Da wiegt man sich in Sicherheit und spielt befreit auf. Dann stellt man fest, dass alles umsonst ist. Ich bin enttarnt, ich bin verraten, verkauft und nichts wird jemals wieder so sein, wie es einmal war. Die Welt geht unter!

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Hat jetzt meine letzte Stunde geschlagen?

Was ist passiert? Nesthäkchen hat gepetzt. Also eigentlich hat er bloß gegooglet. Meinen Namen und das Stichwort „Blog“. Und obwohl ich so vorsichtig war, gibt es tatsächlich einen Treffer. Oder besser gesagt: Es gab einen Treffer. Den ich wohlweislich beseitigt habe. Weil er ohnehin aus Zeiten stammte, als ich meine allerersten erfolglosen Gehversuche als Blogger gemacht habe.

Da denkt man, man kann hier den Whistleblower spielen, ohne dass es jemand mitbekommt, ganz unbedarft Inhalte teilen, von denen man denkt, die lese ohnehin niemand, der darin zum Gespött gemacht wird und dann wissen meine beiden Brüder sogar, welche Tarnnamen ich ihnen gegeben habe. Was so ein wenig Alkohol nicht alles bewirken kann.

Jetzt weiß ich immerhin, woran ich bin. Niemals nicht wieder werde ich in diesem Blog auch nur ein wahres Wort über mich oder die Familie Zeilenende veröf…

Moment. Seit wann interessiere ich mich eigentlich für die Wahrheit? Ist doch eh alles erfunden.

Ja, aber was ich erzähle, erzählt doch zumindest etwas über mich. Mein sorgsam aufgebautes Bild, das ich Menschen vor’s Gesicht halte, die mich persönlich kennen, hat doch mit meinem Internet-Ich nichts zu tun. Die Leute denken am Ende noch Falsches von mir.

Nesthäkchen hat gesagt, es sei manchmal ganz lustig, was ich hier so treibe. Er lese nicht regelmäßig, aber er müsse zugeben, es sei gut geschrieben.

Ach, pfeif auf das, was die Leute denken. Die Hälfte meiner Inhalte ist erfunden, die zweite Hälfte gelogen und lediglich die dritte Hälfte ist zumindest ansatzweise wahr. Das waren jetzt zwar drei Hälften, das dient aber auch lediglich der Verwirrung, damit niemand mehr merkt, worum es hier geht. Ansonsten müsste ich hier ja erzählen, dass ich eine halbe Nacht wach gelegen habe und darüber nachgedacht habe, was das jetzt bedeuten soll. Eine Prämisse meines Schreibens war die Tatsache, dass außer meinen Leser*innen niemand so genau wusste, was ich in meinem Blog so treibe. Das hat sich jetzt erledigt. Teilweise.

Oder zur Gänze. Wenn meine Brüder nur halb so fies sind wie ich, dann war „Ich habe mir das mal angeguckt.“ genau so eine Lüge wie „Ich lese manchmal einen Artikel.“ oder „Die Frisur sieht gut aus.“ Dann heißt es in Wirklichkeit: „Ist meine Startseite.“ und „Ich habe den Account gehackt und auch alle Entwürfe gelesen. Du solltest den Beitrag über ‚Being Human‘ veröffentlichen, weil der super ist.“ … Und: „Zieh BITTE deine Mütze auf.“

Anonymität ist eine schöne Sache. Ich vermisse sie im Augenblick ein wenig. Aber nicht sehr schmerzhaft. Das meiste von dem, was ich hier geschrieben habe, würde ich trotzdem so schreiben, selbst wenn die Vorlagen meiner Figuren es wüssten. Wegen des „Delay“ zwischen Ereignis und Veröffentlichung weiß ich seit vier Wochen, dass sie es wissen. Ich hab den Blog nicht gelöscht, sondern ihm mittlerweile ein Impressum spendiert. Und brav jeden Tag neue Artikel veröffentlicht. Hat jemand was gemerkt? Dachte ich mir.

Das einzige, was mich ärgert ist: Dass es so einfach war, mich zu finden. Schäm dich, Zeilenende!

