Ein neues Jahr beginnt, das ist aber noch lang kein Grund, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Der Dienstag gehört auch weiterhin Buchfresserchen und ihrer Montagsfrage. Zum Start ins neue Jahr will sie wissen, ob wir Bücher in gedruckter oder digitaler Form bevorzugen.

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Die Frage ist eigentlich ganz einfach zu beantworten. Ich muss mir jetzt ernsthaft überlegen, wie ich daraus einen ganzen Beitrag mache. Ich bin mir auch ziemlich sicher, zu der Thematik schon einmal Stellung bezogen zu haben. Eine Suche im Blog spuckte mir aber nur irrelevante Treffer aus. Ich bekam vornehmlich Treffer, in denen ich Facebook erwähnte – und da bin ich nun wirklich nicht sonderlich aktiv.

Eigentlich bin ich ja ein Technik-Aficionado. Ich kann mich für Streaming von visuellen und auditiven Inhalten begeistern, ich verbringe mehr Zeit im Internet als gut für mich ist, meine Nachrichten kommen über den Feed-Reader zu mir (von der gedruckten ZEIT einmal pro Woche abgesehen), ich spiele gern mit Twitter herum, aber ebooks geben mir überhaupt nichts.

Natürlich bin ich bibliothekarisch veranlagt, das ist kein großes Geheimnis. Das liegt allerdings nicht am Medium Buch. Spannend an dem Berufsfeld finde ich den Aspekt der Informationszugänglichkeit. Ich betrachte das konkrete Buch nicht als Buch sondern als Ort, der Informationen aufbewahrt. Die Informationen brauchen einen Ort, an dem sie mittels eines Systems gut auffindbar sind (die Systematik) und für eine Recherche brauchen sie eine gute Verschlagwortung. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Informationsträger ein Buch oder eine Website oder sonst etwas ist. Das Digitalisat hat sogar einen entscheidenden Vorteil: Es bietet eine Volltextsuche. Der zweite Aspekt der Informationszugänglichkeit ist die Recherchemöglichkeit. Schlagwörter sind dafür besser als Volltextsuchen, aber als Ergänzung ist die Volltextsuche ein mächtiges Recherchetool und die Möglichkeiten, Texte miteinander zu vernetzen, sind digital sehr viel ausgeprägter als analog.

Privat allerdings, ist das anders. Da ist das Buch für mich manifestierte Lese-Erinnerung (darüber habe ich definitiv schon einmal geschrieben). Ich kann ein Buch in die Hand nehmen, erinnere mich an Inhalt, wann und wo ich es gelesen habe, wie ich es fand, blättere rasch hindurch und finde meine Lieblings-Stellen wieder, wenn es welche gab. Darüber hinaus mag ich das Gefühl von Büchern in der Hand, das weiche Papier, die rauhe Oberfläche. Ich freue mich, manchmal ein Zeichen aus der Vergangenheit zu entdecken – einen Kaffeefleck zum Beispiel, oder in gebrauchten Büchern Bleistiftanmerkungen des Vorbesitzers.

Ich kann gedruckte Bücher problemlos aus- und verleihen, Menschen damit auf den Kopf hauen, in der Hoffnung, die Inhalte gehen in ihre Schädel hinein. Das gedruckte Buch in den Händen eines Menschen sagt etwas über ihn aus, man sieht, was er oder sie liest, man wird beim Lesen eines konkreten Textes gesehen. Auch das ist spannend – nicht nur in der Beobachtung, manchmal auch im Gespräch darüber. Oder als Schutzschild: Ich habe in der Bahn schon viel gelesen, aber der zuverlässigste Schutz vor Störungen sind die kleinen gelben und die größeren dunklen Bücher aus den Häusern Reclam und Suhrkamp. Es gibt sogar Fahrkartenkontrolleure, die einen nicht behelligen, weil sie das intensive Studium nicht unterbrechen wollen.

