Das Buchfresserchen fragt in dieser Woche (angestiftet vom Laberladen) nach Texten auf Büchern. Texte, die häufig nur am Rande mit dem Text im Buch zu tun haben. Die Rede ist von Meisterwerken wie

„Ein Roman mit Sogwirkung. Herrlich kurios.“

„Was für eine Fiktion! Satirisch. Saukomisch. Und bei allem Lachen bleibt ein Rest Gänsehaut.“

oder

„Über 90 Wochen auf der Bestsellerliste. Davon 20 Wochen auf Platz 1. In 38 Sprachen übersetzt.“

Wer wird dadurch nicht zum Kauf verführt?

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Zugegeben, es gibt auf Büchern auch noch die traditionelle Inhaltsangabe, den Waschzettel oder die Informationen auf dem Buchrücken. Früher, in der guten alten Zeit, fand man auf dem Klappentext vorn eine kurze Inhaltsangabe, hinten Autoreninformationen und auf der Rückseite noch einmal Inhaltsinformationen, insgesamt dem Waschzettel nicht unüblich.

Ergänzend hat irgendein PR-Mensch im Buchverlag zudem einen Schriftsteller angerufen, den man verlegt und dessen Name bekannt ist. Der Schriftsteller bekam kurz erzählt, worum es in dem Buch gehe und musste dann entscheiden, ob er das Buch „Super!“ „Großartig!“ oder als „Ein Meilenstein!“ betrachtet.

Heutzutage ist die Erstellung von Klappentexten oder Buchrückseiten offenbar oftmals zu aufwändig. Man spart sich die Texte und zitiert dafür fünf Big Names, die sich weitestgehend nichtssagend über das Buch äußern. Alternativ werden Rezensionen zitiert (ich glaube, auch schon Kundenbewertungen auf Taschenbüchern gesehen zu haben) oder, im Fall von Erfolgsbüchern in neuer Auflage/Taschenbuchausgabe lediglich die Verkaufserfolge des Titels. Letzteres ist eine besonders merkwürdige Verkaufsstrategie: Das Buch wird nicht mehr angepriesen, weil es gut ist, sondern weil es erfolgreich ist. Dabei dachte ich immer, das entscheidende Argument für den Produktkauf sei zumindest die Illusion, dass das Produkt gut sei. Es sei denn, wir reden über Mode. Aber Bücher eignen sich nur bedingt als Accessoires.

Für mich spielen diese Texte nach wie vor eine große Rolle. Das Zusammenspiel von Buchcover, Titel und Klappentext weckt in mir das Bedürfnis, das Buch zu kaufen oder es im Buchladen zu belassen. Dementsprechend ärgere ich mich über die nichtssagenden Texte auf der Rückseite. Klar, auch die Inhaltsangaben können beschönigen oder irreführend sein, aber meistens geben sie zumindest einen kleinen Eindruck von dem, was die Bücher bieten. Im Gegensatz zu Autorenempfehlungen, denn die lassen sich so oder auch anders verstehen:

„Super!“=Das Buch ist toll, um einen wackeligen Gartentisch zu stabilisieren.

„Großartig!“=Das Gratisexemplar sieht in meinem Regal super aus.

„Ein Meilenstein!“=Auf dem Weg zur Verschmonzettierung des gesamten Genres.

 

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6 Kommentare zu „Montagsfrage: Waschzettel

    1. Natürlich ist es eine Illusion, aber es ist eine schöne Illusion. Denn auf der Reflexionsebene gilt ja: Ein Liebesroman soll als Liebesroman verkauft werden, also ist der Text auf dem Backcover eine Sammlung von Klischees über Liebesromane und macht das Buch damit eindeutig identifizierbar. Es hält noch Überraschungen bereit (ein überraschungsloses Buch wäre ja auch traurig), aber die Marschrichtung ist deutlich.

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  1. Du sprichst mir aus der Seele! Ich habe mich vor Jahren mal fürchterlich (na ja, eher innerlich) darüber aufgeregt, dass Head & Shoulders sein Shampoo mit einem Aufkleber versah: Neues Flaschen-Design. Ähem! Was sagt mir das als Kunde? Doch eigentlich nur, dass man es nicht mehr für nötig hält, am Produkt Veränderungen vorzunehmen, stattdessen wird einfach an der Verpackung herumgemacht. An der VERPACKUNG!!! Noch weniger ernstgenommen habe ich mich als Kunde vermutlich noch nie gefühlt.

    Und bei Büchern nervt mich das auch wie sonst noch was, wenn es nicht informativ sondern werbend bedruckt ist. Noch dazu, wenn es Leute sind, auf deren Urteil ich eher nichts geben würde.

    In die Musik übertragen: Schenkte mir jemand eine CD, auf der stünde: Von Dieter Bohlen empfohlen. (Reimt sich, müsste gut sein, aber…) – Ich würde sie ungehört weiterverschenken bzw. vor Scham irgendwo anonym entsorgen. Das ist für mich kein Qualitätsurteil, es verleitet mich nicht zum Kauf, es verleidet ihn mir. Aber gründlich.

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