Obskure Stimmungsschwankungen sind ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass bei mir alles in Ordnung ist. Ich bin im einen Moment gut gelaunt, im nächsten Moment grimmig. Im einen Moment strahle ich, im nächsten Moment hat mir irgendetwas (egal ob Belanglosigkeit oder Katastrophe, persönliche Betroffenheit oder abstrakte Teilnahme) die Laune verhagelt. Also alles roger – dennoch bin ich besorgt. Oder ich tue zumindest so. Wenn ich besorgt bin, glaubt mir nicht. Wenn ich nicht besorgt bin, glaubt mir dennoch. Letztlich überspiele ich ohnehin alle meine Launen, sodass man sie mir in der Öffentlichkeit ohnehin nicht anmerkt.

Mir ist aufgefallen, dass meine Stimmungen in letzter Zeit andere geworden sind. Mehrfach wurde mir an den Kopf geworfen, ich habe doch sicherlich einen Clown gefrühstückt, meine Offline-Textereien wurden als besonders humorig gelobt, während meine innere Laune konstant auf niedrigem Niveau köchelte. Ständige Unzufriedenheit, als ob etwas fehlte. Ich habe das schnell rationalisiert: Mir fehlt ein neuer Job und oberflächlich will ich bloß von meinem inneren Grummeln ablenken. Unzufriedene Menschen setzen die besten Pointen. Deshalb sind Georg Schramm oder Wilfried Schmickler auch wesentlich bessere Unterhalter als die Comedy-Canaillen, die sich schonmal ins RTL-Programm verlaufen.

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Meine Laune: süß und farbenfroh

Bedenklich wurde als, als die Kolleg*innen vom Wochenend-Dienst nachfragten, woher meine gute Laune gepaart mit den zahlreichen schwarzhumorigen Äußerungen kämen. Ich klärte sie auf, dass mein Humor im Wesentlichen auf gezielten Bösartigkeiten fuße, ich nun einmal  witzig sei und sie diese Antworten dennoch nicht zufrieden stellten. Normalerweise sei ich doch so professionell, dass sie Sorgen hätten, ich würde der Kundschaft noch Waschmaschinen verkaufen.

Den Gipfel erreichte die Sorge der Wochen-Kolleginnen: „Sagmal, Zeilenende, was ist eigentlich los? Bist du verliebt oder warum grinst du so?“ Ich hoffe nicht. Dann müsste ich ernsthaft grübeln, wer der bedauernswerte Kerl ist. Dummerweise haben die Kolleginnen nämlich recht.

Mein Verhalten zeigt zwei klassische Symptome: Witzig bin ich immer, in letzter Zeit werde ich häufiger albern. Dauerhafte Albernheit, wenn sie mir auffällt, ist ein starkes Zeichen von Verliebtheit. Das wissen wir aus zahllosen Liebeskomödien. Wenn ich meine Launen gründlich durchzureflektieren beginne, ist das ein schwaches Zeichen von Verliebtheit. Auch das kennen wir aus zahllosen Liebeskomödien. Genau das tue ich gerade.

 

Ein drittes Symptom: Man denkt ständig an gewisse Menschen. In diesem Beitrag allein waren meine Gedanken zwischenzeitlich bei verschiedenen Protagonisten meines Offline-Lebens. Und dann sind da noch mehr:

  • Ist es solera, wenn ich morgens auf den Wecker schaue und denke: „Verdammt, ich lieg hier faul rum und der läuft schon. Wieso bin ich so unproduktiv?“
  • Ist es das Marinsche, wenn ich mehrfach täglich denke: „Warum kriegt die so tolle Essensphotos hin und ich nicht?“
  • Ist es Manuel, weil ich mir bei jedem Beitrag denke: „Das hättest du auch schreiben können, nur nicht halb so gut?“
  • Zoé ist auch eine Kandidatin, ihr beruflicher Wiedereinstieg beschäftigt mich häufiger, denke darüber nach, wie das bei mir in der Altenpflege war und freue mich an ihren Einblicken, wie es so läuft.
  • Trisha, diese fiese Frau, stellt immer vertrackte Fragen, zu denen ich leider viel zu selten etwas schreibe, die mir dann auch noch tagelang nachhängen, wie die Sache mit dem Niqab. Während ich morgens an solera denke, denke ich abends beim Einschlafen an Trisha.

Ich könnte noch viele andere Leute auflisten, eigentlich jeden einzelnen Betreiber eines Blogs, dem ich so folge sowie alle Menschen, die ich privat so kenne. Dann würde die Liste aber zu lang werden und die Real-Life-Personen kann ich nicht verlinken. Deshalb machen wir das jetzt anders: Bevor ich weiter ergebnislos überlege, weil ich ständig an unterschiedliche Menschen denke: Unten gibt es eine Kommentarfunktion, da könnt ihr euch mit anonymen Geständnissen melden, wer von euch der Übeltäter ist. Oder einen Verdacht äußern, wer der Übeltäter sein könnte. Und wenn der Regisseur meines Lebens aus einer Tragikomödie spontan eine Liebeskomödie gemacht hat, dann möchte ich bitte ein ernstes Wort mit dem Produzenten reden. Gute Laune ist nämlich anstrengend!

