Amerdale ist in ihrem Mind Palace auf- und abgewandert und hat überlegt, mit welcher Blogparade sie dem armen Zeilenende das Leben wohl maximal schwer machen könnte. Sie war erfolgreich, indem sie nach den besten Eltern-Kind-Beziehungen gefragt hat.

Bei Blogparaden mache ich meistens mit, wenn mich das Thema interessiert oder es andere zwingende Gründe gibt, daran teilzunehmen. Das Thema hier ist … Ach, lassen wir das. Mir fiel dabei auf, dass ich den meisten Beziehungen innerhalb einer Familie nicht so viel abgewinnen kann. Die wirklich interessanten Filme und Serien sind doch die, wo diese Beziehung irgendwie zerrüttet ist. Mit Ausnahme von Veronica und Keith Mars. Aber die wurden gefühlt in jedem zweiten Beitrag erwähnt. Deshalb lasse ich sie außen vor.

Warum mache ich also mit? Weil Amerdales Blog Geburtstag feiert. Und weil es etwas zu gewinnen gibt. Nicht, dass es mir darauf ankäme. Ich habe sogar kurzzeitig überlegt, das Geschenk abzulehnen. Aber das ist unhöflich, gell? Also zumindest sagt mir das selbst mein degenerierter Sinn für gesellschaftliche Normen. Also mache ich mit, obwohl es was zu gewinnen gibt. Und gratuliere Amerdale. Ich habe auch ein wenig Feuerwerk für dich mitgebracht – Herzlichen Glückwunsch!

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Nach so viel Drumherum gehen wir jetzt aber in medias res. Ich habe lange überlegen müssen, wen ich nennen kann und bin ganz stolz, dass mir fünf Paarungen eingefallen sind. In ungeordneter Reihenfolge präsentiere ich euch die fünf aus meiner Sicht besten Elternteil-Kind-Beziehungen aus Film, Serie und Buch:

Data – Lal (Star Trek: The Next Generation)

Star Trek und Kinder ist weitestgehend „unbekanntes Land“. Ja, es gab Kinder, sie spielten auch gelegentlich eine Rolle, aber die Beziehung zu den Eltern wurde selten thematisiert, am Stärksten noch bei den Siskos in DS9. Jake Sisko allerdings ist eine ähnlich große Nervensäge wie Wesley Crusher. Deshalb will ich ihn nicht erwähnen. Das speziellste Eltern-Kind-Verhältnis haben wohl Data und Lal zueinander.

Data baut sich ein Kind namens Lal. Er gibt ihr viel Freiheit, sie darf sogar über ihr Geschlecht und ihr Aussehen entscheiden. Er riskiert eine Auseinandersetzung mit Captain Picard. Der wäre gern gefragt worden, woraufhin Data entgegnet, dass es nicht Teil des Protokolls sei, um Erlaubnis für Fortpflanzung zu fragen.

Data versucht, seine Tochter in die Crew zu integrieren und schafft für Lal etwas, das ihm selbst nicht zugänglich ist: Gefühle. Gleichzeitig ergeht der Wunsch der Sternenflotte an ihn, Lal in ein Forschungszentrum zu überführen. Logisch betrachtet sollte Data nichts dagegen haben. Dennoch hat er etwas dagegen, Lal ist immerhin sein Projekt. Leider ist es nicht erfolgreich. Lals neurales Netz erleidet eine Fehlfunktion. Der Vater versucht, seine Tochter zu retten, doch es gelingt ihm nicht.

Erstaunlich finde ich an dieser Beziehung vor Allem den Vater. Data ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu Emotionen fähig, der entsprechende Chip wird ihm erst später eingebaut. Dennoch berührt ihn seine Tochter. Lal ist nicht nur ein Experiment zur Erforschung von Menschlichkeit, Lal scheint ihm ein echtes Bedürfnis gewesen zu sein – und er hat sie geliebt. Von Datas Seite kommt mehr als bloß die Simulation von Vatergefühlen zu Forschungszwecken. Am Ende nimmt er Lals Vermächtnis an, nicht aus Neugierde, sondern um ihr Andenken zu bewahren. Er hat sie geliebt, auch wenn er nicht versteht, was Liebe ist. Diese Familie besteht zwar nur eine Folge lang, ist aber wohl die beste Eltern-Kind-Beziehung, die ich in einer Science-Fiction-Serie kenne.

