Mutterchaos hat die Frage nach unseren Lieblingsgeräuschen gestellt. Anlass, über Geräusche nachzudenken.

Momentan produziere ich häufiger Fremdcontent, wenn man es mal fremdwortisch ausdrücken möchte. Das liegt nicht an mangelnder Kreativität meinerseits, sondern daran, dass derzeit so viele gute Ideen in anderen Blogs kreisen, an denen ich mich beteiligen möchte.

Ich finde diese Blogparade reizvoll, weil verschiedene Dinge zusammenkommen. Ich bin kein auditiver Lerntyp sondern ein visueller. Text reicht mir. Fließtext, Stichpunkte, Diagramme nur, wenn sie auf zu viel graphische Gestaltung verzichten. Ich nehme die Welt vornehmlich über die Augen wahr. Vielleicht habe ich deshalb auch einen Hang dazu, meine Bilder in schwarz-weiß zu konvertieren. Farben lenken manchmal von der Wahrnehmung der Welt ab. Wie auch Geräusche. Manchmal geht es aber auch um die Farben.

Ich achte nicht viel auf die Geräusche in der Welt. Wenn sie mir auffallend, finde ich Geräusche oft störend, weil sie allgegenwärtig sind. Gespräche im Zug, wenn ich Bücher lesen will, Musik im Kaufhaus, wenn ich ein Hemd suche, das Radio im Hintergrund beim Training. So gesehen ist die Blogparade eine Herausforderung, denn sie zwingt mich, bewusst hinzuhören. Wenn Geräusche oft negativ behaftet sind, gibt es nicht auch positive Geräusche? So wie es bei Bildern manchmal auch auf die Farben ankommt?

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Stille oder Laut?

 

Ich habe hingehört und folgende Geräusche gefunden:

  • Katzenschnurren

Das kennt wohl jeder Katzenhalter. Die Katze nervt schon einmal durch exzessives Maunzen, weil der Napf leer ist oder sie Aufmerksamkeit will, obwohl ihr lieber Zeitung lesen wollt. Wenn ihr die Dame oder den Herrn dann aber auf euren Schoß gelassen habt und sie oder er den Motor anwirft, verschwinden alle Sorgen aus euren Köpfen. Glück macht sich breit. Das Schnurren haben die Katzen erfunden, um die Menschen zu unterjochen.

  • Das Mahlen der Kaffeemühle

Krach, Knarz. Aus der alten Mühle meiner Großeltern dringen jeden Morgen Geräusche, die von Zerstörung zeugen. Dem Zermartern zahlloser unschuldiger kleiner Böhnchen. Aber manchmal muss man etwas zerstören, um etwas so Wundervolles wie eine Tasse frisch aufgebrühten Kaffees zu bekommen.

  • Steeldrums

Ich mag dieses Geräusch, weil es so wunderbar verrückt ist. Jemand haut mit einem Schlegel auf eine Blechtrommel ein, man erwartet Schnarren, Scheppern, Knallen. Was man nicht erwartet: Diese zarten Klänge, die den Ohren schmeicheln und ein wenig so klingen, als kämen sie nicht von dieser Welt.

  • Das Rascheln von Zeitungspapier

Ich lese keine Zeitung, habe ich in einem Liebster Award gesagt, ich habe einen Feedreader auf dem Smartphone. Das ist nicht ganz richtig. Ich lese die ZEIT. Zum einen, weil sie mir politisch näher steht als die anderen politischen Wochenschriften, zum Anderen, weil sie im Unterschied zu Stern und Spiegel eine Zeitung ist, im Zeitungsformat, auf Zeitungspapier. Es raschelt und knistert. Manchmal vermisse ich das Geräusch, wenn ich über mein Smartphone wische.

  • Das Trommeln von Regen auf Blechdächern

Vom zarten Klong, Klong zum Prasseln. Regen ist in seiner Monotonie und seiner Dynamik unübertroffen. Bleibt die Stärke gleich, hört er sich gleich an. Aber er bleibt selten für lange Zeit gleich stark, er schwillt an und ab, wie es ihm gefällt. Er bewegt sich in Wellen. Während er auf festem Untergrund ein Platschen und Rauschen ist, auf Plastikdächern laut und zerstörerisch klingt, hallt er auf Blechdächern, er „plingt“ eigentlich mehr als dass er „klongt“.

