So sprach schon der Ober-Osterhase Oliver Kahn. Ist es nicht erstaunlich, dass diese revolutionäre Erkenntnis selbst dem nicht sehr „fußball-affinen“ Zeilenende geläufig ist? Offenbar ist doch etwas dran. Analyse eines Ausspruchs.

„Eier, wir brauchen Eier.“ erklärte der Reproduktionsmediziner Oliver Kahn in einem Interview, was der Mannschaft fehlte, um gegen Schalke zu siegen. Eine erstaunliche Forderung, impliziert er damit, dass es sich beim FC Bayern München offenbar um einen Kastratenverein handelt. Eine kurze Recherche ergab allerdings, dass Eier vorhanden waren. Dazu habe ich eine Stichprobe genommen von fünf Spielern und Google nach ihrem Elternstatus befragt: Robert Kovac, Martín Demichelis, Bixente Lizarazu und Michael Ballack kommen gemeinsam auf 10 Kinder, die Wahrscheinlichkeit für eine Kollektivadoption für dieses Ergebnis liegt sehr niedrig. Lediglich zu Thomas Linke gab es keine Treffer. Ob dies daran liegt, dass er keine Eier oder bloß nicht getroffen hat, ließ sich nicht feststellen. Allerdings war Linke auch Innenverteidiger und hat in 341 Bundesligaspielen bloß 15 Tore gemacht. Für Innenverteidiger gilt: Wenn sie treffen, reißt man ihnen in den meisten Fällen die Eier wegen Eigentores ab.

Eier waren also auf dem Platz vorhanden. Vielleicht wird der Evolutionsbiologe Oliver Kahn auch lediglich falsch zitiert und er sagte: „Eier, wir brauchten Eier.“ Damit würde er eine wissenschaftliche Tatsache seines Fachgebiets an prominenter Stelle ins öffentliche Bewusstsein stellen. Damit der Nationalökonom Oliver Kahn überhaupt nicht-geklonte Arbeitskräfte hat, deren Leistung er analysieren kann, bedarf es einer Eizelle und von Eiern zur Samenproduktion, Stand heute.

Die Heilige Familie musste schließlich eine zugige Unterkunft ganz ohne Türen beziehen (Quelle)

Es ließe sich an dieser Stelle spekulieren, welche Absichten der Naturwissenschaftler Oliver Kahn mit seiner Aussage verfolgte. Mir fiel allerdings keine tragfähige Spekulation ein. Vielleicht wollte der evangelikale Prediger Oliver Kahn damit ein Bewusstsein dafür schaffen, was der heilige Bund der Ehe bedeute: Mitnichten handelt es sich dabei um einen Freifahrtschein zur Wollust, auch in der Ehe dient der Einsatz von Eiern lediglich der Fortpflanzung. Sein Ausspruch wäre eine Mahnung, sich nicht der Sünde der Verhütung hinzugeben. Verhütung ist in fundamentalistisch christlichen Kreisen nach wie vor lediglich vor dem Fußballtor erlaubt, alle anderen Türen haben offen zu stehen. Dies ist nicht zuletzt eine Lehre aus der Weihnachtsgeschichte, die einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn dem Hochheiligen Paar in Bethlehem nicht die meisten Türen verschlossen geblieben wären. Womöglich hätte das auch Ostern verhindert und es bräuchte somit keine Eier.

Ich persönlich allerdings glaube, dass der Marketingexperte Oliver Kahn tatsächlich von „Eier, wir brauchen Eier!“ im Präsens sprach und einen anderen Missstand als den Mangel an Bevölkerungswachstum in Deutschland anprangerte. Vielmehr erinnerte er sich an die gute alte Zeit, in der es gang und gäbe war, beim Wocheneinkauf zahlreiche verschiedene Geschäfte anzusteuern: Den Gemüsehändler, den Metzger oder Tofu-Fleischer je nach Veranlagung, den Bäcker, den Milchmann, den Kolonialwarenhändler. Das bereitete immer viel Freude, nicht nur weil man darüber staunen konnte, zum Milchmann zu gehen und hinter der Theke wie in allen Geschäften immer einer Frau gegenüber zu stehen. Vielleicht hätte man sich bereits früher für die Eierthematik interessieren sollen und ganz überraschende Erkenntnisse gewinnen können.

