Die gute Nachricht zu Beginn: Mike hat wieder eine ordentliche Frisur. Die schlechte Nachricht: In diesem Beitrag geht es vor Allem um die Figurenkonstellationen. Und wer die dritte Staffel noch nicht kennt, wird vielleicht den ein oder anderen Spoiler mitbekommen.

suits4
Quelle

Inhalt lt. amazon.de

Staffel 4 beginnt für Mike gleich mit einer unangenehmen Situation: in seinem ersten Job bei Investmentbanker Jonathan Sidwell muss er ausgerechnet gegen einen Klienten von Pearson Specter in den Ring steigen. Dies führt zu einem erbitterten Kampf zwischen Mike und Harvey. Als Rachel dann auch noch gesteht, dass es sich bei dem Klienten um einen Ex-Freund von ihr handelt kommt es auch zwischen ihr und Mike zu einer Krise.

 

Warum die Figuren? Mike und Harvey

In der vierten Staffel wird es inhaltlich kompliziert. Während die ersten drei Staffeln mit Anwalts-Kram beschäftigt sind und die verhandelten Fälle alle irgendwie durchschaubar waren, geht es in der vierten Staffel um eine Übernahmeschlacht und Mike wird vom Anwalt zum Investmentbanker. Ein Schritt in eine sorgenfreie Zukunft, wie es scheint. Keine fehlende Zulassung, massenweise Kohle. Er trägt mittlerweile sogar die schickeren Anzüge als Harvey.

Andererseits wird der Hintergrund kompliziert und anstrengend. So ein Crossover von Anwalts- und Investmentbankingserie verlangt es, sich mit beiden Aspekten zu beschäftigen. Und bei dem Investmentbanking bin ich stellenweise raus. Ich verstehe nicht so ganz, was Mike wann und warum tut. Glücklicherweise macht das die Staffel nicht schlecht, denn das Spannende ist: Mike und Harvey werden zu Konkurrenten, versuchen aber, fair zu kämpfen. Sie sind immerhin Freunde.

Sie starten die Staffel als Freunde, sie bekämpfen sich als Freunde, es droht rissig zu werden und sie versöhnen sich wieder. Man kann fast schon romantische Gefühle bekommen, wenn man den Beiden zuschaut. Diese Freundschaft treibt die Geschichte voran: Sie wird zum Arbeitsproblem, als die beiden Konkurrenten sind. Ist das gelöst, wird die Freundschaft wieder zum Problem. Die Serie bekommt immer wieder einen neuen Dreh durch die Beiden.

Aber wo wir gerade über romantische Gefühle sprechen, ich hoffe ernsthaft, dass niemand auf die Idee kommt, Slasher-Geschichten zu den Beiden zu schreiben. Ich hab ja viel krankes Zeug gelesen, als ich noch jung und romantisch war, aber bei den Beiden kann ich mir das nun mal überhaupt nicht vorstellen. Falls es sowas gibt: Schämt euch!

 

Louis 

Suits kann mit einigen wichtigen Nebendarstellern aufwarten, die alle ihren Reiz haben. Louis, Donna, Jessica, Rachel, … Der komplexeste Nebencharakter ist aber ohne Zweifel Louis. Man weiß in den ersten drei Staffeln nie so genau, ob man ihn mögen sollte oder nicht. Er behandelt Mike meistens ziemlich unfair, er hängt zugleich an Harveys Rockzipfel und neidet ihm den Erfolg. In der vierten Staffel geht es vor Allem um ihn.

Er macht einen guten Start in die Staffel, weckt beim neuen Seniorpartner erst einmal das Gefühl, er sei schwul und fraternisiert mit Donna. Louis zeigt, dass er ein großartiger Schauspieler ist, der sämtliche Texte sämtlicher Shakespeare-Stücke aus dem Gedächtnis zitieren kann. Und er hilft Donna, ihren Schauspieltraum auszuleben, indem er als Ersatzmann eine Rolle in ihrer Theatergruppe übernimmt. Er behandelt sie so liebevoll, dass ich zu Beginn Angst hatte, die Autoren verfallen darauf, den beiden eine Liebesbeziehung zu verpassen.

