Heute: Bewerbungsgespräche.

seamus29

„Zeilenende?“

„Mhm?“

„Wo siehst du deinen Blog in fünf Jahren?“

„Im Internet. Wo sonst? Ausgedruckt auf dem Sofa?“

„Zeilenende, das ist nicht witzig. Wir sprechen über deine Zukunft. Weiter: Wie organisierst du deine Arbeit?“

„Ich notiere Ideen auf Post-its, lege sie auf einen großen Haufen und ziehe zufällig welche hervor, wenn ich Zeit zum Schreiben habe.“

„Das nennst du Arbeitsorganisation? Das klingt nach Chaos.“

„Klingt nicht nur danach, sieht auch so aus. Ist es aber nicht. Folgt einem ganz speziellen System.“

„Zeilenende, Zeilenende … So gibt das nichts. Eine Chance hast du noch: Wie würden deine Freunde dich beschreiben und was ist deine größte Schwäche?“

„Gehen wir einmal davon aus, dass ich Freunde hätte. Sie würden, wenn sie sich mit dir als Personalbär unterhielten, lobende Allgemeinplätze über mich verbreiten, damit ich diesen Job bekomme. Als meine Freunde unterstützen sie mich nämlich. Privat würden sie etwas sagen wie: Merkwürdiger Humor und kann gut Kuchen backen. Das würdest du aber ja nicht zu hören bekommen, weil es privat ist.“

„Zeilenende, du machst das ganze Spiel kaputt.“

„Das ist meine große Schwäche. Ich reflektiere solche Situationen durch und komme zum Ergebnis, dass ich nicht ehrlich sein kann, sondern etwas nennen muss, das man zugleich als Stärke präsentieren kann. Denn der Witz ist ja: Meine große Schwäche, Keksen nicht widerstehen zu können ist für dich völlig ohne Belang. Meine Schwäche, deine Frage zu analysieren und dazu zu verwenden, diese Frage hier zu umgehen, kann man durchaus auch als Stärke ansehen, weil ich die potentiell peinliche Situation elegant umgehe. Wolltest du so etwas in der Art hören?“

„Och Zeilenende. Du bist doof. So wird das nichts. Machst du das in richtigen Vorstellungsgesprächen auch?“

„Nur wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ich hatte ein sehr schönes Vorstellungsgespräch, wo die Fragen angenehm konkret waren: Was machen Sie, wenn der Kollege Ihre Arbeit in Ihrem Urlaub nicht mit erledigt hat, sich Akten auf dem Schreibtisch türmen, am Empfang ein wütender Kunde wartet und der Kollege mit einer halbseidenen Entschuldigung an Ihrem Büro vorbeischlendert? Welchen Kunden laden Sie zu welchem Termin in Ihr Büro ein und warum? Was bedeutet interkulturelle Kompetenz konkret?“

„Das ist ja langweilig. Ich dachte immer, bei Vorstellungsgesprächen ginge es darum, auf möglichst dumme Fragen möglichst dumme Antworten zu geben und sie so zu verpacken, dass sie intelligent aussehen.“

„Tja, Seamus, das ist der weit verbreitete Irrtum. Das dachte ich zu Beginn auch, aber es stellte sich heraus …“

„Du willst mich doch gerade nicht etwa belehren, Zeilenende, oder? Ich bin hier der Personalverantwortliche. Und da die Zigarette gerade heruntergebrannt ist, können wir das abkürzen: Danke fürs Erscheinen … Du hörst von mir. Schriftlich. Mit einem Haufen Floskeln garniert.“

Heute, weil es die erste Ausgabe ist, ein paar Worte hintendran. Das soll es zukünftig nicht geben, sondern die Beiträge für sich stehen. So ist es geplant. Ob ich es mache steht dann wieder auf einem ganz anderen Blatt, gell? Ich wollte den Auftakt aber nutzen, das Thema „Bewerbung“, das ich sonst immer ein wenig unleidlich behandle, aus anderer Perspektive anzugehen. Prinzipiell möchte ich mit Seamus aber eher Politisches, Philosophisches und Blödsinniges besprechen. Das liegt uns beiden mehr. Was mich deshalb besonders interessiert, neben eurer Rückmeldung zum Gespräch selbst:

