„Entschuldigung, wissen Sie, wo mein/e Mann/Frau/Kind/Familie/Schippschwägerin/Großkusine 23. Grades steckt?“

„Wie heißt die betreffende Person denn mit Vornamen?“

„Bärbel.“

„Dann gucken Sie mal in der Sachgruppe B nach, Menschen ordnen sich gern an passender Stelle ein.“

Die Arbeit an der Verleihtheke ist nie langweilig, notfalls hat man ja immer noch die lieben Kolleg*innen, mit denen man herumflachsen kann oder man stellt 200 Reiseführer ein – eine ausgesprochen meditative Beschäftigung in der kleinteiligen Sachgruppe C. Aber gewisse Fragen hört man an manchen Tagen das entscheidende Mal zu häufig. Dies sind „Wo sind denn hier die Toiletten?“ und oben aufgeführte Frage.

Natürlich habe ich die Frage noch nie so beantwortet, der folgende Dialog entstand beim genannten Herumflachsen mit einer Kollegin. Wir überlegten dann weiter, wie man mit vermissten Familienangehörigen umgehen könne. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass die alle wiedergefunden werden. Manche von den vermissten Familienangehörigen irren bestimmt als verlorene Seelen durch die Bibliothek.

In der ASB, der Allgemeinen Systematik für Bibliotheken, ist der Buchstabe I nicht vergeben. Als „I wie Irrlicht“ möchten wir den verlorenen Seelen zukünftig eine Heimat in Form eines Regalbretts anbieten. Potentielle Irrlichter werden eine Woche lang bei den Fundsachen vorgehalten. Wurden sie nach Ablauf einer Woche nicht abgeholt, werden sie mit einem Transponder versehen, eingearbeitet und allen Kundinnen und Kunden zur Verfügung gestellt.

Wir denken, mit den Irrlichtern ein gefragtes neues Angebot zu schaffen, deshalb beträgt die Ausleihfrist eines Irrlichts eine Woche, maximal zwei Verlängerungen sind möglich. Wenn also zukünftig ein Familienmitglied gesucht wird und es sich nicht in der Fundkiste befindet, können wir unseren Kundinnen und Kunden anbieten, sich im Regal der Sachgruppe I ein passendes Exemplar auszusuchen und zu entleihen. Sollte sich eines der Irrlichter als Regalhocker erweisen, werden die Irrlichter makuliert und auf dem Geschenkewagen der Bibliothek platziert. Da über den auch Ganghofer- und Simmel-Romane bislang zuverlässig eine neue Heimat gefunden haben, gehen wir davon aus, dass auch unsere Irrlichter eine adäquate Anschlussverwendung finden. Wir könnten uns eine Nachnutzung als Stehlampe sehr gut vorstellen.

IMGP0535.jpg

Irrlichter gibt es wirklich, hier photographisch dokumentiert.

26 Kommentare zu „Sachgruppe I

  1. Für die nmemotechnische SfB würde ich dann die neue Gruppe „Fund“ einrichten – neben den Fundstücken könnte man da auch Fundsachen wie diesen Blogeintrag mitablegen – natürlich analog und digital. ScG

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          1. Interessanter Gedanke, darüber muss ich jetzt mal nachdenken! Ich hatte dieses „Ich nehme Adams Rippe und mache eine Eva draus“ eher als Downcycling verstanden. Warum bloß? Muss wohl internalisierte Misogynie sein!

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              1. Wenn Frauen die finale Version sind, fragt sich doch, warum so viele von ihnen glauben, sich mit Silikon-Add-Ons etc. versehen zu müssen…

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