Ja, ich kann kochen. Nein, das schmeckt längst nicht jedem. Nein, ich kann keine Rezepte mit euch teilen. Ja, ich koche selten nach Rezept. Ja, ich bin ganz gut darin, Fleischgerichte herzustellen, während Fisch mir meist zu trocken wird. Das Problem mit Gemüse? Das sieht am Ende immer unansehnlich aus, selbst für meine Verhältnisse. Aber wenn es etwas gibt, was ich kann und das alle Familienmitglieder glücklich stimmt, dann sind es Mehlspeisen.

Alles begann vor einigen Jahren mit ziemlich dekadenten Pancakes. Der Witz daran war, dass ich einen Pfannkuchen-Teig machte und dann kleine Pfannkuchen buk, statt wie von Mutter Zeilenende überliefert, die ganze Pfanne mit Teig zu befüllen. Desweiteren befüllte Mutter Zeilenende ihre Pfannkuchen, die sie seit Jahren nicht mehr zubereitet, stets mit Apfelspalten. Ich füllte sie mit allerlei Produkten aus dem Süßigkeitenregal, schnitt etwas in kleine Stücke, dass lt. Packungsaufdruck aus kleinen Kindern hergestellt sei, diverse Frühstückscerealien … und was sonst noch so da war.

Wann immer es bei mir gebratene Möhrenscheiben mit Sellerie-Frikadellen und Fenchel-Anis-Quark gibt, lehnt die Familie entgeistert mein Angebot ab, etwas zu probieren. Doch wenn ich andeute, es gäbe Semmelknödel, Kartoffelklöße, Kaiserschmarren oder eine meiner diversen Pfannkuchen-Varianten, bitten sie darum, auch bedacht zu werden. Oder, wenn ich schon einmal dabei sei, das Kochen ganz zu übernehmen. Zeilenende ließ sich nicht lumpen und lud zu Hefepfannkuchen (Plinsen), wahlweise süß oder herzhaft, ein.

  • 420ml Milch
  • 1 Würfel Frischhefe
  • 1/2 EL Zucker
  • 500g Mehl
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eier

Ich gebe zu, ich vergaß die Dokumentation des ersten Schrittes, weil ich die Familie aus der Küche vertreiben musste. Das zweite Phänomen meiner Ankündigung, Mehlspeisen zu bereiten, ist der massive Zutatenschwund im Zubereitungsprozess. Um Sellerie und Fenchel muss ich mir keine Sorgen machen. Aber Pfannkuchen-Teig und -Füllung ziehen den Zeilenendeschen Haushalt an wie Thunfischdosen unsere Katzen.

Andererseits ist die Vorbereitung auch nicht so schwer, dass es Bilder benötigte: Gebt das Mehl in eine Schüssel, drückt eine Mulde ins Mehl, bröselt die Hefe hinein, gießt etwas Milch an und verrührt alles mit dem Zucker. Wenn ihr nur eine süße Variante produziert, könnt ihr auch bis zu 2 EL Zucker hinzu geben. Ich mag den Pfannkuchenteig allerdings am liebsten weitestgehend unsüß.

Die Hefe darf nun 20 Minuten lang gehen. Anschließend gebt ihr die übrige Milch zum Teig, ebenso das Salz und die Eier. Dann rührt ihr (spart euch die Knethaken, wenn ihr mit dem Handmixer arbeitet und nehmt die Rührbesen) den Teig, bis er schön geschmeidig ist. Anschließend darf der Teig 40 Minuten lang abgedeckt quellen und gehen.

In diesen 40 Minuten könnt ihr die Füllungen vorbereiten. Für die herzhafte Variante habe ich dieses Mal Mozzarella, gekochten Schinken und mageren Schinkenspeck genommen. Ich habe alles gewürfelt und nach der Ruhezeit mit dem herzhaften Anteil des Teigs vermischt. Tendentiell rate ich aber zu einer herzhafteren Käsesorte, mindestens Büffel-Mozzarella, besser frisch geraspelten Pecorino, kleingeschnittenen Tilsiter oder ähnliche Kaliber. Für die süße Variante entschied ich mich für die simple Variante: Ich hatte noch Trockenpflaumen im Keller, die der Verarbeitung harrten und die ich bereit legte, sie in die Pfannkuchen einzubacken.

