Der heutige Beitrag ist komisch. Seine Existenz verdankt er einem Traum. Aber er ist eigentlich ganz ich. Er hat etwas Philosophisches, etwas Historisches, er ist gewohnt eloquent und es gibt Brot am Ende. Außerdem gibt es vorauseilend etwas zu feiern.

Worum es heute nicht geht

 

Eigentlich dachte ich, ich könnte etwas zum Thema Tomaten schreiben. Oben in der Leiste gibt es die traurige Kategorie „Garten“, die ich in diesem Jahr noch nicht bespielt habe. Eigentlich hätte sie ein wenig Aufmerksamkeit verdient: Eine Tomatenpflanze habe ich schon, die übrigen werden heute wahrscheinlich eingekauft. Deshalb entschied ich mich gegen das Thema. Vorblicke sind doof.

Ich könnte euch auch von der vorzüglichen Bowle erzählen, die das Tippen heute morgen schwieriger als sonst macht. Meine … Gibt es einen Begriff, der die Lebensgefährtin meines Cousins kurz und griffig beschreibt? … Sie hat Wodka, Sekt, Multivitaminsaft, Mango und Dosen-Mandarinen in einem günstigen Vodka-Verhältnis vermengt. Deshalb entschied ich mich gegen das Thema. Alkohol ist nicht doof, aber war an dieser Stelle schon ein oder zwei Mal Thema.

Ein weiterer Gedanke heute war eine große Jammerei darüber, dass niemand die gestrige Blogüberschrift in seiner ganzen Doppeldeutigkeit zu würdigen wusste. Offenbar eine ungeschickte Wahl, die Ungeschicktheit des Werbens via Ja, Nein und Vielleicht zu thematisieren und dann den romantischen Zugang zu wählen. Nörgelei ist aber doof und Maja hat eure Kommentare ganz gut zusammengefasst: Großartige Kommentarrunde!

 

Rhetorik

 

Erstaunlicherweise drängte sich mir ohnehin das Thema „reden“ auf.

  1. Ich las gestern ein interessantes Interview zum Thema „vortragen“ mit Vince Ebert und Sabine Asgodom in der Chrismon.
  2. Beim Besuch der Lesung sagte Rufus Beck zu Beginn, dass das Vorlesen eine ganz besondere Interpretationskunst sei.
  3. Miss Booleana fragte passenderweise nach guten Hörbüchern. Momentan höre ich abends wieder häufiger Hörbücher und auch wenn das Buch nicht das beste ist, können Sprecher wie Rufus Beck, Boris Aljinovic, Katharina oder Anna Thalbach aus dem Hörbuch ein Vergnügen machen.
  4. Ich habe geträumt, ich würde einen Workshop moderieren. Dabei klebte ich nicht nur an meinem Skript sondern verhaspelte mich, weil es nicht in der Endfassung war. Ich hatte zahllose Anmerkungen an der Seite hinterlassen.
  5. Herr Zeilenende Sr. bat mich gerade, die Rede Korrektur zu lesen, die seine Kollegin für sich selbst und ihn zur Verabschiedung ihres Abiturjahrgangs verfasst hat. Nicht nur aus Rache (er muss meine Bewerbungsanschreiben Korrektur lesen), wie ich vermute.

Ein Vorbild in Sachen Rhetorik, zumindest wenn es um unlautere Tricks gibt, trotz Unrecht Recht zu behalten: Arthur Schopenhauer – Eristische Dialektik oder die Kunst Recht zu behalten

 

Ich bin ein leidlich eloquenter Sprecher. Seitdem ich zu Schulzeiten mal ein dreitägiges Rhetorik-Seminar gemacht habe, nutze ich die spärlichen Gelegenheiten, um vor Publikum zu sprechen oder zumindest das Redeskript zu erarbeiten: Abschlussrede im Abitur, die Begrüßungsrede für die neuen Erstsemester, gelegentlich eine Anmoderation auf Vorträgen, Weihnachtsfeier (bei der ich zugleich den Krampus gegeben hatte und meine Examensarbeits-Betreuerin in den Sack zu stecken trachtete) …

Ich bin immer gut vorbereitet, weil ich einen Großteil meiner Redepraxis in Referaten und mündlichen Prüfungen gewonnen habe, es also um die Vermittlung von Informationen ging. Ich spreche dann allerdings frei, selbst wenn ich Notizen dabei habe, frei und nehme die Formulierungen, wie sie kommen. Und die Rückmeldung war eigentlich immer, dass man bis dahin nicht geglaubt hat, philosophische Vorträge könnten auch Pointen enthalten.