Ja, Louis hat ein Herz, auch wenn man das manchmal vergisst. Er spielt die Rolle für Donna, kann sein Lampenfieber aber nur überwinden, indem er sich das Publikum als Geschworene vorstellt. Danach gibt er die Schauspielerei auf. Sie gefalle ihm zwar, aber er will sich das Publikum nicht als Geschworene vorstellen, dann müsse er das Publikum hassen. Und er will das nicht, ist er doch selbst Teil des Publikums. Für eigene Schauspielerei liebt er das Theater viel zu sehr.

Überhaupt, Louis ist auch loyal und ein echter Freund. Er geht in dieser Staffel nicht nur bis an die Grenze dessen, was für ihn erträglich ist, er geht darüber hinaus. Als Folge dessen muss er durch die Hölle gehen. Das macht ihn wieder unsympathisch, aber es macht ihn härter, reifer und erwachsener. Aber die mangelnde Sympathie, die man für Louis empfinden mag, kann man Louis nicht anlasten. Die Serie erzählt von Mike und Harvey aus. Als Gelegenheits-Antagonist der Beiden kommt Louis logischerweise schlecht weg. Auf dem Weg durch die Hölle zerschlägt Louis viel Porzellan, das sorgfältig gekittet wird. Der Klebeprozess droht immer wieder zu scheitern. Verständlich, Louis muss sich einen neuen Weg suchen, den er gehen will.

 

Jessica

Jessica Pearson, die Mutti, die über allem thront. Nichts darf an sie herankommen. Vielleicht ist Jessica tatsächlich die Angela Merkel der Anwaltswelt. Sie tut immer alles zum Wohl der Kanzlei und das war bislang auch ihre einzige Funktion. Jessica saß in ihrem Sessel und bemühte sich, beim Fädenziehen nie gesehen zu werden. Die vierte Staffel macht auch sie zum Menschen. Zum Menschen, der Gefühle hat und der falsch handelt. Ihre Entscheidungen in der dritten Staffel mag man für falsch halten, aber es waren rein professionelle Entscheidungen. In der vierten Staffel versucht Jessica sich an einem Privatleben und bringt so Unruhe in die Kanzlei.

Sie verharrt dabei zunächst in ihrer alten Rolle, will Berufliches und Privates trennen, merkt aber bald, dass es nicht klappt. Dennoch fährt sie damit fort, alles an sich abperlen zu lassen, die Kanzlei für ihr Kind zu halten. Natürlich bleibt sie ihrer Linie treu, jede Verantwortung für Bedrohungen von sich zu weisen und die Schuld bei Mike und Harvey zu suchen. Doch das funktioniert nicht mehr. Jessica lässt Privatleben zu und ist dadurch verwundbar. Mike nutzt es aus, als sie ihn mit der Wahrheit einmal mehr auf Linie bringen will. Er serviert ihr eine andere Version der Wahrheit, die sehr viel einleuchtender ist als ihre. Am Ende bleibt Jessica nur noch ihr Hauchen, von dem ich mir nie so ganz sicher bin, ob es Ärger, Erleichterung oder Anerkennung ausdrücken soll.

 

Fazit

Die beiden Hauptcharaktere verwandeln sich langsam aber sicher in siamesische Zwillinge, ein Nebencharakter erfindet sich neu, indem er verbrennt und umso prachtvoller wieder aufersteht. Zu welchem Preis, das wird sich noch zeigen. Die göttliche Instanz der Serie verheddert sich in ihren Gefühlen und wird recht unsanft und nebenbei von der Überfigur auf normalmenschliches Maß zurechtgestutzt. Das ist großes Drama. Und macht neugierig auf Staffel 5.

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14 Kommentare zu „Besprechung: Suits – Staffel 4

      1. Ich bin da altmodisch … Ich arbeite in einer Bibliothek, die relativ zügig die aktuellen Staffeln der meisten Serien anschafft, die ich verfolge (inkl. Suits) … Warum sollte ich da nicht das Angebot nutzen, solange ich kann? 🙂

        Gefällt 1 Person

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