  • Das Schmatzen von Matsch unter Sohlen

Wenn es ein Gefühl gibt, das Sattsein und Zufriedenheit ausdrückt, dann ist es das erleichternde Geräusch eines Stiefels, der sich aus dem Matsch zieht, in den er bis zum Knöchel eingesunken ist. Das Geräusch ist voll und komplex, beim ersten Hinhören vielleicht ein wenig ekelig, aber dann entfaltet es seine Wirkungen, ein glückliches Schmatzen.

  • Atem bei körperlicher Anstrengung

Seinen eigenen Atem hört man meistens nicht, ebensowenig, wie man ihn beachtet. Manchmal, wenn ich bewusst atme und an das Atmen denke, habe ich Sorge, wie es weitergehen soll. Muss ich jetzt den ganzen Tag ans Atmen denken oder falle ich gleich in Ohnmacht, weil ich nicht mehr daran gedacht habe und mein Körper nicht übernimmt? Doch dann übernimmt er wieder und meine Sorge ist vergessen.

Ich mag körperliche Anstrengung, wenn ich an die Grenze gehe. Und ich mag es, wenn ich mir dann dabei zuhören kann. Ich bin ganz bei mir, habe die Grenzen ausgetestet, mir versichert, dass sie da sind, meinen Körper vermessen. Und dann kann ich ihn hören. Beruhigend. Zufrieden.

  • Das Entzünden von Streichhölzern

Ein Reißen, ein Zischen und dann dieses leise Knistern, wenn nur noch das Holz brennt. Feuerzeuge sind geräuscharm und technisch. Das Streichholz hingegen vermittelt allein durch seine Geräusche, dass die Flamme, die es erzeugt, mehr ist als ein chemischer Prozess. Die Flamme des Streichholzes scheint zu leben, weil sie sich bewegt und vor Allem, weil sie so zahlreiche Geräusche macht.

  • Das leise Pling unseres Bibliotheks-Programms

Das ist ein Geräusch der Erleichterung. Das Programm funktioniert einwandfrei, es hakt nicht, sondern es hat den Arbeitsschritt gemacht, es plingt. Auch wenn die Bildschirmanzeige womöglich noch ein wenig hinterherhinkt. Manche Kolleginnen haben die Geräusche an ihren PCs deaktiviert. Ich als Wanderarbeiter bin immer irritiert, wenn das Programm nicht plingt. Es fehlt mir.

  • Stille

Trotz aller Geräusche ist Stille das schönste Geräusch. Wenn ich abends im Bett liege, keine Musik mehr aus dem Zimmer unter mir dringt, selbst mein Atem unhörbar leise geht und kein Auto die Straße entlang fährt. Wenn es nicht regnet, kein Hund bellt und kein Lüftchen in den Bäumen raschelt. Dann sind nicht einfach keine Geräusche da, dann ist Stille hörbar. Der wunderbare, endlose Ozean der Stille. Manchmal ist er schrecklich, aber in solchen Momenten unheimlich befreiend.

 

Das waren 10 Geräusche, die ich liebe. Wie ist es mit euch? Könnt ihr euch auch für solche Geräusche begeistern oder ertragt ihr das Donnern des Regens auf Blechdächern nicht, liebt dafür die Popmusik in Kaufhausfahrstühlen? Lasst es mich wissen oder besser noch: Nehmt auch an Mutterchaosens Blogparade teil.