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Die Füllung für die herzhaften Pfannkuchen unter den Teig heben, Butter in der Pfanne zerlassen und portionsweise braten. Ich setze dabei immer den Deckel auf und wische die Pfanne spätestens nach dem zweiten Bratdurchgang aus, um mit etwas neuer Butter zu beginnen, sonst kokelt es in der Pfanne. Im Bild übrigens die Pflaumenpfannkuchen: Teig vom Löffel in die Pfanne geben, Pflaume auflegen, mehr Teig vom Löffel darüber ziehen.

Hefepfannkuchen ohne Sauce sind nur der halbe Spaß. Also nahm ich eine Dose passierte Tomaten und kochte sie mit drei Zehen Knoblauch, Salz, Pfeffer und Rosmarin zu einem Ketchup ein. Außerdem hatte ich noch Kuvertüre im Schrank: In einem halben Liter Milch aufgekocht, mit 20g Speisestärke, einem Schuss Marillenlikör und einem Esslöffel Zucker ergab sich daraus eine leckere Schokosauce. Oder ein Pudding. Wie man will. Aber wenn man den vorbereiteten Pudding abends wieder erwärmt, wird aus ihm wieder eine dicke, glücklich machende Schokosauce.

Ich bin ja ein süßer Zahn. Ich zog die Pflaumen-Pfannkuchen mit Schokosauce vor. Die Familie war da weniger differenziert. Die stopfte in sich hinein, was ihnen in die Finger fiel und seien es Pizza-Pfannkuchen mit Schokosauce. Ich meine, spät abends noch einen lauten Knall in der Küche gehört zu haben und vermute, irgendjemand konnte nicht widerstehen. Obwohl noch zum Bersten gefüllt, wollte jemand den letzten übrig gebliebenen Pfannkuchen verzehren. Dieser Wunsch ist geplatzt. Oder bloß der Bauch.

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51 Kommentare zu „Mehlspeisen-Gott: Hefepfannkuchen

  1. Beide Varianten sehen zum reinbeissen aus! Wie lästig immer wieder die heisse Pfanne auszuwischen…..warum nimmst Du kein Ghee? Das ist hocherhitzbar und hat den feinen Buttergeschmack 🙂

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    1. Das Problem ist weniger die Butter und die darin verbrennenden Eiweißbestandteile, ich hab das gleiche Problem mit Ölen, wenn ich Pfannkuchen mache. Es bleibt offenbar immer genug Pfannkuchenmikropartikel in der Pfanne, um mir das Fett nach spätestens 20 Minuten zu versauen. Da ich sonst mit Butter ganz gut fahre und es Pfannkuchen eh nur so alle halbe Jahre gibt, lohnt es sich einfach nicht wirklich.

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  2. Meine Erfahrung meint, dass es ein geplatzter Bauch gewesen sein muss. Warum? Wünsche ploppen nur beim Platzen. Es müsste also schon ein implodierender Traum gewesen sein. Aber Wort und Bild zeigen, dass alles für maßlos Mehlspeise mampfende Menschen hergerichtet ist. Mit absehbaren Folgen. 🙂
    Jedenfalls würde ich jede deiner Variationen probieren wollen. Auch meine eigenen Pfannkuchen sind in allen Varianten ‚rezeptfrei‘ – allerdings mit deutlich anderem Eier/Mehl-Verhältnis. Und dünn. Auf den Zucker würde ich beim Teig auch verzichten. Man kann die Geschichte ja immer noch nachträglich ausgesprochen süß gestalten. Einer meiner Favoriten ist Ahornsirup.

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    1. Meine „normalen“ Pfannkuchen kommen auch auf mehr Ei und auch etwas mehr Milch. Bei den Plinsen brauche ich aber eine gewisse Zähigkeit, damit sie aufgehen. Zu viel Ei macht den Teig wiederum zu schwer. Der klebt dann in der Mitte zusammen. Ähnliches gilt für den Zucker, der dient mir nur zum Füttern der Hefe, damit die sich gleich prächtig entwickelt. Schmecken tut man den halben EL nicht. Da stimme ich dir nämlich zu, selber süßen kommt besser … MARMELADE UND AUFROLLEN! 🙂