  1. Spricht euch das Bild an oder soll ich was Anderes versuchen?
  2. Gibt es Themenwünsche, was Seamus und ich besprechen sollten?
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56 Kommentare zu „Auf eine Zigarette mit Seamus O’Bär (1)

    1. In dem Fall schon. Es gibt ja eine konkrete Vorlage. Seamus ist ja ein Welterklär-Bär … Und weil unser Alt-Bundeskanzler das nicht mehr übernehmen kann, habe ich das Format „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ aus dem ZEIT magazin übernommen. 😉

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  1. YAY! Seamus! 🙂

    Ein sehr gelungener Einstieg in hoffentlich viele folgende Verbalduelle.

    Das Bild als solches finde ich super, es vermittelt so ein bisschen das gemütliche Talkshow-Flair der 70er-Jahre, mit Kippen und Alkohol. 😉 Allerdings erscheint es mir ein bisschen arg dunkel. Das kann aber auch am momentanen Lichteinfall hier liegen.

    Und Politisches, Philosophisches und Blödsinniges – in dieser Reihenfolge – klingt nach einer vielversprechenden Themenpalette.

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  2. Merkwürdiger Humor und kann gut Kuchen backen….. würde ich sofort einstellen!

    Ich finde das Foto auch ein bisschen dunkel… würde vielleicht mehr mit den grellen Farben der 70er Jahre spielen!

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  3. Passt doch gut mit dem Titel und dem Bild – es sei denn, du wärst Nichtraucher und nur Seamus würde rauchen 😉

    Leider kann man sich nicht drauf verlassen, dass Bewerbungen nach Standard F ablaufen. Chefs oder Personaldings sind leider oftmals doch intelligenter und abwechslungsreicher…
    Eine Grundstrategie zu haben, sollte aber drin sein.

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    1. Nö, Standard F zieht nicht. Und die Vorstellungs-Situation ist auch gar nicht so doof. Zumindest für die Personaler-Seite. Es erinnert nur ein wenig an die Ratte, die sich bewusst wird, gerade in einem Labyrinth zu stecken. Ich würd manchmal gern die Gedanken von den Leuten im Gespräch lesen. Und Strategien? Habe ich immer gleich drei zur Hand. 🙂

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      1. Um so mehr irritiert es mich, dass es irgendwie nicht klappen will.
        Deine „Forderungen“ sind aber schon im normalen Bereich, oder? 😉

        Nicht das es dir so geht wie einem Kumpel: Der hat Mr. Großkotz gespielt, worauf sich die Firma beim Arbeitsamt über ihn beschwert hat…

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      2. Ich behaupte einfach mal, dass ich im persönlichen Gespräch ein recht angenehmer Geselle bin. Mündliche Prüfungs-Situationen und Präsentation liegen mir ganz gut. Das Hauptproblem ist eher, eingeladen zu werden, aber ich hab nochmal an meinen Unterlagen gearbeitet. Das Hauptproblem ist derzeit aber tatsächlich:
        Zu wenig Stellen. Das kommt unisono von Jobcenter, aus der Gewerkschaftsecke (und durch die Blume auch von Arbeitgeberseite, wenn man sie im Vorstellungsgespräch ein wenig zu Abläufen, Abteilungsgröße und so befragt).

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      3. Zu wenig Stellen ist natürlich ein Problem. Wie flexibel bist du denn so eingestellt? Sprich Umzug in andere Städte, Bundesländer?
        Gibt es denn nichts, was dich sonst noch motivieren kann für einen „anderen“ Job?