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43 Kommentare zu „Blogparade: Lieblingsgeräusche

    1. Das ist ein beliebtes Spiel in der Philosophie, ob die Negation von etwas eine eigenständige Entität sei. Prominent ist ja die Frage, ob das Böse existiert oder nur die Negation des Guten ist. Für mich hängt es von den Umständen ab. Und ich bin der Meinung, das Stille eine eigene positive Qualität hat.
      Es fängt damit an, dass es unterschiedliche Arten von Stille gibt: Es gibt die Stille, wenn man einfach nichts hört, obwohl Geräusche da sind, es gibt die Abwesenheit von Geräusch und es gibt die ganz besondere Stille der Isolation. Sie hören sich gleich an, sie fühlen sich aber unterschiedlich an, deshalb bin ich der Meinung, Stille ist etwas Eigenes. Ganz krass kann man das Gefühl erleben, wenn man mal das Vergnügen hat, einen großen Radiosender zu besuchen, der ein Studio für Hörspiele hat. Die haben für „Außenaufnahmen“ so einen schallisolierten Raum, mit einer Schnecke … Darin konnte ich diese ganz besondere Art von Stille zum ersten Mal körperlich spüren.

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  1. Eine interessante Idee, allerdings fallen mir auf die Schnelle, abgesehen von der „Stille“ und den Geräuschen, die mein Hund von sich gibt, wenn er sich freut und gut gelaunt ist, keine Lieblingsgeräusche ein. Als Kind fand ich immer das Einwählgeräusch eines Modems gut, weil es bedeutete, dass ich kurz darauf wieder das so spektakuläre Internet nutzen konnte… 😀
    Geräusche, die ich nicht mag, hätte ich leichter aufzählen können, die Liste ist sehr lang. So lang, dass mir manchmal schon Misophonie unterstellt wird. Aber ich werde in den nächsten Tagen mal intensiver „hin hören“, irgendwelche positiven Geräusche muss es schließlich geben 🙂

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      1. Es gibt wirklich Momente, da kann ich die Diagnose „Misophonie“ tatsächlich nicht glaubhaft widerlegen. Schrecklich 😀
        Aber ich es inzwischen doch geschafft, einige positive Geräusche zu sammeln, es wird also auf jeden Fall ein Beitrag von mir folgen.

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  2. Nach längerem Nachdenken sind mir drei Geräusche eingefallen, die ich wirklich gerne mag:

    – Das knirschende Geräusch von Schnee unter Schuhsohlen.

    – Das Nebelhorn im Bremer Weserstadion, das bei Toren der Heimmannschaft erklingt – in letzter Zeit leider sehr selten.

    – Mein Lieblingsgeräusch in letzter Zeit ist aber wohl das Klicken des Radiodrehknopfs, wenn ich es morgens im Bad ausschalte, weil immer wieder das selbe Chart-Mainstream-Gedudel gespielt wird.

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    1. Du hörst den falschen Radiosender. 😉 Das Knirschen von Schnee unter den Schuhsohlen gehört wohl auf die Liste der aussterbenden Geräusche. Auch wenn ich Schnee nicht mag, dieses Knirschen ist ein wunderbar spezielles Geräusch, das mir immer eine Kältewelle ins Gesicht pustet. Wenn das im Radio eingesetzt wird, verkrieche ich mich unter meine Decke, damit mir nicht zu kalt wird. 🙂

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  3. Mein absolutes Favourite: Klangschalen…mit dem Schlegel anschlagen und bingggggggggggg…..dem Ton nachlauschen…solange bis er verklungen ist…manche Klangschalen haben bis zu drei verschiedene Töne….faszinierend 🙂

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    1. Ich find das ja toll, dass andere Menschen dabei entspannen können. Ich kenne Klangschalen auch aus dem therapeutischen Einsatz … Also so theoretisch. Bei mir hat das Wabernde dieses Klangs allerdings den völlig gegenteiligen Effekt. Ich werde dadurch hochgradig nervös.

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      1. Diesen Effekt hat Entspannungmusik im Zahnarztwartezimmer auf mich :-p Klangschale entspannt mich ungemein! Im therapeutischen Bereich geht es durch Mark und Bein ( im positiven Sinne ) durch die verschiedenen Grössen der Schalen 🙂 herrlich!

