Die dieswöchige Montagsfrage befasst sich mit vorbestellten Büchern. Dazu kann ich nichts sagen, ich habe keine Bücher vorbestellt. Deshalb mache ich mit dem Proust-Fragebogen weiter. Beim letzten Mal habe ich schon deutlich gemacht, dass ich es nicht mit Heldenverehrung historischer Figuren habe. Wahre Held*innen gibt es nur in der Fiktion. Dementsprechend habe ich auch keine Held*innen in der Wirklichkeit.

Das ist aber nur zur Hälfte wahr. Meine Chefin ist für mich eine Heldin, weil sie auf ihr Mitarbeiter*innen nichts kommen lässt. Sie kämpft für sie, fördert jede gute Idee, beschafft Gelder, sorgt für kreative Freiräume und hält jedem und jeder von uns den Rücken frei, wenn es zu Problemen kommt und das berufliche Engagement zur zusätzlichen Belastung zu werden droht. Wir danken es ihr alle, auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, von so viel Energie erdrückt zu werden. Aber dann, nachdem sie uns eine neueIdee präsentiert hat und wir einen Augenblick der Besinnung hatten, die Möglichkeiten durchdenken können, dann steckt uns ihre Kraft und Motivation an, all unsere Energie in ihre Ideen zu stecken. Und das macht meine Kolleginnen auch zu Heldinnen.
Ebenso sind meine ehemaligen Kolleg*innen aus der Pflege heldenhaft. Sie haben einen anstrengenden und fordernden Job, aber sie lieben ihn. Auch wenn sie am Ende einer Schicht völlig erschöpft sind, reagieren sie dennoch liebevoll auf den überzogen wirkenden oder zeit- und kraftraubenden Sonderwunsch jedes Bewohners, jeder Bewohnerin. Manchmal sind sie ein wenig ruppig im Umgang miteinander, aber niemand steht das Pflegeprogramm nur nett und freundlich durch. Wenn man das weiß, nimmt man solche Reaktionen nicht krumm. Und eine Stunde später spricht man notfalls nochmal drüber und dann kann man gemeinsam lachen.
Mutter Zeilenende müsste ich eigentlich auch nennen, sie ist schließlich meine Mutter. Aber es gilt ja ohnehin: Mutter > Heldin. Feuerwehrmänner, Polizisten? Sicher, ja. Fürs Heldenhafte fehlt mir da der konkrete Lebensbezug. Deshalb kann ich nicht so begeistert über sie schreiben. Im Alltag findet man deshalb viele kleine Held*innen, sobald man die Ansprüche an den Begriff herunterschraubt. Auch wenn niemand konkret perfekt ist, meinen Heldinnen und Helden würde ich zumindest jederzeit ein symbolisches Denkmal setzen, nur Held*innen mag ich sie nach wie vor nicht nennen, der Begriff ist auch eine Bürde.


So sehen Helden auch aus

2 Kommentare zu „Proust-Fragebogen: Wer sind Ihre Lieblingsheld*innen der Wirklichkeit?

  1. Also ich persönlich finde ja das, wenn es um Berufe geht, die Pfleger/innen ganz weit vorn stehen in der Heldenriege – und das sage ich nicht nur weil ich selber mal eine war 😉 oder vielleicht sage ich es gerade weil ich mal eine war….denn die Abläufe dort sind mir nur zu vertraut….

    Die Strukturen in diesem Bereich sind alles andere als optimal….der / die einzelne pflegt andere bis zur eigenen Grenze der Belastbarkeit, und weit darüber hinaus. Ist jemand krank schaffen die anderen für ihn / sie mit, sind somit noch mehr belastet….können aber diese Über-stunden nicht abfeiern, da sie weiter in dieser Maschinerie miss- oder gebraucht ( da bin ich mir manchmal nicht ganz sicher ) werden. Und schwupps hat der / die nächste Urlaub und alle anderen treten wieder ordentlich das Hamsterrad an, damit es in Bewegung bleibt….

    Und durch meinen kürzlichen Krankenhausaufenhalt habe ich mit Schrecken beobachtet wie symptom-fixiert jede! Schwester gearbeitet hat….jedes gute, persönliche Wort wurde meistens schon im Ansatz erstickt, weil die Schwester weiterhuschen musste. Die eine Schwester schaffte es mehr, die andere weniger es beseelt rüber zu bringen….

    Das Dauergetute nach der Schwester auf dem Flur konnte ich nur schwer ignorieren…als ehemalige Pflegerin bin ich darauf konditioniert darauf zu re-agieren…von daher fiel es mir nur sehr schwer es zu ignorieren…

    Jede dort tätige Person lebt also mit diesem Dauergetute….eine ganze Schicht lang….das man da abstumpft, nebst der Überforderung jedes Tuten abzuarbeiten, ist absehbar….und äussert sich darin das Menschen, die um Hilfe klingeln ewig warten müssen bis jemand nach ihnen schaut….

    Ich hatte direkt nach der OP mal geklingelt, in etwa Dringlichkeitsstufe 3,5 ;-), hörte dann eine Stimme aus der Anlage was denn sei….nach kurzer „HUCH….was ist das denn Starre“ teilte ich dem Apparat mein Anliegen mit….womit plötzlich wieder die Stimme kam „Ich versteh sie so schlecht…“….und das war dann auch für lange lange Zeit das letzte was kam…mittlerweile hatte ich mein Anliegen schon selbst mühsam gelöst…

    Was um himmelswillen ist da los in einem Bereich wo es um die Pflege von Menschen geht, die dies kurzfristig ( Krankenhaus ) oder langfristig ( Pflegeheim ) nicht selbst können…

    Wie kann es sein das Personal selbst out-burnt, nur um andere zu pflegen….wie kann es sein das so etwas nach wie vor in dieser kurzfristigen Denke gefangen ist…warum ist es nicht möglich Personal ressourcenschonend einzusetzen, so das der einzelne langfristig einsetzbar und willens ist….was sind das für Institutionen, die sich in Rankings und weichgespülten Bewertungen bewegen, derweil das Personal psychisch und physisch überlastet ist…..

    Ich setze mal lieber kein Fragezeichen hinter meine Gedanken….denn Antworten darauf wird es nie geben….

    Sodeli….und nun habe ich mir soviel Mühe gegeben im Formulieren des Kommentars das ich ihn selbst posten werde….denn auch das ist ein Thema, was mir am Herzen liegt….also liebster Zeilenende: den nächsten Beitrag von mir in den News darfst Du gern ignorieren….oder ihn als Deja Vu nochmals lesen 😉

    Gefällt 2 Personen

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