… soll zum Konditor gehen oder sich einen anderen Blog suchen. Das hier ist Zeilenendes Küchenexperimentlabor. Da geht erstens gelegentlich etwas schief und zweitens sehen die Resultate nicht schön aus. Der Hersteller ist immer glücklich, wenn die Ergebnisse essbar sind – trotz einer gewissen Routine. Schön werden die Kuchen und Torten meistens erst beim zweiten Backen. Deshalb auch heute: Erstversuch, Thema „Friesische Streuseltorte“.

Über die Hintergründe dieser Torte habe ich leider nichts herausgefunden, ich weiß also insbesondere nicht, warum sie „Friesisch“ ist. Ich habe eine Bemerkung gefunden, dass sie in Friesland eine gewisse Tradition als Weihnachtsgebäck hat, konnte die Aussage aber nicht verifizieren, nicht zuletzt, weil ich nicht in Friesland lebe und noch nie zur Weihnachtszeit dort oben im Norden war.

Ebensowenig kann ich meine Vermutung belegen, dass es eine Variante mit Blätterteig gibt, aber ich meine, schon einmal einen solchen Kuchen mit Blätterteig statt „falschem Blätterteig“ gegessen zu haben. Aber auch da weiß ich nicht, wie authentisch es ist oder ob es authentisch ist. Vielleicht weiß ja eine*r meine*r Follower*innen Genaueres, über Aufklärung etwaiger kultureller Hintergründe wäre ich sehr dankbar.

Was mich ebenfalls interessieren würde: Ich nenne ihn immer „falschen Blätterteig“, den Mürbteig, der mit Milch oder anderen Produkten angereichert wird. Hat der auch einen speziellen Namen? Auch in der Hinsicht waren meine bisherigen Recherchebemühungen ein Fehlschlag. Was die Sache nur noch frustrierender macht, denn ich bilde mir eigentlich ein, ziemlich gut in solchen Sachen zu sein.

Beginnen wir aber ohne weitere Umschweife mit der Zutatenliste:

Für den Teig:

  • 310g Mehl
  • 1 Msp. Backpulver
  • 3 Päckchen Vanille-Zucker (insgesamt 24g)
  • 200g Crème fraîche
  • 220g Butter

 

Für die Streusel:

  • 200g Mehl
  • 100g Zucker
  • 1 Päckchen Vanille-Zucker (8g)
  • 1 Msp. gemahlener Zimt
  • 125g Butter

Für den Belag

  • 400g Sahne
  • 20g Zucker
  • 2 Päckchen Sahnefest
  • 1 Päckchen Vanille-Zucker (8g)
  • 450g Pflaumenmus

 

 

Wir beginnen damit, alle Zutaten für den Teig in eine Schüssel zu schmeißen. Weil dies ein klassischer Fall von „Teig besser gut durchkühlen“ ist, habe ich die Butter verflüssigt und abkühlen lassen, alles mit dem Handmixer grob durchgeknetet, mit den Händen weiter zu einer Kugel verarbeitet und über Nacht im Kühlschrank eingelagert. Am nächsten Tag habe ich den Teig in vier Portionen geteilt.

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So könnt ihr auch mit dem Streuselteig verfahren. Auch die kann man problemlos über Nacht an einem kühlen Ort verwahren. Da wir für das Rezept Zimtstreusel herstellen, vermischen wir aber erst einmal Mehl, Zucker und Zimt, bevor wir daraus Streusel produzieren. Auch wenn ich auf große Streusel stehe, in dem Fall sollten sie eher fein sein.

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Am nächsten Tag geht das große Backen los. Wir kneten die vier Teigstücke noch einmal kurz durch und rollen sie dann aus, während der Ofen auf 170° Umluft vorgeheizt wird. Das Rezept sieht vor, dass die Teigkugeln auf gefetteten Springformböden von 28cm ausgerollt werden. Das Problem, das ihr am Ende sehen werdet: Zumindest bei mir hat sich der eine Boden, den ich so gebacken habe, extrem zusammengezogen.

