Quizshows

Ich komme viel zu selten zum Fernsehen. Nach der Arbeit will gekocht werden und dann muss ich schauen, was ihr so treibt. Da kann ich nicht nebenbei fernsehen, wenn ich nicht zurückspulen kann. Außerdem habe ich fast immer auch noch einen spannenden Podcast in der App. Was mich dennoch vor den Fernseher zieht, ist eine Quizshow.


Ich bin ein Quizjunkie. Ich spiele Quizduell gegen die gesamte Familie, außerdem Bekannte und Kolleginnen. Mein liebstes Brettspiel nach Scrabble ist Trivial Pursuit, dann kommt Besserwizzer. Erfreulicherweise gewinne ich zumeist. Mutter Zeilenende meint, ich solle mich einmal bei WWM bewerben, um die Million abzuräumen.

 

geld
Money makes the world go around – aber taugt nicht als Motivation – Quelle

Ich habe mich noch nie bei einer Quizshow beworben, weil ich keine Lust darauf habe. Der spielerische Reiz geht mir verloren, wenn es um Geld geht. Ich pokere auch nicht um Geld, Wetten finde ich reizlos, an Tippspielen beteilige ich mich nur aus Spaß. Mein Antrieb beim Spiel ist durchaus zu gewinnen. Früher konnte mir ein verlorenes Spiel die Laune verhageln. Mittlerweile habe ich gelernt, damit umzugehen. Sehr hilfreich war ein Praktikum im Kindergarten, dort habe ich gelernt, das Spielen als Wert zu begreifen.
Spielen ist super. Vor dem TV zu sitzen und mitzuraten, macht Laune. Aber auf dem Stuhl zu sitzen bedeutet, nicht mehr unbefangen aufspielen zu können, denn Ziel von Quizshows ist nicht zuvspielen, sondern Geld zu gewinnen. Und der schnöde Mammon ist für mich nur in begrenztem Maße Antrieb. Er ist nicht stark genug, um mich auf den Stuhl zu locken. Ich wage zu behaupten, ich könnte es bei Wer wird Millionär in den dreistelligen Bereich schaffen. Ich hätte keine Lust dazu. Meine größte Angst ist, dass mich irgendwann ein Familienmitglied für ein Überraschungs-Spezial anmeldet und mir das Quizzen verleidet.
Was ich mich allerdings frage: Es gibt gefühlt 3.239.531,957 Quizshows im deutschen Fernsehen. Ich habe weder das Gefühl, dass sich die Fragen wiederholen, noch dass sie langsam aber sicher immer exotischeres Spezialwissen aus Quantenphysik, Spinozismus oder Petzi-Forschung abfragen. Also, wie machen die das? Wer findet all diese einfachen Fragen? Und wer schreibt die doofen Fragen für den Einstieg? Bezahlen die Redaktionen dafür echt Geld? Kann man sich da irgendwo bewerben? Welche Qualifikationen braucht man dafür? Und: Wer außer mir (und Martin Sonneborn) hat Spaß daran, den ganzen Tag über Blödsinn zu Papier zu bringen? Den Menschen würde ich unheimlich gern mal kennenlernen. Vielleicht kann ich noch was lernen … Oder finde jemand neuen, mit dem ich spielen kann.

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7 Kommentare zu „Quizshows

  1. Ohhhhhh. Ich hasse Quizshows, gerade weil hier meist Faktenwissen mit Bildung oder gar Intelligenz verwechselt wird. Wie oft spricht „der Stammtisch“ von einem intelligenten Menschen, nur weil der zufällig einige Fragen völlig absurder Art korrekt beantworten (oder durch Zufallsglück erraten) konnte… Mich lockt das nicht. Wenn ich mich herausfordern möchte, spiele ich auf dem iPad Sudoku. Das ist manchmal ganz einfach, da flutscht so ein Spiel in drei Minuten durch, hin und wieder sitze ich aber auch über eine Stunde daran (meist verteilt auf mehrere Tage), weil die Hinweise so kärglich gesät sind.

    Dennoch: Ich verspreche hoch und heilig, dich niemals bei einer Quizshow anzumelden. Das Geld würde ich dir zwar sehr gönnen, den Spaß möchte ich dir aber auf keinen Fall verderben.

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    1. Eine gewisse Art von Wissen gehört für mich in der Tat zur Bildung dazu. Um eine Anspielung in einem Text zu verstehen, muss man das Original kennen, es einordnen können, bestenfalls den gesamten Text gelesen haben. In dem Sinne ist Wissen als kulturelles Kapital Teil des Habitus, weil es mir ermöglicht, an einer gewissen Art von Kommunikation teilzunehmen und damit zu einer Gesellschaftsgruppe zuzugehören. So wie dieser Kommentar nach intensiver Bourdieu-Lektüre wahrscheinlich einfacher zu verstehen ist, weil man sich nicht überlegen muss, was zum Henker ich mit kulturellem Kapital und Habitus nun genau meine.
      Kreuzworträtsel, Quizzes und co. sind damit auch was anderes als Denksport. Selbst die „Um die Ecke gedacht“-Rätsel sind assoziatives Kulturtraining. Letztlich kanonisieren gerade die populären Quizshows damit übrigens das, was gesellschaftsrelevantes Wissen ist. Ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt, aus gesellschaftsphilosophischer Perspektive ist das spannend … Aber nicht der Grund, warum ich es so mag, fiel mir nur gerade ein.
      Sudokus machen mich übrigens wahnsinnig. Ich bin dafür zu verbohrt, ich will es komplett lösen und sitze schon einmal zwei Stunden am Stück an einem Rätsel, komme aber nicht weiter, werde müde und baue dann einen Fehler ein … Findeden Fehler aber nicht und werfe das Sudoku entnervt in den Müll. ^^

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      1. Klar, ohne ein gutes Grundwissen geht man halb blind durch die Gesellschaft. Aber jemanden für besonders intelligent zu halten, weil er viele aus dem Kontext gelöste Einzelfakten herunterbeten kann, erscheint mir geradezu frivol.

        Die Sudoku-App ist herrlich. Basta. Aber diese verbohrte Suche nach der korrekten Lösung ist mir nicht fremd. Die uralte iPod Classic-Version von Sudoku war ab einem gewissen Level derart schwer (und ich habe die immer im Bett gemacht, wenn ich ohnehin fürchterlich müde war), dass dauerhafter Frust vorprogrammiert war. Am iPad ist es zum Glück etwas ausgewogener. Sonst wäre die App schon lange gelöscht… 🤔😇

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      2. Ich halte ja dasgesamte Konzept „Intelligenz“ für zumindest fragwürdig, aber ja, frivol ist es wohl… Ha, das hat sich gereimt. Und was sich reimt, ist – wie ein großer deutscher Philosoph sagte – Ist immer gut. 🙂

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