Ich lese selten Krimis, weil es mir so geht, wie dir. Entweder gefällt mir ein Krimi, weil es auch um das Drumherum der Ermittler geht und der Fall im Leben eingebettet wird, oder es überrascht mir wirklich total auf den letzten Seiten, weil ich im Leben nicht damit gerechnet hatte. Dann bin ich zufrieden. Leider weiß man ja immer nie, wie so ein Krimi gestrickt ist, deswegen setze ich dann lieber gleich auf die Psychoschocker, bei denen ich mich darauf einstellen kann, dass sie mich von den Socken hauen. Dan Brown ist in der Tat nach dem 2. bis 3. Buch langweilig, weil am Schluss immer ein Nachkomme von irgendeinem Oberhaupt einer geheimen, weltumspannenden und bedrohlichen Organisation, die im Hintergrund die Fäden in der Hand hat, die Welt rettet. Das funktioniert höchstens zweimal, danach ist Schluss – das hat er nur leider nicht begriffen.

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  3. Ich mag keine Krimis, die regen mich für gewöhnlich zu sehr auf. Dann kann ich nachts wieder nicht schlafen. 😉 Grundsätzlich bin ich mehr der Berieselungs-Mensch, erwische mich aber bei Filmen im Fernsehen immer wieder beim miträtseln. Passiv ist also nicht ganz so mein Ding.

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    1. Man kann sie ja tagsüber lesen. So habe ich meine sporadische King-Lektüre überlebt und bin nicht of Angst gestorben. Aber es ist ja schon ein Zeichen von Qualität, wenn ein Krimi zum Mitraten einlädt. Finde ich zumindest.

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  4. Da ich keinen Deerstalker besitze, kann ich keinen aufsetzen … 😀
    Und ob ich mitknoble, hängt von der Story ab. Früher, bei Sherlock-Homes- oder Agatha-Christie-Lektüre, hab ich teilweise mehr mitgeknobelt als bei modernen Psychothrillern, aber das Miträtseln gehört natürlich dazu. Meist ergibt es sich einfach – wenn die Geschichte spannend und rätselhaft ist, geht es ja gar nicht anders.

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