Nun bricht sie an, die schönste Zeit des Jahres. Eltern mit schulpflichtigen Kindern wissen, wovon ich rede. Und Kinder mit schulpflichtigen Eltern ebenso. Eben noch hat Mutter Zeilenende Herrn Zeilenende Sr. sein Butterbrot geschmiert, einen Fleck von der Jacke gewischt, den Rucksack ins Auto getragen und den Sack in einem Ruck zum Bahnhof gefahren, kommt er auch schon freudestrahlend wieder zurückgelaufen. Ein Zeugnis hat er wie immer nicht dabei, denn das mit der Versetzung hat wieder einmal nicht geklappt. Auch im kommenden Jahr lautet das Urteil „Schule“.

Dennoch ist nun die schönste Zeit des Jahres und man möchte keinen Gedanken an die misslungene Versetzung in den Ruhestand verschwenden. Im Gegenteil: Wenn das schulpflichtige Elternteil das ganze Jahr über zu Hause verbringen würde, wie könnte da jemals Ruhe in den heimischen vier Wänden einkehren? Man müsste doch als erstes die Wände mit Schiefer verkleiden, um ihm die Umgewöhnung zu erleichtern. Mit einem Stück Kreide in der Hand könnte er dann dozieren und seine Erkenntnisse an die Wand bannen. Und es gäb sie nicht mehr, die schönste Zeit des Jahres.

Rückblende: Der Frühstückstisch an einem Sonntag vor einem halben Jahr.

„Wo fahrt ihr denn dieses Jahr in Urlaub hin?“

„Da haben wir uns noch keine Gedanken drüber gemacht.“

„Frankreich wäre doch ganz schön.“

„Da müssten wir aber jetzt buchen, sonst sind die Campingplätze alle belegt.“

Schweigen.

„Oh guck mal, da draußen ist ein Rotkehlchen.“

Urlaubsplanung ist nicht so einfach. Überhaupt. Die schönste Zeit des Jahres füllt sich kontinuierlich mit Aktivitäten. Da müssen Bäume abgesägt und das Brennholz für den Winter vorbereitet werden. Süffisant erinnert ein Game of Thrones Fan im Haushalt leise daran, dass der Winter naht. Der Zaun hätte dringend einen neuen Anstrich nötig, der Keller müsste aufgeräumt werden und Garagen dienen eigentlich dem Abstellen von Autos.

Rückblende: Der Frühstückstisch an einem Sonntag vor einem Viertel-Jahr.

„Wo fahrt ihr denn dieses Jahr in Urlaub hin?“

„Da haben wir uns noch keine Gedanken drüber gemacht.“

„Frankreich wäre doch ganz schön.“

„Da hätten wir vor drei Monaten buchen müssen, jetzt sind die Campingplätze alle belegt.“

Schweigen.

„Oh guck mal, da draußen ist ein Rotkehlchen.“

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Friedrichshafen, Bodensee – Eigentlich auch einen Urlaub wert

Während sich die Liste der Aktivitäten für die schönste Zeit des Jahres immer weiter füllt, nimmt der Posten „Urlaub“ eine immer tiefere Position auf der To-Do-Liste ein. Nicht, dass es unwichtig wäre, aber die Freiheit am Campingurlaub ist die romantische Vorstellung, man könne den Wohnwagen anhängen und dem Sonnenaufgang entgegen fahren. Am Abend würde man schon einen Platz finden. Dass dieser Platz dann auch entsprechend aussieht und den Komfort-Bedürfnissen eines Mittelschichts-Ehepaares um die 60 nicht mehr genügt, blendet der geistige 20jährige der Familie aus.

Rückblende: Der Frühstückstisch an einem Sonntag vor einem ein paar Tagen.

„Wo fahrt ihr denn dieses Jahr in Urlaub hin?“

„Da haben wir uns noch keine Gedanken drüber gemacht.“

„Frankreich wäre doch ganz schön.“

„Da hätten wir vor drei Monaten buchen müssen, jetzt sind die Campingplätze alle belegt.“

„Vielleicht nach Bayern?“

„Da steht alles unter Wasser und da regnet es wie jedes Mal, wenn wir hinfahren.“

„An der Nordsee kennen wir schon alles.“

Schweigen.

„Oh guck mal, da draußen ist ein Rotkehlchen.“

Ich denke darüber nach, bis Weihnachten einen Papagei zu dressieren, dass er den Satz „Wohin fahren wir in Urlaub?“ perfekt beherrscht. Eine Maßnahme der Notwehr, denn zum letzten Weihnachtsfest hatte ich vorgeschlagen, ich könne doch die Urlaubsplanung verschenken, dass Frankreich endlich einmal Realität würde und nicht ewig eine Option bliebe. Das wurde abgelehnt. Der Papagei hingegen wäre eine praktische Sache. Den könnte man jedes Jahr gebrauchen. Was den Salzburgern ihr „Jedermann“ ist den Zeilenendes ihr „Die Ferien des Monsieur Zeilenende Sr.“.

Spoiler: Der Frühstückstisch an einem Sonntag in ein paar Wochen.