Dementsprechend verstört hat mich der Traum. Nicht gut vorbereitet sein, am Skript kleben, sich verbal verrennen. Das passiert mir eigentlich nicht. Ich fühle mich vor Publikum so wohl, dass ich zwar meine Rolle als Unterhalter spiele, mich dabei aber natürlich fühle. Hilfreich in Prüfungssituationen. Und doch …

 

Gerade in Vorstellungsgesprächen spüre ich ungewohnte Nervosität. Ich bin zwar vorbereitet, indem ich mir einen Einstieg zurechtlege, Antworten auf mögliche Fragen parat habe und dann spontan über diese Texte improvisiere. Aber dann verhaspele ich mich, bekomme keinen Kontakt zu meinen Gegenübern. Es ist auch gemein, wenn man fünf Leuten gegenübersitzt, die sich die Fragen aufgeteilt haben und die Nummern 4 und 5 (die dummerweise in der Hierarchie oben stehen) lange Zeit so wirken, als seien sie abwesend. Wenn sie ihre Fragen ablesen stelle ich dann fest, sie waren auch gar nicht da. Und sie wollen immer noch weg, so desinteressiert, wie sie ihren Text vorlesen. Man hätte sie ignorieren und nicht von ihrer geistigen Abwesenheit irritieren lassen sollen. Ich habe im Zuge meiner Projektarbeit für eine Kommune Vorträge vor der ganzen obersten Entscheidungsriege gehalten: Bürgermeister, Vorstandsvorsitzender der diversen städtischen Einrichtungen und seiner Abteilungsleiter, fand ich immer sehr angenehm.

 

Morgen ist Geburtstag!

 

Ich hätte mal wieder Lust auf ein Rhetoriktraining, ein paar Kniffe kann man sich ja immer abschauen. Oder eine große Rede. Reden kann ich besser als schreiben. Das schreiben übe ich nach wie vor, auch wenn ich sichtlich besser geworden bin. Kein Wunder: Vor über einem Jahr habe ich wieder mit dem Bloggen angefangen. Mein „Blog-Geburtstag“ ist allerdings der 06. oder 08. Juni. Seit dem 06.06.15 (ein Ausflug mit dem Seniorenzentrum in den Zoo) schreibe ich jeden Tag einen Beitrag, am 08.06. (der Auftakt der vierteiligen Grabgestaltungs-Trilogie, nach wie vor mein meistgeklickter Artikel) beschloss ich, die ganze Woche lang jeden Tag einen Artikel zu schreiben. Aus der ganzen Woche wurde … Nunja … Ein ganzes Jahr. Darauf bin ich stolz. Nicht nur, weil ich es geschafft habe, auch weil ich den ganzen Februar über zwei Artikel täglich hatte, vor Allem bin ich stolz darauf, dass ich merke, wie meine Texte besser werden. Einige der frühen Artikel holpern doch arg.

Stolz bin ich auch, weil einige Leute wie solera oder kathriene von Anfang an dabei sind und mal mehr, mal weniger regelmäßig meine Artikel lesen und kommentieren. Weil ich in der Zeit viele neue interessante Blogs entdeckt habe (und die mit interessanten Ideen für Gemeinschaftsprojekte aufwarten wie zuletzt Bob – Ha, noch eine Werbung untergebracht! Aber da werde ich mich beteiligen, wenn es was wird.). Und natürlich, weil es nicht bei den beiden Followern geblieben ist, sondern sich mittlerweile 200 Follower angesammelt haben und viele davon tatsächlich kommen, sich die Beiträge anschauen und dann auch noch kommentieren. An den Bloggeburtstagen nehme ich an einer Blogparade teil (morgen) und unterhalte mich mal wieder mit Seamus (Mittwoch), deshalb sage ich heute einmal mehr: Danke.

