Ist das schon Crossover-Küche oder bloß das Eingeständnis eigener Unfähigkeit? Ich weiß es nicht. Es ist jedenfalls an der Zeit, nach den Pfannkuchen zu dokumentieren, dass ich auch die traditionell herzhafte Küche beherrsche. Das Tolle daran ist, dass ich meine Komfortzone nicht verlassen muss, denn ich nehme meine Gugelhupf-Form mit.

Nachdem ich den Dreh raus hatte, gehen mit Kartoffelklöße leicht von der Hand. Ihre Verwandten, die Semmelknödel hingegen, sind mir nicht gewogen. Frei schwimmende Knödel fallen mir im Wasser auseinander, Serviettenknödel stellen unüberwindbare Herausforderungen an meine motorischen Fähigkeiten, werden matschig, fallen auseinander oder stocken nicht. Okay. Ich dramatisiere. Fakt ist aber, dass die Herstellung von „traditionellen“ Semmelknödeln immer mit einem gewissen Risiko behaftet ist. Und ich weiß nie, welches Risiko mich in die Verzweiflung zu treiben droht.

Ich begegne dieser Schwierigkeit durch Ausweichbewegungen. Ich mache Kaspressknödel, bei denen der Knödelteig mit Käse versetzt und in der Pfanne wie eine Frikadelle gebraten wird. Für kleinere Mengen an Semmelknödeln backe ich den Teig in Muffinformen und wenn die ganze Familie futtert, backe ich Knödelteig zum Gugelhupf. Das sieht schön aus und birgt als einziges Risiko, dass er etwas weich werden kann.

Semmelknödel sind schön, weil sie ein traditionelles Reste-Essen sind. Zumeist nimmt man ja Brot, das ein paar Tage alt ist. Ich nehme durchaus auch Brotreste, die auch als Hammer taugen. Und ich nehme alles, was da ist. Besonders liebe ich die Variante mit alten Brezeln. Diesmal hatte ich keine alten Brezeln übrig, ich nenne euch aber das korrekte Rezept, damit ihr nachbacken könnt, wenn ihr mögt.

  • 3 Brezeln
  • 2 Brötchen
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL Petersilie
  • 1 Ei
  • 700ml Milch

Ich pflege eine sehr simple Semmelknödel-Variante. Es gibt Menschen, die trennen die Eier und schlagen das Weiß zum Schnee, um den Knödeleig zu lockern. Hat in diesem Fall keine großen Auswirkungen. Die Zutaten sind allerdings Schätzungen. Es hängt nicht zuletzt von der Trockenheit des Brotes ab, wie viel Milch ihr benötigt. Ich habe im Fall des heutigen Teiges ein weiteres Ei benötigt und musste während der Ziehzeit noch einmal Milch nachgießen.

Apropos Milch. Die Milch wird einmal aufgekocht und darf dann abkühlen lassen. Anschließend sägt und brecht ihr das Brot (und ggf. die Brezeln) in Stücke. Gebt das Brot in eine Schüssel, die kleingeschnittene Zwiebel und das Ei dazu. Vermengt alles miteinander. Gebt anschließend die Milch darüber und rührt noch einmal. Nun muss das Ganze quellen. Ich setze den Knödelteig meist am späten Vormittag an, inspiziere ihn Nachmittags und gegessen wird um 18:30. Er kann also problemlos vorbereitet und dann stehen gelassen werden.

Für mich ist bei Semmelknödelteig wichtig, dass die Stücke weich werden, aber trotz des Durchmengens als Stücke erkennbar bleiben. Im Zweifel gilt für mich: Lieber ein paar harte Brocken als zu viel Matschepampe im Topf. Seid ihr mit der Konsistenz eures Produkts zufrieden, kommt es auch schon in den Ofen, den ihr auf 180° Ober-/Unterhitze vorheizen solltet.

