Heute gibt es den zweiten Teil der Hobbit-Verfilmung in der Nachlese. Nachdem der letzte Teil ein entspannter Road Movie war, wird dieser Film auch die Freunde des Action-Kinos erfreuen.

Inhalt

Zwerge, die Orks verhauen, Zwerge, die auf Spinnen treffen, Zwerge, die vor Elben fliehen, Zwerge, die sich am Ziel wähnen. Im ersten Teil der Hobbit-Trilogie ging es ums Losgehen, im zweiten Teil steht das Ankommen im Mittelpunkt. Wird es Thorin Eichenschild gelingen, den Berg zu erreichen und seinen Schatz zu erobern? Hat eigentlich niemand Angst vor dem Drachen?

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Eine ganz besondere Magie

Bereits in „Eine unerwartete Reise“ hat die Zauberei eine größere Rolle gespielt als im gesamten Herrn der Ringe. Natürlich gab es auch im Herrn der Ringe Magie. Das fing beim Ring an und endete nicht beim Balrog und leuchtenden Schwertern. Aber es gibt auch eine andere Art von Magie, die im Herrn der Ringe keine so große Rolle gespielt hat. Dazu gehört natürlich die Zauberei, aber es ist noch mehr. In „Smaugs Einöde“ wird es magischer, vor Allem wegen der Details: Die Farben der Blumen auf den Feldern, über Schachbretter huschende Mäuse, Gold und Reichtum, die beunruhigend schimmern statt zu strahlen, aber auch das Aussehen der Figuren. In „Smaugs Einöde“ ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie unterschiedlich die einzelnen Zwerge aussehen, wie sie sich in ihren Bärten und Frisuren unterscheiden. Der erste Film hat den Fokus auf die Gruppe gelegt, im zweiten Teil nehmen wir die Gruppenmitglieder auch einzeln wahr.

„Smaugs Einöde“ enthält aber auch die besondere Magie, die wir schon aus dem Herrn der Ringe kennen. Ein König ohne Reich kann dennoch majestätisch und gebieterisch wirken, selbst wenn er in einer Nussschale über einen See fährt. Wenn man sich da nicht von dem berühmten Bild von General Washington bei der Überquerung des Delaware hat inspirieren lassen, weiß ich auch nicht weiter. Da werden Reden voller Pathos und Überzeugungskraft gehalten und es gibt auch Zauberer, die der Magie nachspüren, namentlich Radagast. Erneut sind seine Szenen im Buch so nicht enthalten, aber das Buch erlaubt die Szenen, weil es sie andeutet. Und dem Film helfen sie, tragen doch auch sie zur magischen Atmosphäre bei und machen die Hobbit-Trilogie eindeutiger zur Vorgeschichte des Herrn der Ringe.

 

Action

Der zweite Teil der Trilogie ist kein Road Movie mehr, die Gruppe ist genug gereist. Stattdessen ist es an der Zeit für ein wenig zünftige Action. Davon wird gleich eine ganze Menge aufgefahren. Da gibt es nicht nur die unvermeidlichen Orks und Spinnen (die hatte ich ganz verdrängt, was hat Tolkien nur mit diesen widerwärtigen Biestern zu schaffen gehabt?), da gibt es vor allen Dingen auch Waldelben, die ebenso hochmütig wie ihre hochelbischen Geschwister sind, aber darüber hinaus auch ziemlich fies. Damit sind sie eine nette Abwechslung zu ihrer Feld- und Wiesenverwandtschaft aus so ziemlich jeder Fantasywelt.

Der Film bietet Kämpfe, Raufereien, Herumgehopse und eine ziemlich spektakuläre Flucht aus den Verliesen der Waldelben mittels Fässern. Die Idee fand ich schon damals großartig, als ich das Buch gelesen habe … Ich müsste so 12 Jahre alt gewesen sein. Als ich im Wikipedia-Artikel nachlas (ich konnte mich an Legolas und Tauriel nämlich nicht erinnern, die in der Buchvorlage tatsächlich nicht vorkommen), dass die Flucht in den Fässern nicht halb so dramatisch beschrieben sei wie im Film dargestellt, habe ich im Buch nachgeschaut. Meiner Erinnerung nach war sie das nämlich sehr wohl. Die Flucht geschieht im Buch ziemlich geräuschlos, ich fand sie aber immer noch spektakulär. Von daher kann ich es Peter Jackson nicht verdenken, dass er die Fass-Episode so ausgeschlachtet hat. Er hat damit meinen eigenen Kopfbildern, die sich beim Lesen ausschmückend gebildet haben, eine visuelle Entsprechung angeboten und die entsprechenden Szenen noch stimmiger gemacht. Und es macht doch einen Heidenspaß, diese wilde Jagd zu verfolgen, oder?

