Der dritte und damit letzte Teil der Hobbit-Trilogie frisst meine normalerweise freitags erscheinenden Einblicke in mein Küchenuniversum. Zu euer aller Trost sei gesagt: Dafür gibt es morgen Kuchen. Heute nochmal Halblings-Action.

Inhalt

Der Drache verlässt den Berg und setzt die Welt in Brand. Die Geschichte wird zu Ende erzählt und alle schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein. Es gibt viel blitzendes Metall zu sehen, auf eine Handlung verzichtet der Film hingegen über weite Strecken.

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Kollektiver Wahnsinn und Bilbo Beutlin

Zu Beginn des Filmes haben wir es mit zahlreichen Irren zu tun. Zwergenkönig Thorin ist damit beschäftigt, wahnsinnig zu werden, der Elbenkönig hat schon im zweiten Teil ein gerüttelt Maß an Wahnsinn unter Beweis gestellt. Weil Saruman und Elrond fleißig Schwerter schwingen, was so gar nicht zu ihnen passen will, lässt sich auch hier ein Anflug von Wahnsinn vermuten. Und dann sind da noch die Menschen der Seestadt, deren Heimat vom Drachen verwüstet wird. Der Verlust ihrer Existenz zwingt sie dazu, sich ebenfalls wahnsinnig zu benehmen.

Halt, ein Vernünftiger bleibt. Martin Freemans stets skeptischer Gesichtsausdruck passt nie besser zu Bilbo Beutin als im dritten Teil. Der stets vorsichtige Hobbit beweist im dritten Film, dass er – von Gandalf vielleicht abgesehen („Vielleicht überleben wir ja doch.“ Was habe ich ihn gefeiert.) – der einzig vernünftige Charakter in diesem Panorama des Wahnsinns ist. Und nebenbei beweist er auch, dass er ein standhafter und wohl überlegender, verlässlicher Agent sein kann. Ein perfekter Meisterdieb eben.

 

Schlachten und Schlachten

Bestandsaufnahme: Wir hatten mit den ersten beiden Teilen einen Road Movie und einen gut gemachten Actionfilm. In beiden ging es um ein gut erzähltes Abenteuer, was mein Rollenspielerherz hat höher schlagen lassen. Der dritte Teil ist kein Film über Irre, das ist nur das Vorgeplänkel. Der dritte Teil ist die Umsetzung einer Warhammer-Schlacht auf der Kinoleinwand. Und ich habe ja schon erwähnt, dass ich das tendentiell öde finde.

Dennoch, das muss man dem Abschluss der Trilogie zugute halten: In Sachen Schlachteninszenierung macht dem Herrn-der-Ringe-Universum und Peter Jackson niemand etwas vor. Die Bilder sind noch beeindruckender als im Herrn der Ringe. Und die endlose Folge an Kampfszenen hat ihre Momente. Alles beginnt mit einem Elbenheer, das diszipliniert ist wie eine Maschinentruppe in Star Wars Episode 1, es bietet riesige Würmer, die mich heftig an Dune denken ließen und die zwergische Wall-Formation ließ mich grinsen. So in etwa habe ich mir die Taktik der Zwerge auch immer vorgestellt.

Ansonsten folgen Choreographie und Optik in der Tat einer groß angelegten Warhammer-Schlacht. Da gibt es komische Reittiere: Eber – oder sind es Widder? – und der riesige Elch des Elbenkönigs, über den man zu Beginn noch lacht, aber im Laufe des Films begreift, wieso er nicht auf einem Pferd sitzt. Da werden Kriegsbestien eingesetzt, da stirbt ein Troll auf sehr spektakuläre Art und Weise und „Die Schlacht der fünf Heere“ gibt endlich eine Antwort darauf, wie Fantasy-Schlachten eigentlich dirigiert werden, denn gefühlt zum ersten Mal überhaupt in solch einem Film, in dem es keine Funkgeräte gibt, sieht man einen Zeigertelegraphen im Kriegseinsatz.