Ich mag gedruckte Bücher lieber als ihre bit- und bytigen Geschwister, nicht zuletzt deshalb, weil ich es in der Hand halte, was ich bereits gelesen habe und was ich noch vor mir habe. Und ich schnell vorwärts blättern kann, um zu sehen, ob ich das Kapitel noch schaffe, bevor ich aussteigen muss. Und obwohl das klar war, habe ich doch einen vernünftigen Artikel herausbekommen.

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24 Kommentare zu „Montagsfrage: Druckfrei lesen?

      1. Klar, aber dann müsste ich 70 Cent bezahlen, und du müsstest locker ein bis zwei Tage auf Kommentare zu deinem Eintrag warten… 😉

        Hat ja dummerweise alles zwei Seiten. Was meinst du, wie oft mir das iPhone im Bett schon ins Gesicht geplumpst ist, weil ich beim Lesen eingenickt bin… 😱

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  1. Meine Bücher erscheinen zwar alle auch als e-Books und ich kontrolliere sie natürlich auf die Optik,selber würde ich nie ein Reader benutzen,weil mir der Geruch nach Druckerschwarze, das Rascheln der Seitenund meine Buchregale fehlen würden. Außerdem hat man keine Stelle mehr für eine persönliche Widmung. Ein Buch kann ich im Urlaub am Strand liegen lassen, bei technischen Geräten ist das nicht möglich 😉

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  2. Ich nutze einfach beides. Mal lese ich ein „echtes“ Buch, mal ein „eBook“. Auf dem e-Reader landen meist die günstigen Bücher für bis ~4€. Zum „Normalpreis“ würde ich kein eBook kaufen, wenn ich es dafür in der Buchhandlung auch in der gedruckten und schöner gestalteten Fassung bekomme. Und irgendwas muss man ja auch in die Regale stellen können, damit die Wohnung nicht ganz so unbewohnt wirkt 😀
    Die eBooks haben aber natürlich den großen Vorteil, dass sie jederzeit verfügbar sind und auch spontan (wie im Urlaub) gekauft werden können. Dafür kann man sie aber eben nicht verleihen, nicht weiterverkaufen, nicht verschenken und teilweise nicht mal mehr lesen, wenn man einen anderen Reader kauft (dank DRM).

    Mir geht es da eher bei Musik so, wie dir bei den Büchern. Obwohl mittlerweile sogar schon die besseren FLAC-Downloads angeboten werden, habe ich, bis auf einzelne Lieder, noch nie „digitale Musik“ gekauft. Ich will die CDs, die aufwendig gestalteten Digipaks, Booklets, Fotos, Texte etc. Und das obwohl ich nicht mal mehr einen klassischen CD-Player besitze, sondern den Inhalt der CDs auf mein NAS packe und im Heimnetzwerk streame. Aber die CD hat einfach „mehr“, als so ein liebloser Download. Genauso hat ein klassisches Buch etwas an sich, das der Datei auf dem Reader einfach fehlt.

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    1. Jetzt habe ich vor lauter Schuldgefühlen erstmal Spotify ausgemacht. 😉
      Die Musikbranche ist aber ein gutes Beispiel, wieso eBooks eigentlich keine Bedrohung für klassische gedruckte Bücher sind. Die großen Plattenlabels haben sich, meinem Eindruck nach, recht früh von aufwändig aufgemachten CDs verabschiedet. Ich habe mal ein paar meiner CDs zur Hand genommen – da sind ein paar Schmuckstücke bei, aber die meisten bestehen aus einer und einem „Booklet“, das aus dem Cover und der Tracklist inkl. Copyrightangaben besteht. Die CD bot dem Download gegenüber keinen Mehrwert an, im Gegenteil: Streaming, durch die Koppelung von Musik und Empfehlung, bietet den eigentlichen Mehrwert.
      Während bei der CD der Mehrwert eher die Ausnahme ist, gibt es auf dem Buchmarkt neben den lieblos gemachten Büchern selbst unter den Taschenbüchern m. E. einen Überhang an Mehrwerten durch Covergestaltung, bewusste Schriftwahl, etc. Die Musikindustrie hat sich allein auf den Song als Vermarktungsgegenstand beschränkt (klammern wir das Konzert als Überlebensstrategie mal aus), die Literaturindustrie hat sich ein umfassenderes Verständnis ihres Produkts bewahrt – bis hinunter zu den Taschenbüchern, wie ich finde. Deshalb mache ich mir mittelfristig auch gar keine Sorgen um Bücher. Die sind nicht auf den Text enggeführt. Ich wage sogar zu behaupten, dass sich eine eigenständige eBook-Kultur entwickeln wird, die sich von der weiter bestehenden Buchkultur unterscheiden wird.