 

Und doch wieder Rollenspieler-Fantasy

Bei aller Actionlastigkeit von „Smaugs Einöde“ und damit einem Bruch mit „Eine unerwartete Reise“, wahrt der zweite Teil doch Kontinuität. Da schleichen Figuren umher und verstecken sich, es tauchen Spione und Agenten auf, die sich herrlich klischeehaft verhalten und da ist ein großartiger Schurke. Ich konnte Cumberbatch leider nicht im Original hören, weil ich den Film gemeinsam mit Mutter Zeilenende geschaut habe und sich deren Englisch auf „Shut up!“ beschränkt. Aber auch in der deutschen Synchronisation macht Smaug als eitler Pfau, als unterhaltsamer und ausgesprochen neugieriger Psychopath einiges her. Und damit ist er der Level-20-Charakter, der die frische Rollenspielgruppe zum ersten Mal vor eine wirkliche Herausforderung stellt.

Zu Beginn haben die Abenteurer Orks abgeschlachtet, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, aber jetzt ist der Hack ’n‘ Slay Teil des Abenteuers vorbei, jetzt ist Köpfchen gefordert, kein Würfelglück mehr. Dem Grundton des zweiten Filmes treu bleibend ergibt sich auch daraus ordentliches Actionkino, aber anders. Aus dem Erebor wird ein klassischer Dungeon, in dem man zahllose Kammern und beeindruckende Konstruktionen entdecken kann und der Freiraum lässt. Sicher, da wird gerannt und gelaufen, da müssen Geschicklichkeitstests absolviert werden, aber da wird eben auch aus den räumlichen Gegebenheiten und aus den besonderen Fähigkeiten des Gegners ein Plan geschmiedet und der Versuch gemacht, ihn zu überlisten. Erneut spielt sich da im Fernsehen das ab, was man an seiner Pen ’n‘ Paper Runde so sehr liebt.

 

Fazit

„Smaugs Einöde“ knüpft hervorragend an „Eine unerwartete Reise“ an. Das Team hat sich gefunden, jetzt kann die Actionschraube angedreht werden. Die ein oder andere Freiheit gegenüber der Buchvorlage hätte man sich sparen können, wiederum andere Freiheiten waren nötig, um den Film so gut zu machen und der Geschichte die Chance zu geben, sich über den ersten Teil hinaus zu entwickeln.

Der zweite Teil ist gute Action-Unterhaltung, weniger augenzwinkernd als der erste Teil, dafür deutlicher ein Magie-Film. Der Film findet genau das richtige Maß zwischen An- und Entspannung, überfordert den Zuschauer nicht mit zu hohem Erzähltempo, gönnt ihm hier und da eine Ruhepause, aber langweilt nicht mit Landschaftsszenen, wo sie nicht hinpassen. Die hatten im ersten Teil ihre Berechtigung, hier würden sie überdosiert nur stören.

Lediglich zwei Punkte Abzug gibt es: 1) Zwerge und Elben? Niemals! 2) Elben als Protagonisten einer zünftigen Prügelei? Nochmals niemals! Da hat sich die Crew doch ein paar Freiheiten zu viel herausgenommen. Wie konnten sie nur?! 😉

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10 Kommentare zu „Besprechung: Der Hobbit – Smaugs Einöde

  1. „überfordert den Zuschauer nicht mit zu hohem Erzähltempo“ oder doch eher „wenn man nur Stoff für einen Film oder maximal zwei Filme hat, wo soll da auch Erzähltempo herkommen?“ Es besteht ja auch kein Druck, möglichst viel Inhalt in den Film zu packen, wenn man sich das wenige bisschen noch für den dritten dreistündigen Film zurück halten muss. *Schnaub* Ich rücke von meiner gestrigen Meinung nicht ab und gehe Grießbrei essen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Tu ein wenig Kirschkompott dazu und warte geduldig bis morgen. Da wird alles besser. Als Film fand ich den zweiten Teil recht rund. Er hätte hier und da sicherlich ein paar Straffungen vertragen können, aber Langeweile habe ich auch nirgends verspüren können. Nach dem zweiten Teil drängt sich die Frage: Was soll im dritten Teil eigentlich passieren, allerdings zurecht auf. 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Das Gefühl der „Rollenspieler-Fantasy“ hatte ich auch, bei beiden Trilogien. Vielleicht – oder besser: wahrscheinlich – gefallen sie mir deshalb so gut.

    Ich muss so 13 Jahre alt gewesen sein, als ich erstmals „Die Chronik der Drachenlanze“ gelesen habe. Danach habe ich angefangen, mich mit AD&D zu beschäftigen. Dann kamen die ersten DSA-Spiele, die ersten DSA-Romane. Und immer hatte ich den Wunsch, dass doch irgendjemand mal so etwas auf die Leinwand bringen möge. Wenn das jemand versucht hat, kam meistens ein indiskutables Machwerk wie „Dungeons & Dragons“ mit Jeremy Irons dabei heraus. 😉

    Insofern treffen die Tolkien-Verfilmungen bei mir halt irgendwie einen Nerv.

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