Welch dankbares Thema für ein Blog, das in seinem zweiten Anlauf ein Buchblog war und derzeit auch immer wieder das Thema Buch aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln abhandelt – neben allem Anderen. Aber welch schweres Thema! Aber allemal besser als meine Bücher-Highlights des Jahres. Dazu wollte mir partout nichts einfallen.

Wer nur Literatur eines Genres liest, wird wenig Schwierigkeiten haben, seinen Lieblings-Autoren zu nennen. Ich kann auch wie aus der Pistole geschossen sagen, dass Stanislaw Lem mein Lieblings-Science-Fiction-Autor ist. Sobald man alles liest, was einem in die Finger kommt und feststellt, dass man vieles mit Genuss liest, wird es schwierig. Wie soll man Stanislaw Lem mit Arthur Schnitzler vergleichen? Immerhin sind beide tot, das macht die Sache ein wenig einfacher, aber Vergleichbarkeit besteht da nicht.

Es gibt im Club der toten Dichter die schöne Szene, in der Robin Williams als Mr. Keating Seiten aus den Lehrbüchern reißen lässt, weil der Lehrbuchautor Gedichte in einem Diagramm einordnen möchte, entlang der beiden Achsen Kunstfertigkeit und Bedeutung. Die Lektion ist: Bei Gedichten, ich möchte ergänzen: Literatur insgesamt, geht es nicht um Kunstfertigkeit und Bedeutung, es geht darum, dass sie einen berührt. Da lässt sich keine Rangfolge erstellen, da lassen sich auch nur sehr schwer allgemeingültige Aussagen treffen.

Macht aber nur das allein Literatur aus, dass sie berührt? Auch das wiederum scheint mir ein wenig zu kurz gegriffen zu sein, denn „Mieses Karma“ von David Safier mag ich zwar mehrfach unter herzhaftem Lachen gelesen haben, aber ich kann doch sagen, dass ich Bertolt Brechts „Leben des Galilei“ für wesentlich besser halte – auch wenn ich da höchstens einmal bitter aufgelacht habe.

Wie kommen wir an dieser Stelle weiter? Ich habe natürlich einen Lieblings-Autoren und es wird noch schlimmer: Er lebt sogar noch. Ihn mit toten Schriftstellern zu vergleichen wird dadurch noch schwieriger, weil ich mich nur auf den Status Quo berufen kann. Ich sehe keinen weiteren Ausweg als die schonungslose Wahrheit: Ich vergöttere John Irving. Seine Bücher sind abgefahren, skurril, lustig, traurig, sentimental, bestärkend, nachdenklich, voller Lebensfreude. Ja, sie enthalten immer das gleiche Mobiliar: Ringen, Bären, randständige Personen, starke Frauen, oft Europa, Huren und Sex. Aber: Jedes Buch von John Irving, egal wie dick, macht mich am Ende traurig. Auch wenn ich die etwas über 1100 Seiten von „Bis ich dich finde“ gelesen habe: Am Ende bin ich deprimiert, dass das Buch schon aus ist. Das galt für meinen ersten Irving, besagtes „Bis ich dich finde“ und gilt seitdem für jeden einzelnen Irving.

„Lasst die Bären los“, der abgefahrene Roadtrip und Irvings Debüt, gefiel mir beim ersten Lesen nicht einmal sonderlich gut – und DENNOCH war ich am Ende betrübt, dass der Roman aus ist. Wie bitte muss es um mein Verhältnis zu einem Schriftsteller bestellt sein, wenn ich das Buch noch einmal lesen musste, um es gut zu finden und trotzdem bereits beim ersten Lesen dieses „Irving-Gefühl“ hatte? Klarer Fall von Fanboy-Tum würde ich sagen. Und so ist es auch. Ich kann auf jeden einzelnen Roman von John Irving eine Lobeshymne anstimmen und freue mich schon auf „Avenue of Mysteries“.

Einen kleinen Tick habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben: Ich habe alle meine Irvings als Taschenbücher aus dem Diogenes-Verlag. Naja, fast. Ich hatte „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ zuerst als Bertelsmann-Clubausgabe und habe mir die Diogenes-Ausgabe dann nochmal zugelegt. Es ärgert mich ungemein, dass es „Garp und wie er die Welt sah“ zwar von Rowohlt als Taschenbuchausgaben gibt (Ich besitze die hässliche, die mit dem fliegenden Baby darauf), von Diogenes nur als Hardcover. Ich besitze die Rowohlt-Ausgabe ja ohnehin nur, weil dieses besagte Buch bis 2012 gar nicht bei Diogenes erschienen war. Ein übler Schandfleck in meinem Bücherregal, aber leider ein unvermeidlicher.

Mein Lieblings-Irving, Quelle

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3 Kommentare zu „Proust-Fragebogen: Ihr Lieblings-Autor?

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