 

Fazit

Nach etwas über zwei Stunden ist verdammt viel Blech demoliert und Blut geflossen. Es gab den obligatorischen Feigling, der sich mit Gold absetzt und dem nichts zu peinlich ist, seine Haut zu retten. Auch wenn das zweifellos mit viel Einfallsreichtum und abwechslungsreich inszeniert ist, lässt sich nicht leugnen, dass der dritte Teil keinerlei relevante Handlung zu bieten hat, die man nicht auch auf zwei Filme hätte aufteilen können. „Eine unerwartete Reise“ und „Smaugs Einöde“ hatten Geschichten zu erzählen, „Die Schlacht der fünf Heere“ lebt allein von den Bildern. Er war nett anzuschauen, ja. Aber er war überflüssig, denn er fällt gegenüber seinen beiden Vorgängern ähnlich stark ab wie die beiden Fortsetzungen von Matrix gegenüber dem ersten Film oder die Episoden I-III gegenüber IV-VI.

Der Star Wars Vergleich ist vielleicht der Passendste: Die Episoden I-III haben nur wenig eigene Substanz, sie wurden gedreht, um die Verhältnisse in den Episoden IV-VI zu erklären: Woher kommen Obi-Wan und Yoda, wie gelangte der Imperator an die Macht und wie wurde aus Anakin Skywalker Darth Vader? Das erklären die drei Filme natürlich, aber sie tun dies nur aus dokumentarischem Interesse, ihnen fehlt die eigene Geschichte. So ist es auch mit „Die Schlacht der fünf Heere“: Wir klären, wie der Drache stirbt, was es mit dem Nekromanten auf sich hat und was aus der Ork-Bedrohung wird. Das sind aber letztlich bloß Nachträge zu den beiden vorangegangenen Filmen, weil sie sich nicht mehr substantiell zu einer Geschichte zusammenfügen, sondern zu einer ausufernden Pausenhofkeilerei führen.

Man kann sich den dritten Teil der Trilogie nicht schenken, denn er beendet die Geschichte. Aber man hätte ihn entweder anders erzählen oder seine Geschichte auf die beiden anderen Filme aufteilen sollen. So leidet die Trilogie insgesamt unter einem reichlich vermasselten Ende.

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22 Kommentare zu „Besprechung: Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere

  1. Also mir ist das ja immer noch zu positiv formuliert alles. Ich mampfe einfach weiter meinen Grießbrei mit karamellisierten Äpfeln und schimpfe vor mich hin. So ein schönes Buch so zu verhunzen. Bei Herr der Ringe gab es wenigstens ordentlich Vorlage und da haben sie sich auch wenigstens am Anfang noch gut daran gehalten. Die anderen Teile waren auch eher mau aber über den Hobbit kann ich mich einfach nur aufregen. Ich will Kuchen, Zeilenende! Kuchen!!!

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  2. Ach, dass (innovative) Handlung überbewertet wird, zeigte doch „Star Wars: Episode VII“ kürzlich erst wieder eindrucksvoll… 😉

    Ich habe den dritten Teil als das genommen, was er ist: Eine mehrstündige Massenkeilerei. Und Massenkeilereien haben mir schon zu Zeiten von Bud Spencer und Terence Hill Freude bereitet. Insofern habe ich mich auf sehr seichte Art gut unterhalten gefühlt.

    Es spricht allerdings Bände, dass Teil 3 des Hobbits der einzige ist, den ich nach meinem Kinobesuch nicht nochmal auf DVD gesehen habe…

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      1. Ich würde das Wort Satire gegen „Hommage“ tauschen und einfach mal behaupten, dass der Mut etwas Neues zu machen, nicht zu den positiven Eigenschaften des Regisseurs zählte.
        Von der Taktik ist das ja gar nicht mal verkehrt. Alle Fans, die durch die Episoden 1 bis 3 verschreckt wurden, kommen erneut ins Bot und die jungen Fans der Clown-Krieger bekommen auch was für die roten Nasen. Warten wir lieber auf den nächsten Teil, dann wissen wir mehr.
        Was den kleinen Fußfellträger angeht, hast Du leider recht. Wobei im Kino machte die Keilerei sogar Spaß. Handlung war leider Mangelware.

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