„Wo fahrt ihr denn dieses Jahr in Urlaub hin?“

„Da haben wir uns noch keine Gedanken drüber gemacht.“

„Frankreich wäre doch ganz schön.“

„Da hätten wir vor sechs Monaten buchen müssen, jetzt sind die Campingplätze alle belegt.“

„Vielleicht nach Bayern?“

„Da steht alles unter Wasser und da regnet es wie jedes Mal, wenn wir hinfahren.“

„An der Nordsee kennen wir schon alles.“

„Die Sommerferien sind in einer Woche um. Das Holz ist nicht gehackt und im Keller sieht es aus wie in der Garage: Überall stehen volle Farbeimer für den Zaun herum. Lasst mich die Frage umformulieren: Wann fahrt ihr denn dieses Jahr in den Urlaub?“

„Morgen?“

to be continued …

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27 Kommentare zu „Die schönste Zeit des Jahres

  1. Haha, genau so!
    Deswegen organisiere ich einen Katzensitter, räume das Haus grob auf, damit der Sitter beim betreten desselben keine falschen Eindrücke von meinen hausfraulichen Fähigkeiten bekommt, und dann verlassen mein Angetrauter und ich mit fliegenden Fahnen das Geschehen! Wenn man einmal am Meer liegt, wird einem der unaufgeräumte Keller scheißegal… ;D

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  2. Friedrichshafen ist schön! Fängt auch mit F an und ist nicht ganz so weit weg…quasi zwischen Bäume sagen und Zaun streichen….so SCHWWWWWWWUPPS…jetz bisse wech…..und ZACK schon bisse wieder da….

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  3. Vielleicht solltest du Urlaubsplanung und -Buchung verschenken, ohne zu fragen.Dann haben sie keine Chance abzulehnen und wenn sie das, was du organisiert hast überhaupt nicht mögen, hast du im Vorfeld schon was ausgesucht , was du zur Not auch genießen kannst und dann bleiben sie halt daheim. Wäre jetzt mein Ansatz.

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    1. Ich habe ernsthaft drüber nachgedacht, das Problem ist, dass meine Eltern zeitlich ziemlich unflexibel sind, weil sie eh nur in den Ferien können und da dann tw. auch noch Termine sind. Und wenn ich das mache, soll es nicht an Terminüberschneidungen scheitern. Bzw.: Gerade Herr Zeilenende Sr. ist dann immer untröstlich, das will ich ihm ersparen.
      Ich als Ersatz für den Urlaub geht nicht: Meine Eltern fahren campen. Ich darf zwar mit Wohnwagen fahren, aber ich HASSE, HASSE, HASSE Camping. *gg*

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      1. Auch Luxus-Camping ist Camping. Ich habe ja nicht viele Ansprüche an Urlaub, aber ich will ein richtiges Bett, ein richtiges Bad (für das ich NICHT durch die Natur laufen muss) und ich will mich nicht ums Frühstück kümmern müssen. Die Grundbedingungen sind mit Camping leider unvereinbar.

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  4. Die Deutschen und ihr Urlaub. Muss man immer weg?
    Ich persönlich finde ja, dass eben jene Überlegungen, wohin man fährt, dann der Stress mit Hotel-Rezensionen-lesen, buchen und kurz zuvor vorbereiten (packen, putzen, Haus einbruchssicher machen) stressiger sind, als es die Erholung der lächerlichen fünf Tage Inlands-Urlaub wieder beheben kann.
    Wieso also nicht daheim bleiben, in Ruhe Dinge erledigen, zu denen man sonst nie kommt. Und mit einer Tasse Eiskaffee, einer Kugel Vanilleeis und einem Kreuzworträtsel gegen heimische Insekten ankämpfen und einfach ausspannen? 🙂

    Gib’s doch zu: Du willst die Alten nur loswerden und nackt durch’s Haus rennen…

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    1. Sie fahren ja noch nicht einmal ins Hotel (sondern campen) und das Haus müssen sie auch nicht einbruchssicher machen, weil die drei Söhne daheim sind und die Katzen sitten.

      Und ja: Ich will sie los werden und nackt durchs Haus rennen ohne Angst haben zu müssen, erwischt zu werden. Ich kann das ja nur nachts. ^^

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  5. Man kann nicht auf Befehl urlaubsplanen. Geht einfach nicht. Die Frage „Und was macht ihr dieses Jahr?“, am besten noch mit einem Unterton, der irgendwas exotisches und spannendes und verrücktes erwartet, führt zu sofortiger Denkblockade. Und das Festgenagelt sein auf einen Zeitpunkt desgleichen. Nichtwegfahren ist für mich aber auch keine Option.

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    1. Hihi. Ja, die Frage ist gemein. Wobei meine Eltern durchs Campen natürlich limitiert sind: Kuba und Ulan Bator fallen dann doch aus. *g* Aber so zwei bis vier Wochen vor Abfahrt sollte man es doch wissen. Als wir Kids noch mitgefahren sind, stand die Entscheidung meist im Mai.

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      1. Mai ist noch zivil. Ich habe die letzten zwei Sommer planungsintensiv mit Frühfestlegung geurlaubt, da habe ich dieses Jahr so gar keine Lust drauf. Aber bis September sind es ja noch mehr als vier Wochen, kein Grund zur Sorge also.

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  6. Ich leg mal einen drauf. Urlaub – das beste, was es gibt. Und ganz ehrlich, wir buchen schon im Januar alle Urlaube für das ganze Jahr.😂 ohne Stress, ohne Streit. Sind uns immer einig. Gibts nicht? Doch wirklich, bei uns. LG Tamara

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