Trinken kann man an jedem Ort. Das ist eine der Erkenntnisse, die man im Laufe des Lebens so macht. Glaubt man anfangs noch, nur auf der Toilette trinken zu können, weil die Flüssigkeit sofort durch uns hindurchrinnt, kommt irgendwann der freudsche Moment der Begeisterung darüber, dass man seine eigenen Bedürfnisse kontrollieren kann.

Ich habe schon an vielen Orten getrunken. Daheim, an anderen Orten, in der freien Natur. Ich bin, wenn man so will, ein Experte im Trinken. Egal ob in meinem Zimmer am Schreibtisch, während ich arbeite oder beim Frühstück am Küchentisch, selbst auf dem Sofa abends vor dem Fernseher habe ich schon getrunken.

Ja, ich war auch schon in Cafés und habe getrunken, habe im Fitnessstudio dem Verlangen nach Flüssigkeit gefröhnt, ich war in Kneipen und Bars, selbst in Kinos und Verkehrsmitteln habe ich getrunken: Im Auto, im Bus, in der Bahn, auf dem Schiff. Bei Freunden und Bekannten, abends allein in Hotelzimmern. Im Schwimmbad natürlich, freiwillig wie unfreiwillig.

Ich habe in der freien Natur getrunken: Beim Wandern, beim Radfahren, an der Lahn dies- wie jenseits der Mensa, in Kneipen (unvergesslich der Genuss geistiger Getränke im Delirium) auf dem Weg zur Universität aus einer Pappschnabeltasse … Eigentlich eine entwürdigende Angelegenheit. Da freut man sich darüber erwachsen zu sein und keine Schnabeltasse mehr zu benötigen und dann geht man in eine Bäckerei und verlangt einen „Kaffee zum Mitnehmen“ in einem Behältnis, das ebenso wie die Schnabeltasse mit einem Schlürfaufsatz verbunden ist, nur dummerweise die Henkel des Baby-Trinkutensils vermissen lässt, sodass man sich je nach Qualität des heißen (oder eben nicht heißen) Gebräus die Finger verbrennt.

Ich saß im Garten und schlürfte Rotwein, während der Grill Stücke vom Tofu- und Nicht-Tofu-Tier langsam in Kohle verwandelte, auf dass es uns wohl schmecken würde. Beim Grillen gilt die Regel: Je länger die Stücke auf dem Rost liegen, desto mehr sollte man getrunken haben. Man kann sagen, dass das Grillen ein Vorwand zum exzessiven Trinken ist. Die 10.000 Stunden Übung, die es für Meisterschaft (neben einem guten Umfeld) benötigt, habe ich im Trinken bestimmt.

Zugegeben, es macht einen Unterschied, was man dort exzessiv trinkt. Exzessiver Wasserkonsum löst nur Unwohlsein aus. Exzessiver Kaffeekonsum ist auch nicht empfehlenswert. Je höher der Koffeinpegel, desto bewusster nimmt man seine Umwelt wahr. Gleiches gilt für zuckerhaltige Getränke. Die Welt im Koffeinschock ist erhaben schön, um nicht zu sagen: Sie ist überwältigend. So überwältigen, dass sie das Herz in der Kehle schlagen lässt und man das Gefühl hat, sich im Kreis zu drehen. Und wenn ihr den Fehler macht, Cola zu trinken: Die Welt im kombinierten Koffein- und Zuckerschock ist noch erhabener.

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich ein Experte auf dem Feld des Trinkens bin. Doch auch für solch eine Koryphäe auf dem Gebiet der Flüssigkeitsabsorption, wie ich es bin, gibt es immer wieder noch Unbekanntes zu entdecken. Seit einiger Zeit wage ich es beispielsweise, meine ungeliebte Heimat zu verlassen, übermannt von wilder Entdeckungslust und dem Bedürfnis, meine Talente bei fremden Menschen derart anzupreisen, dass sie Geld gegen die zeitlich beschränkte Verfügungsgewalt über diese Talente tauschen.

Es begab sich, dass es mich an den Niederrhein verschlug, an dem die Sitten nicht so locker sind wie an den Orten, die ich kannte. Während ich mich frei fühle, dort zu trinken, wo ich es wünsche, gibt es dort spezielle Etablissements, in die man sich zurückzieht, wenn einen der Durst überkommt. Ich war etwas verschüchtert, als ich eine dieser „Trinkhallen“ genannten Einrichtungen betrat und traute mich nicht, sie dem Namen nach zu nutzen. Dementsprechend dehydriert war ich nach diesen Ausflügen, denn selbst allein im Schutze meines Hotelzimmers wagte ich es nicht zu trinken. Es gab bestimmt eine Sittenpolizei, die die Einhaltung der lokalen Gebräuche überwachte.

Doch kaum kehrte ich in die Heimat zurück, stellte ich fest, dass sich unbemerkt von mir ein weiterer Trend breit gemacht hatte. Frisch gestärkt durch erquickendes Nass, das ich in einem Schienenfahrzeug konsumiert hatte, betrat ich die heimatlichen vier Wände. Bereits kurze Zeit später machte sich ein für Trinker typischer Drang bemerkbar. Ich betrat den Ort, der zur Stillung dieses Bedürfnisses vorgesehen war und staunte nicht schlecht, denn auch das kannte ich bislang lediglich aus Berichten …

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Sag mal, Roe … Was machst DU in MEINEM Badezimmer?

 

 

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32 Kommentare zu „Beste Trinkorte

      1. Ich bin mir nicht sicher, ob Alkohol da die richtige Wahl ist – mehrere Studien belegen, dass mein Bewusstsein sich größtenteils verabschiedet, wenn ich eine gewisse Menge Alkohol einführe ^^

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      2. Nein. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Es nimmt anders wahr. Und weil auf unserer Ebene Wahrnehmung nur mittels unserer Sinneseindrücke möglich ist, können wir die Erfahrungen auf höherer Ebene nicht auf unserer Ebene nachvollziehen. Wir können nicht einmal sagen, ob es sie wirklich gibt. Was aber nicht dagegen spricht, es eifrig zu tun. 🙂

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  1. Das komische Teil im Bad habe ich anfangs auch für eine Art Tränke gehalten. Aber wenn einem beim Trinken ein halbes Dutzend Mal der Deckel auf den Schädel kracht, kommt einem irgendwann der Verdacht, dass da irgendwas nicht ganz stimmen könnte… 😉

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  2. Ach Menno, jetzt hab ich mich schon wieder verlesen. So wie bei Blumento-Pferde oder dem Reh, das auf den Vornamen Pü hört.
    Trin-Korte, eigentlich bin ich dafür entschieden zu nüchtern.

    Eskortierende Grüße aus dem Garten 😀

    PS: Hast Du die drei Aggregatzustände des Grillgutes (1. roh; 2. verbrannt; 3. Innen roh und Außen verbrannt) an anderer Stelle gewürdigt, oder als bekannt vorausgesetzt?

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