Ich muss einmal mehr meine Schwesternhaube stärken, denn wir haben ein paar ganz schlimme Fälle von Krankheit. Dann mutiert Zeilenende immer zu Schwester Zeilenende, der Besen mit den Gesundheitsvorschlägen und dem Kommandoton. Und das, obwohl meine eigene Erkältung auch nicht abklingen will.

Kennt ihr „Männerschnupfen“? Das ist dieses Klischee vom Mann, der sich dem Tod nahe wähnt, sobald er zu Niesen beginnt. Dann benötigt er ein gerüttelt Maß an Zuwendung und am Liebsten eine ganze Batterie an unterschiedlichen Medikamenten, womöglich einen Krankenhausaufenthalt und mit Sicherheit mehrere Wochen Krankschreibung zwecks Rekonvaleszenz.

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Manchmal habe ich das Gefühl, er lauert auch vor unserem Fenster.

Da in unserem Haushalt Mutter Zeilenende die Hosen anhat, sind die Rollen hier anders verteilt. Herr Zeilenende Sr. geht auch mit 45° Fieber oder Beulenpest in die Schule, weil er es nicht verantworten kann, wenn ihn eine*r der überarbeiteten Kolleg*innen vertreten müsste. Ich fürchte zwar, dass er im Unterricht einschläft und seine Schüler*innen von einer Vertretungsstunde weitaus mehr profitieren würden, aber ein aufrechter deutscher Beamter kann von seiner Verpflichtung dem Vaterland gegenüber nicht lassen. Vollblutpädagogen, wie alle Menschen, die „mit ganzem Herzen“ einem sozialen Beruf nachgehen, sind sogar noch ein wenig schlimmer. Sie glauben, sie täten mit ihrer Selbstaufopferung Gutes. In Wahrheit infizieren sie lediglich das halbe Lehrerzimmer und ein Viertel der Schülerschaft mit ihren Bazillen.

Herbstzeit ist Erkältungszeit, dachte sich jedenfalls Mutter Zeilenende. Und weil der Bänderriss von Bruderherz ganz gut verheilt, beschloss sie, krank zu werden. Liebe Kinder, an dieser Stelle zwei Warnungen:

  1. Fußball ist ein gefährlicher Sport, lasst die Füße davon und versucht es mit Hallen-Halma.
  2. Eine Frau mit Männerschnupfen ist noch sehr viel schlimmer als ein Mann mit Männerschnupfen.

So sitzt eine wehleidige Mutter Zeilenende den lieben langen Tag auf dem Sofa, jammert bei jeder Bewegung, verwendet ihre gesamte Energie, die dem Heilungsprozess zufließen sollte, in Beschwerden. Es geht ihr nicht so schlecht, dass sie ihren Haushalt nicht führen könnte, den verteidigt sie nach wie vor mit Klauen und Zähnen gegen jede meiner Interventionen. Es geht ihr sogar ziemlich gut, denn ihr Lamento über die Bügelwäsche dauert derzeit doppelt so lang wie üblich. Sie muss sich ja nicht allein über die Menge, sondern zusätzlich über ihren desolaten Zustand beim Bügeln beschweren.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Mutter Zeilenende sich wohl fühlt in ihrer Jammer-Rolle, sie verschleppt ihre Erkältung bewusst. Sie behauptet zwar, irgendwelche Hustensäftchen zu schlucken und sich zu schonen, ich erwische sie aber immer wieder dabei, wie sie verstohlen den Wischmopp schwingt oder auf die abstruse Idee kommt, ausgerechnet in ihrem Zustand heimlich Fenster zu putzen. Dabei ist das nächste Woche ohnehin fällig, wenn die Weihnachtsdekoration gemacht wird.