Damit endet dieser Beitrag, der inhaltlich an meine frühesten Beiträge erinnert: Ein munteres Sammelsurium an Dingen, die mir aktuell durch den Kopf gehen. Mittlerweile schreibe ich ja eher zu einem Thema pro Tag. Nochmal danke, diesmal fürs Zuhören. Jetzt dürft ihr euch eine Scheibe Brot abschneiden. Irgendwo habe ich auch noch Marmelade. 🙂

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Links ein reines Roggenbrot mit allerlei Saaten, rechts ein reines Weizenbrot. Ich war puristisch unterwegs. Im Hintergrund keine Hustensaftpackung, sondern Kartonage einer Bad-Essenz. So fies wie das Wetter ist, sollte man die Badewanne nicht einmotten.
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37 Kommentare zu „Wirre Gedanken mit Rückblick und Vor-Feier

  1. Da werde ich doch flux eine Torte für den großen Tag morgen backen. Oder nein, einen Muffin mit Kerze. Den kannst du ganz genüsslich selber essen, während andere neidisch zuschauen.
    Ich habe immer hohen Respekt vor eloquenten, freien Rednern. Ich klebe zwar nicht am Zettel, aber ohne Notizen würde ich untergehen. Du hast so schön formuliert, dass du während des Redens ‚den Unterhalter spielst‘. Vielleicht solltest du dich in einer Interviewsituation weniger als Unterhalter, sondern mehr als Verkäufer sehen. Du möchtest von deinem Produkt überzeugen. Von dir und deinen Fähigkeiten. Sie müssen sich dabei nicht gut unterhalten fühlen, solange sie das Produkt trotz schlagender Argumente trotzdem kaufen.
    Im Übrigen würde ich mich sehr über einen Tomaten-Beitrag freuen. Die und der Garten fühlen sich nun, wo du sie erwähnt hast, bestimmt benachteiligt.

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    1. Das Geheimnis guter Verkäufer ist doch, dass sie eine Show irgendwo zwischen Authentizität und Samstag-Abend-Fernsehgala bieten. „Unterhalter“ dient mir entsprechend nur als Oberbegriff. Ich bemühe mich halt drum, nicht langweilig zu wirken und nur meine Sprüchlein aufzusagen. Der Punkt beim „Unterhalten“ ist ja, dass man eine Verbindung zum Publikum herstellt, damit sie am Ende die Heizdecke „Zeilenende 2000°“ kaufen. Die neigt zu Kurzschlüssen, deshalb kann ich ihre Fähigkeiten nicht anpreisen, also muss ich den Leuten das Gefühl geben, sie hatten eine so gute Zeit mit mir, dass sie das wiederholen müssen.
      Aber du hast schon recht. Das Wort ist etwas unglücklich gewählt … Dennoch sollte man den Unterhaltungswert nicht unterschätzen. Im besten Fall sorgt er für ein flüssiges Gespräch. Und das ist in den meisten Fällen die halbe Miete, weil man so Interesse wachhält.

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  2. ( schwerbepackt in den Raum stürz und dabei die Tür aufstoß wie eine Saloon Tür und eine Riesentorte abstell ) Historischer Augenblick….das Zeilenende träumt, hält eine Rede und würdigt damit Blog und Blog-Follower….und nicht nur das…..er philosophiert dabei noch über dieses und jenes….und keiner präsentiert Badartikel wie das Tetesept Bad so gekonnt mit Essenfotos wie er…..200 Follower….und ich bin eine davon….Wow 😀 HAPPY BLOGDAY, LIEBER ZEILENENDE 🌻💐💫 Gibt’s auch Quitte? ( sich schonmal ’ne Scheibe vom Weizenbrot abschneid )

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    1. Gell? Ich bin ein wahres Genie! Und ich freue mich auch drüber, dass du eine meiner Followerinnen bist. 🙂

      Quitte habe ich nicht. Neben der obligatorischen Apfel-Brombeer habe ich Kirsch-Vanille, Erdbeer-Rhabarber, Erdbeer-Vanille, Kirsche-Persico, Johannisbeer-Stachelbeer und Apfel-Zimt. 🙂

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  3. Zumindest jetzt habe ich die Doppelwortbedeutung von Deinem gestrigen Beitrag verstanden….war zu sehr mit alten Erinnerungen beschäftigt…..
    Von mir auch ein herzlichen Glückwunsch…..so ein Bloggeburtstag ist sicherlich etwas besonders.
    Ich setze mich zu Marinsche und warte bis ich mir ein Brot abschneiden kann….und suche Käse….

