Zeilenende fühlt sich mit Fleischgerichten eigentlich ganz wohl. Wenn man Fleisch nicht unbedingt kurz braten will, wirkt sich eine lange Garzeit eigentlich immer positiv auf das Fleischgericht aus. Es wechselt dann vom Zustand zäh in den Zustand weich in den Zustand „zahllose einzelne Fleischfasern schwimmen im Essen“.

Ich vermute, dies ist der Grund, wieso sich neben mir auch Mutter Zeilenende für Schmorgerichte begeistern kann. Während ich dazu neige, Töpfe auf dem Herd zu vergessen, muss sie mit den Unwägbarkeiten der Heimkehr ihrer zu bekochenden Gefolgsmänner rechnen.

„Wann kommst du morgen nach Hause?“

„Ich habe noch Konferenz und dann muss ich …“

Mutter Zeilenende schläft ein.

„… ich denke also gegen 18 Uhr.“

Mutter Zeilenende unterdrückt ein Schnarchen, kocht für 19 Uhr und holt ihren Mann um 20 Uhr vom Bahnhof ab. Es ist ein Segen, wenn man in solch einem Fall Gulasch (kann man bedenkenlos stundenlang köcheln lassen) mit Fritten (brauchen nur ein paar Minuten. Eine unsägliche, aber von Herrn Zeilenende Sr. geliebte Kombination)  und Bohnensalat kredenzen kann.

In meinem Falle liegt meine Vorliebe für Schmorgerichte wie gesagt zum Einen daran, dass ich gerne Töpfe auf Herdplatten vergesse und überhaupt am besten koche, wenn mehrere Dinge zugleich geschehen. Während der Gulasch schmort, kann man zum Beispiel „Semmelknödel“ verarbeiten und während die ziehen kann man Salat machen. Wenn die Tätigkeiten ineinander greifen bin ich glücklich.

Außerdem ist das Schöne am Schmorgericht, dass Schmorgerichte nicht kompliziert sind. Sie sind so einfach, dass sich ganz schnell Nachlässigkeiten einschleichen. Man vergisst zum Beispiel, das Fleisch beim Anbraten zu fotografieren oder die geschnittenen Möhren zu zeigen, obwohl dies hier doch ein Biergulasch mit Möhren ist.

Um es besser zu machen als ich benötigt ihr:

  • 800g Rindergulasch (oder Halb und Halb – ich bin für Rind, der Rest nicht)
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen (die ihr aus Rücksicht auf Herrn Zeilenende Sr. weglasst)
  • 70g Speckwürfel (ich habe Magerspeck genommen, denkt an die Kalorien! 😉 )
  • 2 EL Tomatenmark
  • 1 EL Paprikapulver (es gibt nichts besseres als geräuchertes Paprikapulver)
  • 200ml dunkles Weizenbier
  • 600ml Fleischbrühe
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 TL getrockneter Thymian (wer frischen hat, nehme frischen)
  • 400g Möhren
  • Schalenabrieb von 1/2 Zitrone
  • Öl zum Anbraten
  • Salz und Pfeffer

Alles kein Hexenwerk. Bratet das Fleisch an und stellt es zur Seite. Schmeißt Öl in einen Bräter und dünstet die Zwiebeln an, gebt den Speck hinzu, lasst ihn ein wenig knusprig werden. Welch großartige Erfindung ist der fertig gewürfelte Speck aus dem Kühlregal. Der macht einem die Arbeit leicht. Außerdem wüsste ich gar nicht, was ich mit einer ganzen Scheibe Speck im Vorratskeller anfangen sollte.

Wenn alles ein wenig farbig geworden ist, gebt ihr das Tomatenmark in die Pfanne und das Paprikapulver hinzu, das ihr mit anröstet. Welches Paprikapulver sei dabei euch überlassen. Ob rosenscharf oder edelsüß, geräuchert oder nicht. Ich setze bei solchen Gerichten gern das geräucherte Paprikapulver in der edelsüßen Variante ein und helfe ggf. mit ein wenig Cayennepfeffer in der Schärfe nach.

Anschließend kommt das Fleisch hinzu. Das Problem solcher Gerichte, wenn man es an Festtagen serviert, ist üblicherweise, dass die Endfertigung nicht so viel Sauerei macht, das portionsweise Anbraten des Fleisches schon. Portionsweise ist wichtig, weil ihr das Fleisch sonst mehr ankocht denn anbratet. Eine wichtige Weisheit, die ich Mutter Zeilenende seit Jahren predige, die sie aber nicht interessiert. Ich löse das Problem, indem ich das Fleisch am Tag zuvor anbrate und anschließend die ganze Küche putze, sodass ich am Feiertag nur das Fleisch hinzufügen und die halbe Küche putzen muss.

Wenn wieder ordentliche Temperaturverhältnisse im Bräter herrschen, löscht ihr das Gebrät mit dem Bier ab und gießt so viel Brühe an, dass das Fleisch bedeckt ist. Oder mehr. Der Zeilenendesche Haushalt braucht immer viel Sauce, ich habe mir die Menge entsprechend auf 500ml Bier hochgerechnet und musste am Ende dafür mit ein wenig Mehlbutter nachhelfen, um die gewünschte Bindung zu erreichen. Würzt euren Schmortopf mit Thymian und Lorbeer, schließt den Deckel und lasst alles für zwei Stunden schmoren. Vielleicht ärgert ihr euch ein wenig, dass der gekaufte „frische“ Thymian, abgepackt in Plastik, zu nichts zu gebrauchen war sondern muffig schmeckte. Dann solltet ihr froh darüber sein, getrockneten im Schrank zu haben.