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      4. Ich suche deutschlandweit … Ich würde mich auch ins Ausland verschiffen lassen … Und im Prinzip alles: Ich suche sehr breit (im Prinzip alles, was keine dezidiert kaufmännische oder technische Vorbildung verlangt) und stelle mir dann bei den Anzeigen bloß noch zwei Fragen: Hab ich entsprechende Fähigkeiten? Kann ich mir vorstellen, das dauerhaft zu machen?
        Momentan habe ich sogar richtig Spaß an der Stellensuche.

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      5. Das mit den Fähigkeiten kann man getrost auch mal weniger wichtig nehmen. Mein Chef sagt immer, man muss nicht immer alles können, was man nicht kann, kann man lernen. Deshalb gibt es bei uns prinzipiell auch viele Quereinsteiger.

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      6. Ich wollte damit auch nur sagen, dass man sich nicht zu sehr auf die Anforderungen konzentrieren sollte, die in den Anzeigen stehen und sich deshalb lieber nicht bewirbt, weil man das alles ja nicht kann oder hat. Die Leute, die den Anzeigen nach gesucht werden, gibt es meistens gar nicht oder wenn, dann haben die längst woanders einen Job. Ansonsten, weiß nicht, ob du das auch schon abgegrast hast, probiere es mal an Unis. Die machen das immer lieber erstmal auf ihren eigenen Webseiten und brüllen ihre freien Stellen nicht so gerne in die Welt hinaus. Wenn wir jemanden suchen, dann wird da nach außen, also in Zeitungen oder so, wirklich nur das Nötigste vom Nötigen gemacht. Problem ist da auch, dass wir einfach zu viele Bewerbungen auf eine Stelle bekommen und viele davon leider auf häufig irgendwelche Muss-Bewerbungen vom Arbeitsamt sind. Aber man muss sich eben durch alle 50-60 Bewerbungen durchfräsen. Am Ende werden dann wegen der Bürokratie nur sehr wenige zum Vorstellungsgespräch eingeladen, weil man für jeden, den man einlädt und am Ende nicht nimmt, eine schriftliche Begründung geschrieben werden muss, warum man diese Person nicht eingestellt hat. Ich glaube, dass einem dadurch viele Perlen entgehen, auf die man erst gestossen wäre, wenn man ungezwungener einladen könnte. Aber die Bürokratie macht es da nicht einfacher.😒

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      7. Uh, der Tipp ist gut. Danke dafür. Ich habe tatsächlich jahrelang Studienberatung gemacht, mich auf die ein oder andere Stelle auch beworben aber nur, was ich über Stellenbörsen gefunden habe. Da hab ich morgen gleich ne Beschäftigung.

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      8. Gerne. Wenn es was bringt, um so besser. 😊Übrigens ist gerade die beste Zeit, die Gelder wurden Ende Februar nämlich frisch verteilt. Außerdem Studentenwerk – gehört ja nicht zu den Unis, haben ihr eigenes Ding.

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      9. Jain … Es gab mal eine Seite, die all diese Anzeigen im Uni-Bereich gesammelt und veröffentlicht hat, aber die hat vor einiger Zeit den Betrieb eingestellt. Hausaufgaben für Zeilenende. 🙂

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      10. Dauerhaft muss man ja irgendwas nicht machen. Es reicht erstmal um die Kohle zu verdienen und in Ruhe was besseres zu suchen 😉
        Perfekt wäre natürlich schon ein Job, der Spaß macht… ist natürlich klar. Manchmal erreicht man den aber auch nur auf Umwegen.

        Wenn du schon überall suchst, dann wird hoffentrlich auch mal was dabei herausspringen…
        *daumendrück*

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  4. Ich finde das Foti gut, allerdings auch zu dunkel. Ansonsten nur zu….das spontane ist ja das schöne an Euch…und wie wir Euch kennengelernt haben gehen Euch die Themen nicht so schnell aus 😊

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  5. Ich schließe mich an, das Foto vielleicht wirklichen einen Tick heller und ansonsten einfach eurer Spontanität und Kreativität freien Lauf lassen. Aber Zigaretten passen irgendwie nicht zu Seamus, er wirkt eher wie ein Pfeifenraucher. Das riecht auch viel besser 😀