 

Ned – Rod und Todd (Die Simpsons)

Die Flanders‘ sind bei den Simpsons der Gegenentwurf zu den Protagonisten: Gläubig, ordentlich, durch und durch spießig. Rod und Todd kommen in Zukunftsvisionen eigentlich immer schlecht weg und man hat den Eindruck, Ned und Maude haben sie ordentlich verzogen. Andererseits sind die beiden Jungs glücklich und Ned tut alles für seine Jungs.

Dabei ist er manchmal überprotektiv. Er traut ihnen zu wenig zu, er versucht sie vor Dingen zu beschützen, die sie eigentlich nicht bedrohen und er versorgt sie mit reichlich verqueren religiösen Ansichten. Wenn es darauf ankommt, glaubt er aber an seine Jungs und weiß, dass sie stark sind. Und er weiß auch, dass er manchmal überprotektiv ist. Es gibt diese Sache mit dem Unfall beim Klettern, müsste 17×14 sein, wo das sehr deutlich wird.

Man kann es sich leicht machen und sagen, durch seine verquere christliche Prägung ist Ned kein guter Vater, aber seine Jungs bewundern und lieben ihn auf so eine natürliche Art, dass man damit zu kurz denkt. Und man vergisst vielleicht diese eine Szene in einem Zukunfts-Szenario (11×17, glaube ich), in der Bart sich Geld von Ned borgt und Ned ihm dafür dankt, dass er das mit den Jungs nicht verraten hat. Rod und Todd sind in der Einstellung recht deutlich schwul und haben womöglich gar ein Verhältnis miteinander. Seine Einstellung dazu wird nicht weiter erörtert, es ist ihm zumindest peinlich … Andererseits: Er verstößt sie nicht und nötigt sie offenbar auch nicht in eines dieser ominösen „Rumdreh-„Programme, das so manche evangelikale Kirche betreibt.

Auch wenn die Flanders ziemliche Spinner sind, sie lieben sich ehrlich und aufrichtig. Und die Wahl, ob man lieber Homer als Ned zum Vater haben wolle, ist gar nicht so einfach zu treffen.

 

Pinocchio und Gepetto (Pinocchio, die Disney-Version)

Data und Lal mit einem Menschen, zugegeben. Gepetto wünscht sich nichts mehr als einen Sohn und er bekommt den Wunsch erfüllt. Seine Holzpuppe wird zum Leben erweckt. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten läuft es ganz gut, Pinocchio geht zur Schule, doch dann lässt er sich verlocken und verschwindet. Gepetto ist am Boden zerstört und macht sich auf die Suche. Auch Pinocchio erkennt, dass das süße Leben in Freiheit auch nicht alles ist und dass ihm sein Gepetto fehlt. Doch als er nach Hause kommt, ist Gepetto verschwunden, verloren gegangen ob des Verlusts von Pinocchio. Und nun ist es die kleine tapfere Holzpuppe, die ihren Vater retten muss.

Mal ehrlich, was für eine Geschichte von Vater und Sohn, die jeweils alles riskieren, um den anderen zu retten. Gepetto gar, obwohl sein Puppensohn ihn hat sitzen lassen und damit schwer enttäuscht. Und Pinocchio? Scheut kein Risiko, seinem Vater, seinem Erschaffer zur Hilfe zu eilen, weil er gelernt hat, dass Gepetto das Beste ist, was ihm passieren konnte.

 

Davidge und Zammis (Enemy Mine)

Ich habe ja schon gesagt, ich habe es nicht so mit klassischen Eltern-Kind-Beziehungen. Oder formulieren wir es positiv: Familie ist keine Frage der Gene. Enemy Mine ist vielleicht nicht mehr als ein B-Film, aber es ist eine sentimentale kleine Geschichte darüber, wie Feindschaft überwunden wird. Und die Beziehung des Menschen Davidge zum Kind seines ehemaligen Erzfeindes und späteren Freundes hat etwas wirklich anrührendes. Zammis‘ Erzeuger stirbt und Davidge zieht ihn groß. Er lernt die Gebräuche der Drac kennen und rettet den Jungen. Er rettet ihn, obwohl alle Welt ihn für verrückt hält und er sich gewaltigen Risiken aussetzt. Für das Kind eines ehemaligen Feindes. Und wird dafür in die Ahnenreihe von Zammis aufgenommen.