In der Zwischenzeit könnt ihr Möhren schälen und in Scheiben schneiden, die Zitrone abreiben und euch des Lebens freuen. Beide Zutaten wandern nach den zwei Stunden ebenfalls in den Bräter und werden noch einmal 30 Minuten mitgekocht. Zum Schluss schmeckt ihr mit Salz und Pfeffer ab. Da meine Fleischbrühe einen gesunden eigenen Salz- und Pfeffergehalt mitbrachte, reichte die leichte Würzung am Ende.

Ihr mögt sagen: Schön und gut, lieber Zeilenende, aber festlich sieht das nicht aus, vor Allem nicht in dem Brätertopf. Und was soll man dazu essen? Diesen Kritikern entgegne ich: Unter keinen Umständen Fritten, es sei denn ihr seid Herr Zeilenende Sr. Ich empfehle meinen Semmelgugel und Gurkensalat. Und Anrichten auf dem Teller, dann sieht es nämlich festlich aus.

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38 Kommentare zu „Wenn Zeilenende was schmoren lässt

  1. Ihr seid auch die Salat-auf-den-Essteller-Packer!? Das war mir damals völlig neu in der Altenpflege, viele meiner Oldies hatten das so gehandhabt. Für mich gehört er auf einen Extrateller und vor dem Essen dazu 🙂

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      1. Interessant wie Assoziationen verknüpft sind….geniess Deine All-on-one Teller….solange Du nicht im Restaurant mit Deinem Salat auf das Hauptgericht wartest, um ihn dann mit auf den Teller zu platzieren ist alles gut 😉

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  2. Für wie viele Personen ist das? Die National-Elf? Ich reiche zum Gulasch immer Nudeln. Pommes sind da wirklich eine interessante Kombination. Aber warum nicht, hauptsache es schmeckt. Sieht lecker aus… ich nehm dann was vom Gurkensalat.

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    1. Die Menge ist kalkuliert für acht Leute. Wir sind fünf Mann, davon zwei „gute Esser“. Und bei Gulasch friere ich mir immer ein oder zwei Portionen ein. Dann habe ich abends nach nem hektischen Tag notfalls was Leckeres zu essen und muss keine Pizza bestellen. 🙂

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  3. Huff! Rindfleisch ist ja im Regelfall nicht so meins. Aber hier würde ich nicht widerstehen können wollen. 🙂 [Der Gurkensalat allerdings – der gehört für mich auch auf einen extra Teller.] Beim Paprikapulver bin ich auch für die edelsüße Variante – dafür reichlich. Rosenscharf gehört für meinen Geschmack nur in minimaler Menge dazu (Cayenne habe ich aus der Küche verbannt – da bin ich seit einem kleinen Malheur allergisch). Eine Prise Nelkenpulver darf’s allerdings auch noch sein.

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    1. Im Gulasch halte ich nicht viel von anderen Fleischsorten … Wild geht … Vielleicht noch Pferd, aber krieg das mal! Es sollte zerfasern und das tun weder Schwein noch Geflügel. Nelkenpulver wäre indes eine schöne Variante … So im Herbst. Erstaunlicherweise macht sich auch Zimt an solchen Schmorgerichten ganz gut, aber solche Experimente darf ich nur selten wagen. Hier gilt ja selbst der Thymian als extravagantes Teufelszeug. *gg*

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      1. Für Gulasch ist Rind schon eher Standard. Obwohl Wild natürlich – sofern verfügbar – schon der Hammer wäre (auch Elch oder Rentier, beispielsweise). Zimt klingt nach einer sehr guten Idee. Was Kräuter angeht, fuhrwerke ich ohnehin meist mit großzügiger Hand. 🙂

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  4. *handreich* ich liebe Schmorgerichte auch, die kann man ruhig mal ein, zwei Stündchen vergessen….was mir auch öfter passiert, deshalb erhöhe ich auch immer die Flüssigkeitsmenge….sicher ist sicher….grins…

    schaut lecker aus, dein Sammelsurium.
    Wobei ich auch so eine bin, die den Salat lieber extra hat.

    Wenn es Braten mit Rotkohl gibt, dann muss der Rotkohl auch extra serviert werden, weil ich es nicht mag, wenn der Saft vom Rotkohl sich mit der leckeren Bratensoße mischt… jedem Tierchen sein Pläsierchen 😛

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  5. Magerspeck? Schöner Ausdruck;-)
    Anstatt Bier nehme ich Rotwein. Das Wichtigste ist das Anbraten (in kleinen Portionen und anschliessend mit Wein (oder eben Bier) ablöschen, denn das macht den Geschmack aus (Maillard-Reaktion), da hast du Recht.
    Ein Hauch Zimt und ein wenig Knoblauch dazu…perfekt.
    Salat natürlich auf einen extra Extrateller;-)

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    1. Ich glaube, der Magerspeck heißt auch eigentlich anders und ist ein Schinken, aber ich nehme das nicht so genau. Speck ist ja eigentlich nur dazu da, ein wenig Fett und viel Salz ans Essen zu bekommen. Und mit Magerspeck ist es wirklich nur ein wenig Fett. Kommt ja noch das Fett aus dem Öl und das Fett aus dem Fleisch … Und überhaupt. *gg* Aber Rotwein … Rotwein gehört in den Koch und nicht ins Essen. 😉

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