Schüssel war einmal mehr im Kücheneinsatz, wie ihr sehr schön sehen könnt. Außerdem habe ich nicht bloß einen ausgeprägten Rot-Tick, meine Begeisterung für Gugelhupfe wird erklärbar, wenn ihr euch vor Augen führt, dass ich eine wirklich brauchbare Silikon-Gugelhupf-Form habe. Die aus Metall hat mich immer in die Verzweiflung getrieben.

Wenn die Masse so schön in der Form drapiert ist wie auf meinem Bild, geht es in den Höllenschlund der Backröhre. Dort verbleibt das Produkt dann für 45 bis 60 Minuten. Anschließend herausholen, auf ein Brett stürzen und servieren. Wenn ihr Glück habt, ist der Gugelhupf schnittfest geworden und lässt sich in Scheiben schneiden. Ansonsten nehmt Gabel und Löffel, dann brecht ihr jedem Mitesser ein passendes Stück auf den Teller. So habe ich es gemacht. Und nächste Woche folgt das Rezept für den Gulasch. 😉

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22 Kommentare zu „Gugelknödel

  1. hmmm fein fein 😊 wenn dir die Semmel- bzw Breznknödel auseinander fallen im Wasser ist die Masse zu feucht gewesen. Meine bayrische Schwiegermutter hat mir beigebracht: wenn du einen Knödel formst und auf ein Brett legst, muss er seine Form behalten. Darf also nicht in sich zusammen sacken. Formen am besten mit nassen Händen und zur Not noch ein paar Semmelbrösel unterrühren, dann werden sie locker aber die einzelnen Stücke sind trotzdem noch gut zu erkennen. Kochen darf das Wasser auch nicht, logischerweise, sondern nur vor sich hin sieden. Nach ein paar Fehlversuchen klappt’s bei mir mittlerweile immer 😊

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    1. Das schlimme ist ja, dass ich es rein theoretisch sogar weiß, wie so ein anständiger Semmelknödel aussehen soll und wie man ihn zubereitet. Das Problem ist: Meine Semmelknödel wissen das nicht. Ich mache dann ein paar Fehlversuche, mache ein paar Fehlversuche mehr und dann gibt es Nudeln dazu, weil ich mit dem gesamten Teig versucht habe. *gg*
      Das Problem ist ja: Zu trocken darf er auch nicht sein, sonst bröselt es, statt zu kleben. Wie gut, dass ich ne Bergische Jung bin und ich mich für meine Knödeluntauglichkeit nicht schämen muss. 🙂

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      1. Das ist allerdings wahr. Spontan an deinem Rezept ist mir eingefallen „Waaaaaaas, soviel Milch nimmt Zeilenende für die Menge an Backwerk?“ Die hätte ich vermutlich halbiert und dann maximal ein winziges Schlückchen dazu gekippt, sollte es nicht ausreichen. Guglhupfform ist aber in jedem Fall bedeutend besser als Frust beim Knödelmachen 🙂

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    1. Es hat noch einen weiteren Vorteil: Für fünf Leute Klöße machen ist vom Kochen her schon ein Aufwand, die Dinger müssen ja geformt werden, dann in den Topf und aus dem Topf … Hiermit geht es viel schneller. Und mit zwei Gugelhupfen kriegt man durchaus ein Dutzend Leute satt. *gg*

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  2. Semmelnknödelnguglnhupfn. 🙂
    Ein Guglhupf zum Gulasch – das ist sehr originell. Der Form ist das ja egal, und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
    [Schüssel hätte ich übrigens nicht wiedererkannt – ich hätte auch nie gedacht, dass der Herr Dr. jetzt ein Roter ist.]

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  3. Das ist ja mal eine interessante Variante, die mir sehr gefällt. Kartoffelklöße beherrsche ich auch fast bis zur Perfektion, Semmelklöße … naja 😉
    Das war mal ein ganz besonderer Tipp und auf dem Teller sieht es auch nicht übel aus und vom Geschmack her wird’s sicher wie Semmelklöße schmecken 😀 Dankeschön! Was Hausmänner doch mitunter für tolle Ideen haben.

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