Der heutige Beitrag ist nicht nur, aber besonders den Mangoldfreunden gewidmet. Heute zeige ich euch, was man mit Monster-Zucchini anstellen kann.

Zucchini ist ein Gemüse, das ich jahrelang nur eingemacht kannte. Schuld daran ist Oma Zeilenende. Keine Sorge, ich führe kein neues Personal ein, denn Oma Zeilenende baut leider nur noch Radieschen an. Aber Oma Zeilenende ist so etwas wie mein Vorbild, weil Oma Zeilenende gekocht und gebacken, gegärtnert und eingemacht hat wie eine Wilde. Es gibt eigentlich nur vier Unterschiede zwischen Oma Zeilenende und mir:

  1. Oma Zeilenende ist meine Großmutter mütterlicherseits und wir tragen dementsprechend unterschiedliche Nachnamen.
  2. Oma Zeilenende hat bei der Arbeit immer zu singen begonnen, während ich lieber fluche (obwohl ich manches Schimpfwort von Oma Zeilenende gelernt habe).
  3. Ich sehe aus wie eine Kopie von Opa Zeilenende, von Oma Zeilenende habe ich äußerlich nichts abbekommen.
  4. Oma Zeilenende konnte einen herrlichen Frankfurter Kranz backen, an den meiner nicht heranreicht.

Ansonsten unterscheiden wir uns gar nicht. Als Oma Zeilenendes Haushalt aufgelöst wurde, fielen ihre gesammelten Kochbücher und Rezepte mir zu. In dem Konvolut handbeschriebener Notizzettel fand sich auch ihr Rezept für süßsaure Zucchini. Oma Zeilenende hat sie jedes Jahr eingemacht und die gesamte Familie damit versorgt. Sie hatte dennoch immer so viel davon, dass sie in jedem Eintopf ein Glas eingemachte Zucchini verarbeitet hat.

Zucchini süßsauer einzumachen ist eigentlich recht simpel, ihr benötigt dafür nur ein wenig Geduld. Ich weiß nicht, ob es auch schneller geht, ich weiß nur, dass der Geschmack des mehrfach aufgekochten Suds formidabel ist. Selbst Schüssel mag meine Zucchini, auch wenn sie dafür tagelang unter penetrantem Geruch leiden muss.

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Ihr braucht: 1,5kg Zucchini, 1 Zwiebel, 50g Salz, 300ml Weißweinessig, 300ml Wasser, 250g Zucker, 2-3 Esslöffel Currypulver, ein Messer oder Gemüsehobel, ein Schneidebrett, eine Schüssel, Frischhalte-Folie, ein Sieb, einen Kochtopf, eine Kelle, Einmachgläser.

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Schneidet die Zucchini in ca. 3mm dicke Scheiben und die Zwiebel in Ringe.

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Vermischt die Zucchini- und Zwiebelscheiben mit 50g Salz …

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… und stellt das Ganze über Nacht abgedeckt in den Kühlschrank.

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Gießt am nächsten Tag das Wasser in der Schüssel ab, spült euer Gemüse gut durch und lasst es gut abtropfen. Wenn es merkwürdig riecht, ist das nicht schlimm. Das kommt in den besten Haushalten und Familien vor.

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Kocht 300ml Weißweinessig, 300ml Wasser, 250g Zucker und das Currypulver auf. Das sieht zugegebenermaßen nicht sehr appetitlich aus und riecht so, wie es aussieht. Aber mit süßsauren Zucchini ist das wie mit Gesetzen: Man will nicht wissen, wie sie gemacht werden. Es sei denn man ist so masochistisch veranlagt wie Zeilenende.

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Gebt die Zucchini zurück in Schüssel und gießt den heißen Sud darüber. Nachdem es ausgekühlt ist …

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… kommt Schüssel mit Inhalt wieder über Nacht in den Kühlschrank.

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Gießt am nächsten Tag den Sud in den Topf ab. Kocht den Sud noch einmal auf. Das Sieb könnt ihr beim Kochen natürlich abnehmen. Aber weil ihr kluk klug seid, habt ihr euch das sicherlich schon gedacht.

