Was passiert, wenn sich zwei Klassiker auf einem Backblech begegnen? Zeilenende versucht, aus Schokoladen- und Käsekuchen Hüftgold zu machen. Wer wissen will, wie es misslingt, lese weiter. Wer wissen will, wie man es besser macht, schaue bei Vimala von allesvonherzen.net vorbei.

Man kann über Amerika sagen, was man will. Man kann mit Rammstein ironisch singen „Amerika ist wunderbar“ oder es mit Neil Diamond halten: „Got a dream to take them there/They’re coming to America“. Beides ist wahr: Das amerikanische Bäckereiunwesen hält uns fest im zarten Würgegriff der Trends, aber es schmeckt – nicht zuletzt durch den massiven Einsatz von Butter und Zucker.

Während der Brownie wohl als amerikanische Erfindung gelten kann, ist der gute alte Cheesecake nur die mit Frischkäse abgewandelte Verwandtschaft des Käsekuchens. Von daher gilt auf AfD-Parteitagen: Brownies als kulturimperialistische Migranten sind am Kuchenbuffet verboten, wohingegen Cheesecake als Spätaussiedler willkommen geheißen wird.

Jenseits aller politischen Überlegungen sind Brownies super und Cheesecake ist okay. Ich mag Käsekuchen lieber, aber das ist eine Frage des Geschmacks. Nichtsdestotrotz elektrisierte mich ein Rezept, das beide Kuchen miteinander zu verbinden versuchte. So machte ich mich frisch, fromm, fröhlich und frei ans Werk.

Cheesecake-Topping

  • 300g Doppelrahm-Frischkäse
  • 30g Zucker
  • 20g Speisestärke
  • abgeriebene Schale von einer Zitrone
  • 1 EL Zitronensaft
  • 1 Ei

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Für das Topping werden einfach alle Zutaten miteinander verrührt. War ich zu Anfang misstrauisch, ob die Masse am Ende geeignet wäre, Bohrlöcher in den Wänden zuzuspachteln, war ich nach kurzer Zeit enttäuscht, dass sie so dünnflüssig wurde, dass aus dem angekündigten Zubereitungsschritt „mit Hilfe eines Teelöffels in kleinen Häufchen“ nichts werden würde. Aber noch war ich optimistisch. Vielleicht dickt das Zeug ja noch an. Ich werde ja auch immer dicker, nachdem ich Cheesecake gegessen habe.

 

Brownie-Teig

  • 50ml Milch
  • 100g Zartbitter-Schokolade
  • 200g Butter (zimmerwarm)
  • 150g brauner Zucker
  • 1 Päckchen Vanille-Zucker
  • 4 Eier
  • 250g Weizenmehl
  • 20g Backkako
  • 1 gestr. TL Backpulver

 

Ich hätte spätestens jetzt misstrauisch werden sollen. Aus den unterschiedlichsten Gründen: Es beginnt damit, dass eine konkrete Empfehlung bezüglich der Schokoladen-Marke gegeben wurde. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Verwendung von Schokolade, in der bereits einzelne Stückchen in der Packung sind, einen Arbeitsschritt sparen und damit die Herstellung immens vereinfacht wird … *hust* … aber die Verwendung von Backpulver in Brownies halte ich für einen Skandal. Egal, ich hatte mich für das Rezept entschieden, vielleicht lernte ich ja etwas Neues.

Ich schmolz die Schokolade in der Milch unter Verwendung eines Wasserbades, wog die übrigen Zutaten ab, vermischte die beiden Zuckersorten in einer, Mehl, Kakao und Backpulver in einer anderen Schüssel, rührte die Butter schaumig und ließ den Zucker einrieseln.

Dem Zucker ließ ich nacheinander die Eier folgen und rührte in bewährter Rührteigmanier eine ganze Weile. Pro Ei gönnte ich dem Teig eine Minute Rührung. Dann folgte die geschmolzene Schokolade. Dabei sang ich, damit es noch rührender wurde, den Titelsong von Titanic: Neeeeear, faaaaar, whereeeeeeever you aaaaar. Damit brachte ich zugleich den Backofen auf Touren, dem es nach 180° Ober-/Unterhitze gelüstete.

Kurz bevor der Teig glauben konnte, er sei der König der Welt, stellte ich das Rühren ein, siebte die Hälfte des Mehls unter, vermengte ihn mit der Masse und verfuhr mit der anderen Hälfte des Mehls genau so. Ich rührte nicht so lange, denn ein riesiger Eisberg aus Rasierschaum zog vor dem Küchenfenster vorbei. Wer weiß, was hier noch passieren würde, wenn ich den Blödsinn nicht bald unterließ.

Ich strich den Brownieteig auf ein gefettetes Backblech und goss die Frischkäsemasse darüber. Sie war nicht angedickt, also konnte ich anschließend auch kein marmoriertes Muster in den Teig zaubern. Dann wanderte das Blech für knapp 30 Minuten in den Ofen.