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    1. Ist ja auch gar nicht schlimm. Im Gegenteil fand ich es spannend. Ich war nur ein wenig sehr erstaunt darüber, denn ICH fand genau die Doppelbedeutung an meinem Beitrag am Lustigsten. Und ja … Ein Jahr … 366+ Beiträge. Ich habe das zwar nur zufällig gemerkt, aber als ich es merkte, war ich schon ein wenig stolz.

      Käse ist da in dem Papier eingewickelt *deut* Heute Nachmittag mehr. 😉

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      1. Also….ich hatte die Doppeldeutigkeit ja schon erfasst….und das auch in meinem Kommentar angedeutet….nä… ( pikiert ausser Wäsche guck )

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        1. Danke ( wortgeflumselkritzelkram mit kirschvanilleunderdbeermarmeladenverschmiertem Mäulchen anlächel )…nja-a….Erdbeermarmeladenglas…flog plötzlich so durch’n Raum….ichweissauchnich….

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  4. Das ist ja ein lustiger Zufall, werter Zeilenende. Am 06.06. hat auch mein Blog Geburtstag. Morgen vor 10 Jahren habe ich meinen ersten Artikel geschrieben. Freut mich sehr, dich in dieser illustren Runde zu wissen. Und mach auf jeden Fall weiter so mit deinen Sammelsurien. Bin gespannt, wohin dich dein Blog noch bringt… 🙂

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    1. Dann lege ich den Bloggeburtstag hiermit par ordre du mufti auf den 06.06. fest. Das ist nicht nur eine schöne Schnapszahl. Dann vergesse ich auch nicht, dass ich Bloggeburtstag habe. *gg* Auch wenn ich es wohl nicht schaffe, deine 10 Jahre zu überholen, es sei denn … Ich muss mal eben eine Zeitmaschine bauen, entschuldigst du mich kurz? Ich bin gespannt, wo mich das nun wieder hinführen wird.

      Danke. 🙂

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  5. Puuh, du alter Hase feierst also morgen? Dann bin ich ja auf den morgigen Kuchen ganz besonders gespannt! 😉
    Ich mag deine Texte sher, und freu mich auf das nächste Jahr damit! 😀

    Was hastn für Marmelade im Angebot? 😀

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    1. Kuchen gibt es nur Freitags. Ich hab da meine Regeln. Deshalb feiere ich heute mit Brot. 😉 Marmelade habe ich … Ohm. Erdbeer-Rhabarber, Erdbeer-Vanille, Marinsche spielt gerade mit Kirsch-Vanille, glaube ich. Apfel-Zimt, Stachelbeer-Johannisbeer … Ich glaube, das war es. Aber reicht, denke ich.

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  6. Hahaha! Hahahahahaha! Haaaahahahaha!
    [Sorry. Das kommt davon, wenn man nur den ersten Satz liest.]

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    Wow! Ein Jahr lang täglich ein Beitrag (oder mehr). Alle Achtung! Und herzliche Gratulation zum Jubiläum. 🙂
    Vielleicht könntest du die Garten-Rubrik mit deiner letzten Buchbesprechung bestücken. Den Titel in «Das Gartengeheimnis» ändern und fäddisch. (Aussprache ist eh Glückssache)

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    1. „Das Gartengeheimnis“ also? Mhm … Das Problem ist folgendes: Das Geheimnis meines Gartens ist, wo die ganzen Schnecken herkommen … Und ich finde das Buch zu schade, um Schnecken damit zu erschlagen. *gg*

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  7. Also, zu dem Brot nehme ich lieber eine herzhafte Wurst! 😀

    Solche Vorstellungsgesprächssituationen mag ich auch nicht – vor allem dann nicht, wenn die da vorne sich so verhalten, als säßen sie zu Gericht …

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