 

to be continued

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29 Kommentare zu „Wehret den Anfängen!

  1. mmmm… zunächst enke ich jetzt gerade ohne bisherigem Ergebnis daüber nach, ob es da jetzt einen gültigen Umkehrschluss geben kann: Menschen, die wenig Humoriges brabbeln sind innerlich zutifst zufrieden, ausgeglichen und „geerdet“?

    Zu deiner eigentlichen Frage habe ich auch keine Idee 😦 Ich lede gerne deinen Blog und freue mich über deine Kommentare bei mir, aber darüber hinaus verfolge ich nicht deine Bloggeraktivitäten…. oder ist es vielleicht das? Dir fehlt es an einem Mehr meiner Aufmerksamkeit *g*

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    1. Der Umkehrschluss klingt plausibel, ich würde aber sagen, es ist lediglich eine andere Art von Humor. Grundsätzlich würde ich aber schon sagen: Guter Humor braucht eine gewisse Unzufriedenheit und sei es der aus einer Bagatelle.
      Danke fürs Mitgrübeln und: An Aufmerksamkeit habe ich grundsätzlich ein Defizit, behaupte ich zumindest. ^^

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  2. Hach…..Zeilenende denkt an mich….Juppheidi und Juppheida Juppheidi Fiderallala ( und dabei einen Freudentanz aufführ )….huch….Schluckauf….na sowas…..

    Wenn Du Dir selbst nicht sicher bist ob Du verliebt bist oder nicht solltest Du Dich auf psychotisches Verhalten hin beobachten….denn das ist bei frisch Verliebten der Fall….sagen die Wissenschaftler….wenn Du Dir auch da nicht sicher bist könntest Du Dein Gehirn ablichten lassen….das weist dann nämlich Strukturen eines Psychotikers auf…..sagen die Wissenschaftler….

    Ansonsten bleib wie Du bist….mal heiter….mal albern….mal ernst….so liebe ich Deine Schreibe 🙂

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    1. Hast du zufällig einen MRT zur Hand? Ich hätte nicht übel Lust, mich da mal reinzulegen. So aus Spaß an der Freude. Obwohl … Psychose ist doch krankhafter Realitätsverlust, oder? Da ich nicht an die Realität glaube, können wir uns das wohl sparen. *gg*

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      1. Hab meinen mobilen MRT grad verliehen…..sonst zu zu gerne…. ( hüstel ). Ach….Psychosen haben noch so andere Nettigkeiten….mal manisch….mal depressiv…und und und….aber nu wissen was immer noch nicht ob Du verliebt bist oder nicht….hm……🤔

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  3. Viele Künstler sind kreativ wenn sie innerlich leiden, unzufrieden oder traurig sind. Leider lässt sich so ein Zustand nicht konservieren und rutscht gerne auch nach unten ab, dann wird Kreativität zur Qual, weil man bedienen möchte, aber nicht mehr kann. Der Grat ist sehr schmal.

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  4. Hm, ganz ehrlich: Ich denke tatsächlich recht häufig über dich nach. Vor allem gehen mir dabei zwei Fragen durch den Kopf: (a) Wie ist der Typ im echten Leben? (b) Was schreibt/kommentiert er heute wohl (denn das gehört zu den wenigen Routinen in der Woche: Lesen der Zeilenende-Beiträge und -Kommentare)? Nun wohnst du ja doch einige Autostunden weg, aber irgendwann sollten wir dich überfallartig heimsuchen. Das wäre vielleicht eine wilde Runde…

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    1. Mein Gedanke war auch nur halb übertrieben. Ich denke morgens früh nicht, ich mache mir nach der zweiten Tasse Kaffee Vorwürfe, noch nicht einmal DAS gedacht zu haben. 😊
      Ich bitte im Falle einer überfallartigen Heimsuchung aber um Vorankündigung, damit ich vorher Drogen nehmen und Kekse backen kann … Ansonsten bin ich nämlich ein grässlicher Langweiler.
      Vorhersehbare Antwort? Natürlich. *hüllt sich in ein nichtssagendes Lächeln*

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      1. Äh…nee…..ich wollt ja nur freundlich sein und keine Umstände machen :-p auf Deine Kekse wär ich ja schon gespannt ( und dabei fast schon auf die Tastatur sabber )

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    1. Mein ganzer Blog dreht sich um meine Spießigkeit: backen, lesen, arbeiten. Vielmehr passiert hier ja nicht, das braucht nicht noch einen Extra-Beitrag. 🙂
      Und jetzt denke ich noch eine Extrarunde an dich, bevor es zu Bett geht. An dich und einen Topf Hühnersuppe, damit du in meinem Kopf nicht verhungerst. 🙂

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