Willkommen zu einer neuen Folge „Animationsfilme, die Zeilenende sich beim Thekendienst gekrallt hat“. In der heutigen Episode geht es wieder nach Norden, diesmal mit einigen Fabelwesen.

Quelle

Inhalt lt. amazon.de

Hicks, der kleine Wikinger lebt auf der Insel Berk, auf dieser wird tagein tagaus gegen Drachen gekämpft. Jedoch eines Tages kommt es dazu, dass er einem Drachen das Leben rettet. Die beiden freunden sich an, was Hicks Vater, das Stammesoberhaupt der Gemeinschaft, gar nicht erfreut. Sein Sohn verstößt damit gegen die Wikingerehre. Diese sieht ausschließlich das Bekämpfen von Drachen vor. Doch Hicks lässt sich davon nicht beirren und nimmt den Kampf gegen die Ausrottung der Drachen auf.

Story

Ich muss aufpassen, dass mir das hier nicht zu stereotyp gerät, denn Kinderfilme funktionieren zumeist nach einem ähnlichen Schema. Wie auch bei Merida haben wir einen typischen Eltern-Kind-Konflikt, diesmal zwischen Vater und Sohn. Hicks ist nicht das, was sein Vater von ihm erwartet, Hicks selbst will seinen Vater stolz machen und hadert mit seiner Andersartigkeit, bis er im großen Finale daraus Kapital schlägt. Erstaunlich dabei ist, was mir schon in anderen Zusammenhängen aufgefallen ist: Die Familien in Kinderfilmen sind fragmentierter: Merida hatte ein intaktes Heim, Hicks hat nur seinen Vater, befindet sich damit aber auch in guter Gesellschaft. Denkt an Nemo, der auch nur seinen Vater hat. Offenbar kommt die gesellschaftliche Realität auch im Animationsfilm an.

Die Moral der Geschichte ist so simpel wie erwartbar: Wir müssen lernen, miteinander auszukommen. Wenn wir als Menschen miteinander kooperieren statt zu konkurrieren, können wir die größten Schwierigkeiten überwinden. Und wenn wir andersartigen Wesen, in diesem Fall Drachen, tolerant gegenüber sind, wachen wir eines Tages in einem quietschbunten Disneyland auf. Wenn man so will, ist „Drachenzähmen leicht gemacht“ damit auch ein Kommentar auf die „Flüchtlingskrise“: Menschen kommen zu uns, werden als Bedrohung wahrgenommen und bekämpft. Aber nur, weil wir deren Motive nicht hinreichend verstehen. Statt zu versuchen, ihrem Verhalten auf den Grund zu gehen, diskutieren wir lieber über die Errichtung von Mauern – und sorgen bloß dafür, dass die Situation eskaliert.

Charaktere

Hicks ist ein bisschen so wie Wickie, nur in der Gesellschaft nicht ähnlich anerkannt. Er ist zu Beginn ein ewig nörgelnder Eigenbrötler. Erst die heimliche Freundschaft zu einem Drachen lässt ihn auftauen und so etwas wie Selbstbewusstsein entwickeln. Die Geschichte ist glaubhaft erzählt.

Die übrigen Charaktere verharren in der Klischeekiste: Die Wikinger, zumal die erwachsenen, werden mit einer gehörigen Portion Edle-Wilde-Romantik garniert präsentiert. Gehen sie auf eine Reise, potentiell ohne Wiederkehr, heißt es bloß: „Wir sind Wikinger, das gehört zum Berufsrisiko.“ Die wesentlichen Eigenschaften der Erwachsenen sind: Dicksein und Grobschlächtigkeit. Aber immerhin: Wenn sie auf dem Kriegspfad wandeln, haben sie Ersatzunterhosen dabei! Und es hat den bekannten Vorteil: Die Wikinger wirken nicht wie schlecht gemachte Menschen, sondern sind eindeutig Karikaturen.

Positiv stechen zwei Charaktere heraus: Fischbein und Ohnezahn. Fischbein ist einer der Teenager, die sich zum Drachentöter ausbilden lassen. Ein wenig tumb und plump wirkend, ist er ein genialer Kopf. Für ihn sind Drachen das, was für einen Pen-and-Paper-Rollenspieler Charakterbögen sind. Er kennt alle Drachen, ihre Stärken, Schwächen, besonderen Fähigkeiten, etc. Einen Nerd unter Wikingern sieht man nicht alle Tage.

Ohnezahn ist ohnehin der Hauptdarsteller des Films. Warum er so liebenswert ist? Ich sage nur: Grinsedrache, Schmolldrache, Malerdrache, Spieldrache, Schnurrender Drache.

Animationen

„Drachenzähmen leicht gemacht“ ist wie alle Animationsfilme darauf hin ausgelegt, ein Augenschmaus zu sein. Und damit hat Dreamworks nun hinreichend Erfahrung. Es sollte euch also nicht wundern, wenn mein Urteil eindeutig ist: Der Film ist ein Augenschmaus. Die Drachen sind durchaus furchteinflößend, zugleich aber niedlich, die Fluganimationen sind vorzüglich, Ohnezahns Kauleiste ist eine witzige Sache, die Endschlacht, der Boss-Kampf, wenn man sich in Fischbein hineinversetzt, ist episch und das Ende … Ich habe fast den Verdacht, dass Dreamworks sich da ein wenig vor dem großen Konkurrenten Pixar (Disney) verneigt, denn das sieht verdächtig nach einem Drachen-Disneyland aus.

Fazit

Nette Idee, kitschige, aber herzergreifende Moral, leicht unrealistische Story, wunderbare Animationen. „Drachenzähmen leicht gemacht“ ist nicht „Shreck“, aber dennoch ist er ein guter Film, der über die ganze Länge zu unterhalten weiß. Keine Szene wirkt deplaziert, im Gegenteil: An mancher Stelle hätte der Film vielleicht eine Länge gebrauchen können, die Action wirkt gelegentlich gehetzt. Positiv gewendet könnte man aber sagen: Ein rasanter Film. In jedem Fall einer, für den man gut und gerne 90 Minuten investieren kann.

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