Ich beobachtete durch die Ofentür, wie die Frischkäsemasse vertrocknete und vergoss einige Tränen, ähnlich wie ihr, als ihr damals Leo beim Absaufen zugeschaut habt. Ich selbst habe den Film ja tatsächlich bis heute nicht gesehen, weil er viel zu lange braucht, bis es zur einzig interessanten Szene kommt: Wenn das blöde Ding endlich absäuft. Also die Titanic, nicht Leo. Oder Leo, nicht die Titanic.

Immerhin übernahm es der Brownieteig durch sanften Blasenwurf, eine Art Muster in den Teig zu malen. Das erfreute mich, bis mir einfiel, dass Brownie-Teig keine Blasen werfen sollte. Also begann ich wieder zu weinen. Ich stoppte kurzzeitig, als ich den Kuchen aus dem Ofen holen musste und verhängte ein Tränenmoratorium, während er auskühlte. Dann schnitt ich den Kuchen an, probierte und stimmte ein Klagelied an, das Eisberge zum Schmelzen hätte bringen können. Das Topping trocken und geschmacklos, der Brownieteig: Locker, luftig, leicht … Wer will luftige, lockere, leichte Brownies? Brownies sollen schwer und klebrig sein, sie sollen schmatzen, wenn man hineinbeißt. Das hier war ein Rührkuchen geworden, noch dazu einer, den es zu lang im Ofen gehalten hatte.

Oh ungerechte Welt! Was sollte ich mit solch einem Kuchen nur anfangen? Ich spürte Verzweiflung in mir, bis mir einfiel: Ich könnte immerhin einen Blogartikel darüber schreiben, um vor diesem Rezept zu warnen. Und vielleicht jemanden zu inspirieren, die Saftigkeit von Brownies mit der Cremigkeit von Cheesecake zu verbinden und mir ein Stück per Post zuzusenden.

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34 Kommentare zu „Wie Idealismus im Desaster endet: Brownies mit Cheesecake-Topping

  1. oh je. Spontan würde ich sagen: im brownieteig zu viel Mehl und in der Cheesecakemasse ist das Eiweiß überflüssig und bringt zu viel Flüssigkeit hinein. Dafür ist deine Beschreibung natürlich herrlich und ich überlege mal, ob und wie ich dir ein Stückchen Brownie zukommen lasse 😊

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    1. Ich würde bei den Brownies fast drauf tippen, dass die einfach gern weniger Temperatur gehabt haben. Oder mehr Butter … Oder weniger Mehl, ja. Beim Topping stimme ich dir voll zu, jetzt wo du es sagst. Mir ist noch nie ein Käsekuchen untergekommen, wo Eiweiß in Nicht-Schneeform hineinkommt. Manchmal klammert man sich echt zu panisch ans Rezept, statt den Verstand einzuschalten, aber ich denke mir auch immer: Gerade professionelle Rezeptschreiberlinge haben sich ja wohl was dabei gedacht. -.-„

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    1. Das denke ich mir auch … Ich hab ja mittlerweile ein anderes ausprobierenswertes Rezept gefunden. Ist halt nur ärgerlich, wenn es der Nachtisch für ein Fest werden sollte. Zum Glück war zum Zeitpunkt des Nachtischs schon viel Alkohol im Spiel. *gg*

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  2. Jetzt weiß ich endlich warum Brownies so schmecken, wie sie schmecken. Ich mag Brownies nicht allzu gern (genau wegen dem schwer, klebrig, schmatzend), deswegen habe ich noch nie ein Brownie-Rezept gelesen, geschweige denn in die Tat umgesetzt. Kein Backpulver also.

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    1. Im Wesentlichen, ja. Und Kleinigkeiten wie das Verhältnis der Zutaten zueinander. Bei nem „klassischen“ Schokokuchen hast du einen höheren Mehl-Anteil, wohingegen man bei Brownies auch ganz gut Apfelmus mit einbacken kann. *gg*

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      1. Vorsichtig dosiertes Apfelmus soll auch in Kokosmakronen hinsichtlich der Saftigkeit wirken. Habe ich aber noch nicht ausprobiert, weil die bei Plätzchenbacken 2.0.15 Sonderzubehör waren.

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      2. Ich gebe zu, Kokosmakronen noch nie gemacht zu haben, dafür allerlei andere Makrönchen. Da ist das Geheimnis eigentlich nur, sie mehr zu trocknen denn zu backen. Ich hätte da zu viel Angst, dass es glatt matschig wird.

