Seit 18 Wochen portraitiere ich mich jeden Sonntag. Ein Jahr lang. Und ein paar Leute machen mit. Alle meinen bisherigen Beiträge unter diesem Tag. Auch dabei sind  Gertrud TrenkelbachMarinscheMulticolorinasolera1847 und Wili.

Bislang habe ich es so gehalten, dass ich meine Selfies zwar plane, sie aber spontan schieße, d. h. mich am Sonntag vor dem Schreiben des Beitrags hinsetze (oder stelle), meine Hose ausziehe (oder anbehalte) und vor der Kamera herumkaspere, auf das ein Selfie entsteht, zu dem ich etwas schreiben kann.

In dieser Woche ergab es sich aber, dass ich drei Gelegenheiten für Selbstdarstellung hatte, die auch prompt auf Instagram gelandet sind (Ha, Werbung gemacht! Wem darf ich noch folgen?) Und eines davon fand ich so toll, dass ich zum ersten Mal von meiner Routine abweiche. Ich bin immerhin der Herr über meine Selfies und kann mich als Bildner von großer Kunst verstehen, nicht wahr, Georg?

selfie18
Links Georg Wilhelm Friedrich Hegel in seinem Geburtshaus in Stuttgart, rechts ein großer Philosoph mit Mütze und Bart. Beide sinnieren über den philosophischen Gehalt von Keksen nach und warum Marc Jongen so ein Schmalspurintellektueller ist.

Und hier noch ein klein wenig Nachhilfe für alle geistigen Energiesparleuchten, die das dialektische Moment von Herrschaft und Knechtschaft nicht verstanden haben: Wer sich zum Knecht macht, hat im Gegensatz zum Herrn die Gelegenheit, sein Werk aktiv zu gestalten. Nur wenn wir uns also in der Zuwanderung zu Knechten machen, haben wir die Gelegenheit, unser zukünftiges Zusammenleben mit den „Neuen“ auch selbst zu gestalten. Gelungene Integration setzt voraus, dass wir Knechte der Zuwandernden werden, indem wir uns die Hände schmutzig machen, sie empfangen, Regeln festlegen, auf ihre Einhaltung pochen und auf Gemeinschaft hinarbeiten. Wenn wir nur als Herren befehlen, dass sich Neue integrieren, geben wir das gestaltende Moment auf und sind dem Eigenwillen der Knechte hilflos ausgeliefert.

 

Die Beiträge der Anderen (Verlinkungen folgen):

Gertrud Trenkelbach

Marinsche

Multicolorina

solera1847

Wili

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23 Kommentare zu „52 Wochen (18) – Herr und Knecht

  1. Interessante Sichtweise. Ich musste aber zweimal lesen, weil ich beim Wort „dialektisch“ so einen Abschaltreflex habe. Wenn ich mir viel Mühe gebe, verstehe ich aber auch Texte in denen der Begriff vorkommt, vorausgesetzt sie sind nicht zu lang und gut geschrieben 😉

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    1. Ach … So ganz unter uns werde ich bei dem Wort auch immer skeptisch, weil mit Hegel so viel Blödsinn getrieben wird. Ich verstehe die Sache mit Herr und Knecht auch nicht in Gänze, aber weil sie als Metapher allein schon stark ist, konnte ich das nicht GANZ unkommentiert stehen lassen. Und wenn du es nachvollziehen konntest, umso besser. 🙂

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    1. Die Pointe ist – Herr und Knecht gibt es ja ohnehin nur zusammen. Und der Knecht kann Regeln zumindest durchsetzen – einfach indem er macht. Da kann der Herr toben und schreien, aber wenn der Knecht nicht will, dann macht er nicht. Deshalb sollten sie kooperieren. Der Knecht dient eben nicht nur.

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