Auch wenn unsere „Wiege“ tatsächlich in Afrika stehen sollte, so haben wir uns über viele tausend Jahre hinweg aus eigener Kraft ausgebreitet. Das kann man gut oder schlecht finden. Fakt ist, dass der Mensch, sobald er sich fortbewegt, zur Bedrohung für das wird, wohin er sich bewegt. Umso mehr, je schneller er dies tut.

Die ersten Menschen sind noch zu Fuß gegangen. Vielleicht haben sie sich hin und wieder in den Beuteln von Tieren mitnehmen lassen, aber dies ist meines Wissens nach weder durch archäologische noch mantische Erkenntnisse gesichert. Betrachtet man die Erfolgsgeschichte des Fußgängers, kommt man ins Staunen.

Die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Fortbewegung war voller Irrwege, Fortschritt stellte sich nur langsam ein. Man denke nur an den Versuch der Katharger, auf Elefanten zu reiten. Das Ende vom Lied war nicht die Weltherrschaft, sondern die Zerstörung der Stadt. Die Geschichtsschreibung sucht dafür Erklärungen, findet sie meist in Strategien oder Glück. Ich bin der Meinung, Karthago wurde durch die nur schwerfällig zu manövrierenden Elefanten zerstört. Will man auf offener Straße wenden, ist das mit einem Elefanten nicht so einfa … Ups, ist da gerade die Therme meinetwegen eingestürzt?

Das Pferd hingegen war erfolgreicher als der Elefant. Doch auch dieses Fortbewegungsmittel war problembehaftet. Überall auf der Straße fand man Pferde und Äpfel. Der Mensch, als Jäger und Sammler, bewegte sich nicht nur auf ihnen fort, er jagte und sammelte auch. Das Problem: Während Sauerbraten vom Pferd eine delikate Angelegenheit ist, ist es Mus aus Pferdeäpfeln nicht. So brachte der Wunsch des Menschen auf rasche Fortbewegung, gepaart mit seinem Sammeltrieb Epidemien über die Welt. Auch wenn es nicht untersucht wurde, stehen Cholera und Pferdeapfelmus sicherlich in einem Zusammenhang.

Der Mensch beschleunigte sich weiter und erweiterte seinen Weltkreis. Das Schiff ermöglichte ihm, große Gewässer zu queren. Die langfristigen Folgen können wir in Amerika bewundern. Der Export Europas auf den nordamerikanischen Kontinent lief allerdings nicht ohne Langzeitfolgen ab. Donald Trump ist ein gutes Beispiel dafür, er leidet an einem ererbten Schleudertrauma, weil sich seine Vorfahren einfach zu schnell bewegt haben.

Begeben wir uns in die heutige Zeit. Die Menschheit versucht zwar, zurück zu den Wurzeln zu gelangen und bewegt sich verstärkt wieder per pedes. Allerdings mogelt er dabei mit Dämpfung, von daher ist auch das Laufen potentiell eine Bedrohung für den Menschen. Das Laufen wurde meines Erachtens von der Sportschuh-Industrie erfunden, die billigend üble Konsequenzen in Kauf nimmt: Wenn der Mensch verstärkt läuft und nicht das Automobil nutzt, wird das nichts mit dem Nordseestrand knapp hinter Köln. Das Laufen hindert die Natur daran, das zu tun, was sie ebenso gern tut wie der Mensch: Die Erdoberfläche zu verändern. Der menschengemachte Klimawandel ist eigentlich nur Nachhilfeunterricht und die einzige Entschuldigung für beschleunigte menschliche Fortbewegung.

Fassen wir unsere bisherigen Erkenntnisse zusammen: Der Mensch kann mit seinen Fortbewegungsmitteln nicht umgehen und gefährdet seine unmittelbare Umwelt (s. Elefant), seine körperliche (Pferde) und geistige (Schiffe) Gesundheit und durchkreuzt die Pläne der Natur zu natürlicher Entwicklung (Jogging). Dies kumuliert im Phänomen des Autofahrens auf dem Supermarkt-Parkplatz. Nicht nur, dass dort mit dem eigenen Auto fremder Leute Autos gefährdet werden, weil man abrupt und unvorhersehbar bremst, während ein anderes Auto dahinter ist. Hat man es in die Parklücke geschafft, fällt der irgendwann notwendige Abschied so schwer, dass die Augen tränenverschleiert sind und damit die körperliche Gesundheit des Menschen gefährdet, der hinter dem Auto herläuft – den kann man dann nämlich nicht mehr sehen. Das Sitzen im Auto führt überdies zu Apathie, einem Symptom für Gefährdung geistiger Gesundheit. Anders ist das Verhalten nicht zu erklären: Fünf Minuten lang wird die ganze Breite der Fahrspur auf dem Parkplatz blockiert, weil man gesehen hat, dass dort ein Mensch sein Auto belädt. Und weil man so viel Lebenszeit investiert hat, bleibt man eine weitere Viertelstunde stehen, wenn der Besitzer der Parklücke sich entschließt, im Blumengeschäft noch einen Strauß zu erwerben. Und wenn es dann dabei zu einem Auffahrunfall kommt, verhindert das Automobil den Plan der Natur, die Auslese der Fähigsten, denn der Mensch hat – sich seiner automobilen Unfähigkeit bewusst – den Airbag erfunden. Sie dient nur vorgeblich dem Schutz des kompetenten Autofahrers, sie dient einzig und allein der Verschleierung, dass Autos für den Menschen ebenso ungeeignet zur Fortbewegung sind wie Elefanten, Pferde, Schiffe und Joggingschuhe.

Welche Auswege bieten sich? Der Ausbau des Airbags wäre nur die Beseitigung eines Missstandes in einem Missstand. Besser wäre es, der Mensch ginge wieder zu Fuß. Der Nachhilfeunterricht, den er der Erde dadurch verweigert, ließe sich kompensieren und zugleich Teile der Automobilindustrie retten: Energiegewinnung durch Reifenverbrennung. Man könnte sogar weiterhin motorgetriebene Fortbewegungsmittel produzieren. Als Kunstobjekte (s. Bild). Doch mit der völlig enthemmten Fortbewegung, die mein Auto und mein Leben beim Wocheneinkauf gefährdet, muss Schluss sein, zum Wohle der gesamten Menschheit!

 

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8 Kommentare zu „Tollkühne Menschen in ihren fahrenden Kisten

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