Ausbaden dürfen das Bruderherz und ich. Wir haben die verfügbare Fernsehzeit aufgeteilt und festgelegt, wer zu welchen Zeitpunkten seine jeweilige Serie (er Bones, ich Eureka und Suits) schauen darf. Nun will Mutter Zeilenende aber immer mitschauen, weil sie die Serien ebenfalls verfolgt. Familienaktivitäten in allen Ehren, aber sie hustet doch absichtlich, wenn es gerade spannend wird! Und beschwert sich dann, dass sie nichts mitbekommt und dass sie überhaupt nachts nicht ruhig schlafen könne und immer so müde sei … Und wehe man erinnere sie an ihre Putzanfälle.

Damit ist jetzt Schluss. Es gibt ein sehr zuverlässiges Mittel gegen „Mütterschnupfen“. Phase 1 ist angelaufen. Ich hatte die Einkäufe schon erledigt, bevor sie das Bett verlassen hatte und ihr damit einen Teil des Haushalts abgenommen, ohne zu fragen. Bevor sie sich beschweren konnte, habe ich ihr eine Mandarine in die Hand gedrückt, mit der Aufforderung sie zu verspeisen. Dazu gab es eine Tasse Salbei-Honig-Vitamin-C-Heißgetränk, getreu dem Motto: Wenn die Kur schlimmer ist als die Erkrankung, überlegt der Körper es sich von allein, rasch wieder zu gesunden. Dann habe ich sie auf die Couch bugsiert, gefesselt und ihr angedroht, wenn sie jetzt kein Nickerchen halte, würde ich ihr ein Schlaflied singen.

Mal sehen, ob ich irgendwo noch Bügelwäsche finde, mein Häubchen müsste eh nachgestärkt werden. Und wenn sich ihr Zustand in drei Tagen nicht gebessert hat, fülle ich sie mit Fenchelhonig und Pfefferminztee ab, beides findet sie nämlich noch widerwärtiger als Salbei und Mandarinen.

15 Kommentare zu „Schwester Zeilenende bitte in Zimmer 203!

  1. Und falls es immer noch nicht reicht, weil die Krankheit soooo lange dauert, gebe ich dir mein Schwesternhäubchen von damals auch gerne noch.

    Du bist aber ein lieber Sohn, der sich so toll um die kranke Mutter kümmert 🙂

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  2. Na da hat das Marinsche ( als ehemalige Altenpflegerin ) ja grad noch gefehlt. Ohne Häubchen, aber dafür mit Thymianpunsch im Gepäck: frisch gepressten Orangensaft mit Honig verrühren und mit heissem Thymiantee auffüllen. Oder mein super-duper-wenn-der-nicht-hilft-dann-weiss-ich-auch-nich Orangen-Honig-Ingwer Drink….selbstverständlich in einem Glas mit Zuckerrand serviert 🙂

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    1. Ich habe da ja ein buntes Trüppchen versammelt. Thymian wirkt nicht mehr, der gehört zu Mutter Zeilenendes Standard-Repertoire an Behandlungsmethoden. Den Ingwer habe ich aber im Hinterkopf. Damit kann ich auch gut drohen, den mag sie auch nicht. ^^

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  3. Nur immer weiter so. Aber wenn ich das nächste Mal an einem gediegenen Männerschnupfen leide (ich bin dann immer EXTREM wehleidig), werde ich mich garantiert NICHT an Zeilenende wenden. So einen Kommandoton könnte ich dann schlicht gar nicht ertragen. 😉

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    1. Ich stehe dann spontan vor der Tür. „Ding Dong, ich habe gehört, hier ist ein eingebildeter Kranker? Ich habe meine Wanne für Wechselbäder, Quarkwickel und 1000jährige Eier für einen schnellen Heilungsverlauf mitgebracht.“

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  4. Das ist ja wohl das geilste Foto, das ich seit langem gesehen habe – der Schnitter am OG-Fenster….. 🙂 Du scheinst aber ein recht radikaler Geselle zu sein – wenn Du Deiner Mum allen Ernstes Schlaflieder androhst. Ansonsten – Daumen hoch für Dein Engagement!

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