Früher gab es noch Bäckereien, so wie auf dieser historischen Aufnahme zu sehen (Quelle)

Dafür ist es nun zu spät, wie der Nostalgiker Oliver Kahn erkannt hat, denn alle unsere Einkäufe erledigen wir im Supermarkt und machen es uns selbst, statt unsere Bedürfnisse gemeinschaftlich zu befriedigen. Die Konsequenz: Vor Ostern gibt es weniger Eier. Wie schön war es doch früher, in jedem Geschäft bekam man spätestens in der Karwoche, wann immer es etwas zu besorgen galt, ein bunt gefärbtes Ei dazu. Diese schöne Tradition, so hat der Historiker Oliver Kahn entdeckt, stirbt aus.

Der Genealoge Oliver Kahn hat erkannt, dass seine Tanten, die alle Emma heißen, durch den Zusammenschluss ihrer Geschäfte die Kosten für diese Gabe effizient reduzieren konnten. Pro Kunde benötigte man statt fünf nunmehr bloß noch ein Ei. Der Ernährungswissenschaftler Oliver Kahn fand das schade, vertritt er doch die Meinung, dass der Zusammenhang von Eiern und Cholesterin Hysterie sei. Jede Frau habe viele Eier und die schaden ihr auch nicht. Eine Feststellung, die der Psychoanalytiker Oliver Kahn wirken lassen sollte.

Sei es wie es sei, an diesem österlichen Tag erinnert uns der Chronologe Oliver Kahn, dass heute nicht nur die Osterwoche beginnt, die gestern mit dem Karsamstag endete. So ruft er in Erinnerung, dass man Menschen, die vom gestrigen Tag als Ostersamstag sprechen, die Eier abschneiden sollte. Und der Erziehungswissenschaftler Oliver Kahn stellt die Bedeutung von Brauchtum für die kindliche Entwicklung heraus: Eier machen groß und stark. Die Zentralisierung des Handels sorgte dafür, dass seiner Fußballmannschaft im Spiel gegen die Morlocks von Schalke 04 der massenhafte Konsum von Eiern vor Ostern fehlte. Sie konnten deshalb keine übermenschlichen Kräfte entwickeln. Damit dies niemals wieder passiert, hat der Künstler Oliver Kahn eine Eierkollektion entwickelt, die an Ostern von amazon an die Kinder dieser Republik verteilt werden sollten. Der Unternehmer Oliver Kahn entschied sich leider nur für eine Verteilung vom amazon-Lager Koblenz aus. Oliver Kahn ist nunmal kein Gewerkschaftler.

Deshalb springe ich in die Bresche, entführe aus den Weiten des Internets ein paar wohlgelungene Exemplare Eier, weil bei meinen eigenen die Farbe schon wieder abblättert und wünsche euch frohe Ostern.

ostereier

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16 Kommentare zu „Eier, wir brauchen Eier!

  1. Weil bei deinen eigenen die Farbe schon wieder abgeblättert ist….weißt du eigentlich wie schwer es mir gerade fällt, jetzt nichts zu diesem Satz zu schreiben und wie sehr ich hoffe, dass dieser saublöde Gedanke meinem Kater von gestern geschuldet ist. Oder Dir! Was schreibst du auch vom Kastratenverein und haust dann am Ende noch so einen raus. Sorry, ich bin….verkatert.

    Trotz Restalkohol war dieser Text toll zu lesen. Und das obwohl Herr Kahn darin eine nicht gerade kleine Rolle spielt. Fußball mag ich nicht – das da oben schon.

    Frohe Ostern und liebe Grüße

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    1. Mhm … Ich denke, du kannst die Schuld allein bei dir suchen. Oder beim Herrn Kahn. Der Herr Kahn spielt aber keine große Rolle im Text, nur viele kleine. Das hat er sich beim Wachtel-Züchter Oliver Kahn abgeguckt. Lieber viele kleine Eier als ein großes Straußen-Ei.

      Ich hingegen bin nur der Exeget. Und Exegese ist an einem christlichen Hochfest durchaus eine legitime Tätigkeit. Ebenso wie der wechselseitige Gebrauch der Eier. Vorzugsweise am Frühstückstisch: Erst Spitze auf Spitze, dann Stumpfe auf Stumpfe. Ich habe heute morgen übrigens gewonnen. 🙂

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