Vulgärhegelianismus zur Nacht

Ich habe manchmal, wenn ich meinen Blog so lese, das Gefühl, ich habe eine Persönlichkeits-Störung. Wer denkt noch so? Bitte alle mal die Hand heben, die das denken. Und nein, ich habe kein G36 hinter dem Rücken, das streut nicht genug, um euch alle zu erwischen.

Okay, zurück zum Ernst des Lebens. Ich kann ja Beides, sowohl das Alberne als auch das Ernste, aber grundsätzlich schließt sich Beides nicht aus. Das Leben ist so ernst, dass man es nur leicht nehmen sollte, denn sonst geht man drauf. Ritaschreibt hat einen Beitrag über Masken geschrieben und ich habe geschrieben, dass unsere Masken das sind, was uns ausmacht. St. Moonlight hat mich für den Liebster-Award nominiert, meine Paradedisziplin: Selbstdarstellung. Eine meiner Masken. Neulich auf der Arbeit: Verständnisvoller Zuhörer wegen Problemen mit der Tochter. Eine Maske. Eine Bewohnerin, die seit Tagen mit einem steifen Nacken nur rumliegt und von mir zu hören bekommt, das passe, sie sei ja häufig ein wenig steif… Aber warum in drei Teufelsnamen habe sie nun einen Besen verschluckt? Sie lacht, weil sie zu den alten Menschen gehört, die mein Motto teilen. Zeilenende, der Quatschmacher. Eine Maske. Zeilenende überhaupt sind gleich mehrere Masken, der zudem seinem Personal Masken überstülpt. Egal ob A., die hier die Maske der Stalkerin trägt oder Bruderherz, der die Maske des Ekels trägt.
Ganz schön viele Masken, oder? Dann ist da Zeilenende, der Kaffejunkie, Zeilenende der Brotbäcker, Zeilenende der knallharte Realist und Zeilenende der Träumer. Habe ich also eine Identitätskrise? Ich bin heute in Fragezeichenlaune, vielleicht weil ich die Rätselmaske aufhabe. Aber mal ehrlich, ist das so schlimm? Wenn wir alle die Masken abnehmen, bleibt nicht mehr viel, daran glaube ich fest. Es ist nicht so, dass die Welt ein besserer Ort wird, wenn wir ehrlicher zu uns und anderen sind und es gilt auch nicht das Gegenteil: Die Welt wird nicht schlimmer, wenn wir uns schonungslos die Wahrheit sagten. Wir würden uns nicht ständig gegenseitig verletzen, weil nichts da ist, was verletzt werden kann.
Ohne die Anderen sind wir nichts, das Ich konstituiert sich immer am Anderen, es braucht ein Du, von dem es sich abgrenzen kann. So zumindest lässt es sich bei Hegel verstehen. Aber wenn der andere keine Maske trägt, keine Funktion hat, wie sollen wir uns von ihm unterscheiden? Wenn jeder von uns bloß „ich“ ist und sich nicht bereit erklärt, auch ein „du“ zu werden, wo kommen dann die „ichs“ her? Sobald das andere „ich“ zum „du“ wird, ist es Funktionsträger. Dann maskieren wir es, wie uns das andere ich maskiert. Masken sind damit wichtig, lebensnotwendig, ein Grundmodus unserer Existenz. Sicher, Masken können zur Belastung werden. Dann gilt es sich von der einen oder anderen zu trennen. Aber ich möchte keine meiner Masken missen.

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4 Kommentare zu „Vulgärhegelianismus zur Nacht

  1. Nein! Du hast keine Persönlichkeitsstörung – vielleicht aktuell gerade eine leichte Schreibschwäche ( und dabei mal ein s für das w da lass ) aber sonst ist alles gut 😘

    Ich persönlich würde Maske gerne gegen Rolle austauschen….und derlei haben wir Menschen viele, die uns zugedacht sind 😊

    Allein am Beispiel einer Mutter sieht man schon deutlich was ( wen ) sie alles verkörpert….als da wäre Ehefrau, Köchin, Krankenschwester, Taxifahrerin, Lehrerin, Psychologin, Waschfrau,……und das ist gut so….

    Das schöne: man lernt immer wieder neue Facetten an sich kennen und somit neue Rollen 😊

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    1. Oh wie peinlich, danke für den Hinweis. Ist beseitigt. Daran erkennt man die Texte, die am Tablet entstanden sind: S und W liegen dummerweise knapp beisammen. Und danke für den Zuspruch. Ich war vor lauter Masken nicht mehr sicher, welche mir gehört. *g*
      Der Rollenbegriff trägt weiter, ja. Das ist auch eher mein Begriff, weil er umfassender ist. Ich habe die Maske genommen, weil sie der Ausgangspunkt war. Die Rolle bietet uns Identitäten an. Und Ich ist letztlich die Kunst, die Rollen in Balance zu bringen. Sich durch die Rollen zu definieren und der Schauspieler zu sein … Ohne zu vergessen, dass der Schauspieler ohne Rolle kein Schauspieler mehr ist.

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