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      1. Ach so, ja, die Hefe. Die stellt natürlich ganz bestimmte Anforderungen. Und es stimmt – ein halber EL Zucker fällt auf diese Menge Teig nun wahrlich nicht ins Gewicht. Marmelade geht immer! Manche Sorten sogar dann noch, wenn man den Teig mit etwas Käse bereichert hat. 🙂

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      2. Da bin ich pingelig: Quark ja, Käse nein. Käse darf (zur Not, wenn nicht genug Käse da ist) mit etwas Honig angereichert werden, aber nur wenn er einer Zwangsehe mit Senf zustimmt, aber selbst dann ist das … Ketzerei. 😀

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  3. Komm gerade vom Mittag und vermisse noch was Süßes – ich hötte dann gerne die Pflaumenvariante, gerne mit viel Schokosoße 😀
    Aber mal ehrlich, bei dieser Art Einträge von dir, tropft mir danach immer der Zahn. wie soll ich jetzt noch bis 19 Uhr arbeiten? Eigentlich will ich in die nächste Kaufhalle, alle Zutaten besorgen und mich selber dran versuchen… 😉 – Sü

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      1. Erst lesen nach Feierabend? nee, das bekomm ich nicht ihn. Aber ich werd meinen Chef mal fragen, Unterstützung können wir immer gebrauchen 😀 – Sü

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      1. Wenn ich jetzt Nietzsche zitiere, wäre das inkonsequent und ich hätte einen Ruf als gewalttätiger Chauvi weg, gell? Also murmele ich was von sündiger Lust nur zum Zwecke der Ministrantenproduktion und gucke verklemmt drein. 😉

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  4. Oh Pfannkuchen! Ich find die in allen Varianten toll, ob mit Buttermilch oder Joghurt so „American Style“, klassische deutsche Pfannkuchen (ja Apfelspalten! Mit solchen Pfannkuchen bin ich groß geworden!!!) oder Crêpes. Ich nehm sie alle. Mit Hefe hab ich sie noch nie ausprobiert, ich wundere mich aber nicht, dass bei euch das große Platzen losgeht 😀 Das hört sich nach einer Schlemmerei ohnegleichen an. Aber nimmst du echt einen ganzen Würfel Hefe für 500g Mehl?

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    1. Japp. Der Teig ist zähflüssig und geht nicht wirklich vor dem Backen. Aufgeblasen werden die Dinger deshalb in erster Linie beim Ausbraten. Da braucht er Triebkraft.
      Wenn man ihn vorbereitet und stehen lässt, würde ich die Menge aber auch reduzieren. Wenn man die Zeiten einhält, schmeckt es eigentlich nicht sehr hefig.

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      1. Woah … Pancakes zum Frühstück sind mir jenseits vom Urlaub ja entschieden zu dekadent. Aber auch nur, weil ich sonst eine extra große Tastatur bräuchte, um mit meinen Wurstfingern noch tippen zu können. ^^

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    1. Ich bin vor Urzeiten auch in einem Blog drüber gestolpert und habe seitdem munter am Rezept rumgeschraubt. Knapp vor Kartoffelpfannkuchen (dazu irgenfwann) definitiv meine Favoriten. Ich rate gerade wegen den vielen möglichen Variationen unbedingt zum verstärkten Pfannkuchenkonsum. Dabei am besten Petzi lesen. 🙂

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      1. Ich darf leider nicht so viel von solchen Leckereien essen, aber ab und zu gönne ich es mir schon.

        Kartoffelpfannkuchen sind auch mein Favorit.

        Petzis hab ich gar keine mehr….lach….aber auf meinem e-reader ist genug Lesestoff 😛

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  5. Plinsen mit Speck gibt es hier ja auch ab und zu mal oder mit Äpfeln – beides überaus lecker. Aber Dein herzhaftes Gemenge könnte mir auch zusagen und die Saucen dazu reizen ja regelrecht zum Nachmachen. Bei Gelegenheit werde ich das testen 😀

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    1. Bei Speck und Äpfeln könnte ich mir glatt vorstellen, beides zu kombinieren. Ich wünsche dir viel Vergnügen beim Nachmachen mit den Saucen. Ein Leben ohne Sauce ist bekanntermaßen möglich aber sinnlos. 🙂

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