Die Böden, die auf Backpapier ausgerollt habe, haben sich auch ein wenig zusammengezogen, aber nicht so stark. Und keine Sorge, sie kleben nicht am Backpapier fest. Also ist die Sache einfach:

Backpapier auf einen Springformboden legen, Teig darauf möglichst gleichmäßig ausrollen, Streusel darauf verteilen, auf einem Backblech ca. 15 Minuten backen, auf ein Tortengitter stürzen, Backpapier abziehen (das geht ohne den Wassertrick) und auskühlen lassen. Einen der vier Böden noch warm in 12 Torten-Stücke zerteilen.

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Es ist immer noch Winter, also kann ich weiterhin Bilder von weißem Zeug posten. Gebt die Sahne in eine Rührschüssel und schlagt sie durch. Dann lasst ihr den Zucker und das Sahnesteif einrieseln und schlagt die Masse weiter, bis sie schön fest ist. Und weil ich keinen Vanille-Zucker aus der Tüte benutze, sondern regelmäßig selbst welchen ansetze, macht ruhig eine richtige Vanille-Sahne: 28g Vanille-Zucker statt dem Zuckergemisch. Mit Vanillin-Zucker würde ich das allerdings nicht machen. Ich finde, er hat eine bittere Note im Nachgeschmack, die umso stärker durchkommt, je mehr ihr benutzt.

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Dann kann der Spaß beginnen. Nehmt euch einen der Streuselböden, bestreicht ihn mit 1/3 des Pflaumenmuses oder so wie ich mit einer Bromber-Apfel-Marmelade.

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Streicht dann ein Drittel der Sahne auf den Boden, nicht bis zum Rand. Der Kuchen wird nämlich noch ein wenig gedrückt werden und dann quillt nur unnötig Sahne heraus. Legt den nächsten Boden auf die Sahne und verfahrt mit diesem Boden ebenso. Wenn auf dem dritten Boden eine Sahneschicht verteilt ist (hier könnt ihr ordentlicher arbeiten, wenn ihr mögt), legt ihr die 12 Stücke des vierten Bodens auf die Torte und fertig ist eine blättrige, durch die Streusel knusprige, durch Marmelade oder Pflaumenmus fruchtig-herbe und durch die Sahne cremige Torte.

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Am Ende sieht es dann so aus. Wie immer habe ich ein wenig gekleckert, ich kann halt nicht anders. Ich habe mich entschieden, den Boden zu zerteilen, den ich auf dem gefetteten Springformboden gebacken habe. Als Boden in der Torte hätte er nicht getaugt, weil er kleiner ist als die übrigen. Wie gesagt, er zieht sich stärker zusammen. Außerdem habe ich es nur geschafft, ihn in 8 Stücke zu zerteilen. Das macht die Torte zu einer wahren Bombe. Ein Stück reicht selbst einem gestandenen Tortenesser wie mir vollkommen. Aber es ist sooooo lecker und sieht als Stück folgendermaßen aus:

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Sie lässt sich leider nicht so leicht schneiden wie man das von Biskuit-Böden gewöhnt ist. Aber das ist ja egal, denn wie gesagt: Hier geht es nur um den Geschmack.

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37 Kommentare zu „Wer schöne Torten will …

  1. Schaut nach der Art Torte aus, die angeschnitten zum Massakeropfer verkommt 😄 Aber lecker! Warum friesisch weiß ich nicht. Beim falschen Blätterteig kann ich auch nicht weiterhelfen. Für mich ist Plunderteig eher falscher Blätterteig aber das ist eher nicht korrekt. War der Teig aus dem Kühlschrank zu kalt, so dass er sich zusammen gezogen hat beim dem Backen?