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36 Kommentare zu „Sie wissen es

    1. In dem Fall war es aber Dummheit. Ich hatte bewusst kein Impressum gesetzt, aber war trotzdem einfach über Name, noch nicht einmal über eines meiner (der Familie bekannten) Netzpseudonyme zu finden. Ich dachte, ich hätte den Namen nie irgendwo in den alten Beiträgen erwähnt … Leichtsinn. *g*

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    1. An und für sich nicht. Also kaum. Okay … Eigentlich habe ich ganz viel zu verbergen. Egal.

      Es ist nur so, dass ich unter Berufung auf „meine Sicht der Dinge“ Sachen weglasse, ironisch übertreibe oder auch mal die ein oder andere Kleinigkeit hinbiege, damit es eine bessere Geschichte ergibt. Und das geht leichter, wenn man den Betroffenen nicht ständig erklären muss, dass die Leute in meinem Blog Figuren sind. Aber die Familie ist so nett, hier nur sporadisch zu lesen.

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  1. Weggefallene Anonymität ist so eine Sache. Bei mir kennen nur ganz wenige Leute aus meinem persönlichen Umfeld meinen Blog. Und dabei will ich es auch belassen. Ich habe ja so viel zu verbergen… 😀

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      1. Im Umfeld der Familie hätte ich da auch nicht so meine Probleme (die interessiert mein Geschreibe vermutlich eh nicht). Meine Frau kennt die Seite und liest ab und zu mit. Das reicht auch. Bei Kollegen und Mitarbeitern wäre das schon schwieriger…

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  2. Deshalb also das Impressum! Hatte mich beim Stöbern schon gewundert. 😉
    Naja, sowas kann mal passieren, und wenn deine Brüder eh vom Blog wussten, dann ist natürlich auch eine entsprechend große Neugierde da.
    Wichtig ist doch, dass sie mit dem Geschriebenen keine Probleme haben, und dass du dich trotz mittlerweile teilweise aufgehobener Anonymität noch wohl genug fühlst, um zu schreiben. Und das ist ja der Fall. 🙂

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    1. Aber auch nur, weil ich hoffe, sie waren ehrlich und interessieren sich aufrichtig NICHT dafür, was ich hier treibe. ^^

      Davon ab hat das „Über“ auch einen Vorteil. Ich habe damit eine kleine Ecke, wo ich zusammenfassen kann, worum es hier so geht … Ich überlege derzeit, ob ich da auch das „Personal“ vorstellen sollte. *gg*

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  3. Ohje der Sie-wissen-es-Virus. Den kann man sich überraschend schnell, quasi über Nacht, einfangen. Liest man immer mal wieder von, dass es jemanden erwischt hat.
    Ich wünsche Dir von Herzen gute Besserung und dass es Deiner Schreibfreude keinen Abbruch tut!
    PS: Die Idee mit dem „Personal vorstellen“ finde ich großartig! Das hätte so einen ansprechenden Wenn-schon-denn-schon-BAM!-Charakter. Passt zu Dir :).

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  4. Huff! Das beunruhigt mich nun doch sehr. Ich bin bisher mit aller verfügbaren Selbstverständlichkeit davon ausgegangen, dass ein WP Blog das sicherste Versteck für die geheimsten Geheimnisse sei. Eine Art Fort Knox des nicht ganz stubenreinen Gedankenguts.
    Anderseits gehe ich den Leuten, die mich kennen, dermaßen an den Ärschen vorbei, dass mich eh keine(r) googelt. 🙂
    [Was mich viel mehr interessieren würde, ist, warum einige Leute aus meinem Bekanntenkreis in letzter Zeit immer so komisch gucken…und grinsen…und…tuscheln…und…]

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  5. Also, ich muss schon sagen, ich bin empört. Alles erstunken und erlogen? Auch der Zeilenende mit seinen so schönen Selfies, die hübsche Mütze, der liebenswerte Seamus, die Brote, die Torten, der wundervoll lecker ausschauende Russische Zupfkuchen? Nee, ne? So kann man gutgläubige Leser enttäuschen 😦

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    1. Die Brote und Kuchen sind alle nur gemalt, die Mützen gehören Fremden, auf den Selfies trage ich Masken … Nur Seamus, der ist als einziger echt. 🙂
      Das Leben ist voller Enttäuschungen. Aber um es zu retten … Alles, was erstunken und erlogen ist, sorgt für ein sehr viel größeres Maß an Wahrheit als die Realität je leisten könnte. 😉

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