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Wenn ihr euch traut und genau hinriecht, werdet ihr feststellen, dass der Geruch im Unterschied zur Optik schon besser geworden ist. Aber wir sind noch nicht am Ziel.

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Wieder muss Schüssel mit dem kostbaren Gut über Nacht in den Kühlschrank. Ganz wichtig dabei: Das Gut muss nicht nur unter einer Weinflasche gelagert werden, ihr müsst auch photographisch dokumentieren, dass es eurer eigen Hände Arbeit ist, das dort im Kühlschrank, nunja, riecht.

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Endlich ist es geschafft, der finale Tag kommt. Spült eure Einmachgläser ordentlich durch. Ihr wisst ja, Hygiene ist das A und O.

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Ich höre ein Cleverle schon enttäuscht aufstöhnen. Ihr wolltet die Zucchini wieder abgießen, gell? Weit gefehlt. Heute wandern die Zucchini mit dem Sud zusammen in den Topf. Einmal aufkochen und zwei Minuten köcheln lassen. Dabei könnt ihr coole Lichteffekte an eurem Topf erzeugen, wenn euch zu langweilig werden sollte.

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Nun geschwind die heißen Zucchini ins Glas füllen, möglichst bis zum Rand und so, dass die Zucchini komplett mit dem Sud bedeckt sind. Wenn ihr euch fragt, wo das Seidelglas vom vorletzten Bild ist … Das hat zu viele Fragen gestellt und schwimmt jetzt mit den Fischen. Man sollte nicht glauben, dass man solch ein Glas durch den Abfluss bekommt. Aber für Zeilenende gilt das Gleiche wie für die Affen aus der Toyota-Werbung: Nichts ist unmöglich.

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Zum Schluss kommt das Ganze in den Keller. Süßsauer eingelegte Zucchini eignen sich vorzüglich als Tapas, ich gebe sie aber auch gern in den Nudelsalat. Sie fühlen sich dennoch am wohlsten, wenn sie sich das Regalbrett mit Oliven, Peperoni und Konsorten teilen dürfen. Zur Haltbarkeit: Sechs Monate sollten mindestens drin sein, ich habe das letzte Glas nach 12 Monaten angebrochen und es war auch noch wunderbar. Es gilt wie immer bei Eingemachtem: Vertraut auf eure Augen, Nasen und Zungen.

Zwei Varianten, die ich selbst noch nicht ausprobiert habe, aber die Oma Zeilenende kryptisch wie folgt beschrieb, möchte ich euch zum Schluss noch mitgeben:

„a 3 Pfund [ich habe verdammt lang gebraucht, um herauszufinden, wofür das Zeichen steht] 1 kl. D. Annanas [sic!]“

„Zuc. schä, 1/4, -Kerne, finger-dick“

Meiner Erinnerung nach ebenfalls sehr wohlschmeckend. Sie hat die beiden Varianten soweit ich weiß meistens kombiniert, d. h. für die oben angegebenen 1,5kg Zucchini eine kleine Dose Ananas-Stücke mitverarbeitet, die Zucchini dabei geschält, geviertelt, entkernt und in fingerdicke Stücke geschnitten.

Und nun wünsche ich euch guten Appetit!

11 Kommentare zu „Einmach-Erinnerungen süßsauer

    1. Könnte ich mir auch sehr gut vorstellen. Es schmeckt am Ende nicht mehr sehr nach Zucchini, sondern mehr nach dem Sud. Die Gurken würde ich allerdings entkernen, sonst wirds wohl zu flüssig.

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  1. Hey: Danke für diesen schönen Post! Wir werden es nächstes Jahr mal ausprobieren und sind schon gespannt (vielleicht nicht ganz so auf den Geruch 😉 und möglicherweise ein paar Sachen weglassen (ein Glas den Abfluss runterspülen ist nicht zwingend für den Erfolg erforderlich, oder?) aber beim Wiederlesen des Rezeptes genau so viel Kichern wie beim ersten Mal .. 🙂 liebe Grüße von den Mangoldfreunden

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    1. Danke für das Lob und viel Spaß beim Nachmachen. Das mit dem Abfluss kommt drauf an … Wenn er gereinigt ist, kann man einen Bunsenbrenner drunter stellen und das Glas ganz gut im Siphon auskochen 😉

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