 

Cookie und Daniel (Letzte Nacht in Twisted River)

Bringen wir ein Buch unter und noch dazu eines meines Lieblingsautors. Bei Irving geht es immer irgendwie um Eltern-Kind-Beziehungen, aber die sind immer irgendwie schwierig. Meine Lieblings-Familie, das ist Familie Barry aus „Hotel New Hampshire“. Die sind allerdings so anstrengend und merkwürdig, dass ich mich gegen sie entschieden habe. Wie ich so vor meinem Regal stand, fiel meine Wahl schließlich auf Cookie und Daniel aus einem der letzten Bücher. Ein Road Trip, Vater und Sohn auf der Flucht, ein großes Geheimnis und der angestrengte Versuch der Beiden, den jeweils anderen vor allem Unheil dieser Welt zu schützen.

John Irivings Geschichten und Beziehungen in Worte zu fassen, dass ein Nicht-Eingeweihter es versteht, fällt mir schwer. Vielleicht ist das ohnehin unmöglich. Das Elternteil-Kind-Gespann aus „Letzte Nacht in Twisted River“ ist aber von allen Irving-Familien-Banden diejenige, die ich am liebevollsten in Erinnerung habe, deshalb gebührt Cookie und Daniel der Platz in dieser Blogparade.

 

Habe ich wen vergessen? Wen würdet ihr ins Rennen schicken? Mögt ihr meine Auswahl? Ich weiß, man soll nicht zu viele Fragen hintereinander stellen, andererseits: Ich bin ja nicht umsonst nicht in den Schuldienst gegangen. *gg* Vielleicht hat ja die eine oder der andere Lust, Amerdale mit einem eigenen Beitrag ebenfalls zum Blog-Geburtstag zu gratulieren.

 

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10 Kommentare zu „Blogparade: Eltern-Kind-Gespanne

  1. Hach ja. Ich bin ein Mädchens, ich stehe dazu.
    Gilmore Girls. Die beiden sind einfach knuffig und es gibt so unzählige wunderbare Film- und Musikreferenzen in jeder Folge, dass es einfach nett war. Die Serie hat mich durch’s Studium begleitet;) Ansonsten „Little Miss Sunshine“ Der gesamte Film ist eigentlich ein Zeichen der Liebe von Eltern für ihre Tochter. Schönes Thema 🙂 und deine Star Trek Geschichte finde ich spannend. Kenne kein Star Trek aber vielleicht fange ich mal mit den Filmen an. Ich werde allerdings dazu genötigt….

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    1. Die Gilmore Girls habe ich nie gesehen … Ich habe ehrlich gesagt noch nicht einmal die leiseste Ahnung, worum es da geht. *hust* „Little Miss Sunshine“ hingegen wäre glatt ein Kandidat für meine Liste, wenn er mir eingefallen wäre.
      Was Star Trek angeht … Ich weiß nicht, ob die Filme funktionieren, wenn man zumindest nicht ein paar Folgen der Serie kennt. Okay … Es sei denn, du guckst die Neuen, also „Star Trek“ und „Into Darkness“. Probieren geht aber bekanntlich über Studieren, also nur Mut. 🙂

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    1. Ich mag ihn auch. Das war lustigerweise sogar das erste Pärchen, das mir eingefallen ist.
      Die Kritik geht zuweilen ungerecht mit dem Film um. Er ist sicherlich nicht der beste Film aller Zeiten, aber mit ‚Enemy mine‘ wird für mich unverständlich immer sehr hart ins Gericht gegangen.

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  2. Ich finde das Doppel – Elternteil – Kind – Verhältnis in „Castle“ ganz spannend. Ähnlich wie bei „Gilmore Girls“ wird auch bei „Castle“ das Generationenklischee: vernünftige Eltern – experimentierfreudige Kinder häufig auf den Kopf gestellt.
    Deine Auswahl finde ich sehr originell. Besonders Data – Lal. 🙂
    Liebe Grüße aus dem Garten

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    1. Ich finde bei diesen Paraden irgendwie häufig das Abwegige … Die Umdrehung des Familienklischees ist in der Tat ganz nett, Lisa-Homer bei den Simpsons ist da ja prototypisch (ich kann ALLES anhand der Simpsons erklären, veranschaulichen, etc.) … Worauf wollte ich hinaus? Achja, Castle habe ich bislang auch noch nicht gesehen, aber es freut mich, dass sich noch jemand an Data-Lal erfreut. Das Spannende an lang laufenden Serien sind für mich eigentlich immer diese kleinen Geschichten.

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