Ich habe schon zugegeben, dass ich Asterix zu den Helden meiner Kindheit zähle. Schon als Wortende habe ich mich dabei nicht auf die Hefte beschränkt, sondern war auch ein großer Fan der Filme. Wohlgemerkt: Der Zeichentrickfilme. Die Realverfilmungen hingegen haben mich nie überzeugt. Deshalb war ich hocherfreut, als mir der neueste Asterixfilm in die Finger fiel, die animierte Fassung.

Inhalt lt. amazon.de

Wir schreiben das Jahr 50 vor Christus: Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Julius Cäsar kocht vor Wut, aber er hat einen Plan: Römische Lebensart statt pure Gewalt soll den Willen der unnachgiebigen Gallier brechen. Der Kaiser lässt neben dem Dorf eine beeindruckende Luxuswohnanlage für reiche, vergnügungssüchtige Römer bauen: Das Land der Götter. Können unsere gallischen Freunde der Gewinnsucht und dem römischen Wohlstand widerstehen? Wird Ihr Dorf als Erholungsort für Römer ausgebeutet? Doch Asterix und Obelix werden auch diesmal alles tun, um Cäsars Pläne zu durchkreuzen!

Optik

Die Tage des Zeichentricks sind gezählt, da gebe ich mich keinen Illusionen hin. Zumindest die Tage des westlichen Zeichentrickfilms. Das ist aber auch nicht schlimm, denn es gibt zahlreiche gut gemachte Animationsfilme. Für mich ergibt sich nur ein Problem: Ich kenne Asterix als Zeichentrickfigur. Ein Problem, das ich mit den Realverfilmungen habe ist, dass die Optik so gar nicht meinen Erwartungen entspricht. Gleiches gilt für die animierte Fassung: Die Gallier und Römer sehen aus wie Knetgummi-Figuren, nicht wie „mein“ Asterix.

Wer ähnliche Probleme hat, sollte die Optik aber auf sich wirken lassen. Im Unterschied zu den Realverfilmungen löst sich die Dissonanz auf. Die knubbelnasigen Gallier sind gewöhnungsbedürftig, aber sie werden spätestens zur Hälfte des Films sympathisch, rund und gemütlich. Sie sind nicht mehr „meine“ Originale, aber sie sind eine stimmige Modernisierung der klassischen Optik.

Die Geschichte

„Die Trabantenstadt“ ist vielleicht nicht das beste Asterix-Album, aber als sich die Filme-Macher gefragt haben, welche Geschichte sie als Vorlage heranziehen sollten, blieb ihnen gar keine andere Wahl. Der aktuelle Asterix ist ein Kommentar auf zahlreiche Probleme der Gegenwart, geprägt durch Wirtschaftskrise, Gentrifizierung, „Clash of Cultures“ und ausbeuterischen Kapitalismus. Großartig die Szene, in der die Sklaven sich die Freiheit erpressen: Als Belohnung für ihre Arbeit verlangen und bekommen sie je eine Wohnung, bis der Senator aus Rom kommt und sie darüber informiert, dass sie natürlich Miete zahlen müssten – und sie als Arbeiter einstellt. Kaum befreit, wird aus den Sklaven die ausgebeutete Arbeiterklasse.

Die Geschichte wurde 1971 zuerst veröffentlicht und hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Man kann das gesellschaftspolitisch erschreckend finden oder sich über die Zeitlosigkeit des Asterix-Bandes freuen. Hier und da eine kleine Aktualisierung und schon wirkt die Geschichte wie just für den Film ersonnen.

Die Anspielungen

Asterix war schon immer ein Heft für Kinder. Es gibt einen Helden, den besten Freund des Helden, den Hund des besten Freundes des Helden. Gemeinsam bestehen sie Abenteuer, sind moralisch integer und feiern ihren Erfolg mit einem großen Festmahl. Die Fronten sind klar: Asterix ist der Gute, es gibt eine unterdrückte Figur, der geholfen wird und die Römer sind die leicht trotteligen Bösen. Dazu gibt es allerlei Keilerei.

Gleichzeitig war Asterix schon immer ein Heft für Erwachsene: Bissige Gesellschaftskritik, satirische Anspielungen auf aktuelle Probleme, Karikaturen realer Personen. „Asterix im Land der Götter“ entscheidet sich – vor Allem der Optik geschuldet – dafür, vor Allem ein unterhaltender Kinderfilm zu sein, aber er ist sich dennoch seiner Tradition bewusst. Auch wenn die Gallier niedlich sind, die Geschichte selbst hat es in sich.

Hinzu kommen die zahlreichen Anspielungen, die das Fanherz höher schlagen lassen. Ich denke nicht, dass ich sie alle entdeckt habe, aber die Macher des Films haben sich alle Mühe gegeben, dem erwachsenen Asterix-Fan etwas zu bieten. Sei es, dass

  • die Trabantenstadt ähnlich errichtet wird wie der Palast in „Asterix und Kleopatra“,
  • die Gladiatoren sich als Pro Wrestler geben
  • Römer zu „An der schönen blauen Donau“ durch die Luft fliegen
  • Obelix zu King Kong und Miraculix zu Gandalf wird
  • es einen Legionär namens „Anus“ gibt

In jedem dieser Fälle kann der erwachsene Zuschauer kurz auflachen und sich an der Anspielung erfreuen. Oder er lacht laut auf, als der ehemalige Sklave und Bauarbeiter dank einer Umschulung plötzlich römischer Legionär ist.

Fazit

„Asterix im Land der Götter“ schlägt einen leichten Ton an, geißelt vordergründig vor Allem die Dekadenz des Großstadtlebens. Das ist die einfache Geschichte für die Kinder. Aber hinter sehr viel herzerwärmendem Zuckerguss verbirgt sich handfeste Sozialkritik, genau das, was Asterix schon immer geleistet hat. Ich wünsche mir mehr davon, denn der Sprung vom Zeichentrick zur Animation ist hervorragend geglückt.

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7 Kommentare zu „Besprechung: Asterix – im Land der Götter

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