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    1. Japp. Das gilt für Sahnetorten ja in den meisten Fällen. Wenn man nicht gerade einen samtweichen Biskuit dazwischenschichtet (die ich meistens nicht so doll finde), matscht sie.
      Wobei, hier geht es eigentlich, wie du siehst, ist beim Anschnitt nicht so viel herausgequollen. Man muss dafür nur in Kauf nehmen, dass der Tortenrand „individuell“ ausschaut.
      Was das Zusammenziehen angeht, bin ich mir selbst nicht so sicher, es hat wie beschrieben einen Unterschied gemacht, ob Backpapier drunter war oder ich den Boden nur gefettet habe. Das Rezept empfiehlt auch, den Teig kühl zu verarbeiten, das sollte es nicht beeinflussen. Aber wäre natürlich eine Möglichkeit.

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  2. Ich finde, auch wenn die Torte nicht aussieht wie bei einem Konditor, dass man sich absolut hineinstürzen könnte, was den zu vermutenden Geschmack angeht. Streusel sind ja ohnehin absolut unschlagbar, dazu noch etwas Obst (natürlich mit reichlich Zucker) und Sahne – hmmmmmmmmmmmm. Scheiß auf die Optik, her mit dem LEGGGGÄÄÄÄÄ!!!! 😉

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  3. Sieht lecker aus 🙂 wobei ich zum ersten Mal sehe das über Streusel etwas drüber gemacht wird….Streusel sind bis dato immer „nur“ als on top für mich besetzt gewesen….vielleicht ist das das friesische daran….die (Ost)Friesen sind ja schon immer als….sagen wir…..individuell bekannt…. 😉

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      1. Gut, das Liedchen wird erst noch 40 Jahre alt, aber Mathilde, Ottilie, Marie und Liliane sind wesentlich älter und ich sehe immer, wie Liliane vom Stuhl kippt und der liebe Hergott ihr den Weg zum Himmel bahn(e)… aber bitte mir Sahne 😀

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  4. Friesentorte kenne ich tatsächlich auch nur mit „echtem“ Blätterteig. Also eine Schicht Blätterteig, Pflaumenmus, Sahne, noch eine Schicht Blätterteig, die schon in Stücke geschnitten und mit Zucker bestreut ist, wenn ich mich recht erinnere. Ich bin gebürtige Schleswig-Holsteinerin, aber keine Friesin, aber ich meine, so macht meine Oma die Torte immer. 🙂

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  5. Du musst noch irgendwie Rum unterbringen -am besten in der Pflaumenkonfitüre- ohne Rum geht gar nix, vor allem nicht im Winter. Und diese Torte wird im Winter gegessen.

    Die einzelnen Stücke des „Deckels“ nicht einfach „draufbappen“, sondern kunstvoll leicht schräg aufsetzen. Dann sehen sie wie Windmühlenflügel aus.

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    1. Rum ist eine gute Idee, ich habe es aber vorgezogen, eine Tasse Rumtopf dazu zu trinken. *gg* Die Windmühlenflügel muss ich mir aber merken. Dabei war ich so stolz, sie einigermaßen passend auf die Torte gelegt zu haben. Für mich war das hohe Kunst. 😀

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  6. Wichtig ist doch am Ende NUR der Geschmack und so betrachtet sieht diese Torte überaus verlockend aus. Mir läuft nicht nur das Wasser im Munde zusammen, es tropft schon heraus. Aber nebenbei bemerkt, Schönheit liegt immer im Auge des Betrachtes 😉 Und mein Auge findet Dein Kunstwerk sehr schön.

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    1. Der Spötter in mir will mit deinem Auge zum Arzt. Aber ja. Ist ja letztlich mein Credo. Wenn ich mich dafür schämen würde, käme es nicht online. Das einzige, was mich ein wenig stört: Wohlgefällige Bilder sind die bessere Werbung für die Torte. Denn lecker ist sie in der Tat.
      Und deshalb freue ich mich doch lieber, dass du ihre Qualitäten erkennst, statt zu spotten. Danke. 🙂

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