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  4. Oh ja, das Geräusch, das entsteht, wenn ein Streichholz angezündet wird, mag ich auch total gerne. Da habe ich allerdings bei meinem eigenen Beitrag nicht dran gedacht… erst jetzt, wo ich es bei dir lese, dachte ich: Jaaaaaa ❤ 😉

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  5. Eine sehr schöne Blogparade. Wahrscheinlich werde ich mich da auch anschließen – immerhin habe ich so viele Lieblingsgeräusche, dass ich mich wahrscheinlich auf die Lieblings-Lieblingsgeräusche beschränken muss. 🙂
    Von den hier aufgezählten Geräuschen finde ich Katzenschnurren ganz einzigartig – vor allem, weil es ja nicht nur hörbar, sondern auch (sehr nachdrücklich) spürbar ist.
    Stille ist auch sehr interessant. Insbesondere, weil es ja verschiedene Arten von Stille gibt. Meine Lieblingsstille ist diejenige bei Schneefall – die ist stiller als jede andere mir bekannte Stille (hört sich vielleicht seltsam an, ist aber so).
    Es gibt noch ein anderes, mit den Steeldrums verwandtes Instrument, das ebenfalls sehr überirdisch klingt (und irgendwie außerirdisch ausschaut). Ich habe das sogar kürzlich in einem eigenen Beitrag vorgestellt:
    https://randomrandomsen.wordpress.com/2015/12/27/hang/
    (Die Video-Links bei den blauen Bapperl funktionieren nur im Browser, nicht im WP-Reader).

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    1. Ich mag Schnee ja nicht, von daher ist mir die Stille bei Schneefall immer ein wenig unheimlich. Ich mag die Stille bei dichtem Nebel am Liebsten. Man steht draußen, irgendwo einsam, weiß, dass um einen herum Landschaft sein müsste, sieht aber selbst seine Nasenspitze nur verschwommen. Und alle Laute schluckt der Nebel auch gleich mit.

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      1. Für mich ist die Schneefall-Stille schon der Favorit. Vielleicht auch wegen der Nebeneffekte. Saubere und naturgemäß nicht übermäßig warme Luft. Nebel ist akustisch und vor allem auch optisch sehr interessant (mal Urlaub von der Landschaft) – aber olfaktorisch nicht immer und überall der Hit.

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    1. Handbetrieben. Elektrische Kaffeemühlen mag ich nicht. Die drehen oft so hochtourig, dass dir der Kaffee am Ende verbrennt. Ich habe tatsächlich noch eine gute alte Dienes-Kaffeemühle aus dem Nachlass meiner Großeltern.

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  6. Das Kratzen einer Tuschefeder auf Papier.
    Das Knistern unseres Schwedenofens.
    Der Atem meiner schlafenden Kinder.
    Das Quietschen unseres Stehpultdeckels.
    Das Anscheiden eines frisch gebackenen Brotes.
    Das Geräusch das entsteht, wenn man Milchschaum mit dem Löffel aufnimmt.
    Und natürlich Kaffeemühle, Schnee, Streichholz.

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    1. Auja. Ich sitze gerade in Aachen am Bahnhof, höre bloß den Motor eines Zuges. Da waren deine Geräusche eine Wohltat, ich habe sie sogleich mit meiner inneren Hifi-Anlage abgespielt. Außer die Kindergeräusche. 😉 Dafür den Milchschaum gleich mehrfach.

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  7. Natürlich mag ich das Schnurren der Katze, ich mag das Plätschern eines Baches, das Wellenrauschen der Ostsee, den Gesang der Amsel ganz besonders, aber eigentlich fast jeglichen Vogelgesang. Ich mag auch Regentropfen, die an mein Fenster klopfen, aber mich nervt unwahrscheinlich ein tropfender Wasserhahn. Ich mag das Knistern eines Lagerfeuers und seine Wärme und ich mag das Pling unseres Backöfchens, wenn es morgens die Brötchen fertig aufgebacken hat. Ich mag dem Rauschen von Schilf oder Gräsern lauschen und diese fast vollkommene Stille am Abend mag ich auch ganz besonders. Ich könnte sicher noch viel mehr aufzählen, aber ich höre mal auf, sonst magst Du vielleicht gar nicht zu Ende lesen, weil’s so viel ist, was ich mag 😉

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