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      1. Spotify nutze ich übrigens selbst. Mit Streaming habe ich gar keine Probleme. Ganz im Gegenteil, es ist schon angenehm, für 10€ im Monat eine nahezu unbegrenzte Musikauswahl zur Verfügung zu haben. Dadurch entdecke ich immer wieder „neue“ Künstler, von denen ich sonst sicher niemals erfahren hätte. Außerdem wäre es natürlich auch etwas zu teuer, wirklich ausnahmslos jede CD zu kaufen, die mir gefällt. Ich kann mich nur mit den reinen Downloads nicht anfreunden, zumal hier lange Zeit auch noch das Qualitätsproblem hinzukam. Da greife ich beim Kauf doch lieber zur CD, die gerade bei Neuerscheinungen kaum teurer ist, als der Download und zumindest abseits des „Mainstreams“ durchaus noch „sehenswert“ sein kann.

        Aber du hast natürlich recht, der Buchmarkt bietet insgesamt doch einiges mehr. Das ist wohl einer der großen Vorteile daran, wenn etwas nicht zu einem reinen Massengeschäft verkommt. Es wird einfach mehr Wert auf Dinge gelegt, die sich nicht bloß auf das schnelle Geld beschränken.

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  3. Also ich lese DIE ZEIT hin und wieder…und das sehr viel komfortabler auf dem KINDLE….man hat die lahmen Arme beim lesen des grossen Formates nicht 😉 und auch sonst finde ich es schön damit alles bei mir zu haben und wählen zu können wonach es mir gerade ist….samt Kapitelanzeige….springen zum nächsten Artikel….samt Zeitangabe wie lange ich für den Artikel noch brauche….das wird errechnet durch meine vorherige Lesegeschwindigkeit….haHAAAAA…..das mach mal nach mit physischen Büchern…. 😀

    Es hat Fremdwörternachschlagefunktion, abspeichern von einzelnen Artikeln, markern von interessanten Textstellen….eigentlich alles was der Mensch so braucht….na ja….die Haptic, das Rascheln, Geruch etc. nicht….aber das fehlt mir nicht….

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      1. Ja….ich seh schon….kleiner Nostalgiker 😉 aber es muss ja auch noch Leut geben die physische Bücher unterstützen….die gehören einem dann wenigstens ewig….auch wenn der Laden, wo man sie mal gekauft hat, schliesst 🙂 und Bücherregale können auch was wohnliches haben…wobei ich da eher an Niesattacken, abstauben etc. denke… :-p

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      2. Wie jetz? Für die Niesattacken auch??? In-teress-ant…..arme potenzielle oder vorhandene Partner….jetzt schon zum früher sterben verdammt….’s wird bööös enden….

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      3. Nö…..für Dich nicht…hehe….hach….dann werd ich auch Adliger….äh….e….so richtich mit ‚zig Klunker an der Fingern ( echt….ECHTE! ), Chanel Kleidern,….hättste noch ’n klitzkleines bißchen Platz in Deinem Schlößchen??? Ich koch auch….also….weise den Koch an wie er zu kochen hat ( aber ohne Hummus in Gemüsesuppen )….Du bist für die Backköchin zuständig 😀

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