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  6. Schönes Wiederlesen mit Seamus, dem Ewigen Fünfjährigen. 😉
    Die Themenpalette finde ich gut. Zumal sowohl Politisches als auch Philosophisches eine große Bandbreite zwischen blöd und sinnig abdeckt. Das verspricht einiges an Abwechslung. 🙂

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    1. Außerdem spielt er ja auch nur eine Gastrolle. Ich möchte mir für Seamus bewusst keinen Veröffentlichungsintervall setzen. Aber ich glaube, du unterschätzt den Raum zwischen blöd und sinnig. Da ist nicht so viel Platz. „Blöd“ nimmt im politischen Bereich seit Sonntag nämlich ca. 1/5 des gesamten Raums ein. Zusätzlich zu den bisherigen Blöd-Elementen. 😉

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      1. Ja, es wird enger und enger im politisch blödfreien Raum (die Wüste wächst…). Vielleicht gerade deshalb eine besondere Herausforderung bei politischen Themen irgendwie zwischen blöd und sinnig zu pendeln ohne im Blödsumpf zu versinken? 🙂

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      2. Die Hölle, das sind die anderen, unabhängig davon, wer die anderen sind. Von daher: Ich komme langsam in das Alter, in dem mein jugendlicher Teint geradezu auf Schlammpackungen angewiesen ist. Und wenn man den braunen Mist heckselt, kann man ihn anschließend zum Düngen der zarten Pflanze „Zivilgesellschaft“ nutzen.

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  7. Naja, grelle Farben müssen beim Bild nicht unbedingt sein, aber ein wenig heller wäre nicht übel. Aber vielleicht habt Ihr beide bei Eurem Gespräch nur zu viel blauen Dunst gemacht 😉 Es gab aber nicht nur Zigaretten, auch interessante Getränke 😉 zum Personalgespräch. Mich haben sie bei solchen Gesprächen immer auf dem Trockenen sitzen lassen 😦 Ansonsten würde ich mich von den Themen her gern überraschen lassen. Seamus und Du, Ihr seid sehr kreativ – das wird immer interessant sein.

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      1. Ja, das Seamus so etwas kann, das hätte ich mir fast denken können. Solche Bären sind nicht ohne. Wer Honig mag, der mag vielleicht auch Honigwein und andere Alkoholitäten 😉 Ich habe hier auch so einen Seamus-Burschen, der es faustdick hinter den Ohren hat. Der begleitet mich schon seit meinem 1. Lebensjahr. Ich weiß also, wie Du mitunter leiden musst 😉

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  8. Auf jeden Fall bitte weitere Zigarettengespräche. Oder Weingespräche. Oder Biergespräche. Kräutertee nicht. Tiefschürfende Gespräche vertragen Alkohol und Nikotin im Titel.
    Eure Dialoge sind fein. Locker und flüssig plätschern sie vor sich hin. Und während ich so leicht und entspannt lese, verstricken sie mich in gar nicht mehr seichte, sondern recht tiefe Gedanken. Diese Mischung mag ich sehr.
    Die Themenvielfalt die euch dazu sicher einfällt, ist durch deinen Alltag und deine Gedanken geprägt. Ich bin neugierig und freu mich darauf.

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    1. Ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie ein kleiner Teddybär auf meinem Schreibtisch gerade den Kopf schüttelt ob der Unterstellung, er sei eine erfundene Persönlichkeit. Wahrscheinlich wird er sogar brummeln, dass ich die erfundene Persönlichkeit sei, wohingegen er so real sei wie nur möglich. 😉

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      1. Also Winter meint, dass die Gespräche mit Bären, egal ob ausgestopft oder lebendig, auf eine klare psychische Krankheit hinweisen. Den Hinweis, dass ich „Der Mann in den Bergen“ damals immer gerne gesehen habe u d der nicht krank wirket, läßt sie nicht gelten. Ich würde es auf jeden Fall nicht so hart ausdrücken…

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