Arbeitszeugnis

Ich habe heute zum ersten Mal in meinem Leben ein Arbeitszeugnis in Händen gehalten und hätte heulen können.

Oha, Zeilenende zeigt Emotionen, schnell weglaufen! Ich wäre aber nicht ich, wenn ich das nicht spontan reflektieren und rationalisieren würde. Also seid ganz beruhigt, ich werde meine Befindlichkeit analysieren und nicht weiterheulen. Dafür müsste ich auf Emojis setzen und die will ich doch vermeiden. Der Beitrag hätte auch „Was ein Beschäftigungsende bedeutet“ heißen können. Ich werde zum Jahresende keinen neuen Vertrag bekommen und sehe mich derzeit nach einer  Anschlussverwendung um, aber das habe ich ja schon erwähnt. Die ersten Bewerbungen sind geschrieben, allesamt Traumjobs, auf die ich richtig Lust habe. Das ist das Schöne. Aber dieses Arbeitszeugnis hat es mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, was ich vermissen werde.
Es ist ein gutes Arbeitszeugnis, das macht das Zeugnis noch schlimmer, denn es drückt aus, dass man meine Arbeit geschätzt hat. Ich habe tolle Kolleginnen, die ich zurücklassen werde, eine großartige Chefin und ein angenehmes Umfeld. Mein Job hat mir viel Spaß gemacht, die anderen Umstände haben mich zusätzlich motiviert. Und damit wird jetzt Schluss sein. Kein Geld da.
Ich kann niemandem die Schuld geben. Das ist unheimlich frustrierend. Der Job ist toll, das Umfeld klasse, die Ergebnisse super. Meine Chefin ist traurig, mich gehen lassen zu müssen. Meine Kolleginnen waren zum Teil schockiert, als ich damit herausgerückt habe, dass ich auf Jobsuche bin und mich bewerbe. Dass ich ortsunabhängig suche, solange mich die Stelle anspricht und ich mir vorstellen kann, dorthin zu ziehen, wo ich arbeiten möchte.
Kurz und gut: Das Stück Papier ist ein Zeichen für das Ende. Und deshalb ärgert es mich. Es lastet auf meiner Seele. Nachdem ich es eingescannt hatte, ist das Original sofort abgeheftet und der Ordner in die zweite Reihe verbannt worden. Nur für den Fall, dass es sich heimlich herauszuschleichen versucht und mir an unerwarteter Stelle aufzulauern trachtet.

10 Kommentare zu „Arbeitszeugnis

  1. Es hätte mich jetzt auch sehr gewundert, wenn Du auf Grund der Bewertung Deiner Leistung im Zeugnis hättest heulen müssen. (Die Vorschau zum Beitrag hätte einen noch neueren Leser in diese Richtung fehlleiten können. Moment…. Das war doch nicht etwa eine geschickte Marketingakition? ;)) Ich wünsche Dir alles Gute bei der Neujobsuche. Sei einfach dankbar für die Zeit und besuch die Kollegen hin und wieder, wenn Dein neuer Traumjob es erlaubt. Ich bin gespannt wohin es Dich verschlägt.

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    1. Ich gestehe, ich mache mir Gedanken über die Sätze in der Beitragsvorschau und in dem Fall war es mit dem Spiel der Erwartungen. *g* Ich danke dir für deine netten Worte. Die ein oder andere Absage habe ich schon bekommen, aber ich drohe optimistisch zu werden.

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    1. Ich könnte einen Band mit Erzählungen herausgeben, Titel: Die vielen Typen des Zeilenende. So eine Bewerbungsphase ist echt hilfreich, um zu sehen, was man im Leben eigentlich schon alles gemacht hat. Aber das Schreiben stockt. Dadurch, dass ich ja noch berufstätig bin, bindet die Stellensuche – ich mache mir bei jeder Anzeige ja zahlreiche Gedanken und recherchiere ein wenig – leider aber die notwendige Muße. Dabei hätte ich lustigerweise die ein oder andere Idee.

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  2. Menno, da habe ich mir doch am Beginn Deiner Zeilen schon Sorgen um Dich gemacht, dass Du Dir ein Bein ausreißt und am Ende noch ein schlechtes Zeugnis bekommst. Wenigstens tröstete mich dann Dein wohl doch zum Weinen gutes Arbeitszeugnis. Alles andere ist allerdings auch nicht das, was man schön nennt. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du Deinen Traumjob findest und eine Deiner Bewerbungen Erfolg hat.
    Liebe Grüße und alles Gute für die Jobsuche wünscht Dir die Silberdistel

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  3. in Punkto Spannungsaufbau brauchst Du keine Marketingstrategien mehr 😉 jetzt kann ich mich wieder entspannt zurück lehnen und Dir viel Glück bei der Jobsuche wünschen! Life ain’t easy !

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