Ich mag Behörden eigentlich ganz gern. Wenn man so will, arbeite ich derzeit auch für eine. Und mit Akten kann man mich durchaus glücklich machen. Was ich nicht mag: Wenn die Behörde spontan wird und wenn ihre Anfahrts-Skizze nichts taugt.

Alles fing damit an, dass ich auf einen für mich wichtigen Termin wartete … und wartete … und wartete … Ich hatte schon fast vergessen, dass ich auf diesen Termin wartete. Dann kam doch die Einladung. An einem Donnerstag Nachmittag war sie in der Post, der Termin für Freitag Vormittag angesetzt.

So weit, so gut. Ich hatte glücklicherweise am Freitag frei. Der Tag war zwar verplant mit Vorbereitungen für die Geburtstagsfeierlichkeiten von Herrn Zeilenende Sr., aber ich bin ja flexibel. Ich frage mich nur, was geschehen wäre, wenn ich meinem Arbeitgeber hätte erklären dürfen: „Übrigens, morgen komme ich nicht zur Arbeit, ich muss zu einem Termin.“ Das Verhalten grenzt hart an Unverschämtheit. Meine Chefin hätte wahrscheinlich gesagt: „Herr Zeilenende, fahren Sie hin, ich komme mit und werde denen mal erzählen, was sich gehört und was nicht.“ Das hätte ich ja zu gern erlebt, aber leider hatte ich ja frei.

Der Termin lief so semi-gut, dazu sage ich mehr, wenn ich die Resultate schwarz auf weiß vor mir liegen habe. Semi-gut lief er vor Allem, weil mit dem Termin sich heftige Erkältungssymptome Bahn brachen. Abends war ich ein rotzendes Häuflein Elend, die Nacht war nicht erholsam und am nächsten Morgen kam noch eine Nackenstarre hinzu. Ideale Voraussetzungen, gell? Ich hatte so richtig Spaß.

Das eigentliche Abenteuer war allerdings die Anreise. Nach Bonn sollte es gehen. So weit, so gut. In Bonn kenne ich mich zu meiner Schande nicht sonderlich gut aus. Ich blickte auf die Anfahrts-Skizze und verstand noch nicht einmal Bahnhof. Das lag nicht nur daran, dass auf dem Plan keinerlei Haltestellen für Öffentliche Verkehrsmittel eingezeichnet waren. Es kommt noch besser: Der für die Orientierung in Bonn nicht unwichtige Bertha-von-Suttner-Platz war auf der Karte zwar eingezeichnet, aber das sah ich erst nach einer Google-Recherche. Jede einzelne kleine Gasse war auf dem Plan bezeichnet, nur der BvS-Platz nicht.

Ich machte mir handschriftliche Notizen, wie ich mein Ziel finden konnte und machte mich am Morgen auf. Für den Termin um 11 musste ich um 09:30 einen Zug erwischen, damit konnte ich ja noch leben, auch wenn ich immer noch ein rotzendes Häuflein Elend war. In öffentlichen Verkehrsmitteln ist das manchmal aber auch ein Vorteil: Man hat die Sitzbank für sich allein. So konnte ich meine Reise ohne allzu kuscheligen Körperkontakt hinter mich bringen.

An meiner Zielhaltestelle angekommen, stand ich dann dumm da. Ich blickte vor, ich blickte zurück, fand schließlich die Straße und blickte auf den Plan. Da war etwas eingezeichnet, aber der Pfeil, auf den das Gebäude wies, waren die Stadtwerke Bonn. Da wollte ich gar nicht hin. Ich lief auf und ab, vor und zurück, von rechts nach links und fragte mich, wann die Hausnummern aus dem Straßenbild deutscher Städte verschwunden waren. Wollen die Leute nicht mehr gefunden werden, dass sie auf diese hilfreiche Orientierungsmöglichkeit verzichten? Ich witterte dahinter schon einen bösartigen Plan, mich absichtlich zu spät kommen zu lassen.

Was also tun? Ich ging davon aus, dass mir unbeteiligte Passant*innen mir nicht weiter helfen könnten. Google Maps half mir auch nicht weiter, konnte mit der Hausnummer nämlich nichts anfangen. Ich lief weiter auf und ab, vor und zurück, von rechts nach links und wurde immer nervöser. Ich fühlte mich wie Odysseus. Der hat sich im Mittelmeer ja auch so gründlich verfahren, dass ihm ein ganzes dickes Buch gewidmet wurde. Ich sah mich schon zur Romanfigur verkommen. Das war keine schöne Vorstellung, denn bei meinem Glück würde ich als Fortsetzungsroman in der BILD-Zeitung veröffentlicht werden und nicht als schicke Graphic Novel bei Cross Cult oder Carlsen oder gar als edel aufgemachte Schmuckausgabe der Büchergilde.

Wie löse ich die Geschichte nun auf? Ich brauche eine Pointe. Aber die Pointe kommt erst nachdem ich die Behörde gefunden hatte. Ich fühlte mich schon wie K. in einer Kafka-Geschichte. Die Tränen in meinen Augen unterstrichen meine Verzweiflung, auch wenn sie lediglich von der Erkältung her rührten. Diese Behörde gab es wahrscheinlich gar nicht, das war nur ein schlechter Scherz. In meiner Verzweiflung betrat ich das Gebäude der Techniker Krankenkasse und fragte nach ihren möglichen Nachbarn. Die freundliche Dame wies mir den Weg, ich dankte und fand mein Ziel.

Und wo ist die Pointe? Die liegt darin, dass die genannte Behörde bis vor einiger Zeit repräsentativ über der Geschäftsstelle der TK residiert hatte. Man hat die Büroräume dann gegen die neuen eingetauscht. Ich vermute, man hat sich dazu entschieden, weil das erstere Gebäude nicht zu übersehen und deshalb gut zu finden ist. Das geht nicht. Eine gute Behörde arbeitet im Verborgenen.

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Leckeres selbstgebackenes Brot

Und weil das nicht lustig ist, gibt es ein Brotbild … Aber mein Hirn ist so voller Rotz, dass ich mich nicht mehr erinnern kann, was er für Brote sind … Traurig aber wahr.

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9 Kommentare zu „Über Behörden

  1. Und ich dachte schon besorgt, dass Zeilenende etwas irgendwie zwangahftes im Umgang mit Brot hätte: Exakt gleich gebackene Brotlaibe, exakt gleich ins rechte Licht gerückt…. Jetzt weiß ich nein, dieses Bild habe ich schon gesehen 😀
    Meiner mittlerweile langjährigen Behördenerfahrung nach ist dein Erlebnis ein Klassiker. Das Positive daran, man weiß sofort, wie es in der Behörde tickt und welchen Stellenwert man zugeschrieben bekommt. Es wird also nicht an Dir oder Deiner Erkältung gelegen haben, wenn das Ergebnis dieses Termins anders ausfalen wird, als von dir angestrebt.

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    1. Echt, habe ich das falsche Bild verlinkt? Meine Brote sehen sich ähnlich und werden meist kurz vorm Scheibenschnitt geknippst, deshalb sehen auch die Bilder gleich aus. Aber von letzter Woche fehlte doch noch eins, oder?

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    2. Ich habe gerade nochmal nachgeschaut, unter dem Bild steht nur ein Artikel, das auf dieses Brot verweist. Das Bild ist zugegebenermaßen von letzter Woche, aber auch nur, weil ich dieses Wochenende zum ersten Mal seit Laaangem nicht zum Backen gekommen bin. *immernoch noch verwürrter als sonst ist*

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