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  3. Diese Köstlichkeit wird auf jeden Fall nach gebacken!
    Wenn du Lust & Zeit hast würde ich mich freuen, wenn du bei mir vorbei schaust! 🙂
    Liebe Grüße
    Carla! 🙂

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  4. Was verbindet Zeilenende und Celine Dion? Der Gesang? Noja, das kann ich so nur vom Blatt gelesen schwer beurteilen und bei Celine ist Gesang an sich schwer zu ertragen…
    Also? Richtig! Dort Dion, hier Dionysos, der Gott des Essens und Trinkens, und Kuchen geht ja eigentlich immer (halt nur nicht unbedingt auf), wurscht ob flockig oder klebrig 🙂 Ach ja, und der Göttliche wurde doch angeblich auch als Lärmer bezeichnet, womit wir wieder bei Celine und der Titanic wären ….

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    1. Du hast den größeren Zusammenhang vortrefflich getroffen. Wobei ich – ohne anmaßend sein zu wollen – behaupte, dass ich besser singen kann als dat Selina. Was aber auch nicht schwer ist. 😀

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      1. Auf dem Kochbuchmarkt gibt es aber sehr viel, was sehr viel schlechter ist … Das ist das Problem. An dem führt nur sehr wenig vorbei, vielleicht noch die Bücher von G+U. Aber da ist die Auswahl auch nicht so groß.

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  5. Nachdem Motto „hinterher hat man immer alles schon vorher gewusst“ würde ich behaupten, dass man das hätte kommen sehen können. Das eigentliche (um nicht zu sagen einzige) Grundübel war bestimmt dieser Titanic-Song. Das MUSSTE doch in einer Havarie enden.
    Ich bin mir sicher, dass du beim Verfassen des Beitrags den Titanic-Song NICHT gesungen hast. Und – siehe! – der Text ist in zeilenendenscher Manier super gelungen. Damit hätten wir also den (aufgrund nachdrücklichen Ehschonallesklarseins eigentlich überflüssigen) Beweis. Das Problem liegt eindeutig nicht an deinen tausendfach bewährten Backkünsten. [Amen!]
    Übrigens: Zu einer der im Text gestellten Fragen lautet die Antwort lapidar «ich!» 🙂

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    1. Es stimmt sogar ein wenig. Dass die Cheesecake-Masse nichts wird, war absehbar, wie Vimala mir oben zurecht erklärt hat. Allerdings zeichnet der Brownie sich ja durch Saftigkeit aus. Und was bedeutet Saftigkeit? Richtig: Viel Flüssigkeit. Wo gibt es viel Flüssigkeit? Richtig, bei einer Schiffs-Havarie. Eigentlich hätte dieser Song also helfen müssen. 😉
      Und bei der Antwort rate ich zu Schokokuchen statt Brownies. 😉

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      1. Mir leuchtet die Logik hinter der Wahl genau dieses Songs ein. Fragt sich jetzt nur, ob da was mit dieser Logik nicht stimmt oder ob du ausgerechnet logikresistente Zutaten erwischt hast. 😉
        Wenn ich mir das genau überlege, würde ich mir eigentlich zu einem Riesenstück RhabarBeerKuchen à la Zeilenende raten. (und die Schokolade zum Nachtisch)

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      1. Glaubst, er nimmt mir das übel und deswegen verbrennt er alles, was man ihm sonst gibt? Die Verwendung von Backpapier hab ich mittlerweile ja gänzlich aufgegeben…
        Ich suche noch wen, der mir die 57 übrigen weißen Backpapier-Blätter abnimmt 😀

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      1. Stimmt! 😳
        Hm, ja gut, aber das wäre für mich dann der Moment, in dem ich dezent darauf hinweisen würde, dass ich gerne mal richtige Zeilenende-Brownies essen würde, und demzufolge wiederkommen müsste. Natürlich vollkommen uneigennützig und so. 😛

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  6. Es ist nun wirklich nicht nett über das Missgeschick eines Anderen zu lachen – aber so ist wenigstens etwas gutes dabei herausgekommen. Ich grinse und du versüßt mir den versauten Abend. Danke dafür!
    Der Vergleich mit der Afd….herrlich gelungen und ich summe für den restlichen Abend Celine Dion vor mich hin. Dafür kein danke – das Lied ist schrecklich. Aber ich werde es mir mit dem Bild von Herrn DiCaprio etwas schöner gestalten. Übrigens würde ich das Blech auch misslungen verschlingen. Deines und das von Vimala gleich hinterher. Wenn ihr mal richtige Missgeschicke sehen wollt, dann müsst ihr in meiner Küche vorbei schauen.

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    1. Ach … Ich sehe das nicht so eng. Solange der Spott liebevoll gemeint ist, halte ich es für Pflicht zu lachen. Das zeigt dem armen Kerl, den es trifft, dass sein Missgeschick nicht beweinenswert schrecklich ist. Von daher gilt auch für deine Küche: Wenn es satt macht und der Abend unterhaltsam wird, kann es kein echtes Missgeschick sein. Und zur Not gibt es Brownies aus dem Supermarkt, damit können wir uns immer noch kosmopolitisch fühlen. 🙂

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